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Mehr Gefühl im Change-Prozess

Emotionsmanagement

Es sind längst nicht nur technische und strukturelle Fragen, die in Change-Prozessen eine Rolle spielen. Genauso wesentlich sind die Emotionen der Mitarbeiter. Sie sind das Zünglein auf der Waage, das über Veränderungserfolg oder -misserfolg entscheidet. Umso erstaunlicher: “Emotionsmanagement” ist noch immer ein Fremdwort.


Es war kein Geringerer als der berühmte Soziologe und Organisationstheoretiker Max Weber, der das Ideal moderner Organisationen am Anfang des vorigen Jahrhunderts so beschrieb: “Der ideale Beamte waltet seines Amtes ohne Hass und Leidenschaft, daher ohne Liebe und Enthusiasmus.” Übersetzt bedeutet die Beschreibung Webers nichts anderes als das Gebot: “Während der Arbeit darf nicht gefühlt werden.”

Und dieser Grundsatz scheint auch heute noch in vielen Organisationen zu gelten. Fragt man Führungskräfte und Top-Manager, geben sie gerne zu Protokoll, dass ihr Handeln nicht wesentlich durch Gefühle und Befindlichkeiten beeinflusst ist. Zahlen, Daten, Fakten oder Strategien - ja! Aber aber Emotionen? Die werden von vielen eher als irrational, störend und hinderlich angesehen. Von den Mitarbeitern wird in erster Linie erwartet, dass sie funktionieren. Emotionen sollten möglichst am Firmentor abgegeben werden. Oder wie ein Personalvorstand einmal im guten Glauben, etwas Vernünftiges getan zu haben, sagte: “Die emotionale Beziehungsebene habe ich in diesem Unternehmen ausgemerzt.” In Sachen Emotionsmanagement herrscht offensichtlich in vielen Unternehmen Deutschlands Ratlosigkeit bis hin zur Naivität.

Dabei ist die These, dass der Soft-Faktor “Emotion” in Unternehmen keine Rolle spielt, alles andere als realistisch. Ja, sie ist geradezu irrational. Denn Emotionen gehören zum Leben, wie die Luft zum Atmen. Psychologen, Soziologen und Neurobiologen gehen neuerdings sogar davon aus, dass die Gefühle für unser Leben das bestimmende Leitmotiv sind. Ob wir uns ein Auto aussuchen oder einen Mitarbeiter, wir über Filme Werturteile abgeben oder Börsenzahlen beurteilen - immer schwingt die Emotion mit, immer ist unser Denken und Verhalten davon berührt. “Ich fühle, also bin ich” ist die moderne Antwort auf die These Descartes' “Ich denke, also bin ich”.

Extras:

  • Typische Führungsfehler im Umgang mit Emotionen.
  • Systemisches Fragen: So fördern Führungskräfte die Selbstkompetenz ihrer Mitarbeiter.
  • Rollen im Change-Management: In welchen Rollen die Führungskraft die Emotionen der Mitarbeiter managen kann.
  • Buchtipps: Kurzrezensionen von sieben Büchern zum Thema Emotionen.

Raimund Schöll

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