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Stressfaktor Pendeln

Bis die Achse bricht

Köln – Frankfurt, Erding – Augsburg, Hamburg – Berlin: Millionen Menschen fahren täglich stundenlang zur Arbeit. Das kostet die Pendler Zeit und Nerven – und die Unternehmen Geld. Studien zeigen: Führungskräfte und Mitarbeiter auf Achse sind öfter krank als ihre Kollegen, die um die Ecke der Firma wohnen. managerSeminare hat nachgefragt: Was erleichtert die tägliche Tortur?
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Zwei Jahre lang lief bei Annette Meixner jeder Morgen gleich ab. Aufstehen um sechs, duschen, anziehen, die beiden Jungs wecken, gemeinsam früstücken, Schulbrot herrichten, den Tag besprechen: 'Vergiss deine Flöte nicht, heute Nachmittag ist Tischtennis, bitte in Deutsch die Wörter lernen.' Punkt halb acht fiel die Tür ins Schloss, die Jungs trabten zu Fuß zur Schule, die Account-Managerin sprang ins Auto und fuhr los. 'Da war ich rigoros', sagt Meixner. Denn nur wenige Minuten hin oder her entschieden darüber, ob sie eineinhalb oder drei Stunden für ihren Arbeitsweg brauchte: 90 Kilometer über die Autobahn von Erding Richtung Augsburg.

So wie Naumann sind täglich Millionen Menschen unterwegs. Mit dem Auto oder ICE, mit Regionalexpress und S-Bahn rollen sie durchs Land zur Arbeit. Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes pendeln etwa sechs Prozent der Erwerbstätigen täglich. Hinzu kommen diejenigen Beschäftigten, die mehrmals die Woche pendeln, und solche, die nur am Wochenende nach Hause fahren. Die Prozentsätze sind zwar seit dreißig Jahren etwa konstant. 'Doch wenn man die Berufsbiografien der einzelnen Beschäftigten in den Blick nimmt, wird sichtbar: Dreißig Prozent durchleben mindestens einmal im Laufe des Berufslebens eine Pendlerphase', bilanziert Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. 'Das sind mehr denn je.'

Neu ist zudem: Pendler legen immer längere Strecken zwischen Arbeitsplatz und Wohnung zurück. In Köln wohnen, in Frankfurt am Main arbeiten, in Berlin-Mitte leben, in Sachsen-Anhalt Geld verdienen, im beschaulichen oberbayerischen Glon wohnen, im unbezahlbaren München schaffen – oft fahren Pendler täglich mehrere Hundert Kilometer. Das zeigt das deutsche Mobilitätspanel, das im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums das Mobilitätsverhalten der Deutschen untersucht.

Extras:
  • 'Für die meisten wird die Fahrerei zur Quälerei': Der Chefarzt einer medizinisch-psychotherapeuthischen Klinik im Interview
  • Literaturtipp: Hinweis auf eine Untersuchung der Krankenstandsentwicklung in Deutschland
  • Linktipps: Drei Webseiten mit weiterführenden Informationen
Autor(en): Anja Dilk, Heike Littger
Quelle: managerSeminare 191, Februar 2014, Seite 36-41
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