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Wackliger Ritt auf neuer Welle

DGFP-Kongress 2014


'Die nächste Welle der Globalisierung?' lautete das Motto, unter das die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) ihren Kongress Mitte Mai in Hamburg gestellt hat. Eine große Woge der Erkenntnis schwappte dabei nicht über, lediglich Tropfen der Inspiration.

Der Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Personalführung entwickelt sich mehr und mehr zur Wanderveranstaltung. Lange Jahre in Wiesbaden beheimatet, zwei Mal in Frankfurt veranstaltet, hat die DGFP ihren Kongress dieses Jahr gesplittet und beide Veranstaltungen an neue Orte verfrachtet. Die eine, die sich an Young Professionals aus dem HR-Bereich richtet, findet Mitte September in Berlin statt. Die andere, die gerade in Hamburg lief, adressiert Top-Entscheider.

Grund für die Neupositionierung könnte die starke Konkurrenz durch den Kongress des Bundesverbandes der Personalmanager (BMP) sein, der seit 2009 jährlich große Besucherzahlen ins Berliner Estrel lockt. Die DGFP indes musste stets sinkende Zahlen hinnehmen, zuletzt kamen nach Frankfurt nur noch 400 Personaler. Dieses Jahr hat sie ihre Kongressteilnehmer weiter reduziert: auf 250. Gewollt, wie die Erklärung von Katharina Heuer bei der Veranstaltungseröffnung in Hamburg vermuten lässt: 'Wir wollen in diesem exklusiven Kreis die Herauforderungen für HR vom Markt her und nicht aus der Unternehmensperspektive heraus betrachten', sagte die DGFP-Ge­schäftsführerin. Zusammengekommen war der 'exklusive Kreis' auf einem Museumsfrachtschiff im Hamburger Überseehafen, am nächstem Tag zog er um ins Kreuzfahrtterminal. Die beiden Locations passten zum Veranstaltungsmotto wie Remoulade zu frittiertem Fisch. 'Die nächste Welle der Globalisierung?' lautete die Frage, die durch die Vorträge und Diskussionen leiten sollte.

Ein großer Name war geladen, um für einen großen Einstieg in den Kongress zu sorgen: Die DGFP hatte den streitbaren Philosophen Peter Sloterdijk ins oder genauer gesagt aufs Boot geholt. In seiner Keynote informierte Sloterdijk – etwa über die Anfänge der Globalisierung, die er im antiken Griechenland verortet: 'Die Philosophen vor 2.500 Jahren haben die Menschen erstmals gezwungen, über das Unsichtbare nachzudenken und damit das kosmopolitische Denken begründet.' Slotterdijk inspirierte: 'Globalisierung ist ein Lernimperativ. Sie erfordert eine Verständigung über ein gemeinsames Lernprogramm.' Sloterdijk provozierte, wobei man darüber streiten kann, ob er die Grenzen der philosophischen Freiheit überschritt. Über Kolumbus, den er in seiner Rolle als Seefahrer und Entdecker als einen der Pioniere der Globalisierung beschrieb, sagte er: 'Kolumbus war der erste Personalmanager.' Er habe seine Mannschaft auf ein unheimliches Unternehmen mitgenommen und sie jeden Tag über die Fortschritte belogen, indem er das Logbuch fälschte. Und den Entdecker Magellan bezeichnete Sloterdijk als „konsequenten Personalführer“, weil er einen seiner Offiziere erschoss, der Zweifel am Sinn der Expedition anmerkte. 'Im Ringen des Unternehmenswillens mit dem Mitarbeiterwillen sind keine Kompromisse möglich', formulierte der Philosoph. Derbe Aussagen, mit denen Sloterdijk der Personalfunktion vors Schienbein trat.

DGFP-Vorstandsvorsitzender Gerhard Rübling zeigte sich von Sloterdijks Provokationen unbeeindruckt, zog seinen Folgevortrag mit der ihm eigenen schwäbischen Gelassenheit durch. Darin folgte er, wenn man so will, dem vom Philosophen ausgerufenen Lernimperativ, denn er lieferte eine Lesson Learned aus seinem Unternehmen, der Trumpf GmbH. Die hat gerade eine chinesische Firma übernommen, die Verhandlungen liefen über drei Jahre. 'Mit der Zeit stellte sich heraus, dass unser Übersetzer manches, was wir sagten, wegließ, anderes, was wir nicht gesagt hatten, hinzufügte', sagte Rübling. Der Ärger darüber wandelte sich zu einem, wie der Geschäftsführer es ausdrückte, Crashkurs in Demut. Der Übersetzer erklärte ihnen, dass manche ihrer Aussagen von den Chinesen – wenn sie sie verstanden hätten – als beleidigend, arrogant oder unverschämt aufgefasst worden wären. 'Es reicht nicht, Positionen, Strategien oder auch Personalinstrumente einfach in eine andere Sprache zu übersetzen, vielmehr müssen sie in den Kontext der anderen Kultur transformiert werden', formulierte Rübling die essenzielle Einsicht.

Dass Rübling von China-Erfahrungen berichtete, passte zu­­min­dest zu der einen klaren Botschaft, die der Kongress hervorbrachte: 'Vergessen Sie In­­dien, vergessen Sie Russland, vergessen Sie Brasilien, China be­­stimmt die nächste Welle der Globalisierung', formulierte sie der Kolumnist und Asienspezialist Frank Sieren in seinem Vortrag. Um die Welle nicht zu verpassen, darin waren sich die geladenen Unternehmensvertreter in ihren Vorträgen einig, gilt es heute schon, Standbeine im Reich der Mitte aufzubauen. Was allerdings zunehmend schwerer wird, vor allem aufgrund der Knappheit qualifizierter lokaler Kräfte. 'Der Wettbewerb um diese ist extrem', sagte etwa Björn Vöhl, der bei der Egmont Media Group die Landesgesellschaften China und Thailand leitet. Aus diesem Grund führt das Unternehmen mit den lokalen Fach- und Führungskräften mindestens jedes halbes Jahr Karrieregespräche: 'Wenn Sie den Beschäftigen nicht permanent eine neue, interessante Karriereperspektive aufzeigen, sind sie weg', formulierte der Topmanager.

Weniger klar waren die Aussagen der Referenten aus Politik, Wirtschaft und Forschung zur Gestaltung der Globalisierung, über politische Rahmenbedingungen, oder auch zu Gewinnern und Verlierern der Entwicklung. Viel Selbstdarstellung prägte ihre Vorträge, wenig Inspiration lieferten sie. Oftmals war weder für die Teilnehmer noch offenbar für die Referenten ersichtlich, warum sie geladen waren und was sie leisten sollten.  

Die vielleicht stärkste Inspiration des Kongresses kam mithin auch nicht von einem von ihnen, auch nicht vom Philosophen, sondern von einem der Praktiker. Manager Vöhl lieferte sie mit einer Metapher, mit der er die Situation ins Ausland expandierender Unternehmen be­­schrieb. 'Sie befinden sich in der gleichen Situation wie ein Surfer, der das erste Mal die Brandung eines Strandes testet. Wie gut er zurechtkommt, hängt davon ab, wie schnell es ihm gelingt, die Wellen zu lesen, ihren Rhythmus zu verstehen, von seiner Anpassungsfähigkeit, seinem Geschick, aber auch seinem Mut und seiner Experimentierfreude.'

Mut und Experimentierfreude hat zweifelsohne auch die DGFP bewiesen. Wurde auf den DGFP-Kongressen in der Vergangenheit meist ein Rad quer durch die aktuellen Themen der Personalarbeit geschlagen, bildete auf der ersten Veranstaltung in Hamburg mit der Globalisierung erstmals ein großes gesellschaftliches Thema die Klammer für alle Vorträge. Die DGFP ritt eine neue Welle, sicher stand sie nicht auf dem Brett.

Autor(en): (ama, nbu)


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