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Schubladen klemmen stärker als gedacht

Experiment zum Kategoriendenken


Der Kreative, der Fleißige, der Mutige, der Bedenkenträger … auch Führungskräfte neigen bei der Beurteilung von Personen – ob Mitarbeiter, Kollegen oder Kunden – zum Schubladendenken. Das ist nicht nur menschlich, sondern auch notwendig, denn Kategorisierungen reduzieren Komplexität und entlasten so den Arbeitsspeicher. Zum Problem wird die Kategorisierungstendenz dann, wenn sich die Schublade nicht mehr öffnen lässt. Und diese Gefahr ist anscheinend größer, als viele Sozialpsychologen vermuten. Darauf deutet ein Experiment hin, das zwei Forscher der Universität Utrecht durchgeführt haben. Francesco Feroni und Myron Rothbart zeigten 121 Studenten am Bildschirm neun Frauensilhouetten, geordnet nach ihrer Körperfülle von schlank bis mollig. Auf den Bildschirmen der einen Hälfte der Probanden waren die neun Silhouetten in drei Kategorien unterteilt. Die ersten drei wurden als 'magersüchtig' bezeichnet, die nächsten drei als 'normalgewichtig', die letzten drei als 'fettleibig'. Anschließend wurden nach dem Zufallsprinzip immer zwei Silhouetten herausgepickt, deren Ähnlichkeit alle Versuchsteilnehmer auf einer Skala bewerten sollten. Das Ergebnis: Die Mitglieder der Kategoriengruppe bewerteten das gleiche Paar als deutlich ähnlicher als die Mitglieder der anderen Gruppe, wenn die beiden Silhouetten zur gleichen vorher gezeigten Kategorie gehörten.

In der nächsten Phase teilten die Versuchsleiter der Kategoriengruppe mit, dass die zuvor gemachte Einteilung laut neueren Studien keine Aussagekraft habe, da sie den individuellen Unterschieden des menschlichen Körpers nicht gerecht würde. Auf diese Weise sollte die Kategorisierung rückwirkend entkräftet werden. Dann wiederholten sie den Versuch – das Ergebnis war allerdings exakt das gleiche. Wieder bewertete die Kategoriengruppe Ähnlichkeiten von Silhouetten um den gleichen Faktor stärker, wenn sie sie anfangs derselben Kategorie zugeordnet gesehen hatten. Die Ergebnisse zeigen, wie hartnäckig Urteile sind, die wir uns über andere Menschen bilden, schreiben die Forscher im Studienbericht, den das Journal of Experimental Social Psychology veröffentlicht hat. Die einfache Strategie, zu der sie raten: Öfters genauer hinschauen und ab und zu bewusst nach Beispielen suchen, die der eigenen Bewertung zuwiderlaufen.

Autor(en): (ama)


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