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Virtual Classrooms: Alles außer Anfassen

Immer noch stoßen virtuelle Lernräume bei Trainern und Unternehmen auf Skepsis. Schuld daran sind der unüberschaubare Markt, die Komplexität des Themas – und nicht zuletzt die Unkenntnis der Anwender. Dabei eröffnen die Online-Tools spannende Möglichkeiten für die Weiterbildung. Die Fachtagung 'Virtuelle Räume' zeigte, welche. Wer beim Titel der Veranstaltung 'Virtuelle Räume' erwartet hatte, in spektakuläre Simula-tionswelten einzutauchen, wurde überrascht. Denn das, was am 7. Juli 2010 in den Räumen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zu sehen war, unterschied sich kaum von Ansichten, die jedes Webkonferenz-Tool bietet: Eine zentrale Präsentations- und Arbeitsfläche, garniert mit ein paar Buttons und je einem Feld für Text-Chat und Webcam-Bilder. Doch hinter der unscheinbaren Optik verbirgt sich ein leistungsfähiges Lern-Tool. Mit einem Imageproblem.

Virtual Classrooms (VC) gehören längst zum Schulungsstandard – und verwirren doch noch viele Trainer. Webinar, Online-Seminar, E-Training: schon die Bezeichnungen der VC-Lernformen sind alles andere als transparent. Hinzu kommt die häufige, aber falsche Gleichsetzung mit 3D-Spiele-Welten à la Second Life. Hier aufzuklären, war das Ziel der Veranstaltung 'Virtuelle Räume – Lernräume der Zukunft', zu der der neu gegründete Berufsverband Online-Bildung (bvob) und das E-Learning-Netzwerk D-ELAN nach Bonn geladen hatten. Die Referenten: Online-Trainerin und bvob-Vorstandsmitglied Inga Geisler, die E-Learning-Pionierin Lore Reß und Web-Moderatorin Katja Königstein. Zusammen beleuchteten sie die technischen und didaktischen Möglichkeiten virtueller Lernräume – und warben für die ihrer Meinung nach zukunftsträchtige Technik. 

Interaktiv, synchron, betreut

'Im virtuellen Lernraum kann man alles machen, außer Anfassen', so Inga Geisler. Die Online-Trainerin hält die Berührungsängste, die viele potenzielle Anwender vor der Technik haben, für unbegründet: 'Sie basieren meist nicht auf technischen Mängeln, sondern auf Unkenntnis.' Was genau Virtual Classrooms sind und von anderen Lernformen unterscheidet, macht Geisler vor allem an einem Wort fest: 'Wesentliches Merkmal ist, dass Lernen im virtuellen Raum synchron stattfindet.' Das heißt, dass Teilnehmer live interagieren können – mit dem Trainer oder untereinander. So sollen Aspekte des Präsenztrainings ins kostengünstige E-Learning übertragen werden:

  • Die Lektionen im VC sind nicht durch ein Autorensystem festgelegt, sondern können vom Trainer jederzeit dem Lernbedarf der Gruppe angepasst werden.
  • Nachfragen der Teilnehmer sind jederzeit möglich und verbessern so Spektrum und Tiefe der Wissensvermittlung.
  • Interaktion und das soziale Feedback der Lerngruppe sorgen für eine viel direktere Motivation der Trainees als bei herkömmlichem E-Learning.
  • Durch die Möglichkeit, am Arbeitsplatz an Webinaren teilzunehmen, ist schneller Praxistransfer möglich.
 
Umfangreiche Werkzeugpalette

Für eine gute Einbindung der Teilnehmer sorgen zahlreiche Werkzeuge, die sich am 'realen' Seminar orientieren. Elementar ist dabei die audiovisuelle Echtzeitkommunikation: denn der wichtigste Informationsträger im VC ist das gesprochene Wort. Wie im Präsenzseminar kann sich jeder Teilnehmer am Gespräch beteiligen. Allerdings können Trainer die Mikrofonfreigabe steuern, etwa um bei größeren Webinaren oder E-Vorlesungen Durcheinander zu vermeiden. Die Teilnehmer ihrerseits melden sich per Mausklick zu Wort. Zusätzlich sorgen Webcams für ein Gefühl unmittelbarer Interaktion. Ebenfalls der Live-Kommunikation dient der Text-Chat. Er ist vor allem als Rückmeldungskanal wichtig, auch bei abgeschaltetem Mikrofon. Viele VC-Produkte bieten auch Feedback-Buttons, mit denen sich durch einen Klick Verständnis oder Zustimmung signalisieren lassen. Wichtigste Arbeits- und Präsentationsfläche ist das Whiteboard, die virtuelle Entsprechung  zum Flipcharts. Je nach VC-Software kann das Whiteboard von allen Teilnehmern beschrieben werden oder nur vom Trainer. Weitere Funktionen wie Umfrage-Tools oder Wissenstests komplettieren das Werkzeugset.

Regeln für Live-Online-Trainer

Um das Potenzial dieser Werkzeuge auszunutzen, müssen Trainer die didaktischen Besonderheiten von Online-Sessions berücksichtigen, so die Referenten. Das betrifft alle Phasen eines Trainingsablaufs:
  • Begrüßung: Eine persönliche Atmosphäre herzustellen, ist online deutlich schwieriger als in Präsenz. Daher raten die Experten, hierfür besonders viel Zeit einzuplanen. Denkbar sind eine Vorstellungsrunde per Webcam, in großen Lerngruppen auch über den Text-Chat. Webmoderatorin Königstein empfiehlt den Einsatz von assoziativen Bildern (Kaffetasse, Laptop, Schildkröte etc.), anhand derer sich die Teilnehmer beschreiben bzw. sich ein Bild voneinander machen können. 'Das hilft, sich einzubringen – und sich zu erinnern', sagt Königstein. Landkarten, auf denen sich die Teilnehmer verorten, vermitteln drüber hinaus ein Bild vom Gruppenganzen.
  • Orientierung: Idealerweise hat schon im Vorfeld eine technische Einführung stattgefunden, sonst ist sie spätestens jetzt Programmpunkt. Die Beherrschung des VC-Tools ist die Voraussetzung für einen Lernerfolg und daher auch eine längere Erklärung wert. Trainer sollten zudem fragen, wo die Teilnehmer inhaltlich stehen – und wo sie hinwollen. So können Online-Sessions von Anfang an richtig ausgerichtet und im Schulungsverlauf nachjustiert werden.
  • Inhaltliche Arbeit: Während des eigentlichen Trainings ist es wichtig, die Teilnehmer immer wieder durch Abstimmungen, Tests, Feedback- oder Fragerunden einzubinden, betonen die Experten. Sonst besteht die Gefahr, dass einzelne Lerner 'abtauchen'. Im Zweifelsfall sollten Trainer zurückhaltende Teilnehmer gezielt ansprechen. 'Im virtuellen Raum läuft nichts einfach so. Man muss es initiieren', sagt Königstein. Für die Webmoderatorin besteht der größte Unterschied zum Präsenztraining darin, dass die nonverbale Kommunikation im virtuellen Raum weitgehend ausfällt und mit anderen Mitteln ersetzt werden muss. Gefühle können etwa mit Emoticons vermittelt werden. Überhaupt komme der Visualisierung im VC eine besondere Bedeutung zu, um dem gesprochenen Wort einen zusätzlichen 'Anker' zur Seite zu stellen.
  • Abschluss: VC-Software erlaubt viele verschiedene Formen von Tests, die schneller und individueller ausgewertet werden können als in realen Seminaren. So können Trainer etwa verschiedene Lerngeschwindigkeiten erkennen und kompensieren.
Fehler vermeiden

Unerfahrene Online-Trainer sollten ihre VC-Projekte besonders akribisch vorbereiten und im Vorfeld sicherstellen, dass die Technik funktioniert, warnen die Referenten. Bei Unternehmensschulungen empfiehlt es sich, die IT-Abteilungen frühzeitig ins Boot holen, denn Kapazitätsmängel, Sicherheitsfragen, Update-Zeiten können ein VC-Projekt schnell kippen. Trainer, die den Einsatz von VC wagen wollen, können kostenlose Demoversionen der verschiedenen Anbieter testen. Die Referenten raten allerdings zu einer speziellen Ausbildung, die die besonderen Anforderungen an Online-Trainer berücksichtigt: VC erfordern beispielsweise eine besonders unmissverständliche Sprache, da die mediale Vermittlung die Verständigung erschwert. Ebenfalls wichtig sind Multitasking-Fähigkeiten, da zur inhaltlichen Arbeit die Bedienung der VC-Software kommt. Königstein: 'Auf jeden Fall brauchen Online-Trainer gute Nerven.'

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Was sind Virtual Classrooms?

  • Virtual Classrooms sind webbasierte Plattformen für synchrones, interaktives und von Live-Online-Trainern betreutes Lernen. Funk-tionsumfang und Nutzererfahrung orientieren sich so weit wie technisch möglich am Präsenztraining.
  • Live-Online-Sessions – so der Sammelbegriff für Webinare, Online-Seminare und E-Trainings – können bis zu 500 Teilnehmer haben, bei mehr als zehn Teilnehmern leidet jedoch die Interaktivität. Häufige Anwendungen sind IT-, Sprach- oder Produktschulungen.
  • Damit Trainer oder Unternehmen VC durchführen können, brauchen sie eine spezielle Software, die als Kauf-, Miet- oder Open-
  • Source-Lösung erhältlich ist. Lerner brauchen zur Teilnahme lediglich einen Rechner mit Internetanschluss, Webcam und Headset.

Virtuelle Werkzeuge

Virtual Classrooms vereinen Webkonferenz- und Kollaborationsfunktionen mit klassischen Trainertools aus der Präsenzlehre. Zu den bekanntesten VC-Lösungen gehören Adobe Connect, Saba Centra, iLinc von Netucate,  die Fraunhofer-Entwicklung Vitero und Webex von Cisco. Die zahlreichen Produkte auf dem Markt bieten ähnliche Werkzeuge, im Detail gibt es aber große Unterschiede. Ein Überblick:

Kommunikation
  • Sprachkommunikation: VC sind Live-Schulungen, Kommunikation ist der entscheidende Unterschied zu klassischem E-Learning. Zur VC-Grundausstattung gehören daher Conferencing-Funktionen.
  • Textkommunikation: Mit dem Live-Chat können Teilnehmer auch bei abgeschaltetem Mikrofon Fragen stellen oder untereinander kommunizieren. Das verbessert insgesamt Interaktion und Motivation.
  • Bildübertragung: Die Webcam ist wichtig, um ein Gefühl der Unmittelbarkeit zu schaffen und Beiträge der Teilnehmer besser zuordnen zu können.
  • 1-Click-Feedback: Buttons oder Ähnliches, mit denen sich mit einem Klick Fragen, Applaus oder sonstige Anliegen markieren lassen.

Arbeiten
  • Whiteboard: Die zentrale Arbeits- und Interaktionsfläche des VC. Malen, schreiben, mindmappen – von allen für alle. Das virtuelle Flipchart-Äquivalent.
  • Applications Sharing: Damit lassen sich Anwendungen auf einem Computer von anderen Teilnehmern steuern und allen sichtbar machen.
  • Tests/Umfragen: Single- oder Multiple-Choice-Aufgaben, Skalen-Fragen oder offene Fragen dienen der Ergebnissicherung und der Teilnehmeraktivierung.

Nachbereitung
  • Dateitransfer: Praktisch, um digitale Handouts zu verteilen, zum Beispiel im pdf-Format. Erspart lästiges Mailen, besonders bei großen Gruppen.
  • Aufzeichnung: Zur Dokumentation und zur Nachbereitung können Online-Sessions aufgezeichnet werden. Auch zu Marketingzwecken nutzbar.
(Quelle: Inga Geisler, Lore Reß; mit Recherchen von Training aktuell)


Interview: 'Online findet echter Praxistransfer statt!'

Die Verkaufstrainerin Franziska Brandt-Biesler weiß, wie es sich anfühlt, nach zehn Jahren Erfahrung im Präsenztraining erstmals ein Live-Online-Seminar durchzuführen. Training aktuell hat mit ihr über ihre Erfahrung gesprochen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, ein Training erstmals online durchzuführen?
Zwei Gründe: Erstens sind Online-Seminare kurzfristig und ohne Reisekosten durchführbar. Zweitens passte es in diesem Fall inhaltlich gut: Es ging um Neukundenakquise – ein Thema, das den Teilnehmern neu war, so dass ich viel Input geben musste.

Was ist daran online-tauglich?
Immer wenn es eher um Informationsvermittlung geht als um Interaktion zwischen den Teilnehmern, sind Online-Seminare gut geeignet. Ein weiterer Punkt sind die kurzen Einheiten. Zum Beispiel konnten die Teilnehmer nach einer kurzen Schulung zum Gesprächseinstieg das Gelernte erst einmal unter Realbedingungen ausprobieren, bevor der nächste Aspekt dran war. So findet echter Praxistransfer statt – zum Teil sogar besser als in Präsenz.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bei Ihrer ersten Live-Session zu kämpfen?
Die erste Herausforderung war die Technik, es braucht seine Zeit, alle ins Boot zu holen und den virtuellen Raum zu erklären. Für mich war es ungewohnt, mit einer Gruppe zu arbeiten, die ich nicht sehen konnte. Da ich die Teilnehmer noch nicht kannte, war es schwer, die Stimmen auseinanderzuhalten.

Wie haben Sie die Unterschiede erlebt von Präsenz- und Online-Trainings?
Man hat keinen Blickkontakt und sieht auch nicht, ob die Teilnehmer bei der Sache sind. Deswegen muss man immer wieder versuchen, sie mit Fragen wach zu halten und einzubinden. Auch der Umgang mit Visualisierungen ist anders. Ich arbeite online verstärkt mit vorbereiteten Folien und Stichworten auf dem Whiteboard, damit die Teilnehmer nichts verpassen. Diskussionen finde ich online schwieriger als in Präsenz und Gruppenarbeiten sind nicht mit jeder VC-Technik möglich.

Was raten Sie anderen Trainern, die ebenfalls den Einstieg in Online-Sessions wagen möchten?
Üben! Es dauert Stunden, die Technik zu erkunden. Testpersonen helfen, die eigene Performance zu verbessern. Sinnvoll sind auch Grafiktabletts oder andere Eingabegeräte für Handschrift. Mit der Maus auf dem Whiteboard zu schreiben, klappt nämlich nicht so gut. Bei Unternehmensschulungen sollten unbedingt alle Führungskräfte informiert sein, damit sie den Trainees auch Zeit und Ressourcen für ihre Hausaufgaben einräumen. Vor allem ist es wichtig, dass die Teilnehmer das Training selbst mitgestalten. Für Trainer heißt das: immer wieder Ziele und Wünsche abfragen.

Für welche Trainer, glauben Sie, lohnt der Sprung ins Netz?
Wer didaktisch gut ausgebildet ist, kann auch online bestehen. Viele Trainer machen das auch schon und nutzen kostenlose Online-Seminare für ihr Marketing.

(Interview: Sascha Reimann)

Autor(en): (Sascha Reimann)


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