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Weiterbildungsland Schweiz

Teil 2: Die privaten Anbieter

Als Zwingli, Vadian und Calvin Mitte des 16. Jahrhunderts in weiten Teilen der Eidgenossenschaft die Reformation einführten, legten sie einen Grundstein für den Wohlstand des Landes. Wie die Niederländer und Engländer, waren auch die reformierten Schweizer davon überzeugt, daß sich Gottes Wohlgefallen vor allem in weltlichem Erfolg zeige. Einen sicheren Platz im Himmel konnte also vor allem jener erhoffen, der sich durch Fleiß und Arbeit auszeichnete. Die Verantwortung des Individuums für das eigene Wohlergehen ist auch heute noch eine Grundhaltung, welche die Schweiz mit den angelsächsischen Ländern verbindet. Ihren politischen Niederschlag fand diese Einstellung im Liberalismus. Schon im letzten Jahrhundert, als in Deutschland, Österreich und Frankreich noch Monarchen regierten, wurden die Geschike des Landes von einer freisinnigen (liberalen) Regierung gelenkt, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft rigoros ablehnte. Das Motto 'Weniger Staat' erwies sich auch hundert Jahre später noch als zugkräftig genug, um der Freisinnigen Partei die Beteiligung an der Regierung zu sichern.


In einem Land, dessen Wirtschaft trotz der sich abzeichnenden europäischen Einigung noch immer von privatwirtschaftlichen Kartellen und Preisabsprachen gekennzeichnet ist, hat man Grund zur Vermutung, daß auch der Dienstleistungsbereich weitgehend eine Domäne der Privatwirtschaft ist. Kaum verwunderlich, daß die schweizerische Bildungslandschaft weitgehend von nichtöffentlichen Anbieten beherrscht wird. Dies steht im scharfen Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo ein mehr oder minder harmonisches Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern vorhanden ist. Die erste Gruppe - wie beispielsweise die Industrie- und Handelskammern, die regionalen Bildungswerke und das RKW - sorgen mit ihren preisgünstigen Angeboten für eine breite 'Weiterbildungs-Grundversorgung'; in den oberen Marktsegmenten geben private Institute den Ton an. Die zahlreichen Institute und Trainer, die sich in der Schweiz um weiterbildungswillige Manager bemühen, lassen sich schwer unter einen Hut bringen. Zu unterschiedlich sind Trägerschaft, Kursinhalte und Methodik, als daß homogene Anbieterstrukturen erkennbar wären. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, muß zuerst einmal Transparenz in das 'Bildungsdickicht' gebracht werden. Dabei greifen wir auf ein Typologisierung zurück, die anläßlich einer Untersuchung unseres Hauses über das Wettbewerbsverhalten von Anbietern überbetrieblicher Management-Seminare entwickelt wurde. Sie skizziert fünf Normstrategien, denen Weiterbildner typischerweise folgen…

Michael Schade, Marek Lochman

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