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Frankfurter Buchmesse 2008: Leser verlangen mehr Tiefgang

Der Finanzkrise zum Trotz: Weiterbildungs- und Karrierethemen liegen im Trend. Allerdings verlangen die Leser heute mehr Tiefgang. Der Grund: Die (Ratgeber-)Rezepte der jüngsten Vergangenheit haben sich in der Praxis nicht bewährt. Was sich auf dem Buchmarkt für Führungskräfte, Trainer und Berater tut, zeigt Training aktuell anlässlich der Mitte Oktober 2008 stattgefundenen Frankfurter Buchmesse.

Die Finanzkrise beschäftigt alle. Auch wenn sich die Messeleitung der Frankfurter Buchmesse noch so sehr bemühte, ihr Leitthema Digitalisierung in den Vordergrund zu stellen, an den Ausstellerständen der Verlage, die Trainerliteratur im Programm haben, war das bestimmende Thema die Finanzmarktkrise. Zwar herrschte keine Panik, aber doch spürbare Anspannung. 'Natürlich weiß niemand, wie viel die großen Firmen jetzt noch in Weiterbildung investieren werden', brachte es ein Aussteller auf den Punkt.

Die Fachverlage sitzen mit ihren Lesern, den Führungskräften, Trainern, Beratern und Coachs, in einem Boot. Jetzt kommt es darauf an, sich durch Kompetenz am härter werdenden Markt zu bewähren. Steigendes Qualitätsbewusstsein kennzeichnete die Nachfrage nach Trainerliteratur bereits im vergangenen Jahr. Und auch dieses Jahr zeigte sich: Die Leser interessieren sich stark für gutgemachte Lehrbücher. 'Wir bemerken sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Trainern eine starke Tendenz zur soliden und gründlichen Fortbildung in eigener Sache', berichtet Ingeborg Sachsenmeier. 'Gefragt sind fundierte Theorie-Grundlagen, ergänzt durch spannende Best-Practice-Beispiele', so die Lektorin, die beim Beltz-Verlag seit vielen Jahren den Bereich Weiterbildung betreut.

Trainer-Literatur: Schwere Kost statt Light-Produkten

Die Zeiten der Schnelllese-Literatur und der Light-Themen scheinen, zumindest bei den  Fachbüchern, vorbei zu sein. 'Das schnelle, häppchenweise Lernen hat offenbar nicht funktioniert', mutmaßt Sachsenmeier. Einen weiteren Grund für die Absage an die leichte Kost vermutet sie in sich wandelnden Konsumgewohnheiten: 'Nach der 'Geiz ist geil'-Welle suchen die Leser wieder Solides', erklärt die Lektorin. Als Beispiel für diesen Trend führt sie den Erfolg des Beltzschen 'Handbuch Coaching und Beratung' von Björn Migge an. Mit 633 Seiten sicher kein Leichtgewicht, dennoch aber ihr aktueller Verlags-Bestseller der Sparte.
Das Interesse an Tiefgang bestätigte auch Ursula Rosengart. Die Geschäftsführerin des Gabal Verlags bekräftigt: 'Die Leser sind deutlich anspruchsvoller geworden.' Dem will der Fachverlag aus Offenbach etwa mit dem Buch 'Persönlichkeit führt' des psychosomatisch orientierten Mediziners Dietmar Hansch Rechnung tragen, aber auch mit Büchern zu klassischen Soft- Skills und zu Methodischem.
Höhere Ansprüche der Weiterbildungsprofessionals an ihre Fachliteratur hat auch Nico Enger vom Berliner Bildungsverlag Cornelsen ausgemacht: 'Die Leser wollen sich zwar effizient informieren, erwarten aber gleichzeitig Hintergründe, Begründungen und individuelle Ansätze.' Diese Erwartungen schlagen sich im Programm nieder: Es verschiebt sich in Richtung mehr psychologische Themen, mehr Kommunikationstitel, mehr konkrete Trainings. 'Die Person und das Ich treten wieder stärker in den Vordergrund', fasst Enger sein Bild der Nutzer von Weiterbildungsliteratur zusammen. 'In der Führung spielen Charisma und Persönlichkeit wieder eine größere Rolle, deshalb setzen wir beispielsweise auf Buchtitel zu Menschenkenntnis und Charakter.'

Steigende Umsätze mit Weiterbildungs-Fachbüchern

Von der Tendenz zum Tiefgang profitiert nicht nur der Beltz-Verlagsbereich Weiterbildung, der laut Ingeborg Sachsenmeier ein Umsatzplus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen konnte. Sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung ihres Hauses ist auch Ursula Rosengart vom Gabal Verlag: 'Wie bereits in den vergangenen Jahren haben sich auch dieses Jahr die Umsätze sehr positiv entwickelt. Wir werden erneut mit einer zweistelligen Umsatzsteigerung abschließen.' Ähnlich positive Töne sind auch aus dem Hause Campus, Frankfurt/M., zu hören: 'Karriere und Weiterbildung sind bei uns wichtige Themen. Wir konnten in diesem Segment unseren Umsatz weiter steigern', berichtet die zuständige Lektorin Juliane Meyer.

Karriere-Bücher: Seriöse Ratgeber statt simpler Tipps

Den Umsatz weiter steigern – das konnten viele Verlage in den vergangenen Jahren mit dem Verkauf von schnell rezipierbaren Rezepten und Ratschlägen. Kaum einer, der nicht der Faszination der '10 besten Tipps und Tricks ...' erlag. Wie es mit der allgemeinen Ratgeber-Literatur in Zukunft weitergeht, beurteilen die Führungskräfte aus der Verlagsszene sehr unterschiedlich, wie eine Umfrage der Buchmesse Anfang Oktober 2008 ergab: 30 Prozent der Befragten gehen nach wie vor von steigenden Umsätzen mit Literatur zu praktischer Lebenshilfe aus, 38 Prozent der Befragten glauben indes, der Markt sei rückläufig.

Bei den Büchern zu angewandten Wirtschaftsthemen lässt sich die Akzentverschiebung schon beobachten: Statt einfache Weisheiten zu verbreiten, setzen die Fachverlage auf Nutzwert. 'Wichtig ist die zielgruppenspezifische Darstellung: Die Themen müssen für bestimmte Zielgruppen wie etwa Berufsanfänger oder Frauen aufbereitet werden', meint Michael Wurster vom Münchner FinanzBuch Verlag. Der Lektor ist zuständig für für die Redline-Sparten Beruf und Karriere.

Provokante Thesen sorgen für Aufsehen

Im Trend liegen zudem Bücher, die neue Denkansätze vorstellen oder aber bestehendes Denken in Frage stellen. Bekanntestes Beispiel der Saison: 'Die Weiterbildungslüge' von Anonymus 'Richard Gris' (Campus). Mit seiner Kritik an der gesamten Weiterbildungsszene – Trainer, Coachs, Personalentwickler – sorgte der Autor für viel Wirbel. Auch wenn sich an seinen Thesen über die geringe Wirkung von Führungskräftetrainings die Geister schieden, hat er zumindest eines geschafft: Er hat das Thema Weiterbildung auf die Agenda gehievt – und sei es nur deshalb, weil er sich als Weiterbildungsinsider (und Trainer) nicht outete. Besprechungen fanden sich nicht nur in fast allen Fachmedien, sondern auch in der Tagespresse von F.A.Z. bis FTD.

Karriere-Trend geht in Richtung Lebensqualität

Derart viel Öffentlichkeit erfährt der Bildungs-Buchmarkt in der Regel nicht. Thematisch orientiert er sich an den großen Trends: Gefragt sind Bücher zum Management-Denken, zur Mitarbeiterführung und zur Kommunikation – oft aufbereitet für den persönlichen Blickwinkel. 'Im Karriere-Bereich hält sich ein schon länger zu beobachtender Trend: Die Menschen möchten nicht mehr nur Karriere machen, sondern an ihrem Arbeitsplatz zufrieden sein', sagt Juliane Meyer von Campus und verweist auf den Bestseller aus dem Segment Karriere/Weiterbildung ihres Hauses: das 'Frustjobkillerbuch' von Manuel Tusch und Volker Kitz. In diesen Trend reiht sich auch Campus-Autor Markus Albers ein. Auf der Messe stellte er sein Buch über moderne Formen der Arbeit vor, Titel: 'Morgen komm ich später rein'.

Zukunftsmusik: Was kommt nach Print?

Von der Zukunft der Arbeit zur zukünftigen Technik: Auf der Buchmesse wurde zwar viel über das Geschäft mit E-Books zum Herunterladen aus dem Internet spekuliert. Doch die meisten Fachverlage setzen nach wie vor auf Print und CDs. Offenbar wirken die Erfahrungen der Musikbranche mit dem Internet bitter nach: Massenhaft illegale Downloads könnte die Buchbranche auch gar nicht verkraften.

Autor(en): (Monika Schaake)


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