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Weiterbildung während und nach der Krise

Sie hatte offenbar überrascht: die Pressemitteilung von managerSeminare über ihre Online-Befragung der Weiterbildner zum Krisenempfinden. Die Süddeutsche berichtete 'Weiterbildner bleiben trotz Krise optimistisch', das Wirtschaftsmagazin Cash titelte 'Finanzkrise befeuert Trainerbranche'. 152 Weiterbildner hatten ihre Meinung zu den Auswirkungen der Krise auf ihr Geschäft kundgetan. Die Einschätzungen der Trainer zeigten: Die Wirtschaftskrise muss nicht zur Weiterbildungskrise werden.

Für diese Zuversicht gibt es gute Gründe. So zeigt zum Beispiel die Bundesregierung wieder stärkeren Gestaltungswillen in Sachen Weiterbildung. Sie hat die Weiterbildungsbranche in das Entsendegesetz aufgenommen: Der Mindestlohn soll prekäre Arbeitsverhältnisse der für die Bundesagentur für Arbeit tätigen Trainer vermeiden helfen und damit für bessere Qualität in den SGB-Maßnahmen sorgen. Und die Regierung setzt auf Weiterbildung, um die konjunkturelle Flaute zu überbrücken: Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt sie Facharbeiter, die sich während Phasen von Kurzarbeit weiterbilden wollen.
 
Positives kommt auch von einem anderen Teil der Weiterbildner: von der Fernlernbranche. Die Lehrinstitute profitieren momentan direkt von der Krise, sie berichten von deutlich gestiegenen Anmeldezahlen. Der Grund: Viele Angestellte versuchen, sich durch Qualifizierung attraktiv für den Arbeitsmarkt zu halten – entweder um im Falle einer Kündigung schnell wieder in Lohn und Brot zu kommen oder eben erst gar nicht entlassen zu werden. Was unter dem Stichwort Employability schon lange gefordert wurde, wird jetzt Realität: Die Arbeitnehmer als Unternehmer in eigener Sache investieren in ihre Arbeitskraft.

Dass die Nachfrage von Einzelpersonen nach Weiterbildung steigt, könnte also eine Folge der Krise sein. Eine mögliche weitere: ein gleichzeitiger Rückgang der Nachfrage durch die Unternehmen. Sinkende Investitionen von Firmenseite in die Weiterbildung erwarten zumindest 59 Prozent der online von managerSeminare befragten Trainer. Weiterbildung hat einen kurzen Bremsweg, das weiß die Branche spätestens seit der Krise im Jahr 2001. Und dass die Unternehmen aus dieser Zeit gelernt haben könnten? Das möchte man ohnehin wünschen. Wahrscheinlicher jedoch als das Fortführen der heutigen Qualifizierungspraxis ist eine stärkere Selektion der Zielgruppen für Weiterbildung. Zielgenaue Qualifizierung heißt das Schlüsselwort, Coaching heißt das Format. Sowohl die Weiterbildungsanbieter selbst als auch die Unternehmen rechnen mit einem Bedeutungszuwachs dieser Qualifizierungsform, wie die Trendanalyse, die der Verlag managerSeminare jährlich durchführt, zeigt.
 
Die Wirtschaftskrise muss nicht zur Weiterbildungskrise werden, sie kann aber zur Existenzkrise einzelner Weiterbildner werden. Denn eines ist bereits absehbar: Die Krise wird die Weiterbildung wandeln.

Autor(en): (Nicole Bußmann)

Link zu Nicole Bußmanns Blog ...


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