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Wie der Mittelstand neue Ideen entwickelt

Innovationskultur bei Familienunternehmen


Mit Innovation Hubs und Inkubatoren treiben große Konzerne ihre Innovationen voran. Doch wie gehen Familienunternehmen und Mittelständler bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle vor? Dieser Frage sind die WHU – Otto Beisheim School of Management und die Beratungsgesellschaft Andersch in einer gemeinsamen Studie nachgegangen.

Wissenschaftler der WHU führten persönliche Gespräche mit insgesamt 37 deutschen Familien- und Mittelstands­unternehmen. Dabei wurde zunächst einmal eine große Gemeinsamkeit deutlich: Genau wie Großkonzerne wissen auch Mittelständler um die Dringlichkeit von Innovationen, und auch ihnen ist bewusst, dass grundlegende Veränderungen nicht mit vorhandenen Strukturen und Prozessen hervorgebracht werden können. Deshalb setzen auch die untersuchten Familienunternehmen auf spezielle Teams, die sich auf Innovationen fokussieren. Häufig entwickeln sich diese Teams aus den bestehenden Strukturen heraus – also aus einer Abteilung, einer Projektgruppe oder aus interdisziplinärer Zusammenarbeit. Mitarbeitende finden sich zusammen und entwickeln konkrete Ideen, worauf aus ihnen ein eigenständiges Team gebildet und mit Ressourcen ausgestattet wird. In Aufbau, Entwicklung und Führung dieser Innovationsteams unterscheiden sich Mittelständler deutlich von der Vorgehensweise von Konzernen oder auch Startups:

Risiken werden möglichst gering gehalten: Insbesondere Startups, aber auch viele Großkonzerne gehen häufig hohe Risiken ein – auch finanziell –, in der Hoffnung so auf eine bahnbrechende Idee zu stoßen. Familienunternehmen hingegen gehen sehr viel kleinschrittiger und deshalb auch risikoärmer vor. Sie suchen gezielt nach Ideen, versuchen diese dann zu validieren und erhöhen Schritt für Schritt die Ressourcen. Stoßen sie dabei auf einen vielversprechenden Ansatz, wird dieser sehr konsequent und zielstrebig verfolgt – und auch mit finanziellen Mitteln unterstützt.

Jährlich festgelegte Finanzierung: Die notwendigen finanziellen Mittel für das Innovationsteam und dessen Ideen werden in der Jahresplanung geschätzt und aufgenommen. Das Budget ist also für das gesamte Jahr fix und die Kosten sind gedeckelt. Das macht das Vorgehen sicherer, aber auch weniger flexibel. Startups dagegen können beispielsweise akut nach weiteren Investoren suchen, sollten sie feststellen, dass sie dringend Personal oder andere Ressourcen für ihr Vorhaben brauchen. Sie können also sehr viel flexibler auf etwaige Fort- oder Rückschritte im Innovationsprozess reagieren.

Topmanagement wird weder am Risiko noch am konkreten Erfolg beteiligt: Nur drei der befragten 37 Mittelstands- und Familienunternehmen erlauben es ihren Führungskräften, sich selbst am Unternehmen bzw. dem Innovationsvorhaben zu beteiligen. Dadurch gehen diese kein Risiko ein, haben aber auch keinen direkten Anteil an einem möglichen Erfolg. Vor allem bei Startups ist eine Beteiligung mehrerer Gründungsmitglieder üblich. Die Studienautoren vermuten, dass den Familienunternehmen hier einige potenzielle Talente entgehen, die nicht nur klassisch angestellt, sondern direkt an einem Unternehmen beteiligt sein wollen.

Enge Bindung an das Unternehmen: Während Innovation Hubs großer Konzerne häufig sehr eigenständig und frei arbeiten, sind die Innovationsteams der Mittelständler eng an das Unternehmen gebunden. Das hat Vorteile, denn die Kommunikationswege sind kurz, Ziele lassen sich stetig anpassen und Unternehmen und Innovationsteam arbeiten nicht aneinander vorbei. Aber das raubt auch Dynamik und Eigenständigkeit, die Unternehmen laufen so Gefahr, dass kreative Ansätze untergehen.

Rekrutierung in den eigenen Reihen: Die Innovationsteams der Familienunternehmen bestehen in der Regel aus alteingesessenen Mitarbeitenden, die Unternehmen und Branche bereits kennen. Wenn es für die konkrete Umsetzung einzelner Ideen an Know-how fehlt, wird gezielt nach diesen Kompetenzen rekrutiert. Deshalb stammen die Mitarbeitenden der Innovationsteams nur selten aus dem Startup-Umfeld. Das erleichtert die Eingliederung neuer Kollegen, befördert aber nicht unbedingt den Ideenreichtum.

Mike Zöller, Partner bei der Beratungsgesellschaft Andersch, fasst die Befunde zusammen: 'Deutsche Unternehmerfamilien setzen auf Sicherheit – ohne dabei die Chancen aus dem Blickfeld zu verlieren. Es geht eher um Evolution als um Disruption. Um wendiger und vielleicht noch radikal innovativer zu werden, müssten sie allerdings deutlich höhere Risiken eingehen.' Die Studie zeigt verschiedene Punkte auf, an denen die Familienunternehmen ansetzen könnten, um ihre Innovationskraft noch zu steigern. 

Die Studie kann hier angefragt werden: www.bit.ly/35ZWq08.

Autor(en): Marie Pein


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