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Zahlen machen skrupellos

Verhaltensexperiment


Je mehr Manager sich mit Zahlen beschäftigen, desto größer ist die Gefahr, dass sie moralische Bedenken bei der Verfolgung eigener Interessen oder denen des Unternehmens über Bord werfen. Diesen Schluss lässt eine Versuchsreihe zu, die ein internationales Forscherteam um den Verhaltenswissenschaftler Chen-Bo Zhong von der Rotman School of Management in Toronto durchgeführt hat. Die einzelnen Versuche liefen immer nach dem gleichen Muster ab: Die eine Hälfte der Probanden nahm an einer Unterrichtsstunde teil, in der es um Wirtschaftskalkulationen oder ähnliche Zahlenthemen ging. Die andere Hälfte besuchte eine Geschichtsstunde, etwa zum Thema der industriellen Revolution. Anschließend absolvierten alle Versuchtsteilnehmer Verteilungsspiele, in denen sie kleine Geldbeträge gewinnen konnten. Der eigene Gewinn ließ sich dabei auf verschiedenen Wegen steigern, wobei dies immer zu Lasten des Gewinns einer oder mehrerer anderer Mitspieler ging. In den Spielen zeigte sich: Die Teilnehmer des Zahlenunterrichts agierten im Schnitt deutlich egoistischer und skrupelloser als der Geschichtskurs. Die einfache wie einleuchtende Erklärung der Forscher: Wer sich mit Zahlen beschäftigt, denkt vor allem in Zahlenkategorien. In diese lassen sich ethische Gesichtspunkte aber nicht einordnen, weshalb sie dann eher unter den Tisch fallen.

Autor(en): (ama)


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