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'Personalentwicklung muss sich ändern'

Jane Hart auf der Learntec 2019


Mit Jane Hart hat sich die Learntec eine ausgewiesene Lernexpertin an die Seite geholt. Die Britin ergänzt neuerdings das Kongresskomitee. Neben mehreren englischsprachigen Referenten, die sie nach Karlsruhe geholt hat, hielt ihr Verständnis von Modern Workplace Learning Einzug.

managerSeminare: Frau Hart, Sie sind in das Kongresskommitee der Learntec eingestiegen. Was hat Sie dazu bewegt? Und in welche Richtung möchten Sie die Learntec entwickeln?

Jane Hart: Vordergründig bin ich eingestiegen, um für die Konferenz einen englischsprachigen Programmteil aufzusetzen. Allerdings geht es mir auch um ein stark erweitertes Verständnis von Lernen: Mein Ziel ist es, dass wir ganz anders über Training und über berufliche Weiterbildung nachdenken als bisher.

Sie stehen ja für das Thema Workplace Learning ...

Ich spreche gern von 'Modern Workplace Learning' als Abgrenzung zur herkömmlichen Personalentwicklung, bei der sich alles um die Konzeption von Trainingsmaßnahmen dreht, die andere nur konsumieren müssen. Meine Vorstellung ist eine andere: Lernen sollte sehr viel umfassender verstanden werden als bisher, denn wir lernen nicht nur durch Angebote, die für uns gemacht sind. Die Rolle der Personalentwicklung muss sich dahingehend ändern, dass sie neue Arten des Lernens moderiert und ermöglicht. Die neuen Fragen in der Diskussion sind daher: Wie können wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen, selbstständige, unabhängige und lebenslange Lernende zu werden? Und wie können wir Führungskräfte unterstützen, ihrem Team dabei zu helfen, das meiste aus sich und ihren Aufgaben herauszuholen, um sich am Arbeitsplatz ständig lernend weiterzuentwickeln?

Womit haben Unternehmen die meisten Schwierigkeiten beim Umsetzen von Workplace Learning?

Die meisten von ihnen haben noch sehr traditionelle Strukturen, alles ist hierarchisch organisiert, auf Kontrolle ausgerichtet und von oben gesteuert. Aber modernes Workplace Learning funktioniert eher bottom-up, selbstorganisiert, selbstgesteuert und autonom. Hier sind Konflikte unvermeidlich. Viele Führungskräfte verstehen zwar schon, dass sich einiges ändern muss und wir andere Lernwege ermöglichen sollten. Vielen etablierten Unternehmen aber fällt es schwer, ihre Haltung zu verändern und andere Konzepte zuzulassen.

Und für den einzelnen Lerner: Wo liegen da die Herausforderungen?

Vielen fällt es noch schwer zu erkennen, wie wichtig das ständige Lernen und die persönliche Weiterentwicklung für die eigene Zukunft sind. Jeder muss lebenslang lernen, um mit den immer rasanteren Veränderungen der Arbeit und der Entwicklung des Wissens mithalten zu können. Vor allem auch deshalb, weil wir nicht mehr lebenslang in einem Job bleiben werden und folglich ständig an die eigene Zukunft denken sollten. Trotzdem denken viele immer noch, dass Lernen nicht so wichtig ist und dass sie schon mit den Lerninhalten versorgt werden, die sie für ihren Job brauchen. Die große Falle ist, dass Mitarbeiter deshalb passiv bleiben. Aber Unternehmen haben gar kein Interesse daran, ihre Mitarbeiter für einen anderen Job weiterzuentwickeln – sie trainieren ihre Leute nur für den Job, den sie im Augenblick tun. Unternehmen sehen oft nicht das 'Bigger Picture'. Dabei könnten sie umso mehr profitieren, je mehr sie an die Zukunft denken und an die Kompetenzen, die ihre Mitarbeitenden brauchen, um in ihr bestehen zu können. Das wäre eine Win-win-Situation für alle.

Sie fragen jedes Jahr seit 2007 Lear­ning Professionals nach ihren Top Tools fürs Lernen. Welche sind aktuell die beliebtesten und daher interessantesten?

Tatsächlich haben sich die Spitzenreiter in den vergangenen Jahren kaum verändert. Auf Platz eins steht diesmal Youtube, im Jahr zuvor war es Twitter. Aber das macht wenig Unterschied. Die Platzierungen zeigen, dass die Top-Lerntools keine traditionellen Lernmethoden sind – lustigerweise waren sie es noch nie. Sie werden aber für die persönliche Weiterentwicklung benutzt, und vor allem, um täglich Neues zu lernen. Manche erkennen das ganz bewusst, manche aber merken gar nicht, dass sie über Tools wie Twitter und YouTtube täglich Neues lernen.

Was für Schlüsse sollten Unternehmen daraus ziehen?

Die Umfrage bezieht sich zwar nur auf Lernwerkzeuge, gibt aber natürlich auch Einblick in das Lernverhalten von Nutzern. Sie zeigt, dass Individuen zwar auch noch in Seminaren lernen, aber dass sie diese nicht als die wichtigste Art des Lernens ansehen. Das müssen Unternehmen anerkennen und diese vielfältigen neuen Lernwege nicht nur zulassen, sondern auch aktiv unterstützen. Ich denke aber, dass Unternehmen beginnen, zu verstehen, dass in diesen Kanälen die Zukunft des Lernens liegt und Lernen individueller, unmittelbarer, selbstgesteuerter wird.

Was wird aus den Trainern, wenn Lernen zunehmend selbstgesteuert passiert?

Nun, es wird sicher immer noch eine Nachfrage nach Seminaren und Trainings geben, das wird nicht völlig verschwinden. Aber die Rolle der Trainerinnen und Trainer wird sich ändern – sie werden weniger Wissensvermittler als eher Lernbegleiter, Moderatorinnen oder Coachs sein, die den Lernenden helfen, das zu finden, was sie brauchen. Sie werden auf sehr viel individuellere Art das Lernen unterstützen und sehr viel persönlichere Lernerfahrungen gestalten müssen statt Standard-Weiterbildungen anzubieten.

Was wird aus dem Seminar? Hat es noch eine Zukunft?

Schon – solange Seminare kollaborativ und interaktiv angelegt sind und allen, die teilnehmen, dabei helfen, das Gelernte anwenden zu können, und nicht nur Wissen frontal präsentieren. Dann werden sie auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Schon weil Menschen manchmal gern ihren Arbeitsplatz verlassen, um neue Ideen zu sammeln oder eine Herausforderung zu diskutieren oder etwas neu Gelerntes anzuwenden. Deshalb bin ich sicher, dass es Seminare noch lange geben wird – sie werden sicher nicht die Zukunft des Lernens sein, aber ein Bestandteil dieser Zukunft.

Das Interview führte Nicole Bußmann.

Die Learntec 2019 in Zahlen
Die 27. Ausgabe der Learntec, die vom 29. bis 31. Januar 2019 in Karlsruhe stattfand, verzeichnete ein neues Rekordergebnis: Rund 11.600 Besucher (2018: circa 10.000) und 340 Aussteller (im Vorjahr: 300) zeugten von der steigenden Relevanz der Themen Digitalisierung und Bildung. Wie es sich für die Learntec gehört, ging es auf der Messe um bekannte wie neue Lerntechnologien. Zu Ersteren zählten Lernmanagementsysteme, Wissensplattformen, Web Based Trainings und Lernvideos. Neue Techniktrends drehten sich um die Verwendung von Datenbrillen und künstlicher Intelligenz. Erstmals gab es auf der Messe eine eigene Area für Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen, auf der Besucher mögliche Umsetzungsarten von VR/AR ausprobieren konnten. Im Kongressteil der Learntec ging es verstärkt um die Frage, wie Lernen in einer digitalen, schnell veränderlichen Arbeitswelt aussehen kann. Auffällig stark vertreten war das von Lernexpertin Jane Hart propagierte und moderierte Thema Workplace Learning und seine Implikationen für die Personalentwicklung der Zukunft. Hart ist neues Mitglied des Kongresskomitees der Learntec und wird daher auch in Zukunft für einen englischsprachigen Track zu dem Thema Zukunft des ­Lernens/der Personalentwicklung sorgen.

Autor(en): Nicole Bußmann


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