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Weniger Wille zur Macht

Frauen in Führungspositionen


In der Diskussion über den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen wird dieser Grund ab und zu angeführt, zumeist aber mit Verweis auf überholtes Schubladendenken wieder beiseitegewischt: der bei Frauen geringer ausgeprägte Wunsch, andere Menschen zu führen. Tatsächlich scheint an diesem Klischee aber mehr dran zu sein, als nur ein paar Körnchen Wahrheit. Das geht aus einer groß angelegten Studie hervor, die ein Forscherteam der Goethe-Universität in Frankfurt, der Kühne Logistics University in Hamburg und der Bochumer Ruhr-Universität durchgeführt hat. Zum einen befragten die Wissenschaftler mehr als 1.500 Beschäftigte zu ihrer Machtmotivation. Ergebnis: Die weiblichen Befragten fanden im Schnitt deutlich weniger Gefallen daran, anderen Anweisungen zu geben und für andere Entscheidungen zu treffen als die männlichen Studienteilnehmer. Auch in ihrem Wunsch nach Einfluss blieben die Frauen klar hinter den Männern zurück. Zum anderen beobachteten die Forscher über zwölf Wochen lang Studenten, die in Kleingruppen zusammenarbeiteten. Die Beobachtungsergebnisse passten zu den Resultaten der Befragung: Die Studentinnen zeigten sich weniger machtbewusst als ihre Kommilitonen und überließen diesen in den meisten Fällen bereitwillig die Führung der Gruppe.

'Die Ergebnisse zeigen, dass fehlende Machtmotivation durchaus einen Teil der aktuellen Besetzung von Führungspositionen erklären kann', sagt Niels van Quaquebeke von der Kühne Logistics University. Da der geringer ausgeprägte Führungsanspruch der Frauen nach Ansicht der Wissenschaftler zu einem wesentlichen Teil aus gelernten Rollenbildern resultiert, sehen sie in ihm einen Ansatzpunkt zur Förderung des weiblichen Führungsnachwuchses. Rolf van Dick von der Universität in Frankfurt: 'Führung muss man zwar wollen. Aber diesen Willen kann man lernen.' Führungskräftetrainings und Mentoren-Programme könnten die Lust auf Führung stärken und Frauen ermutigen, auf Führungspositionen hinzustreben. Ein ausführlicher Studienbericht er­­scheint in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Business Ethics.

Autor(en): (ama)


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