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Stress und Konkurrenzdruck senken die Leistungsfähigkeit von Frauen

Wettbewerbssituationen


Wettbewerb spornt sowohl Männer als auch Frauen zu besseren Leistungen an. Kommt jedoch ein hohes Stresslevel hinzu, nimmt die Leistungsfähigkeit von Frauen ab, während sie bei Männern konstant bleibt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Max-Planck- Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen, der Wirtschaftsuniversität Prag und des Lon-doner King's College in einer gemeinsamen Untersuchung. Ihre Probanden – 190 Studierende (gleichermaßen Männer und Frauen) – unterteilten sie in zwei Gruppen. Die erste Gruppe setzten sie psychosozialem Stress aus, indem sie ihre Mitglieder aufforderten, einer Kommission ihre Stärken und Schwächen mitzuteilen und direkt im Anschluss anspruchsvolle kognitive Aufgaben zu lösen. Die Kontrollgruppe hingegen musste nur einfache Aufgaben lösen. Danach sollten beide Gruppen Rechenaufgaben lösen. Zunächst wurden die Probanden für jede einzelne korrekt gelöste Aufgabe belohnt – sie erhielten sogenannten Stücklohn. Hierbei zeigte sich, dass der Stress keine negativen Auswirkungen auf die Leistungen der Probanden und Probandinnen hatte. Die Mitglieder beider Gruppen konnten die Aufgaben ähnlich gut lösen. In einem nächsten Schritt wurden die Studienteilnehmenden nicht mehr für jede einzelne Lösung belohnt, sondern mussten gegeneinander antreten. Nur derjenige, der in einer vorgegebenen Zeit mehr Aufgaben rechnen konnte, erhielt eine Belohnung. So wurde Wettbewerbsdruck erzeugt. Hierbei zeigte sich: Die Probanden und Probandinnen, die nicht unter Stress gesetzt wurden, konnten ihre Leistungen in der Konkurrenzsituation steigern. In der Gruppe der Gestressten gilt dies jedoch nur für Männer. Die Leistungen der Frauen fielen ab. Studienautorin Jana Cahlikova vom Max-Planck-Institut kommentiert: 'Die Ergebnisse können dazu beitragen, geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt zu erklären. So entfalten zum Beispiel Frauen in Einstellungsverfahren, die gleichzeitig Stress und Wettbewerbssituationen beinhalten, nicht ihr volles Potenzial. Vor allem, wenn im Vorstellungsgespräch oder Assessment Center ein höheres Ausmaß an Stress und Wettbewerb erzeugt wird, als die eigentliche Arbeit oder Position später erfordern, ermittelt ein solcher Auswahlprozess nicht die geeignetste Kandidatin oder den geeignetsten Kandidaten.' Dies könnte ihrer Meinung nach auch ein Grund dafür sein, wieso Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind.

Autor(en): Marie Pein


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