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Schrei mich nicht an!

Die Kunst des Kritisierens

Wer Lob verteilt, erntet ein strahlendes Lächeln. Wer Kritik äußert, stößt bei seinen Mitmenschen häufig auf Abwehrhaltung und Ausflüchte. An negativen Rückmeldungen kommen Führungskräfte im Arbeitsalltag nicht vorbei. Sie können jedoch darauf achten, in Kritikgesprächen den richtigen Ton zu treffen.


So bergen Spontanreaktionen zum Beispiel die Gefahr eines Wutausbruchs einer persönlich betroffenen Führungskraft, erklärt Inge Glatz, Trainerin und Beraterin beim hr Team, Böblingen. Ratsam sei es daher, vor dem Kritikgespräch Abstand zu gewinnen und sich in die Situation des Mitarbeiters zu versetzen. Das führt ihrer Ansicht nach zu einem Perspektivwechsel, der hilft, die Situation emotionsfrei zu bewerten.

Trägt die Führungskraft ihre Kritik dem Mitarbeiter vor, kommt es längst nicht nur darauf an, dass ihre Situationsbeschreibung sachlich richtig ist. 'Die meisten Konflikte entstehen nicht auf der Sachebene”, führt Dr. Rolf Gilbert Geschäftsführer der WestLB Akademie Schloss Krickenbeck, Nettetal, aus. Es gehe eher um zwischenmenschliche Belange wie Macht, Einfluss oder Konkurrenz. Das sollte eine Führungskraft gerade beim Kritisieren bedenken. Gegenseitiger Respekt ist die Basis für eine partnerschaftliche, erfolgreiche Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, darin sind sich die Experten einig.

Nicht-zuhören-können ist laut Gilbert der häufigste Kommunikationsfehler von Führungskräften. Manche Vorgesetzte seien so sehr davon überzeugt, dass allein ihre Ansichten richtig und wichtig sind, dass sie den Mitarbeiter gar nicht mehr wahrnehmen oder ihn bestenfalls als Stichwortgeber für weitere Monologe ernst nehmen würden. Gilbert empfiehlt Vorgesetzten daher, darauf zu achten, möglichst viele offene Fragen zu stellen, da sie dem Antwortenden die Möglichkeit bieten, zu argumentieren.

Führungskräfte, die sich nicht unvorbereitet in das nächste Kritikgespräch stürzen möchten, können ihr Kommunikationsgeschick in Seminaren überprüfen. Bei der Analyse von Rollenspielen, die häufig auf kritischen Situationen aus dem Arbeitsalltag beruhen, werden die Führungskräfte auf ihre Kommunikationsfehler hingewiesen. So kann jeder die Grundmuster herausarbeiten, nach denen er agiert, ob er beispielsweise harmoniesüchtig und konfliktscheu ist oder eher zu aggressivem Verhalten neigt.

Die mustergültige Lösung für alle Gespräche gebe es nicht, meint Lothar Diete, Leiter Produktmanagent bei der Akademie für Führungskräfte, Bad Harzburg. Vielmehr müsse jeder seinen eigenen Stil finden, mit dem er Gespräche partnerschaftlich führen kann. 'Denn Echtheit kommt an”, so Diete weiter, 'je authentischer ich bin, desto besser kann ich beim Mitarbeiter andocken.”

Extras:

  • Übersicht: Kommunikations-Todsünden
  • Info-Kasten: Kennzeichen guten Feedbacks
  • Buchtipp: Drei Kurz-Rezensionen zum Thema Kommunikation.
  • Leserbefragung: Was die Leser von managerSeminare über die Kommunikations-Skills von Führungskräften denken.

Maren Kebbel, Andrea Bittelmeyer, Nicole Bußmann

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