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DGFP-Kongress 2010: Zurück in der Zukunft

Lag im vergangenen Jahr der Fokus des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Personalführung noch ganz auf der Bewältigung der Krise, wurde beim DGFP-Kongress 2010 Mitte Juni in Wiesbaden wieder die Zukunft in den Blick genommen: Wohin geht die Reise der Wirtschaftswelt? Und was bedeutet das für die Rolle des Personalmanagements? Als Reiseführer war Deutschlands bekanntester Zukunftsforscher geladen: Matthias Horx.

Am Anfang stand das Fazit. 'Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Personalmanagement hat sich als Krisenmanager bewährt', sagte DGFP-Geschäftsführer Professor Gerold Frick im Eröffnungsplenum des 18. DGFP-Kongresses. 'Es gehört zu den Hidden Champions der vergangenen Monate.' Mit dieser knappen Beurteilung war das Thema Krisenbewältigung, das noch beim DGFP-Kongress 2009 in den Vorträgen und Workshops omnipräsent war, aber auch abgehakt. Nun wurde wieder – wie es in der mittlerweile 25-jährigen Geschichte des Kongresses ein Stück weit Tradition geworden ist – der Fokus auf die Zukunft der Personalwelt gerichtet. 'Personalmanager sind Gestalter der Zukunft und müssen vorausblicken', formulierte Frick. Der DGFP-Kongress ist 2010 zurück in der Zukunft angekommen.

Zurück war konsequenterweise dann auch jener Referent, der in Deutschland wie kein anderer für das Thema Zukunft steht: Matthias Horx. Wie schon bei der Veranstaltung im Jahr 2002 hatte die DGFP ihn als Abschlussredner geladen. Gewohnt farbenfroh malte der ehemalige Journalist seine Sicht der (Arbeits-)Welt von morgen, wobei er dabei eine ganze Reihe neuer Wortschöpfungen präsentierte. Das hatte nicht nur System, sondern auch Sinn: 'Der Mensch ist ein Wortwesen. Um die Zukunft zu gestalten, muss er Worte für sie finden', konstatierte der Zukunftsforscher.

Aus Talentmanagement wurde Talentismus

Eine der eingängigen Wortschöpfungen, die Horx lieferte, war der Begriff Talentismus, mit dem er die Ausrichtung auf die Fähigkeiten des Menschen beschreibt. 'Jeder Mensch hat ein Talent, in der er es zur Meisterschaft bringen kann', sagte er. Die spezifischen Talente zu entdecken, zu fördern und zu entwickeln, werde zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Welche Rolle HR in diesem Prozess spielen kann und muss, diskutierte unter anderem Johannes Lang im Forum Personalentwicklung. 'Wir müssen Potenzialträgern Alternativen zur klassischen Managementkarriere bieten', sagte der Geschäftsführer der Realtech Consulting GmbH. 'Es muss zum Beispiel möglich sein, in einer Fachlaufbahn einen attraktiven Karrierepfad einzuschlagen.'

Talente sind selten gute Führungskrafte

Hintergrund laut Lang: 'Die wirklichen Bedürfnisse und Fähigkeiten eines Großteils der talentierten Mitarbeiter laufen gar nicht auf eine Führungs- oder Managementaufgabe hinaus.' Da dieser Punkt seiner Meinung aber bislang zumeist übersehen wird, seien viele Manager fehl am Platz. Führungsmangel sei die eine Folge, Überforderung bis hin zum Burnout die andere. 'Führungskräfte, die keine Führungspersönlichkeiten sind, brennen aus', spitzte Lang zu. Damit sprach Lang ein Thema an, das den Personalern aktuell besonders heiß unter den Nägeln brennt: Bei der mittlerweile schon traditionellen Ted-Befragung – ungefähr 400 der insgesamt 700 Besucher nahmen daran teil – drückten bei der Frage 'Ist Burnout bei Ihnen ein Problem?' 90 Prozent den Ja-Button. Insofern hatte die DGFP das richtige Gespür bewiesen, als es die Problematik gleich doppelt auf die Themenagenda hievte.

Zum einen wurde das Thema im Rahmen des sogenannten Personal-Talk diskutiert, einer moderierten Expertenrunde mit vier Teilnehmern. Dort wurde schnell deutlich, dass das Sujet Burnout nicht nur ein in der Krise angefachtes Strohfeuer, sondern ebenfalls zukunftsträchtig ist: 'Den Arbeitnehmer in Balance zu bringen, wird zu einer der wichtigsten Aufgaben von Führung und Personalentwicklung überhaupt', sagte etwa Diskussionsteilnehmer Wilfried Porth. Um die Forschung und das Gespräch, wie das am besten funktionieren kann, sinnvoll zu ankern, gilt es laut dem Personalvorstand der Daimler AG allerdings erst einmal einen in diesem Zusammenhang viel gebrauchten Begriff über Bord zu schmeißen, den der Work-Life-Balance: 'Der Begriff ist unsinnig. Ist Arbeit kein Leben?'

Work-Life-Balance wird zur Life-Balance-Work

Eine begriffliche Alternative hatte – wenig überraschend – Matthias Horx im Gepäck. Er führte den Begriff der Life-Balance-Work und entsprechend des Life-Balance-Workers ein. 'Dieser hat sogar eine gewisse Affinität zu der Vorstellung, dass Berufs- und Arbeitsleben miteinander verschwimmen', beschrieb Horx. Eine zentrale Voraussetzung dafür, dass der Life-Balance-Worker gedeiht, ist laut dem Zukunftsforscher – ganz im Sinne des von ihm gemalten Szenarios des Talentismus -, dass er seine Leidenschaften leben und in ihnen lernen kann. Der zweite Komplex, in dem das Thema Burnout auf der Agenda stand, war das sogenannte Blogforum. Blogforum deshalb, weil die Vorträge live ins Internet übertragen wurden, und via Chat die Möglichkeit Bestand, Fragen an die Referenten zu stellen. Auch dort wurde Burnout-Prävention als Zukunftsthema klassifiziert. Den Grundtenor der Diskussion brachte Christian Drösel, Personalleiter der Müller Weingarten AG, folgendermaßen auf den Punkt: 'Der Erfolg eines Unternehmens wird künftig vor allem davon abhängen, wie es die psychische Wohlfühlfaktoren für seine Mitarbeiter proaktiv gestaltet. Denn die anderen Potenziale sind weitgehend ausgereizt.'

Kreativität als Rohstoff der Zukunft

Auf einen Erfolgsfaktor, der in Zukunft wohl aber noch schwerer wiegen dürfte, wies wiederum Matthias Horx hin: 'Kreativität tritt als Produktivfaktor ins Zentrum der Ökonomie.' Und Horx wäre nicht Horx, wenn er passend zu dieser Entwicklung – die übrigens nicht nur von ihm, sondern auch von vielen Wirtschaftsexperten prophezeit wird – nicht bereits den passenden Begriff kreiert hätte: Der Zukunftsforscher spricht vom kreativen Kapitalismus. Der werde auch die Gesichter der Unternehmen nachhaltig verändern, vor allem bunter machen. Horx: 'Diversität ist kein Sozialprinzip, sondern eine Grundvoraussetzung für Kreativität.' Jene Unternehmensstruktur, die laut Horx das Maximum an Kreativität zulässt, ist die eines Netzwerkes. 'Das Unternehmen der Zukunft ist eine Fishnet-Organisation', sagte Horx. 'Mit flachen Hierarchien, gleichzeitig aber der Möglichkeit, bei Bedarf an allen Stellen des Netzwerkes blitzschnell Hierarchien zu bilden.' Der eingängige horxsche Begriff für diese intelligente Struktur: Multimind.

Auch die DGFP selbst, die sich bisher als eher schwerfälliger Dino der Personalerwelt präsentiert hat, hat einen strukturellen Wandel eingeläutet. Zwar noch nicht unbedingt in Richtung eines Multiminds, aber immerhin in Richtung eines interaktiven Netzwerkes. Zwei kürzlich erreichte Etappen auf diesem Weg: Die Einrichtung der XING-Xpert-Ambassador-Gruppe 'Personalmanagement & Führung', in der die DGFP Regie führt, und die Herausgabe des Online-Newsletters 'HR-Update', der seit März 2010 monatlich erscheint. Passend zur stärkeren interaktiven Ausrichtung hat sich der Verband nach nun über 40-jährigem Bestehen auch ein neues Logo geben, das auf einzelnen Punkten besteht und die Shilhouette einer Raute zeigt. Die gewölbte Form soll Beweglichkeit vermitteln. DGFP-Vorstandsvorsitzender Stefan Lauer erklärte dazu auf der Pressekonferenz: 'Die DGFP lebt von der menschlichen Interaktion. Das neue Logo setzt diese Dynamik visuell um und signalisiert: Wer sich bewegt, der verändert.' Die Zukunft braucht nicht nur Namen, sondern auch Bilder.

Autor(en): (Andree Martens)


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