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Wenig Lust auf Selbstentfaltung

Gesellschaft und Arbeitswelt


Unternehmen brauchen, so heißt es, Mitarbeiter, die viel für Selbstorganisation, Selbstverantwortung, Change und Experimentieren übrighaben, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Aber viele Menschen in Deutschland ticken anders, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Untersuchung 'Next Germany: Aufbruch in die neue Wir-Gesellschaft', die das Zukunftsinstitut aus Frankfurt/Main gemeinsam mit dem Bremer Forschungs- und Beratungsunternehmen nextpractice vorgelegt hat, belegt, dass tatsächlich eine Spaltung durch die deutsche Gesellschaft verläuft. 'Es gibt zwei große Wertewelten, die sich nicht verstehen wollen und auch nicht können', so Studienleiter Christian Schuldt. Auf der einen Seite stehen Menschen, die eine starke Präferenz für individuelle Selbstentfaltung, Leistung, Abwechslung und aktive Lebensweltgestaltung haben. 'Man könnte sie Ichlinge nennen', sagt Schuldt. Auf der anderen Seite stehen all jene, die eine große Sehnsucht nach einem verbindlichen Wir, Sicherheit, Solidarität und Stabilität haben – 'Wirlinge' sozusagen. Beide Gruppen werfen sich gegenseitig entweder Egoismus vor oder – spitz gesagt – die Neigung, sich von der Gesellschaft durchfüttern zu lassen. Das führe, heißt es in der Studie, politisch und gesellschaftlich zu einer Pattsituation. Wobei auf individueller Ebene derzeit vor allem die Ichlinge im Vorteil sind, denn, so Schuldt: 'Sie bringen Eigenschaften mit, die sie gut durch die Realität einer zunehmend komplexen, vernetzten Gesellschaft bringen.' Wer dagegen ängstlich und sicherheitsorientiert sei, bekomme eher Probleme.

Das gilt gerade für die Arbeitswelt, wo Firmen vermehrt Selbstverantwortung einfordern – im Extremfall bis hin zum maximal flexiblen Arbeitnehmer jenseits der Festanstellung. Allerdings gibt es gerade in der Arbeitswelt, so Schuldt, auch gute Beispiele, die zeigen, wie die Spaltung überwunden werden kann, also Ichlinge für eine stärkere Betonung des Wir und Wirlinge für mehr Eigeninititiative und Machertum gewonnen werden können: Projekte und Aufgaben, die sich gar nicht anders stemmen lassen als durch Kooperation, Partizipation und Vertrauen – bei gleichzeitiger Wahrnehmung von Eigenverantwortung. Ähnliches zeichnet sich laut der Erhebung derzeit in der Gesellschaft ab: Immer mehr Bürger setzen sich in Gruppen selbstorganisiert für gesellschaftliche Belange ein, etwa in Social-Crowdfunding-Projekten. 'Progressives Wir' nennen die Studienmacher diese Haltung eines starken Ichs im Einsatz für das Wir, die es in Zukunft verstärkt brauche.

Doch die Forderung nach Selbstorganisation wird einen Großteil der Menschen nur dann nicht überfordern, wenn noch etwas Wichtiges hinzukommt: die richtigen Rahmenbedingungen. 'Selbstorganisation braucht Kompetenz und Sicherheit', so Schuldt. Das ist das wichtigste Fazit, das sich aus der Erhebung ziehen lässt, die auf mehreren Einzelstudien beruht, die nextpractice in den vergangenen elf Jahren durchgeführt hat.

Die Studie kann unter www.zukunftsinstitut.de für 190 Euro bestellt werden.

Autor(en): Sylvia Jumpertz

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