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Langzeituntersuchung

E-Learning ist als Geschäftsmodell gescheitert

„E-Learning hat bisher als erfolgreiches Geschäftsmodell versagt.“ – Deutliche Worte sind das aus dem Munde eines Experten, der es wissen muss: Seit den frühen 80er Jahren beschäftigt sich Dr. Erich Behrendt, Chef von Dr. Behrendt IMK Consulting, Marienhafe, mit der Anwendung digitaler Medien in der beruflichen Bildung. Zwischen 2002 und 2007 nahm er in Form einer Langzeitstudie – beruhend unter anderem auf wiederholten Befragungen von rund 100 Entscheidern aus Großunternehmen und Bildungsdienstleistern – vor allem einen Aspekt unter die Lupe: Haben die oftmals so hochgejubelten Formen des computergestützten Lernens geschäftlich nachhaltigen Erfolg gebracht? Die Antwort lautet: fast nie. „In 90 Prozent der Fälle sind E-Learning-Projekte wirtschaftlich nicht erfolgreich“, stellt Behrendt mit Blick auf die 500 Projekte, die er beobachtet hat, fest. „Offenbar gibt es in der Branche kein Gedächtnis. Dieselben Fehler, die bereits Ende der 80er Jahre gemacht wurden, werden wiederholt“, konstatiert Behrendt. Seine Langzeitstudie zeigt die Fehler auf bzw. die Barrieren, die eine breite Akzeptanz neuer Bildungsdienstleistungen verhindern. Früher wie heute neigen E-Learning-Verfechter zu einem Bündel falscher Annahmen: Dass der technische Fortschritt allein Akzeptanz schafft. Dass die pädagogische Qualität Akzeptanz schafft. Und vor allem: „Dass Menschen ohne Zwang bereit wären, für Bildung in die Tasche zu greifen“, so Behrendt. Lernen sei, das müsse man sich klarmachen, nur Mittel zum Zweck. „Es ist unangenehm. Das muss man schlicht begreifen.“ Den idealistischen Bildungsmanagern ginge dieses Verständnis jedoch allzu oft ab. „So kommt es zu regelrechten kulturellen Dissonanzen zwischen dem Personalbereich und der Linie“, meint Behrendt.

Weiteres Problem: Die Rahmenbedingungen für E-Learning stimmen meist nicht. Sowohl beim Kunden von Bildungsdienstleistern nicht, wo trotz allem Gerede über zeitlich und räumlich flexibles Lernen oft genug die Möglichkeit fehlt, so zu lernen. Und auch beim Anbieter selbst nicht. Denn – so Behrendts These: „E-Learning passt meist gar nicht ins Gesamtgeschäft.“ Präsenzveranstalter haben hohe Fixkosten, ihnen fehlen daher Ressourcen für Medienprodukte und sie wollen ihren Präsenzveranstaltungen obendrein auch keine Konkurrenz machen. Leider tun sie gerade das dennoch oft: Statt klassische Lernformen und E-Learning sinnvoll zu verzahnen, wird digitales Lernen als Alternative zu Präsenzveranstaltungen angeboten. Zudem, so Behrendt, seien selbst die erfolgreichen E-Learningaktivitäten der Unternehmen in der Regel kaum mit dem traditionellen Bildungsgeschäft verzahnt. Zudem hapert es an der kundenorientierten Vermarktung. Allenfalls in Nischenmärkten sieht Behrendt echte Absatzchancen: Menschen in bestimmten Lebenssituationen, die sie am Besuch von Präsenzveranstaltungen hindern, High Potentials, die tatsächlich ein gesteigertes Interesse an sehr schneller, individueller Weiterbildung haben, könnten lohnende Zielgruppen von E-Learning sein. Größere Chancen, mit E-Learning Geschäfte zu machen, sieht Behrendt nur in einem Fall: „Wenn E-Learning irgendwann – etwa in der beruflichen dualen Ausbildung – zwingend vorgeschrieben wird.“
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