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Krasse Kampagne


Die Kampagne entzweit die Geister: Auf Werbeflächen an Bahnhöfen und U-Bahnhaltestellen in Städten wie Hamburg, München und Köln springen den Wartenden derzeit ungewöhnliche Bilder und Kurzfilme ins Auge. Zu sehen sind junge Männer nicht deutscher Herkunft, die kurz als 'Zeray G. aus Eritrea' oder 'Qutayba N. aus Syrien' vorgestellt werden, mit Aussagen wie: 'Ich bin teamfähig. Ich habe mit 85 Menschen in einem kleinen Schlauchboot überlebt.' Oder: 'Ich bin stressresistent. Auf der Flucht wurde ich verhaftet und mehrere Tage verhört.' In den Videos werden die Fluchtgeschichten der Männer kurz erzählt. Das übergreifende Motto der Kampagne lautet: 'Soft Skills can come the hard way.' Hinter der Aktion steckt das junge Münchener Startup Social Bee, das sich als Zeitarbeitsunternehmen darauf konzentriert, Geflüchtete in Arbeit zu vermitteln. Ein hehres Anliegen, zumal die Bilanz, was die Einstellungsquote von Geflüchteten angeht, bislang allgemein eher mager aussieht. Zudem unterstützt Social Bee seine Zeitarbeitnehmer nach eigener Aussage mit Deutschkursen und anderen Angeboten. Dennoch hinterlässt die Kampagne einen Beigeschmack. Dass die zwangsweise Flucht aus dem Heimatland Menschen im Hinblick auf deren persönliche und soziale Fähigkeiten extrem fordert, steht außer Frage. Doch drängt sich die Frage auf, inwieweit es ethisch ist, das Leid von Menschen zu instrumentalisieren, um den wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens zu dienen. Und: Wie human es ist, Geflüchtete vor allem durch die Brille ihres wirtschaftlichen Wertes wahrzunehmen. 

Autor(en): Sylvia Jumpertz


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