Synnecta-Werkhaus, Special Edition Mindset

Auf der Suche nach Nessie

Mindset ist wie das Monster von Loch Ness: Alle reden darüber, aber keiner hat es je gesehen. Das will die Managementberatung Synnecta mit einer Veranstaltung Ende Mai 2019 in Köln ändern. Sie lädt zu einer Entdeckungsreise zu diesem vielschichtigen Thema ein.

Ein Beitrag von Miriam Wagner

Auf charmante Weise alternativ und unperfekt – so wirkt die „Greatlive Loftlocation“ an der Luxemburger Straße in Köln, die als Partymeile bekannt ist. Abgeschabter Holzfußboden, Vintage-Teppiche, unverputzte Wände, Regale aus Holzpaletten und Papphocker als Sitzgelegenheiten. Der raue Charme ist durchaus gewollt: „Der Raum ist unfertig, er wirkt wie eine Baustelle“, erklärt Rüdiger Müngersdorff, Geschäftsführer von Synnecta. Der richtige Ort, um geistig zu werkeln, in Bewegung zu kommen und sich dabei dem Begriff Mindset zu nähern, wie er findet.

Denn darum geht es hier. Die Organisationsentwicklung und Managementberatung Synnecta hat zu einem Werkhaus eingeladen, ein interaktives Veranstaltungsformat, das das Unternehmen jährlich anbietet. Zur Jubiläumsausgabe – Synnecta wird 20 Jahre alt – will man sich mit dem Thema Mindset auseinandersetzen, ein Buzzword, wie Müngerdorff gleich zu Beginn zugibt. Das Workbook zur Veranstaltung, das die rund 80 Teilnehmenden zu Beginn bekommen, vergleicht den Begriff mit dem Monster von Loch Ness: Alle reden darüber, aber keiner hat es je gesehen. Vom disruptiven oder agilen Mindset ist derzeit oft die Rede, manchmal auch vom richtigen oder Growth Mindset. Das Werkhaus will aber keine Anleitung, kein Rezept dazu liefern, wie man sein eigenes Mindset bzw. das von Führungskräften oder Mitarbeitern durchoptimiert. Die Veranstaltung will vielmehr den Begriff erst einmal mit Leben füllen, damit die Teilnehmenden anschließend selbst besser einschätzen können, ob und gegebenenfalls wie sie Einfluss auf das Mindset nehmen können – und ob sie das überhaupt wollen. Als eine Entdeckungsreise soll der Tag verstanden werden.

Gleich der Einstieg gibt einen Vorgeschmack auf die vielfältigen, meist interaktiven Formate, die an diesem Tag noch folgen werden. Mit ihrem Workbook haben die Teilnehmenden auch Pappbrillen in unterschiedlichen Farben und Formen erhalten. Zu Beginn werden sie aufgefordert, ihre Brille „aufzusetzen“ und sich im Raum eine Person zu suchen, von der sie glauben, dass sie das gleiche Mindset hat wie sie selbst. Es bilden sich kleine Gruppen, die sich austauschen und diskutieren. Zwei Teilnehmer etwa finden sich, weil sie beide schwarze Pappbrillen haben. „Wir sind aber gar keine Schwarzseher“, erklärt der eine. Diese Gemeinsamkeit reicht aus, um ein angeregtes Gespräch anzustoßen. Und genau darum dreht sich das Werkhaus: Kann ich mir meiner Brille bewusst werden? Und gibt es eine Chance, sie zu verändern? Dieses Verständnis folgt dem Konstruktivismus, der davon ausgeht, dass wir uns unsere Welt selbst konstruieren. „Wie wir das machen, das beschreibt der Begriff Mindset“, so Müngersdorff.

Nach diesem Intro geben die beiden Synnecta-Beraterinnen Katrijn van Oudheusden und Fetiye Sisko einen Überblick darüber, was unter Mindset heutzutage so alles verstanden wird und warum die meisten Ansätze eben doch zu kurz springen. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist für Unternehmen durchaus bedeutend – vor allem, wenn sie sich gerade in einer Transformation befinden: „Wenn das passende Mindset fehlt, bleibt Agilität nur ein nettes Tool. Dann kommt man mit Selbstorganisation gar nicht zurecht.“ Allerdings können Unternehmen nicht einfach das gewünschte Mindset in ihre Mitarbeiter „reintrainieren“. Das sei Gehirnwäsche, wie die beiden Beraterinnen warnen – und spielen zur Untermalung einen Ausschnitt aus Stanley Kubricks Film „Clockwork Orange“ ein, bei dem die gewalttätige Hauptfigur Alex mit brutalen Methoden wieder gesellschaftsfähig gemacht werden soll. Auch wenn das ein sehr drastisches Beispiel ist, wird die Botschaft klar: Am Mindset zu arbeiten, kann nur freiwillig und selbstbestimmt funktionieren. Man kann es den Mitarbeitern weder „verkaufen“, noch von oben anordnen. Mehr noch: „Wir können nicht über das richtige Mindset sprechen oder den richtigen Weg dorthin – es gibt nicht einmal eine richtige Richtung.“ Ziel kann allenfalls sein, das eigene Mindset zu öffnen für eine freie, non-lineare Bewegung. Wie sich das anfühlen kann, dazu soll das Werkhaus Impulse liefern.

Eines gelingt den Veranstaltern sehr gut: die Teilnehmenden in Bewegung zu bringen. Jeder Programmpunkt wird in Form eines eigenen Formats präsentiert. Mal gibt es eine Podiumsdiskussion mit anschließender Fragerunde, dann wird der Raum für eine Aufstellung genutzt, indem sich die Teilnehmenden entsprechend ihrer Meinung zu einer bestimmten Frage positionieren. Sich passiv beschallen lassen, funktioniert hier nicht – schon alleine, weil die verschiedenen Programmteile mal drinnen, mal draußen, mal im Stehen, mal im Sitzen, mal alleine, mal in Gruppen oder in der großen Runde stattfinden. Das fordert von den Besucherinnen und Besuchern, sich immer wieder auf neue Menschen, Situationen und Aufgaben einzulassen.

In einem Programmteil etwa spielen die Synnecta-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter verschiedene Szenen in einem leeren Schaufenster. Die Teilnehmenden beobachten das Schauspiel von der Straße aus, können also nur sehen, aber nicht hören, was vor sich geht. Anschließend wird die jeweilige Szene interpretiert: War die Frau die Sekretärin oder die Chefin? War das Schulterklopfen motivierend oder übergriffig? War das Team enthusiastisch oder albern? Diese Übung zeigt: Welche Bedeutung man einer Situation zuschreibt, hat immer mit der persönlichen Mindset-Brille zu tun, die man trägt. „Wir sind immer voreingenommen, sonst würden wir an der Komplexität der Welt verzweifeln“, bringt es Müngersdorff auf den Punkt.

Solche Aha-Momente aus einer Veranstaltung in die Organisationsentwicklung zu übertragen, ist alles andere als leicht. Denn auch das zeigt das Werkhaus: Mindset-Entwicklung – wenn sie denn überhaupt gelingt – ist schon für den Einzelnen komplex und langwierig. Für eine Organisation aber erst recht. Auch wenn die Veranstaltung also, wie zu Beginn angekündigt, keine Anleitung für die Mindset-Arbeit liefert, arbeitet sie dennoch ein paar grundlegende Methoden heraus, die man dafür braucht:

1. Selbstreflexion Das Mindset – ob das eines Individuums oder einer Organisation – ist größtenteils unbewusst. Ein erster Schritt ist daher, sich das eigene Mindset bewusst zu machen, es genau zu beleuchten.

2. Der Blick von außen Um dem Mindset auf die Spur zu kommen, braucht es immer Fremdheit, also den Blick von außen. In Unternehmen kann der durch Diversity erzeugt werden – im Sinne von anderen, abweichenden Denkweisen. Es gilt also, andere Menschen, andere Stimmen als gewohnt zu Wort kommen zu lassen.

3. Geist und Körper Am Mindset zu arbeiten, kann nie allein auf der kognitiven Ebene gelingen, dafür braucht es immer auch eine sinnliche Komponente. Aufklärungsfilme etwa können zwar einen Sachverhalt erläutern, aber keine wirklichen Änderungen anstoßen. Um Glaubenssätze aufzubrechen, muss man sie etwa szenisch erleben.

Das Mindset mag zwar – ebenso wie Nessie – schwer greifbar sein. Anders als das Seeungeheuer gehört es aber nicht in das Land der Mythen und Sagen.

Fotoquelle: Synnecta, Köln
27.05.2019
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