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Online Educa 2008: Auf der Suche nach neuen Lernwegen

Stellt die Netzgeneration Lehrende und Trainer vor neue Aufgaben? Um diese – momentan omnipräsente – Frage kreisten viele Vorträge der Online Edcua 2008. Eine eindeutige Antwort fanden die E-Learning-Experten nicht. Zumindest über eine Sache herrschte in Berlin aber Einigkeit: Im Zeitalter von Web 2.0 müssen neue Lernpfade eingeschlagen werden – egal, ob sie für Digital Natives oder Babyboomer angelegt sind.

'Die Online Educa ist ein Phänomen: Jedes Jahr kommen tausende Teilnehmer nach Berlin und bringen spannende, innovative Ideen mit.' Mit diesen Worten eröffnete Dr. Harold Elletson von der britischen New Security Foundation die 14. International Conference on Technology Supported Learning and Training. Für ihn verbreite die Konferenz Jahr für Jahr ein Gefühl von Optimismus – und das sei angesichts momentaner Krisen wie dem Banken-Crash bitter nötig: 'All die Probleme, mit denen die Welt aktuell konfrontiert ist, können durch das, was wir tun, gelöst werden: Lernen und Bildung.'

Elletson beschwor mit seinen Worten den Geist vergangener Konferenzen und machte Lust auf zwei Tage voll spannender Vorträge, mitreißender Redner und innovativer Ansätze. Und aus organisatorischer Sicht war die Online Educa auch wieder ein Erfolg: 2.083 Teilnehmer aus 91 Ländern konnten zwischen über 340 Foren, Workshops und Seminaren wählen. Die Themenpalette reichte von Mobile Learning über Digital Storytelling bis zu Serious Games. Was am 4. und 5. Dezember 2008 in Berlin indes fehlte, waren inhaltliche Augenöffner: Sorgten in den vergangenen Jahren Redner wie der kanadische Lernexperte George Siemens oder 2.0-Kritiker Andrew Keen mit ihren Thesen für Furore, gab es in diesem Jahr keine großen neuen Botschaften.

Schwerpunkt Netzgeneration

Zum inhaltlichen Schwerpunkt hatte das internationale Komitee der Online Educa die Netzgeneration erkoren. Ein Thema, das aufgrund von Don Tapscotts neuem Buch 'Grown Up Digital' und Initiativen wie DNAdigital sehr aktuell ist, aber wenig neue Impulse bot: Bereits auf der Online Educa 2005 hatte Wim Veen von der Delft University of Technology neue Lernmethoden und -möglichkeiten für den Homo Zappiens – so sein Label für die Netzgeneration – eingefordert. Gut drei Jahre später hatten die Lernexperten dem nichts wirklich hinzuzufügen. Im Gegenteil: Das Begriffschaos vergrößerte sich. Worte wie Netzgeneration, Generation Y, Millennials und Digital Natives wurden auf der Online Educa oft synonym verwandt – was sich hinter welcher Bezeichnung verbirgt und wo eventuell Abgrenzungen liegen, diese Fragen mussten die Besucher allein beantworten ...

Ebenso strittig wie der Begriff war die Frage, welche Rolle die Netzgeneration für Lernen und Arbeiten spielt. So stand das Abschlussplenum des ersten Tages unter dem Titel 'Generation Y: More of the Same or a Whole New Species of Learner?'. Moderiert von Donald Clark, seit März 2008 Mitglied des OEB-Organisationskomitees, wurde die Bedeutung der Netzgeneration hinterfragt. 'Was sich verändert hat, ist die Technologie, nicht die Menschen', erklärte Clive Shepherd. Wenn man die sogenannte Net Generation frage, was sie vom Lernen erwarte, fielen Stichworte wie interaktiv, lernerzentriert, authentisch, kollaborativ und on demand. 'Das haben wir uns vor 20 Jahren auch schon gewünscht', stellte der E-Learning-Berater rückblickend fest.

In dasselbe Horn stieß Ton Zijlstra, ebenfalls Redner im Gen-Y-Plenum. 'Wir haben uns in der Schule auch gelangweilt', bestätigte der Wissenschaftsphilosoph aus den Niederlanden Shepherds Einschätzung. 'Heutzutage sprechen die jungen Leute das offen an – das ist der einzige Unterschied.' Die andauernde Diskussion um die Netzgeneration und ihre Bedeutung für die Lern- und Arbeitswelt ist in seinen Augen unergiebig: Die Welt habe sich verändert. Sie biete durch neue Tools, schnellere und bessere Verbindungen ganz andere Arbeits- und Lernbedingungen. 'Wir können überall erreicht werden, selbst wenn wir uns außerhalb der Unternehmensstrukturen bewegen. Wir können Erfahrungen und Inhalte viel einfacher mit anderen teilen', so Zijlstra. 'Die jungen Leute haben sich diesen Veränderungen bereits angepasst, während wir diesen Schritt größtenteils noch machen müssen.' Die Menschen, die den Begriff Generation Y geprägt haben, seien dazu allerdings noch nicht bereit.

Neue Lernwege

Und so kreisten viele Vorträge um die (bekannte) Frage, welche Auswirkungen die veränderten Bedingungen und neuen Technologien auf das Lernen haben. Michael Wesch gelangte in seinem Keynote-Vortrag zum Thema 'The Future of Education' zum Beispiel zu dem Schluss, dass sich das Lernen dank der Web-2.0-Tools komplett verändert hat. Der Kulturanthropologe ist vor allem durch sein Video 'Web 2.0. The Maschine Is Us/ing Us' bekannt und überzeugt: 'Unterrichten mag sich seit 1967 nicht verändert haben, aber Lernen bedeutet mittlerweile: Informationen teilen, kreieren, diskutieren, Verbindungen schaffen.' Seine Quintessenz: Lehrende und Trainer müssen den Lernenden neue Wege bieten, sich Informationen zu nähern und sich mit dem Lernen auseinanderzusetzen – und diese Forderung bezieht er nicht nur auf die Mitglieder der Netzgeneration ...

Wie solche neuen Wege aussehen können, wurde auf der Online Educa anhand mehrerer Beispiele verdeutlicht. Eines präsentierten die Briten Chris Peat und Andrew Stone im Track 'Building Learning Around the Individual': Sie haben eine Umgebung konzipiert, die Web-2.0-Funktionen mit formalem Assessment verknüpft und die sich damit in ihren Augen wohltuend von traditionellen Learning Management Systemen abhebt. Sie bietet Lernenden die Möglichkeit, mit Freunden und Kollegen zu chatten und Fragen, die für ihre Arbeit relevant sind, in ihrem Netzwerk zu diskutieren. „Außerdem kann der Lernende festhalten, woran er gerade arbeitet und somit seine Kompetenzen dokumentieren, ohne dass es zunächst um formelles Lernen geht“, erklärte Chris Peat von Axia Interactive Media. Den Link zum formalen Lernen bildet ein Diagnose-Tool: Mit seiner Hilfe kann der Lernende seine Qualifikationen hinterfragen und erhält Hinweise auf mögliche Wissenslücken. Um diese Lücken zu schließen, kann er in eine formalere Umgebung wechseln, wo er kurze Lernmodule durcharbeiten kann. In diesen Prozess ist ein Gutachter eingebunden. 'Er legt gemeinsam mit dem Lernenden fest, welchen Lernweg es einzuschlagen gilt und welche Inhalte dafür in Frage kommen', erläutert Andrew Stone vom Bildungsanbieter City & Guilds, der Inhalte und Gutachter stellt. Noch kommt diese Umgebung nur in einem Projekt zum Thema Kinderbetreuung zum Einsatz, aber Peat und Stone können sich durchaus vorstellen, dieses 'Produkt lebenslangen Lernens' – wie sie es nennen – auch auf andere Bereiche zu übertragen.

Ob ihnen das gelingt, wird sich vielleicht auf der nächsten Online Educa zeigen. Der Termin steht jedenfalls schon fest: Die 15. International Conference on Technology Supported Learning and Training findet vom 2. bis 4. Dezember 2009 wie gewohnt in Berlin statt – und hält hoffentlich wieder das ein oder andere inhaltliche Highlight bereit ...

Autor(en): (Stefanie Bergel)


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