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Andere Länder, andere ­Konfliktsprache

Kommunikationsverhalten


Eine Konfliktkultur zu etablieren, in der sich jeder wohlfühlt, ist gar nicht so leicht – vor allem nicht, wenn unterschiedliche Nationalitäten vereint sind. Denn im Hinblick auf die Kommunikation von Konflikten und Kritik ist trotz zunehmender Globalisierung ein enormer Unterschied zwischen den Ländern zu verzeichnen. Zu dieser Erkenntnis ist die Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin Nadine Thielemann von der Wirtschaftsuniversität Wien in einer Studie gelangt. Für diese untersuchte sie das Kommunikationsverhalten von 238 Führungskräften und Mitarbeitenden aus Frankreich, Deutschland, Russland, Österreich und Polen in Konfliktsituationen. 

Dabei zeigte sich, dass in allen untersuchten Sprachen bzw. Kulturen sehr lösungsorientiert kritisiert wird. Lediglich in der Art und Weise, wie die Lösung erreicht wird, unterscheiden sich die Vertreter der einzelnen Länder. Liefert ein Mitarbeiter z.B. nicht die vereinbarte Arbeit ab, tritt die französische Führungskraft recht bestimmend und wenig coachend auf. Sie spricht Probleme direkt an, zeigt Verantwortlichkeiten auf und fordert eine Lösung ein. In den slawischsprachigen Ländern spielen hingegen weder die Thematisierung der Verfehlung noch die Zuweisung der Verantwortung eine derart zentrale Rolle. Trotzdem ist die Führungskraft als solche stark präsent, indem sie Lösungsvorschläge häufig als direkte Handlungsaufforderungen formuliert. In den deutschsprachigen Kulturen wird den Mitarbeitenden hingegen in der Regel mehr Handlungsfreiheit gelassen: Die Führungskraft bittet zunächst um ein Bild der Lage und macht dann ein Unterstützungsangebot, um zusammen mit den Beschäftigten auf eine Lösung hinzuarbeiten. 

Besonders auffällig ist, dass diese gemeinschaftliche Suche nach der Lösung sogleich hinfällig zu werden droht, sobald sich die Mitarbeitenden auf derselben hierarchischen Ebene befinden und es sich um kleinere Verfehlungen wie einen verschmutzten Kühlschrank handelt. Hier sind die Deutschen schnell mit Beschwerde und Beschuldigung bei der Hand, während in den russischen Konfliktgesprächen häufiger auch mal die Wendung „Lasst uns ...“ zu finden ist. Französische Beschäftigte lassen solche Vergehen sogar häufig ganz unter den Tisch fallen und sparen ihre Energie lieber für richtige Konflikte auf. Sich diese kulturellen Unterschiede regelmäßig ins Bewusstsein zu rufen, kann laut Studienautorin Thielemann dabei helfen, besser miteinander auszukommen und eine Konfliktkultur aufzubauen, in der sich jeder wohlfühlt.

Autor(en): Sarah Lambers


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