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'Unternehmerischen Mut kann man lernen'

Entrepreneurship-Forscher im Interview


Was ist das Geheimnis erfolgreicher Gründer? Sind es bestimmte Persönlichkeitseigenschaften? Ist es ihre Risikobereitschaft und ihr Wille? Angeborener Gründergeist? Entrepreneurship-Forscher Andreas Rauch im Interview mit Berater Lutz Langhoff.


Lutz Langhoff: Professor Rauch, es gibt ja die landläufige Überzeugung vom Gründer-Gen. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Andreas Rauch: Bei der Frage nach dem Gründer-Gen hat es in den vergangenen 40 Jahren etliche unterschiedliche Wellen gegeben. Besonders in den 70er- und 80er-Jahren hat man gesagt, dass Persönlichkeit für den Erfolg als Unternehmensgründer nicht wichtig ist, sondern es allein aufs Wissen ankommt. Heute misst man dem Faktor Persönlichkeit etwas mehr Bedeutung zu.

Also gibt es tatsächlich eine Art Gründer-Gen?

Die Gruppe der Unternehmer ist so heterogen, dass die Frage nach einer definierbaren Unternehmerpersönlichkeit nicht funktioniert. Ein Gründer-Gen kann es also gar nicht geben. Nach meinen Studien sind bestimmte Persönlichkeitseigenschaften für sieben bis acht Prozent des Erfolgs verantwortlich. Die sind etwa zur Hälfte angeboren, die andere Hälfte kann man entwickeln. Besonders wichtig ist die Leistungsmotivstärke. Hierunter versteht man die Bereitschaft, Aufgaben zu übernehmen, um die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Die Leistungsmotivstärke führt zu sogenannten Mastery Experiences – die eigene erbrachte Leistung sorgt für Zufriedenheit und Motivation. Honorierung und Anerkennung sind für stark leistungsmotivierte Menschen dagegen weniger wichtig.

Welche weiteren Persönlichkeitseigenschaften sind entscheidend?

Neben der Leistungsmotiv­stärke vor allem Selbstwirksamkeitserwartung, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Innovativität, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit. Alle diese Eigenschaften sind nicht so stark genetisch determiniert wie die Big Five, die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit, und können sich in einem bestimmten Rahmen entwickeln. Unternehmerischen Mut kann man also lernen. Natürlich braucht es dafür eine gewisse Disposition der Eigenschaften. Aber im Prinzip können diese sich viele Menschen erarbeiten.

Risikobereitschaft als Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg haben Sie nicht genannt ...  


Weil Risikobereitschaft kein guter Prädikator für unter­nehmerischen Erfolg ist. Die Zusammenhänge gehen gegen null. Jeder unternehmerisch tätige Mensch muss schnell lernen, die Risiken zu minimieren und Sicherheit zu schaffen.

Die angeborene Intelligenz ist aber schon wichtig ...


Im Prinzip reicht eine gewisse Grundintelligenz. Ich kenne erfolgreiche Bauunternehmer mit einem IQ deutlich unter 100. Wenn ich sie in meinen Studien befrage, verstehen sie die Hälfte der gestellten Fragen nicht – aber ihre Unternehmen florieren und ihre Einkommen liegen ein Vielfaches über dem meinem. Ich muss also ein Minimum an Intelligenz mitbringen, ein Mehr ist aber natürlich nicht schlecht und dürfte im Schnitt auch ein Mehr an Erfolg mit sich bringen.

Was bedeuten diese Ergebnisse für jemanden, der sein unternehmerisches Feuer wecken will?

Es ist wichtig, dass er reflektiert: Welche Persönlichkeitseigenschaften habe ich? Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Er sollte sich dann auf seine Stärken fokussieren und für die Schwächen Partner suchen. Nicht umsonst sind die Hälfte aller Start-ups Teamgründungen. Und es ist gut, wenn die Teammitglieder sehr unterschiedlich sind. Aber eins müssen alle Gründer mitbringen: den Willen, sich durchzubeißen und eine Menge Zeit zu investieren.

Was sind die konkreten Schritte, um unternehmerisches Denken und Handeln zu lernen?

Zuerst gilt es, sich über seine Ziele klar zu werden. Diese benennen, spezifizieren und sich immer wieder fragen: Sind das wirklich meine Ziele? Die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen ist der zweite Schritt, wobei zu diesem auch gehört, die erkannten Stärken zu stärken. Drittens: Mit Fachleuten und anderen Gründern reden, reden, reden. Die Idee muss reifen und dafür braucht es intensiven Austausch und Feedback. Vor allem sollte über die Strategie und die ausgemachte Nische gesprochen werden. Der vierte Schritt ist die Entscheidung, wann genau man in die Nische hineinspringen will. Wobei gilt: nicht ewig warten. Wenn man den richtigen Zeitpunkt für gekommen hält, dann sollte man auch loslegen.

Haben Sie auch einen Tipp für die ersten Jahre, die ja für Gründer oft hart sind?


Wir hatten hier an der Uni vor Kurzem den Gründer von Intershop. Er benutzte ein wunderbares Bild: Gründen ist wie Surfen auf einer Monsterwelle. Wer sich entschieden hat, sie zu reiten, muss auf der Welle bleiben. Es gibt kein Zurück, kein Aussteigen oder Anhalten. Die Welle trägt einen, man trägt sich nicht selbst.

Autor(en): (Lutz Langhoff)


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