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Kognitiver Quickie

Buchkritik: Tom Peters 'The Little Big Things'


Es ist wieder einmal so weit: Der deutsche Buchmarkt ist um ein weiteres Buch von Tom Peters reicher. Der Management-Guru widmet sich in 'The Little Big Things' den scheinbaren Kleinigkeiten, die oft das Zünglein an der Waage des Erfolges sind. Das Buch liefert Weisheiten für den schnellen Inspirationshunger zwischendurch.

Tom Peters – Unternehmensberater und amtierender Management-Guru seit über 30 Jahren – bleibt seinem Ruf als Polarisierer treu. Sein jüngst auf Deutsch erschienenes siebzehntes Buch 'The Little Big Things: 163 Wege zur Spitzenleistung' jedenfalls ist wieder einmal Geschmackssache. Leser, die vom poppig bunten Design des vorherigen Peters-Buches – 'Re-Imagine' – begeistert waren, werden nun zwar vielleicht etwas enttäuscht sein. Denn auf den ersten Blick kommt das schwarz-weiße Layout vergleichsweise zurückhaltend daher. Was übrigens auch schon beim amerikanischen Original der Fall ist. Allerdings finden Freunde der schnellen Lektüre und unangestrengten Inspiration dennoch auf nahezu sämtlichen Seiten alles andere als eine Bleiwüste vor. Im Gegenteil: ziemlich viele fette Hervorhebungen, ziemlich viele Gedanken-Pünktchen, ziemlich viele Ausrufungszeichen. Und dazwischen: ziemlich viel Leerraum. Anders als die Fans kognitiver Quickies dürfte das Buch deshalb auch all jene abschrecken, die von zu viel Sprunghaftigkeit und Gedankenschnipseligkeit schnell genervt sind und sich von einem Managementbuch mehr Tiefgang erhoffen.

Tatsächlich entspricht der Inhalt ganz dem Stil. Vieles wird unterhaltsam angerissen, nichts jedoch breit ausgeführt. Peters’ Buch ist ein typisches Herumblätter-Buch, in dem sich stöbern lässt, ohne dass man dabei die grauen Zellen auf Hochdampf einstellen müsste. Weiß man um seine Entstehungsgeschichte, wundert das nicht: Das Buch besteht nämlich im Wesentlichen aus den Einträgen, die Peters seit Jahren in seinem Blog veröffentlicht hat. Und wie das bei Bloggern so ist, macht er sich mal zu diesem, mal zu jenem Thema seine Gedanken – oft klug, pointiert, anekdotisch, aber eben auch kurz gehalten. Das Buch daher: ein Sammelsurium von Überlegungen, Hinweisen, Erkenntnissen, Weisheiten und Tipps, die eher inspirativen, auch appellativen Charakter haben als wissensvermittelnden.

Unterschätzte Toiletten

Peters’ Appell lautet: 'Hart ist weich. Und weich ist hart.' Das heißt: Wirtschaftlicher Erfolg – seit seinem 80er-Jahre-Bestseller 'Auf der Suche nach Spitzenleistungen' Peters’ Lieblingsthema – ist vor allem von vielen, oft unterschätzten Kleinigkeiten abhängig. Was den Verantwortlichen alles andere als klar sei. Peters in seinem Vorwort: 'Die meisten Wirtschaftswissenschaftler und Strategie-Gurus peilen es schlicht nicht.' Provokativ legt der Managementforscher denn auch gleich mit der (scheinbar) profansten Sache der Welt los: dem Thema Toiletten. Die nämlich, findet Peters, seien das beste 'Wir-kümmern-uns-Zeichen' in jedem Einzelhandelsgeschäft und jedem Büro.

Managern sind oft die simpelsten Weisheiten nicht präsent

Doch nicht nur Äußerlichkeiten wie kreativ gestaltete Klos, nette Anrufbeantwortersprüche und Blumen-Budgets fürs Büro sind ihm einen Eintrag wert. Er widmet sich auch unterschätzten Fragen der Einstellung, des Denkens und Verhaltens: von Dankbarkeit äußern über beharrlich sein, die Wahrheit sagen, intensiv zuhören bis hin zu sich für Fehler entschuldigen. Oder auch: bedenken, dass China und Indien wichtige kommende Märkte sind. Im entsprechenden Kapitel treibt Peters das Prinzip des oberflächlichen Zurufs allerdings nahezu burlesk auf die Spitze: Großzügig hingestreut über anderthalb Seiten liest man hier Sätze wie: 'Denken Sie ‚China’, denken Sie ‚Indien’. Frischen Sie Ihr Wissen über China auf (und Indien). Lesen Sie Bücher. Stöbern Sie im Web. Sprechen Sie mit Leuten. (...). Machen Sie sich Gedanken zu China (und Indien).'
 
Kann man aus den Peters-Tipps praktischen Nutzen ziehen? Zumal kaum etwas davon überraschend und neu ist. Welcher Manager weiß nicht, dass China und Indien aufstrebende Wirtschaftsnationen sind? Oder, dass Zuhören wichtig ist, dass die Atmosphäre im Büro stimmen muss usw.? Allerdings scheinen vielen Managern im Alltag die allersimpelsten Weisheiten eben doch nicht präsent zu sein. Etwa: 'Was steigt und steigt und steigt, wird nicht in alle Ewigkeit steigen und steigen und steigen.' Auch dies ein Hinweis aus Peters’ Buch, den man augenverdrehend mit einem 'Ja, klar ...' abtun könnte. Aber wie die Wirtschaftskrise gezeigt hat, muss es der Managementelite eben doch ab und zu mal einer unter die Nase reiben. Darin sieht Peters seine Mission. Wer seinen Stil mag, wird Spaß daran haben, sich missionieren zu lassen.

Autor(en): (jum)


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