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Ulf D. Posé ist Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Für managerSeminare wirft er in seiner Kolumne 'Der ethische Kompass' regelmäßig einen kritischen Blick auf unser tägliches Handeln in Wirtschaft und Beruf, hinterfragt die Normen, die uns dabei leiten, und stellt allgemein akzeptierte Wertvorstellungen auf den Prüfstand.
Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen möchte ein anderes übernehmen. Der Vorstandsvorsitzende ist sich seiner Sache absolut sicher. Er überzeugt den Aufsichtsrat, die Übernahme geschieht in aller Eile – und wird ein gewaltiger Flop. 'Ich übernehme die volle Verantwortung', sagt der Vorstandsvorsitzende. Er schlägt vor: Personalabbau, Kauf eines weiteren Unternehmens sowie Maßnahmen, um Synergieeffekte zu erreichen. Von persönlichen Konsequenzen sagt er nichts. Niemand im Aufsichtsrat kommt auf die Idee, zu fragen: 'Worin drückt sich den nun konkret Ihre Verantwortungsübernahme aus?' Solche Verantwortung ist reine Verbalakrobatik.
Dass wir selbst für uns verantwortlich sind, ist für uns so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken, was das bedeutet. Dabei ist es oft so, dass wir Verantwortung delegieren: Der Herrgott soll´s richten, die Umstände sind schuld, der Chef, die Märkte, die Kunden. Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg keinen.
Doch es gibt Menschen, die sich nicht vor Verantwortung drücken. Wer sich verantwortlich zeigt, verzichtet zum Beispiel auf Ausreden, die kleinen Schwestern der Lüge. Ausreden, die der Höflichkeit dienen, kann ich jederzeit akzeptieren, Ausreden, die dazu dienen, sich selbst und anderen etwas vorzugaukeln, sind gefährlich. Das fängt damit an, dass wir Probleme nicht lösen, weil wir behaupten, wir seien nicht zuständig oder könnten sowieso nichts daran ändern. Ausreden sagen meistens: Die Schuld tragen die anderen.
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