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Pro und Contra: Sollen sich Angestellte in ihrer Freizeit weiterbilden?


Seminar statt Strandurlaub - mit diesem Vorstoß hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im August 2007 für Aufruhr gesorgt. Die Idee der Arbeitgebervertretung: Arbeitnehmer sollen Urlaubstage opfern, um sich weiterzubilden. Was spricht für diese Idee? Und was dagegen?

Pro: 'Arbeitnehmer müssen mehr Engagement zeigen'

Dr. Volker Treier ist Weiterbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Kontakt: treier.volker@berlin.dihk.de

'Urlaubs- oder Freizeitverzicht für die Weiterbildung? Wir meinen ja! Das ist nicht nur im Interesse der Unternehmen, es lohnt sich insbesondere auch für die Arbeitnehmer ganz persönlich! Der Nutzen der Weiterbildung für das eigene Fortkommen liegt auf der Hand: Der Beschäftigte wird für das eigene, aber auch für andere Unternehmen attraktiver. Das Argument, die Freizeit müsse zur Erholung genutzt werden, ist zwar richtig, der Blick auf die Statistik zeigt aber, dass es genügend Luft für beides gibt: Regeneration und Weiterbildung. Deutschland ist bei Urlaubs- und Feiertagen mit 40 Tagen Vize-Europameister. Der EU-Durchschnitt liegt bei 33,7 Tagen. Wollen die Deutschen auch bei der Weiterbildung Vize-Europameister werden, müssen sie sich stärker engagieren. Bislang nehmen jährlich nur 42 Prozent der deutschen Arbeitnehmer an einer Weiterbildung teil. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich im hinteren Drittel. Deutschland braucht hier einen Mentalitätswechsel: Niemand hat 'ausgelernt'. Weiterbildung muss selbstverständlich werden, denn sie ist eine Investition in die eigene Zukunft. Daher soll keiner warten, bis ihm Staat oder Unternehmen eine Weiterbildung anbieten - der Einzelne muss selbst aktiv werden. Die Unternehmen sind ihrerseits bereit, mehr zu tun; das hat die Umfrage einer IHK-Organisation ergeben. Selbst im konjunkturell schwachen Jahr 2005 gaben danach 60 Prozent der Betriebe an, sie würden stärker in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, wenn auch diese durch Freizeit- oder Urlaubsverzicht die Weiterbildung mittragen.'



Contra: 'Weiterbildung ist kein Privatvergnügen'

Ulla Burchardt (SPD) ist Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Kontakt: ulla.burchardt@ bundestag.de

'Endlich ist es bei den Vertretern der Wirtschaft angekommen: Deutschland steht vor einem gewaltigen Qualifizierungsproblem. Doch statt mit einer Weiterbildungsoffensive zu antworten, kommen Ablenkungsmanöver, die die eigenen Defizite vergessen machen sollen. Fakt ist: Immer weniger deutsche Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter weiter - ein Minus von sechs Prozentpunkten zwischen 1999 und 2005 ist ein Armutszeugnis. Zehntausende, vor allem ältere Arbeitnehmer und Geringqualifizierte, stecken in einer innerbetrieblichen Bildungsfalle. Und wer schon einmal eine Volkshochschule von innen gesehen hat, der weiß, dass Freizeit heute schon bildet. Es ist paradox: Immer dann, wenn die Wirtschaft ihrer ureigenen Pflicht nicht nachkommt, sollen es andere richten - so beim Fachkräftenachwuchs und jetzt also bei der betrieblichen Weiterbildung. Dabei ist diese eben kein 'Privatvergnügen', sondern von gut qualifizierten Beschäftigten profitieren zuvorderst die Unternehmen und Betriebe selbst. Deshalb muss die Wirtschaft bei der betrieblichen Weiterbildung jetzt wegkommen vom Kurzfristigdenken der vergangenen Jahre: etwa durch eine verbindliche Personalentwicklungsplanung, Freistellung und Finanzierung. Noch ist es für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland nicht zu spät. Aber die Vorschläge, die im medialen Sommerloch über uns niederprasselten, sind untauglich und für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Zumutung.'

treier.volker@berlin.dihk.de, ulla.burchardt@bundestag.de


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