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Home-Office für alle?

Pro und Contra


In den Niederlanden ist ein neues Gesetz verabschiedet worden, das Mitarbeitern ein grundsätzliches Recht aufs Arbeiten im Home-Office zusichert. Einzige Ausnahme: Es sprechen schwerwiegende betriebliche Gründe dagegen. Wäre das auch für Deutschland ein gutes Modell? Was dafür und dagegen spricht.

Pro: Es gibt keinen Grund für das Büro, wenn der Job woanders genauso gut erledigt werden kann
Jeder Mensch sollte dort arbeiten können, wo er arbeiten will. Im Büro, zu Hause, im Café – oder auch am Strand. Die heutigen Informationstechnologien machen das möglich. Wir sollten diese Möglichkeiten sinnvoll nutzen. Home-Office-Modelle erlauben es heute, Arbeit und Familie besser in Einklang zu bringen. Man denke an Eltern, die so mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. An pflegende Angehörige und Menschen mit anderen privaten Verpflichtungen. Insofern ist ein Recht auf Home-Office eine gute Idee, weil es zu einem gelingenden Leben beitragen kann. Wir sollten aufhören, zwischen Arbeit und Leben künstlich zu trennen. Was wir brauchen, das sind Modelle, die beide Sphären möglichst nahtlos miteinander verbinden. Es ist nicht einzusehen, warum Menschen täglich acht Stunden im Büro verbringen müssen, wenn sie ihren Job genauso gut oder sogar besser zu Hause erledigen können. Allerdings sind Home-Office-Modelle kein Allheilmittel, sie funktionieren nur unter bestimmten Bedingungen. Erstens muss es klare Regeln und Routinen geben. Dazu gehören zum Beispiel wiederkehrende, fixe Termine mit Anwesenheitspflicht sowie Vereinbarungen über die Erreichbarkeit. Jedes Home-Office-Modell verlangt ein hohes Maß an Vertrauen und das heißt, auf Überwachung zu verzichten. Das Vertrauen muss jedoch durch Regeln und Standards gestützt werden, auf deren Einhaltung man sich verlassen kann. Zweitens brauchen Home-Office-Modelle eine funktionierende Unternehmenskultur. Die räumliche Abwesenheit eines Mitarbeiters muss die Kommunikation nicht zwangsläufig erschweren. Aber sie kann sich schnell zum ernsthaften Problem entwickeln, wenn im Unternehmen nicht offen kommuniziert wird, wenn zentrale Werte nicht von allen geteilt werden. Drittens schließlich steht und fällt jedes Home-Office-Modell mit der Autonomie und Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Selbstbestimmte, hoch motivierte Mitarbeiter werden im Home-Office ihre Fähigkeiten entfalten. Wer hingegen ständig Anweisungen anderer braucht, wird im Home-Office verkümmern. Zum Schaden des Unternehmens und seiner selbst.
(Thomas Vašek, Chefredakteur der Philosophiezeitschrift 'Hohe Luft' und Autor des Buches 'Work-Life-Bullshit'.)

Contra: Pauschale Regelungen sind immer schlecht
Wir sagen durchaus Ja zu mehr Home-Office, aber Nein zu staatlichen Vorschriften und pauschalen Zugeständnissen. Wir wissen, dass wir in Anbetracht drohender Fachkräfteengpässe unseren Angestellten in puncto Vereinbarkeit von Familie und Karriere, Privatleben und Beruf mit mehr Flexibilität und Vertrauen entgegenkommen müssen. Dafür braucht es aber keinen gesetzlichen Zwang, sondern ein Umdenken, weniger Präsentismus in den Köpfen und verbesserte Rahmenbedingungen, damit Arbeitgeber ihren Mitarbeitern mehr Arbeitszeit- und Arbeitsortflexibilität rechtssicher und ohne bürokratischen Mehraufwand ermöglichen können. Zu dieser Forderung nach mehr Flexibilität passen schon die hierzulande bestehenden und drohenden arbeitsrechtlichen Regelungen schlecht. Plant doch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles eine Arbeitsstättenverordnung, wonach Arbeitgeber demnächst die Telearbeitsplätze ihrer Mitarbeiter zu Hause überprüfen sollen. Vor allem aber kann bei Weitem nicht jede Arbeit von zu Hause aus geleistet werden – auch wenn es den Anschein hat. Arbeiten sehr viele Mitarbeiter räumlich getrennt, leidet die Kommunikation, auch wenn virtuelle Kontakte bestehen. Persönliche Absprachen mit den Kollegen und dem Chef sind unverzichtbar und können nicht durch rein virtuelle Formate ersetzt werden. Die Fixierung auf Home-Office kann daher keine Lösung sein. Home-Office kann nur eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Konzepten sein.
(Thomas L. Kemmerich, Bundesvorsitzender der Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand e.V.)


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