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Unternehmen als Instanzen des Gemeinwohls

Neues Wirtschaftsmodell


Alle reden davon, dass sich in unserem Wirtschaftssystem etwas ändern muss. Der österreichische Wirtschaftspublizist Christian Felber hat unterdessen bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Felber, der in Österreich die regionale Sektion der globalisierungskritischen Attac-Bewegung mitgegründet hat, hat vor rund einem Jahr eine neue Wirtschaftsbewegung aus der Taufe gehoben, der sich bis dato (25. Oktober 2011) 406 Unternehmen aus acht Ländern, nämlich Österreich, Italien, Spanien, Deutschland, Tschechien, Belgien, Frankreich und der Schweiz angeschlossen haben. Darunter hauptsächlich kleine Firmen, zu einem Drittel Ein-Mann-Betriebe, aber z.B. auch die Sparda Bank München mit 650 Mitarbeitern. Das größte Teilnehmerunternehmen hat 1.856 Mitarbeiter. Von den Unterstützerfirmen der sogenannten Gemeinwohl Ökonomie haben ca. 100 nun zum ersten Mal eine Gemeinwohl-Bilanz vorgelegt. Darin ist abzulesen, wie die Firmen mit ihren Aktivitäten zum allgemeinen Wohl beitragen. Gemessen wird anhand von Kriterien wie der Größe der Lohnunterschiede im Betrieb, der Mitbestimmungsmöglichkeiten und der Umweltverträglichkeit der Produkte.

Die 'Gemeinwohl Ökonomie' soll eine Alternative sowohl zur kapitalistischen Marktwirtschaft als auch zur sozialistischen Planwirtschaft sein. Das Fundament des Modells besteht darin, dass zukünftig in der Wirtschaft nicht mehr derjenige belohnt wird, der Gier und Egoismus auslebt, sondern derjenige, der sich kooperativ, solidarisch, verantwortungsvoll verhält. 'Heute ist unternehmerischer Erfolg gleichbedeutend mit Finanzgewinn', sagt Felber in einem Web-TV-Interview auf der Homepage des Vereins. Steigende Finanzgewinne könnten jedoch auch mit einem Absinken von Lebensqualität verbunden sein, etwa mit der Zerstörung von Arbeitsplätzen, mit Stress, Burnout und der Vernichtung ökologischer Lebensgrundlagen. 'Daher definieren wir Unternehmenserfolg neu, nämlich als Beitrag zum allgemeinen Wohl', so Felber. Je ökologischer, demokratischer und solidarischer Firmen agieren und sich organisieren, desto bessere Bilanz-ergebnisse erzielen sie.

In Felbers Modell soll eine überdurchschnittliche Gemeinwohlbilanz durch handfeste rechtliche Vorteile – etwa niedrigere Steuern und günstige Kredite – belohnt werden. Die Finanzbilanz wird dagegen zum Nebenprodukt. Denn das Kapital dient nur noch dazu, den neuen Unternehmenszweck zu erreichen, etwa in Form von Investitionen mit sozialem und ökologischem Mehrwert, von begrenzten Auszahlungen an die Mitarbeiter und zinsfreien Krediten an Mitunternehmen. Nicht mehr eingesetzt werden darf es dagegen für Aktivitäten wie feindliche Aufkäufe anderer Firmen oder Investitionen auf Finanzmärkten. Unternehmen sollen – derart vom Wachstumszwang erlöst – ihre optimale Größe anstreben können. Zum Konzept gehören weitere ordnungspolitische Ideen wie die Beschränkung der Maximaleinkommen auf das Zwanzigfache des gesetzlichen Mindestlohnes und die schrittweise Reduktion der Erwerbsarbeitszeit.

Felber weiß, dass die Ideen ein großer idealistischer Wurf sind. Sein Modell begreift er als erste Vorlage. Nun wünscht er sich eine breite gesellschaftliche Debatte – und weitere experimentierfreudige Firmen, die das Kernstück des Konzeptes, die Gemeinwohl-Bilanz, ausprobieren. 'Für die Zukunft ist auch geplant, dass die Gemeinwohl-Unternehmen ihre erreichte Punktzahl auf ihre Produkte drucken und je nach Niveau farblich kennzeichnen. Dies könnte auch mittels eines Codes passieren, der via Smartphone eingescanned wird, so dass der Kunde sogleich online die Gemeinwohl-Bilanz sieht und sich informieren kann, wie gut das Unternehmen in den einzelnen Kategorien abschneidet', erläutert Vereinssprecherin Rahel Sophia Süß. Das ferne Ziel lautet: die Gemeinwohl-Bilanz wie auch Reformen des wirtschaftlichen Ordnungsrahmens rechtsverbindlich zu machen. Dafür setzt Felber sich mit seinen Mitstreitern bei der Politik ein.

Autor(en): (jum)

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