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Der Markt killt die Moral

Makabres Experiment


Als in Bangladesh eine Textilfabrik einstürzte und Hunderte Menschen, die dort u.a. für europäische Firmen schufteten, ums Leben kamen, ging ein Aufschrei durchs Land. 'Klamotten, die in Quasi-Sklaverei produziert werden, will ich nicht kaufen', sagten die meisten Bürger. Trotzdem kaufen sie weiter. Killt der Markt die Moral? Ein spektakuläres Experiment der Ökonomen Armin Falk von der Universität Bonn und Nora Szech von der Universität Bamberg konnte diese These nun erhärten.

Die Forscher verteilten rund 1.000 studentische Probanden auf mehrere Räume, in denen etwa 200 Notebooks installiert waren. Die Studenten wurden vor eine elementare Entscheidung gestellt: Sie konnten sich entweder für Geld entscheiden. Oder dafür, das Leben einer Maus zu retten. Die Wissenschaftler hatten zu diesem Zweck Hunderte 'überzählige' Labormäuse aus dem Ausland organisiert, die andernfalls getötet worden wären, und sich dazu verpflichtet, jeden qua Probanden-Entscheid geretteten Nager zu kaufen und diesem ein Gnadenbrot zu gewähren. Ein Teil der Probanden sollte die Entscheidung 'Geld oder Maus?' allein treffen. In einem anderen Setting standen sich je ein 'Käufer' und ein 'Verkäufer' gegenüber (bilateraler Markt). In einer weiteren Versuchsanordnung war es eine größere Zahl von 'Käufern' und 'Verkäufern' (multilateraler Markt). Für jedes akzeptierte Kauf- oder Verkaufsangebot ließ eine Maus ihr Leben. Jedes abgelehnte Angebot bewahrte eine vor dem Tod.

Das Ergebnis: In den beiden Marktsituationen nahmen signifikant mehr Probanden den Tod der Maus in Kauf als in der Individualsituation. 'Wenn mehrere Akteure beteiligt sind, wird es offenbar einfacher, seine moralischen Standards zurückzustellen', konstatiert Forscherin Szech. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Hemmschwellen auf Märkten sinken, weil sich Menschen dort nicht allein schuldig fühlen müssen, denn schließlich sehen sie, dass auch andere oft nicht moralisch handeln. Hinzu kommt das Gefühl, als Einzelner wenig Einfluss auf das Gesamtgeschehen zu haben. Daraus, vermuten die Forscher, folgt die Überlegung: 'Wenn ich nicht kaufe oder verkaufe, dann tut es ein anderer.' Bleibt zu hoffen, dass Ökonomen wie auch Wirtschaftsakteure nicht beim Schock über diese Ergebnisse stehen bleiben, sondern ernsthaft Wege suchen, die Moral auf den Märkten zu wahren – obgleich dort die beobachteten Mechanismen wirken.

Die Studie ist unter dem Titel 'Morals and Markets' in der Wissenschaftspublikation Science, DOI: 10.1126/science.1231566, erschienen.

Autor(en): (jum)


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