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Die helle Triade

Persönlichkeitsforschung


Über finstere menschliche Eigenschaften ist schon viel geforscht worden. Ein besonders beliebtes Forschungsobjekt: die 'dunkle Triade der Persönlichkeit', bestehend aus Narzissmus (also Selbstüberschätzung), Machiavellismus (der Neigung, andere für eigene Zwecke zu manipulieren) und Psychopathie (Gefühllosigkeit und Rücksichtslosigkeit). Aber gibt es dazu auch ein helles Pendant?

Dieser Frage gingen Wissenschaftler um den Psychologen Scott Barry Kaufman von der Columbia Universität in einer Studie nach. Tatsächlich sind die Forscher nach Befragung Tausender Probanden überzeugt, ein positives Äquivalent zur dunklen Triade entdeckt zu haben – einen hellen Dreiklang, bestehend aus Kantianismus (Menschen werden als wertvolle Subjekte, nicht als Mittel zum Zweck angesehen), Humanismus (Menschen werden wertgeschätzt und in ihrer Würde anerkannt) und  dem Glauben daran, dass Menschen grundsätzlich gut sind.

Die Eigenschaften der hellen Triade sind nicht einfach nur das Gegenteil der dunklen. Vielmehr scheinen sämtliche Eigenschaften bei allen Menschen vorhanden zu sein, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Interessant ist vor allem, dass sie gehäuft mit bestimmten anderen Eigenschaften einhergehen. So korrelieren stark ausgeprägte 'dunkle' Eigenschaften v.a. mit männlichem Geschlecht und geringerem Alter, außerdem mit Durchsetzungsstärke, Risikobereitschaft, Leistungsbewusstein, Mut, Führungswillen, geringerer Lebenszufriedenheit, weniger Gewissenhaftigkeit und wenig Empathie. Die Eigenschaften der hellen Triade sind eher bei Frauen und Personen höheren Alters zu finden. Sie korrelieren zudem mit einer höheren Lebenszufriedenheit, mehr Zufriedenheit in persönlichen Beziehungen, mit Freundlichkeit, Vergebungsbereitschaft, Gewissenhaftigkeit und Produktivität. Negativ hängen sie dagegen mit Leistungs- und Selbstverbesserungsmotiven zusammen. Und wer sie besitzt, der neigt oft auch dazu, sich übermäßig um andere zu sorgen und übertriebene Schuldgefühle zu entwickeln. Demnach scheint die Studie einmal mehr nahezulegen, dass Menschen mit dunkler Persönlichkeit die 'geborenen' Karrieretypen mit Durchbiss sind, während den 'Everyday Saints', wie Kaufman sie nennt, im Job vermutlich oft ihre Nettigkeit im Wege steht. Zumindest ist dies in Karrieresystemen der Fall, die unsoziales Verhalten – ob gewollt oder ungewollt – honorieren. Gut möglich jedoch, dass in einer Arbeitswelt, die mehr Wert auf Kooperation, Kollaboration und Beziehungsfähigkeit legt, bessere Zeiten für die 'Everyday Saints' anbrechen – und damit für einen Großteil der Berufstätigen. Denn, auch dafür liefert die Studie Belege: Die meisten Menschen haben eher eine helle als eine finstere Persönlichkeit.

Abrufbar ist die im März 2019 publizierte englischsprachige Studie 'The Light vs. Dark Triad of Personality: Contrasting Two Very Different Profiles of Human Nature' kostenlos unter https://bit.ly/2OE8ZG7.

Autor(en): Sylvie Jumpertz


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