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Wahre Worte

Moralisches Missverständnis

Ulf D. Posé ist Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Für managerSeminare wirft er in seiner Kolumne 'Der ethische Kompass' regelmäßig einen kritischen Blick auf unser tägliches Handeln in Wirtschaft und Beruf, hinterfragt die Normen, die uns dabei leiten, und stellt allgemein akzeptierte Wertvorstellungen auf den Prüfstand.

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Alle sind für Nachhaltigkeit. Gerechtigkeit? Klar! Und natürlich sind Werte ganz wichtig. Aber was heißt das eigentlich genau? Wir verwenden ständig Wörter, deren Bedeutung klar zu sein scheint, unter denen aber jeder etwas anderes versteht. Was genau ist Nachhaltigkeit? Ist sie sozial, ökonomisch oder ökologisch? Was bedeutet sie konkret für das Unternehmen? Unsere Sprache ist ungenau geworden. Mehr noch: Wir sind sprachinkompetent geworden, denn wir haben vergessen, welche Begriffe den Wörtern zugrunde liegen, mit denen wir um uns werfen.

Wörter und Begriffe sind zwei grundverschiedene Dinge. Kleinkinder kennen noch keine Wörter. Aber von Geburt an sind sie von Begriffen umgeben. Sie wissen zwar nicht, dass ein Schnuller Schnuller heißt, haben jedoch recht bald eine Vorstellung von einem Schnuller. Sie wissen, was das Wesen eines Gegenstandes ausmacht. Sie haben einen Begriff. Erst ab Mitte des 2. Lebensjahres erlernen sie die Wörter, mit denen sie die Begriffe bezeichnen können, die sie längst erfasst haben. Anders gesagt: Kinder wachsen zunächst mit Denkzeichen auf, die Sprachzeichen lernen sie erst später.

Das Problem: Im Laufe des Lebens lernen wir so viele Sprachzeichen, dass es mühsam und vielen Menschen auch gleichgültig ist, die dazu notwendigen Denkzeichen zu beherrschen. So geben wir uns allzu oft mit Worthülsen zufrieden. Da die Begriffe verloren gegangen sind, suchen wir nach einem Ersatz: unsere Gefühle. Im gleichen Maß, wie Wörter Inhalt verlieren, laden wir sie mit Emotionen und Meinungen auf. Die Folge daraus ist tragisch oder zumindest komisch: Wir wissen nicht mehr, was die Wörter bedeuten, nutzen sie jedoch, um andere zu überzeugen und unser Handeln daraus abzuleiten.

(Ulf D. Posé)
Quelle: managerSeminare 177, Dezember 2012, Seite 37 - 37 , 4050 Zeichen
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