Kunden-Login


Ihr Warenkorb ist leer
 

Ihr Warenkorb ist leer !

Politisch korrekt ist auch ethisch korrekt

Moralisches Missverständnis

Ulf D. Posé ist Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. Für managerSeminare wirft er in seiner Kolumne 'Der ethische Kompass' regelmäßig einen kritischen Blick auf unser tägliches Handeln in Wirtschaft und Beruf, hinterfragt die Normen, die uns dabei leiten, und stellt allgemein akzeptierte Wertvorstellungen auf den Prüfstand.

kostenfrei für Abonnenten
von managerSeminare
komplette Ausgabe
als ePaper: 9,80 EUR

Klar: 'Krüppel' zu sagen ist politisch nicht korrekt, denn das hieße, Menschen mit Behinderung herabzuwürdigen. Menschen dürfen nicht diskriminiert werden, sei es aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer sozialen, körperlichen und geistigen Verfassung oder ihrer sexuellen Neigung. Aus dem selben Grund ist der 'Neger' im Sprachgebrauch zum Schwarzen oder Deutsch-Afrikaner geworden, der Ausländer zum Menschen mit Migrationshintergrund. Das alles ist politisch korrekt – ethisch ist es deswegen noch nicht.

Die entscheidende Frage ist, ob diese Umbenennungen auch zu einem anderen Verhalten führen. Sonst sind sie nur eine Art semantische Täuschung. Oder schlicht Betrug. Denn wenn nicht mehr danach gefragt wird, was in einer bestimmten Situation richtig ist, sondern einfach festgelegt wird, was politisch korrekt ist, entsteht eine Pseudo-Moral. Eine Fassade. Hinter politischer Korrektheit kann sich unethische Verlogenheit besonders gut verstecken.

Zum Beispiel ist es politisch korrekt, die schlechtere Bezahlung von Zeitarbeit zu geißeln. Gleiches Geld für gleiche Arbeit – ob die Forderung so moralisch ist, wie sie klingt, hängt aber allein von dem dahinterstehenden Motiv ab. Wenn etwa Festangestellte oder Betriebsräte mehr Geld für Zeitarbeiter fordern, geht es ihnen vielleicht weniger um die Würde von Zeitarbeitern als um puren Eigennutz: Denn wenn Zeitarbeiter nicht billiger sind, bedrohen sie auch keine festen Arbeitsplätze. So gesehen heißt sie zu unterstützen, sie zu bekämpfen. Ein mieses Motiv hinter vordergründiger Uneigennützigkeit.

Autor(en): Ulf D. Posé
Quelle: managerSeminare 157, April 2011, Seite 41 - 41 , 4255 Zeichen

ANZEIGE

Suche im Archiv

Weitere Informationen zum Thema


© 1996-2018, managerSeminare Verlags GmbH, Endenicher Str. 41, D-53115 Bonn
Mobile-Ansicht



OK

Wir verwenden Cookies, um Ihre Zufriedenheit auf unserer Website zu steigern. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen finden Sie hier