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Burnout ist out

Krankschreibungen


Im Jahr 2014 wurden so wenige Arbeitnehmer mit der Zusatzdiagnose Burnout krankgeschrieben wie schon seit Jahren nicht mehr. Dies geht aus dem Psychoreport der Krankenkasse DAK Gesundheit hervor.

Auf dem Höhepunkt der Welle – 2012 – kamen auf 1.000 Versicherte hundert Fehltage aufgrund von Burnout. Zwei Jahre später hat sich diese Zahl nahezu halbiert. Das heißt nicht, dass es insgesamt weniger Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen gibt. Das Gegenteil ist der Fall: Seit 1997 erhöht sich die Zahl der Fehltage aufgrund von Depressionen oder Anpassungsstörungen kontinuierlich. 2014 war jeder zwanzigste Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben – ein neuer Rekord. Das zeigt: Was vor Kurzem noch zusätzlich mit dem Begriff Burnout etikettiert wurde, heißt heute häufiger schlicht Depression oder Anpassungsstörung. 'Eine Hauptdiagnose Burnout hat es ohnehin nie gegeben, da das Krankheitsbild medizinisch nicht klar von der Depression zu trennen ist', stellt Hans-Peter Unger, Chefarzt am Zentrum für seelische Gesundheit der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg, klar. Karriere machte der Burnout-Begriff in der Vergangenheit laut Unger als Krankheitsbegriff, der die Diagnose Depression subjektiv und sozial aufwertete. Unger verweist diesbezüglich auf epidemiologische Studien, nach denen Krankschreibungen aufgrund von Burnout in der Vergangenheit häufiger für Angehörige sozioökonomisch besser gestellter Schichten ausgestellt worden waren. Doch in dem Maße, in dem einerseits psychische Erkrankungen weniger schambesetzt sind, sich andererseits aber auch herumgesprochen hat, dass Depression und Burnout im Grunde dasselbe sind, verliert der Burnout-Begriff an Anziehungskraft – was laut Unger zu einer Entwertung führt: 'Der Begriff veredelt nicht mehr die Leistungsstarken.' Der Mediziner vermutet, dass sich Burnout in der allgemeinen Wahrnehmung somit von einer typischen Managerkrankheit zu einem Problem jener Menschen entwickelt, die ein erhöhtes Risiko für depressive Erkrankungen tragen: Niedriglohnempfänger, Alleinerziehende oder Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Autor(en): Sylvia Jumpertz

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