Kunden-Login


Ihr Warenkorb ist leer
 

Ihr Warenkorb ist leer !


Das Blog


24. Juli 2020 | Von Nicole Bußmann

Arbeiten ohne Angst

Menschen, die im Unternehmenskontext schadlos sie selbst sein dürfen. Mitarbeitende, die frank und frei Bedenken und Beobachtungen aussprechen. Kollegen, die sich mit Ideen und Meinungen einbringen und Fehler zugeben. All das ist möglich, wenn sich die Arbeitsumgebung sicher genug anfühlt, um zwischenmenschliche Risiken einzugehen. Wenn Kolleginnen und Kollegen einander vertrauen und sich bereit – ja sogar verpflichtet – fühlen, aufrichtig zu sein.

Das Fachwort dazu nennt sich „Psychological Safety“. Eingeführt wurde der Begriff bereits 1965 von den damaligen MIT-Professoren Edgar Schein und Warren Bennis. Vielen Praktikern der Unternehmensführung wurde er 2016 bekannt durch das „Project Aristotle“ von Google. Der Name, der jedoch am häufigsten damit verknüpft ist, ist der von Amy C. Edmondson. Die Harvard-Professorin begann Mitte/Ende 1990 die Bedeutung psychologischer Sicherheit für die Arbeit in Gruppen zu erforschen. Gerade ist ihr neuestes Buch „Die angstfreie Organisation“ im Verlag Vahlen erschienen. Und managerSeminare ist es gelungen, mit ihr und dem Verlag das diesmalige Titelthema zu realisieren.

Dass psychologische Sicherheit gerade jetzt – in der Corona-Krisenzeit – auf die Agenda gehört, versteht sich von selbst. Denn gerade jetzt sind Fragen, Kommentare, Bedenken, Anmerkungen, Wahrnehmungen, Hinweise auf Fehler, … besonders wertvoll. Amy C. Edmondson liefert mit ihrem Artikel ein Framework für die angstfreie Zusammenarbeit in Unternehmen. Meine Empfehlung: lesen!

Agilität ist neben der Digitalisierung und New Work eins der beherrschenden Management-Themen – oder war es zumindest, bis Corona dafür sorgte, dass die Reformbemühungen vieler Unternehmen auf Eis gelegt wurden. Viele meinen, drängendere Probleme lösen zu müssen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Angesichts äußerer Ungewissheiten scheuen sie davor zurück, sich mit einer Form der Arbeitsorganisation zu befassen, die selbst unter idealen Umständen die Beteiligten leicht überfordern und verunsichern kann. Dennoch kann es lohnend sein, die Agilisierung der Arbeit weiter voranzutreiben, zumal deren Vorteile in Sachen Responsivität, Anpassungsfähigkeit und Kreativität gerade in der Krise den Unterschied machen können, sind Sabine Eybl und Dieter Kaltenecker überzeugt. In Ihrem Artikel „Agile Zwischenbilanz“ erklären die beiden Berater, warum es wichtiger denn je ist, sich auf die Aspekte zu konzentrieren, auf die es bei der Agilisierung besonders ankommt. Vier Erfolgsfaktoren haben sie durch die Analyse von Pionierunternehmen ausgemacht.

Viel Spaß beim Lesen! Und bleiben Sie gesund.


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung

10. Juli 2020 | Von Redaktion

Thronspiele und was man von ihnen lernen kann (Spoiler: eigentlich alles)

Schon wieder einer! Gut ein Jahr nach ihrem Abschluss landet nun der dritte Ratgeber, der das schillernde Personal der HBO-Serie Game of Thrones für Führungsvergleiche nutzt, auf unseren Schreibtischen. Langweilig? Überhaupt nicht! Denn jedes Buch liefert andere Erkenntnisse und entdeckt sehr unterschiedliche – und bisweilen recht überraschende – Führungsvorbilder.

Ein Beitrag von Sarah Lambers und Sylvia Lipkowski

Führungslehren kann man überall finden. Das beweisen Neuerscheinungen immer wieder: Sie finden sinnvolle Handreichungen für Managerinnen und Manager in Märchen ebenso wie in Tier-Metaphern oder Superhelden-Storys. Als besonders ergiebig in dieser Hinsicht erweist sich dabei derzeit die Serie Game of Thrones.

Der neueste Versuch, aus den Intrigen um den Thron des phantastischen Kontinents Westeros wertvolle Erkenntnisse für Führungskräfte zu gewinnen heißt „Leadership in Game of Thrones“ und stammt von Brigitte Biehl, Professorin für Media and Communication Management an der SRH Berlin University of Applied Sciences, School of Popular Arts (ehemals SRH Hochschule der populären Künste) in Berlin, wo sie auch das Institut für Weiterbildung (IWK) leitet.

Die Autorin argumentiert, dass sich der Blick auf die Protagonisten in mittelalterlich anmutender Kampfmontur vor allem deshalb lohnt, weil diese Protagonisten ähnliche Sorgen umtreiben wie Menschen in der modernen Arbeitswelt: Sie sollen, wollen oder müssen Führung übernehmen in einer Welt, in der sich ständig neue, unerwartete Herausforderungen auftun – einer Welt, die geprägt ist von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (kurz: VUKA). Und sie stellen – genauso wie wir „normalen“ Menschen – in schöner Regelmäßigkeit fest, wie leicht es ist, an dieser Herausforderung zu scheitern.

Das tun sie vor allem dann, wenn sie sich an der Art von Führung versuchen, wie sie jahrzehntelang propagiert wurde: durch einen starken, meist männlichen Helden und allwissenden Herrscher. Denn, so argumentiert Autorin Biehl, Führung kommt unter VUKA-Bedingungen gar nicht mehr einer bestimmten Person zu, sondern ist vielmehr ein sozialer Prozess, der von Leadern und Followern ko-kreiert wird. Menschliche Interaktion und soziale Ordnung werden dabei ständig neu verhandelt.

Leadership wird somit zur Beziehungssache – auch in Game of Thrones: Zwar streben alle Führungspersonen nach dem Eisernen Thron, wirklich lange auf ihm halten, kann sich jedoch niemand. Übrigens ebenso wenig wie auf den machtvollen Nebenpositionen. So wechseln nicht nur Könige und Königinnen, sondern auch Berater und Einflüsterer alle naslang. Die Serie führt somit fast plastisch vor Augen, dass das Bedürfnis nach dem einen geeigneten „Anführer“ zwar vorhanden ist, aber niemals befriedigt werden kann, weil es ihn (oder sie) nicht gibt.

Die Serie konstruiert also fortlaufend Leader, um diese nach und nach wieder zu demontieren – zumindest sofern sie menschlich sind. Eine einzige Figur gibt es nämlich doch, die das archaische Führungsprinzip des einen starken Anführers verkörpert und deren Führung ohne jeglichen Widerspruch funktioniert – und zwar die gesamte Serie hindurch: Der Nachtkönig, der seelenlose Leader einer Gemeinschaft von Untoten, behält sein Zepter bis er vollständig vernichtet ist: „Kein Widerspruch, kein Infragestellen, kein Zweifel, keine Worte, keine Gedanken, keine Gefühle, keine Sinngebung, keine Strategie-Meetings, keine Motivationsdurchhänger – diese Führungsrolle ist eine überzeichnete Karikatur, eine tote Leerstelle, die von vorneherein nicht als ernsthafte Alternative wahrgenommen wird“, schreibt Biehl.

Oder vielleicht doch? Schließlich ist der Nachtkönig eine machtvolle Figur und „Macht bedeutet, andere Menschen in ihrem Denken und Handeln beeinflussen zu können“ – sprich: zu führen. Dieser Ansicht sind die Berater Mark Hübner-Weinhold und Manfred Klapproth. In ihrem im Herbst 2019 erschienenen Buch „Leadership by Game of Thrones – Wirksamer führen mit den Helden von Westeros“ zeigen sie, wie diese Machtausübung den einzelnen Figuren mal besser, mal schlechter gelingt.

Dabei wird schnell deutlich: Als einen sozialen Prozess verstehen Hübner-Weinhold und Klapproth Führung nicht – weder in Game of Thrones noch in der realen Welt. „Wir denken in Bezug auf den Sinn und Bedarf von Führung radikal anders als die Anhänger von führungsloser Selbstorganisation. Wir sind davon überzeugt, dass in einer VUKA-Welt mehr Führung erforderlich ist als je zuvor. Mehr allein reicht allerdings nicht: Wirksamer muss Führung sein“.

Wirksam ist Führung den Autoren zufolge, wenn sie 14 Kernelemente – darunter: Vertrauen, Selbstführung, Klarheit – enthält. Doch welcher der GoT-Helden ist denn dann der wirksamste Anführer? Erstaunlicherweise weder Sympathieträger Jon noch Alpha-Frau Daenerys noch eine der anderen Hauptfiguren, sondern jemand, der gar nicht so häufig auftaucht: Es ist Manke Rayder, der König jenseits der Mauer, der laut Hübner-Weinhold und Klapproth alle 14 Führungselemente in einer Person vereint:

– Er hat eine klare Vision der tödlichen Bedrohung für das freie Volk durch die Weißen Wanderer und den endlosen Winter und entwickelt deshalb seine Mission, das Freie Volk nach Süden hinter die Mauer zu führen.
– Um das zu erreichen, verfolgt er das Ziel, die zerstrittenen 90 Stämme jenseits der Mauer zu vereinen, mit aller Konsequenz und Flexibilität.
– Er übernimmt diese schwierige Aufgabe aus Verantwortung für sein Volk.
– Er folgt klaren Werten, würde niemals das Knie vor jemand anderem beugen, ist rechtschaffen und aufrichtig – deshalb bekommt er seine Macht durch das Vertrauen der Wildlinge.
– Er organisiert die Zusammenarbeit der diversen Stämme und sorgt für eine zuvor nicht vorhandene Entwicklung in dieser tribalen Organisation.
– Er ist ein Vorbild an Selbstführung und verfügt über anerkannte Kompetenz.
– Seine Kommunikation und sein Handeln sind stets von völliger Klarheit geprägt.
– Seine Konfliktfähigkeit wird durch den Angriff auf die Mauer deutlich.

Zum ersehnten Erfolg verhelfen dem Wildlingsanführer diese Kompetenzen allerdings nicht: Er wird von Jon Schnee besiegt und findet einen so brutalen Tod wie er typisch ist für die Serie um das Thronspiel auf Westeros.

Noch blutiger verabschiedet sich (sehr früh) der Hoffnungsträger Robb Stark, der als König des Nordens ambitioniert in eine Führungskarriere startete, und im dritten und ältesten Ratgeber prominent abgehandelt wird. In „Game of Thrones on Business“ steht der erfolglose junge König für die Autoren Tim Phillips und Rebecca Clare dafür, wie man mit Widerspruch von potenziellen Partnern besser nicht umgehen sollte. Das Massaker, dem er nebst einigen andern zum Opfer fällt, hat er interessanterweise – Achtung: Leadership-Lektion! – selbst durch Führungsfehler vorbereitet: Er hat einen Deal mit dem einen der beiden Verräter, die das Blutbad geplant haben, gebrochen und es dem anderen Verräter gegenüber an Anerkennung mangeln lassen. So, so.

Neben dieser Erkenntnis sind noch 29 weitere unterhaltsame „Lehren für Strategie, Ethik und Führung“ in dem Buch zusammengestellt, das wohl als das erste seiner Art gelten darf und schon 2015 auf englisch erschienen ist. Von Daenerys Targaryen, einer der letzten Überlebenden des ehemaligen Herrschergeschlechts, beispielsweise können Führungskräfte den dienenden Führungsstil (Servant Leadership) lernen, meinen die Autoren – die allerdings noch nicht das Ende der Drachenkönigin kannten, als sie ihre Führungslektionen in der Sendepause zwischen der fünften und sechsten Staffel der Serie veröffentlichten. Denn letztlich scheitert natürlich auch sie, die vielen Fans lange als natürlichste Lösung für die eiserne Thronfrage galt.

Wie haltbar und streitbar die Führungslehren also letztlich auch sein mögen – in Stein gemeißelte Weisheiten sind sie mit Sicherheit nicht (auch wenn dies so gut zum mittelalterlichen Ambiente der Serie passen würde). Damit aber wären wir wieder bei Biehl und der Unsicherheit und Vieldeutigkeit von Westeros wie der VUKA-Welt: Machtverhältnisse, Sympathiewerte und Kenntnisstände ändern sich nicht nur ständig – sie werden häufig auch sehr subjektiv wahrgenommen. Den Playern in beiden Welten bleibt demnach nichts anderes übrig, als die angebotenen Informationen ständig zu hinterfragen.

Das ist auch mit Blick auf die drei Führungsratgeber geboten, denn letztlich zeigen sie vor allem eins ganz deutlich: Die Lehre liegt im Auge der Betrachtenden. Hier finden alle die Erkenntnisse, die sie gerade suchen. Für Fans mit GoT-Entzug lohnen sich die verschiedenen Lektüren wahrscheinlich dennoch, beweisen sie doch einmal mehr, dass sich aus fast jeder guten Geschichte wichtige Lektionen für Leader ableiten lassen – sogar aus Tolstois Anna Karenina. (Artikeltipp: Literarisches Lernen: Seitenweise Selbstcoaching). Und gehaltvoller als Kuscheldecken mit den Wappen der beteiligten Ahnenhäuser oder „Dinner-is-Coming“-Kochlöffel sind sie allemal.


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren

7. Juli 2020 | Von Nicole Bußmann

Begriff Webinar geschützt: Was Weiterbildner tun können

„Begriff Webinar als Marke geschützt“. Seit einigen Tagen kursiert die Meldung im Netz und versetzt Weiterbildner in Aufruhr. Denn durch Corona und die geforderten Abstandregelungen sowie das Verbot größerer Veranstaltungen boomen virtuell veranstaltete Trainings wie Webinare. managerSeminare hat daher bei Markenrechtler Rolf Becker nachgefragt: Was bedeutet der Markenschutz? Und wie geht man am besten vor, wenn man Webinare weiterhin veranstalten will?

Aktuell kursiert in der Weiterbildungsbranche die Meldung, dass der Begriff „Webinar“ als Marke geschützt ist. Was ist dran an dieser Meldung?

Rolf Becker: Überall im Netz wird diese Meldung aufgegriffen. Sogar der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat ein Rundschreiben verfasst, die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung warnt, in der Weiterbildungsbranche hat der Bundesverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) informiert. Und ja: Tatsächlich ist der Begriff „Webinar“ als Marke geschützt, u.a. für die „Veranstaltung und Durchführung von Seminaren“, was ja unter Weiterbildnern aktuell für Furore sorgt.

Wie das? Der Begriff klingt so allgemeingebräuchlich…

Nach dem Markengesetz sind zwar solche Zeichen von der Eintragung in das Markenregister ausgeschlossen, „die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen, die im allgemeinen Sprachgebrauch oder in den redlichen oder ständigen Verkehrsgepflogenheiten zur Bezeichnung der Waren oder Dienstleistungen üblich geworden sind“. Daran werden strenge Anforderungen gestellt. So ist die Aufnahme eines Begriffs in ein Lexikon (was beim „Webinar“ der Fall ist) nur ein Indiz für das Vorliegen einer üblich gewordenen Bezeichnung. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Bezeichnung „Webinar“ im Jahr 2003, als die Marke angemeldet wurde, schon so populär war wie heute. Eingetragene Marken bleiben zwar grundsätzlich rechtlich geschützt. Allerdings kann sich eine Marke nach ihrer Eintragung im Laufe der Zeit eben zu einem – nicht unterscheidungskräftigen – Gattungsbegriff entwickeln.

Wie kommt es denn jetzt zu Abmahnungen, wenn die Marke schon so alt ist?

Das kann u.a. damit zusammenhängen, dass aktuell, in Zeiten von Corona, vermehrt Webinare veranstaltet werden und der Begriff daher zurzeit besonders häufig benutzt wird. Möglicherweise ist der Markeninhaber jetzt auf die Idee gekommen, Abmahnungen auszusprechen. Mir sind allerdings solche Abmahnungen nicht bekannt. Auch eine Umfrage unter seriösen Kollegen ergab keinen einzigen Treffer. Im Netz gibt es zwar Berichte, dass Abmahnungen ausgesprochen worden sein sollen. Das könnte aber auch Marketing sein, vergleichbar mit den Berichten zu angeblichen Abmahnungen bei privat hergestellten Corona-Masken. Das stellte sich auch als Marketing heraus von Anwälten, die auf ihre Abwehrtätigkeit aufmerksam machen wollten. Wenn jemand wirklich eine Abmahnung erhalten hat, kann er die gerne (auch mit geschwärztem Namen) an mich oder die Redaktion senden.

Wer steckt denn eigentlich hinter der Marke?

Ursprünglich wurde die Marke im Jahr 2003 als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) durch die Mandatum Beteiligungsgesellschaft mbH (heute: MANDATUM SMPS GmbH) angemeldet. Sie wurde dann mehrfach auf andere Inhaber übertragen, zuletzt am 31.05.2019 auf den derzeitigen Markeninhaber Mark Keller, der seinen Sitz in Kuala Lumpur, Malaysia, hat.

Und was kann man jetzt tun?

Man hätte grundsätzlich einen Löschungsantrag wegen absoluter Schutzhindernisse stellen können. Es ist jedermanns Recht, einen Löschungsantrag für eine Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt zu stellen – etwa wie bei der umstrittenen Marke „Black Friday“, zu dieser liegen nach Berichten wohl schon 15 Lösungsanträge vor. Ein Antrag auf Löschung wegen absoluter Schutzhindernisse hätte bei der Marke „Webinar“ nach meiner Ansicht auch erfolgreich sein können. Allerdings muss ein solcher Antrag innerhalb von 10 Jahren nach der Eintragung der Marke gestellt werden. Die Frist ist daher im vorliegenden Fall bereits 2013 abgelaufen.

Aktuell gibt es aber noch die Möglichkeit, einen Löschungsantrag wegen Verfalls der Marke gem. § 49 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG zu stellen. Ein Antrag hat Aussicht auf Erfolg, wenn die Marke „zur gebräuchlichen Bezeichnung der Waren oder Dienstleistungen, für die sie eingetragen ist“ geworden ist. Zudem müsste dies „infolge des Verhaltens oder der Untätigkeit“ des Markeninhaber geschehen sein. Jedenfalls nach unserem aktuellen Wissensstand ist der Markeninhaber nicht gegen die Entwicklung als Gattungsbegriff vorgegangen. Zudem könnte man im Fall einer Abmahnung die Einrede der Nichtbenutzung erheben. Denn der Markeninhaber muss die eingetragene Marke auch tatsächlich benutzen. Kann er die Benutzung nicht nachweisen, stehen ihm Ansprüche auf Unterlassung, Schadensersatz etc. nicht zu.

Also sollten alle, denen der Begriff am Herzen liegt, einen solchen Antrag stellen? Oder ist es egal, wie viele Unternehmen/Personen sich melden? Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Grundsätzlich genügt schon ein einziger erfolgreicher Löschungsantrag, um die Löschung der Marke zu erreichen. Natürlich schadet es aber nicht, wenn mehrere Anträge mit dem gleichen Ziel gestellt werden, aber das Geld kann man sich auch sparen. Ich weiß definitiv von Kollegen, die schon vorsorglich einen Antrag gestellt haben. Insgesamt liegen bislang drei Verfallsanträge vor und ein Antrag, der sich auf Nichtigkeit wegen absoluter Schutzhindernisse stützt. Für die Stellung eines Antrags auf Verfallserklärung entstehen beim DPMA Kosten i.H.v. 100 Euro. Die Bearbeitung des Antrags erfolgt erst, wenn die Gebühr vollständig bezahlt wurde. Erfolgt ein Widerspruch gegen den Verfallsantrag und will der Antragsteller das Verfahren fortsetzen, muss eine Gebühr i.H.v. 300 Euro zur Weiterverfolgung des Verfallsverfahrens gezahlt werden. Hinzu können jeweils noch Rechtsanwaltskosten kommen, die von der jeweiligen Vergütungsvereinbarung abhängen.

Was raten Sie Weiterbildungsakademien und Trainern, die den Begriff aktuell nutzen?

Generell meine ich nach derzeitigem Sachstand, dass Angriffe des Markeninhabers gestützt auf die Marke nur sehr geringe Erfolgsaussichten haben. Trainer, die sich hier nicht irritieren lassen wollen, nutzen den Begriff weiter, können aber darauf achten, dass der Begriff beschreibend verwendet wird. Man veranstaltet also „ein“ Webinar oder „unser Webinar“ mit der Bezeichnung (Beispiel) „Die Fahrt zum Mond“ und nicht eine Veranstaltung mit der Bezeichnung „Webinar 2020“. Der Begriff sollte also möglichst nicht als Name für die Veranstaltung genutzt werden. Einen Disclaimer oder Ähnliches würde ich nicht nutzen, da man daraus auf einen Vorsatz bezüglich einer etwaigen Rechtsverletzung schließen könnte. Wer das verbleibende Restrisiko scheut, der verwendet statt Webinar einfach den Begriff „Web-Seminar“. Der ist nicht geschützt.

Der Interviewte:
Rolf Becker (Foto) betreibt die Sozietät Wienke & Becker – Köln. Er ist seit mehr als 25 Jahren als Rechtsanwalt zugelassen, einer seiner Tätigkeitsbereiche ist das Markenrecht. Kontakt: www.kanzlei-wbk.de

*****

Nachtrag:
Kurz nach Veröffentlichung des Interviews kursierte im Netz die Meldung, dass der Markeninhaber keine Abmahnungen vorgenommen hat und auch nicht vorhat, dieses zu tun. Auf Nachfrage bei der ihn vertretenden Anwaltskanzlei LEGISPRO in Frankfurt, haben wir folgende Stellungnahme erhalten:

Offizielle Stellungnahme von Mark Keller, Inhaber und Lizenzgeber der deutschen Marke WEBINAR®, vom 6.7.2020:

WEBINAR® ist nicht gleich „Webinar“

Der Begriff „Webinar“ wird im alltäglichen Sprachgebrauch oft als Gattungsbegriff für Online-Seminare aller Art und für Dienste von verschiedenen Anbietern verwendet. Die seit dem Jahr 2003 beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene deutsche Marke „WEBINAR®“ ist eine Qualitätsbezeichnung für Online-Seminare sowie weitere Dienste und wird seit vielen Jahren zur Kennzeichnung von Veranstaltungen, Online-Seminaren und weiteren Projekten benutzt.

Die Markenbezeichnung WEBINAR® ist keinesfalls gleichbedeutend mit dem Begriff „Webinar“ oder sonstigen begrifflichen Abwandlungen. Im Verkehr ist der Unterschied zwischen der Marke WEBINAR® und dem Begriff „Webinar“ regelmäßig an dem Markenhinweis durch die Beifügung des ®-Symbols zu erkennen. Unseren Lizenznehmern und mir als Markeninhaber ist es besonders wichtig, dass dieser Unterschied zur Kenntnis genommen wird und allgemein bekannt ist.

Mit der zunehmenden Bekanntheit geht es der Marke WEBINAR® ähnlich, wie den bekannten Marken Tempo® (Papiertaschentücher), PLEXIGLAS® (Acrylgläser), UHU® (Klebstoffe), tesa® (Klebefilme) und viele mehr. WEBINAR® ist seit vielen Jahren ein Markenprodukt, das für ganz bestimmte Dienste des Markeninhabers und dessen Lizenznehmern steht. Es handelt sich dabei insbesondere um Dienste im Zusammenhang mit der Vermittlung von Wissen und Bildung durch Online-Seminare, welche bestimmten Qualitätsvorgaben entsprechen. (…)

Als Inhaber der Marke WEBINAR® suche ich das Miteinander, nicht das Gegeneinander. Es ist mir und meinen Lizenznehmern überaus wichtig, mit der Marke WEBINAR® friedlich, seriös und freundlich im Verkehr aufzutreten. Wir setzen daher in jedem Fall auf Aufklärung, nicht auf Abmahnung. Die Aufklärung und Veröffentlichung von Informationen über die Marke WEBINAR® in Lexika, Zeitschriften, Büchern, Blogs (z.B. Wikipedia, Duden und Weitere) gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Maßnahmen zur Markenpflege.

Lassen Sie sich daher nicht von Gerüchten im Internet über etwaige kostenpflichtige Abmahnungen verunsichern, welche nicht von mir als Markeninhaber, meinen Unternehmungen, Lizenznehmern oder rechtlichen Vertretern veranlasst wurden oder werden.

Sollten Sie dennoch eine Abmahnung im Zusammenhang mit „Webinar“ erhalten oder Ihnen ein Fall bekannt werden, in dem jemand abgemahnt wurde, so stammt eine solche Abmahnung nicht vom Markeninhaber oder dessen Umfeld, sondern offenbar aus zweifelhaften Quellen mit kriminellem Hintergrund. Wenn uns ein solcher Fall bekannt werden sollte, bei dem in unserem Namen Abmahnungen ausgesprochen werden, wodurch der Ruf der Marke WEBINAR® beeinträchtigt werden könnte, müssen und werden wir rechtlich dagegen vorgehen. Dies gilt auch für den Fall, wenn gezielt falsche Information über die Marke WEBINAR® oder den Inhaber der Marke im Internet verbreitet werden (z.B. unwahre Behauptungen über Abmahnungen, die tatsächlich nicht erfolgt sind). Schließlich ist mir und meinen Lizenznehmern der Ruf und das Image der Marke WEBINAR® ganz besonders wichtig, was auch weiterhin so bleiben soll. Dazu gehört natürlich auch, dass niemand Beeinträchtigungen oder rechtliche Folgen bei seinen Aktivitäten im Zusammenhang mit Online-Seminaren befürchten und erfahren muss, wie auch immer diese im bevorzugten Sprachgebrauch von jedem Einzelnen bezeichnet werden. Seien Sie also unbesorgt, wenn Sie den Begriff „Webinar“ oder diesen in abgewandelter Form weiterhin benutzen.

Verwenden Sie jedoch die Markenbezeichnung WEBINAR® (entsprechend gekennzeichnet durch das ®-Symbol) bitte nur dann, wenn Sie für diese Verwendungsform eine Markenlizenz besitzen.


Kuala Lumpur, 06.07.2020
gez. Mark Keller

*****

Die Einschätzung des hier befragten Markenrechtlers Rolf Becker lautet:

Rolf Becker: Damit dürfte auch eine geringe Restgefahr nach meiner Einschätzung beseitigt sein. Der Markeninhaber mag sich zwar noch einmal umentscheiden können, aber er hat die Marke mit dieser Erklärung faktisch preisgegeben.

*****


Kommentare (3) | Kategorie: Lernen & Lehren, Markt & Meinung

19. Juni 2020 | Von Nicole Bußmann

Changemanagement in der Krise: Wo spannt´s?

In Krisenzeiten wie diesen hat Change Hochkonjunktur. Das ist nicht weiter verwunderlich, da das allgegenwärtige Virus Corona die Unternehmenswelt in Bewegung gesetzt hat und zahlreiche mögliche, wenn nicht gar drängende Change-Vorhaben ins Visier rückt: die Beschäftigung mit der Digitalisierung, das Überdenken von Produkten und Dienstleistungen, Effizienz- und Effektivitätsverbesserungen, Führungsgrundsätze und Kulturfragen. Doch ganz gleich, worum es im Change genau geht, es werden immerzu die gleichen Fragen virulent, etwa: Ist es besser, den Wandel hierarchisch durchzuziehen oder ihn partizipativ zu gestalten? Ist es wichtiger, die Interessen der Shareholder im Blick zu halten oder die der Stakeholder? Ist es sinnvoller, sich auf das aktuell akuteste Anliegen zu konzentrieren oder mehrere Baustellen parallel zu bearbeiten? …

Der Autor des diesmaligen Titelthemas von managerSeminare – der Berater Martin Claßen – hat 15 (!) Spannungsfelder ausgemacht, die in allen Change-Projekten bedacht werden sollten. Es handelt sich dabei um klassische Zielkonflikte, denen sich niemand entziehen kann und über die reiflich nachgedacht werden muss. Fünf von diesen, so meint der erfahrene Consultant, sind in Krisenzeiten besonders relevant. Welche das sind und wie es gelingt, diese auszutarieren und so den aktuell wie individuell passenden Change-Weg zu finden, lesen Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier. Empfehlungen übrigens inklusive.

In Krisenzeiten wie diesen kochen Konflikte allerorts hoch. Auch das ist nicht weiter verwunderlich, da das allgegenwärtige Virus unser Alltags- und Berufsleben arg durcheinandergewirbelt hat. Zu den Schwierigkeiten, etwa Home Office und Home Schooling zu verbinden, gesellen sich Sorgen gesundheitlicher und wirtschaftlicher Art. Was sollen wir tun, damit das Unternehmen überlebt? Wo können wir sinnvoll sparen? Müssen wir Abteilungen schließen? Gar Mitarbeitende entlassen? Zwangsweise entsteht Dissens. Statt so entstehende Konflikte jedoch zu verteufeln, gilt es, sie wertzuschätzen. Denn wenn wir Konflikte nicht länger als Ausnahme, als „Fehler“ im menschlichen Zusammenleben sehen, können sie zum Entwicklungsmotor werden. Davon ist zumindest Reinhard Sprenger überzeugt. Der Managementberater schreibt in seinem Beitrag: Konflikte lassen sich nutzen, um besser zusammenzuleben, um besser zusammenzuarbeiten und auch, um besser durch Krisen zu kommen.

In diesem Sinne: Begreifen wir die Krise als „spannende“ Zeit.


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung

16. Juni 2020 | Von Nicole Bußmann

Weiterbildungsverbände nehmen zum Konjunkturpaket Stellung

„Die Soloselbstständigen werden beim Konjunkturpaket übergangen“. Mit dieser Botschaft meldete sich der Verband der Gründer und Selbstständigen e.V. (VGSD) Anfang Juni. Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) startete er eine Bundestagspetition zur Fortführung der Soforthilfen und notwendigen mittelfristigen Maßnahmen. managerSeminare hat die Petition zum Anlass genommen, bei den Weiterbildungsverbänden nachzufragen: Was halten sie von dem Konjunkturpaket, wie geht es ihren Mitgliedern, und wie unterstützen sie sie?

Stellungnahme vom Vorstand des dvct e.V.:

Als größter Fachverband für Coachs und Trainerinnen im deutschsprachigen Raum bedauert der dvct mit seinen annähernd 1.600 Mitgliedern, dass das Konjunkturprogramm der Bundesregierung neben vielen richtigen und begrüßenswerten Maßnahmen zwei Webfehler enthält: Das Programm verkennt die schwierige Lage der Solo-Selbständigen und Kleinunternehmen, die auch bei geringen Betriebskosten durch gravierende Umsatzeinbußen in ihrer Existenz gefährdet sind. Zudem übersieht es den Bedarf und die Notwendigkeit für deutsche Unternehmen, sich mit Hilfe von Coachs, Trainerinnen und Beratern an neue Ausgangslagen und neue Normalitäten anzupassen. Wenn ein Konjunkturprogramm auf Nachhaltigkeit, Innovationsförderung und Effizienz ausgerichtet sein soll, müssten Initiativen für betriebliches Lernen, Changemanagement und Wandel der Unternehmenskultur ganz oben auf der Agenda stehen. Nur so können die Unternehmen schnell und angemessen auf die Herausforderungen durch Digitalisierung, Wirtschaftskrise und neue Geschäftsprozesse reagieren. Das Konjunkturprogramm schmälert die Wirkung von Coaching und Training als Impulsgeber und Begleiter für Neuausrichtungen.

Die Folgen von COVID-19 sind für nahezu alle Mitglieder des dvct spürbar – in der inhaltlichen Arbeit wie in der wirtschaftlichen Situation. Viele haben schnell reagiert und können ihren Kunden mit digitalen Tools und neuen Konzepten wichtige Unterstützung bieten. Der dvct e.V. unterstützt seine Mitglieder mit einer Reihe von Webinaren und Infopaketen. Bereits am 23. März erhielten die dvct-Mitglieder in Webinaren Rat und Auskunft von Expertinnen und Experten zu Rechts-, Technik- und Strategiefragen. Das Webinar-Angebot wird weiter fortgesetzt. Per Online-Webinar erhalten Coachs und Trainerinnen Tipps und Anregungen, wie sie geplante Präsenz-Trainings- und -Coachings adäquat und professionell in Online-Angebote umwandeln können. Eine spezielle Technik-Sprechstunde gibt individuelle Starthilfe für die Durchführung von Online-Seminaren in virtuellen Klassenräumen, wie Zoom oder Edudip. Besonders gefragt war die Online-Sprechstunde mit einem Rechtsexperten, der Soforthilfe für den Umgang mit Stornierungen und der Gestaltung von Neuverträgen im Zeichen von Covid-19 gegeben hat. Neben Webinaren zur schnellen Krisenbewältigung bietet das Programm des dvct auch Hilfestellung, um das eigene Coaching- und Trainingsangebot in der Krise und darüber hinaus bestmöglich zu vermarkten – zum Beispiel durch Anpassung und Optimierung der eigenen Website. Der dvct empfiehlt seinen Mitgliedern die Unterzeichnung der Petition des VGSD.

Statement des Vorstands des Deutschen Bundesverbandes Coaching e.V.:

Die Mehrheit unserer Coachs und Coaching-Experten im Verband sind direkt oder indirekt von den Auswirkungen der Pandemie betroffen – egal ob als (Solo-)Selbstständige, als Unternehmer oder als Angestellte. Alle mussten in den vergangenen Wochen und Monaten weiterdenken und zügig Veränderungen annehmen und umsetzen. Aber das ist auch die Stärke und Eigenschaft unseres professionellen Daseins: Veränderung ist das Kerngeschäft von Coaching. Es wäre ein Fehler, nach mehreren Monaten der Krise allein auf die aktuellen Unterstützungsangebote der Bundesregierung zu setzen. Dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung keine konkreten Unterstützungsmaßnahmen für Soloselbstständige und die Weiterbildungsbranche beinhaltet, ist bedauerlich, jedoch nicht überraschend. Das Paket verzichtet weitestgehend auf Sonderregelungen für spezielle Branchen oder Unterstützung für konkrete Krisenkonstellationen. Die Überbrückungshilfen für Unternehmen als Zuwendungen (und nicht als Kredite) sind begrüßenswert – und auch für einige unserer Mitglieder wichtig. Ob deren zeitliche Schiene jedoch bis August ausreichend ist, ist fraglich. Und die Senkung der Mehrwertsteuersätze wird nur sehr bedingt eine Durchschlagkraft in der Coaching-Branche haben und löst unter Selbstständigen und Unternehmern der Branche mehr Kosten- und Arbeitsaufwand aus als dass ein konjunktureller Nutzen absehbar ist.

Für die Coaching-Branche und unsere Mitglieder bringt die Krise die Chance mit sich, uns schneller, tiefgreifender und umfangreicher digital umzustellen als vielleicht bisher gedacht. Allerdings: Online, Digital, Remote sind keine neue Themen auf dem Coaching-Markt. Und allen menschlichen Beharrungstendenzen zum Trotz passiert hier nun die eigentliche unumgängliche und beschleunigte Entwicklung – unabhängig vom Konjunkturpaket.

Vor diesem Hintergrund hat der DBVC e.V. mit Beginn der Krise im März konkrete Angebote ins Leben gerufen, die zum einen auf Befähigung im digitalen Bereich setzen und zum anderen Anstoß geben für gegenseitige Unterstützung unter den Mitgliedern. Dafür stellen wir unseren Mitgliedern kostenfrei einen Kanal für Videokonferenzen zur Verfügung und koordinieren aktuell Webinare, E-Dialoge, digitale Workshops, etc. für Mitglieder – mit dem Know-how von Mitgliedern in allen fachlichen und technischen Themenbereichen. Darüber hinaus arbeiten inzwischen über 60 Mitglieder als pro bono Coaches und bieten Führungskräften, Geschäftsführern, Freiberuflichen, Solo-Selbständigen und Privatpersonen, die sich durch die aktuelle Krise herausgefordert fühlen, eine kostenfreie Coaching-Sitzung via Telefon oder Videokonferenz an. Professionelles Coaching mit Win-Win-Charakter: Beanspruchte Personen können einen ersten kostenfreien Coachingtermin unverbindlich wahrnehmen. Abhängig von Situation, Bedarf und Interesse des Klienten kann das Coaching hier schon beendet sein oder aber es könnten sich weitere – auch kostenpflichtige – Sitzungen anschließen. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus positiv zu bewerten, dass das Konjunkturpaket auch digitale Ausrüstung beinhaltet. Jedoch sollte die Corona-Krise für diese Entwicklung kein Grund sein, aber so doch aktuell offensichtlich ein Beschleuniger.

Stellungnahme der International Coaching Federation Deutschland e.V.

Die ICF Deutschland vereint als Verband Coaches in unterschiedlichen Rollen unter ihrem Dach: Selbständige Einzelunternehmer genauso wie Coachs aus Coachingunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und unternehmensinterne Coachs. Gerade für soloselbständige Coachs ist die Lage sehr schwierig, die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen können sie nicht beantragen. Generell ist es für Coachs im Moment ausgesprochen schwierig, ihren Job auszuüben: Nicht nur, dass viele Firmen das Betreten des Geländes durch Externe untersagt haben, Gruppencoachings und Workshops nicht möglich sind und 1:1 Treffen kaum stattfinden, auch die Ausgaben für Coaching und Weiterbildung waren und sind bei den Klienten unserer Coaches oft das erste, was in der Krise gestrichen wird, somit ist die Auftragslage oft prekär.

Die ICF beobachtet hier die Entwicklung genau und unterstützt die betroffenen Mitglieder durch regelmäßigen Austausch und aktuelle Informationen. Zusätzlich hat die ICF Deutschland Ende März 2020 das Pro-Bono-Programm „Coaches4Coaches“ ins Leben gerufen, um Coach-Kollegen und Kolleginnen in Nöten kollegial zur Seite zu stehen. Auch die internationale Homepage der ICF bietet einen eigenen Bereich für Coachs in COVID-19 Zeiten mit Informationen zu Hygiene und Wohlbefinden, Ideen für die eigene Coaching-Praxis, Ressourcen zur Unterstützung der Klienten und vielem mehr. Trotz all unserer Besorgnis angesichts der Probleme, vor die unsere Mitglieder gestellt sind, ist der Zweck der ICF weniger die Interessenvertretung der Coachs, sondern primär die Förderung von qualitativ hochwertigem und ethisch sauberem Coaching.

Stellungnahme der German Speakers Association e.V.

Als führender Berufsverband für professionelle Redner, Trainer und Coachs im deutschsprachigen Raum sind wir der Ansicht, dass das neue Konjunkturpaket der Bundesregierung mit den geplanten Überbrückungshilfen zumindest deutlich realitätsgerechter ist als die bisher gezahlten Soforthilfen. Die Akteure der Weiterbildungsbranche sind größtenteils Soloselbstständige und Kleinstunternehmen, denen mit einer Zahlung zum Betriebskostenausgleich nicht geholfen ist, wenn gleichzeitig massive Umsatzeinbußen die Existenz bedrohen.

Die Folgen von COVID-19 sind für alle unsere rund 800 Mitglieder spürbar. Durch den Shutdown und die Absage von Präsenzveranstaltungen sind Speakern, Trainern und Coachs bis zu 100 Prozent ihrer Aufträge weggebrochen. Dabei hat die Krise nicht nur einen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder, sondern auch auf ihre inhaltliche Arbeit sowie die bisher genutzten Formate. Viele haben sogar hohe Summen investiert, um ihr Business nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch onlinefähig zu gestalten und sind auch thematisch in Richtung Krisenbewältigung umgeschwenkt, um ihren Kunden so bestmögliche Unterstützung bieten zu können. Vor allem technisch basierte Themen sind gefragt, erfordern aber eigene, professionell ausgestattete Studios, die im Falle einer Rückkehr zu Präsenzvorträgen nur schwach ausgelastet sein können. Neben dem Liquiditätsengpass kann der Shutdown also auch zu Investitionen führen, die sich als Fehlinvestitionen erweisen könnten.

Die German Speakers Association e.V. unterstützt ihre Mitglieder mit verschiedenen Online-Foren und Austauschformaten. Dazu zählt unter anderem ein wöchentliches Zoom-Meeting zu wechselnden thematischen Schwerpunkten sowie eine exklusive Membergruppe auf Facebook, in der die Mitglieder miteinander in Kontakt treten und sich vor allem in technischen, kunden- sowie vortragsbezogenen Aspekten des Remote Speakings weiterbilden und gegenseitig unterstützen. Darüber hinaus haben wir als Sofortmaßnahme bis voraussichtlich Ende Juli alle Mahnroutinen gestoppt, um Mitgliedern bei Liquiditätsproblemen etwas Erleichterung zu verschaffen. Die Unterstützung wird von unseren Mitgliedern sehr positiv angenommen, die Online-Maßnahmen verzeichnen Rekordbeteiligungen, und auch die Mitgliederzahl hat sich trotz Krise leicht erhöht.

Stellungnahme des BDVT – Der Berufsverband für Training, Beratung und Coaching e.V.

Die Branche der Trainerinnen, Berater und Coachs ist stark! Allerdings ist es eine sehr herausfordernde Zeit. Einige haben die Situation in den vergangenen Wochen genutzt, um ihre Geschäftsmodelle zukunftssicher weiterzuentwickeln. Erfolgreiche Kollegen und Kolleginnen haben in den vergangenen Jahren finanzielle Polster aufgebaut, die nun dafür sorgen, dass die Existenz zunächst gesichert ist. Es werden – in enger Partnerschaft mit den Kunden – attraktive Angebote entwickelt, vermarktet und umgesetzt. Wenn es gelingt, nicht nur analoge Inhalte in digitale Hüllen zu packen, ist dies ein Erfolgsmodell. Jetzt zeigt sich, wer wie gut mit Veränderungen umgehen kann.

Als Berufsverband vertreten wir einen Querschnitt der Branche. Die über 700 Mitglieder unseres Verbandes haben unterschiedliche Erfahrungshorizonte. So gibt es auch Kollegen und Kolleginnen, die sich erst vor kurzer Zeit selbständig gemacht haben. Diese warten noch vergeblich auf Hilfen, die den Kühlschrank füllen. Denn dafür sind weder die bisherigen Soforthilfen noch die neuen Überbrückungshilfen des Bundes glaubwürdig geeignet. Mit wenigen Ausnahmen (Bayern und Baden-Württemberg) dürfen die Hilfsmittel überhaupt nicht für die Lebenshaltung genutzt werden. So sehen wir die positiven Ansätze im neuen Konjunkturpaket der Bundesregierung, fürchten aber, dass es vielen Kollegen nur sehr eingeschränkt für die Lebenshaltung weiterhilft.

In einem Markt, dessen Wahrheit geprägt ist von Soloselbstständigen und Kleinunternehmern, kommen wesentliche Teile der Unterstützungsleistungen nicht an. Schon früh haben wir mit einer Petition (über 8100 Zeichner und Zeichnerinnen) auf die Thematik aufmerksam gemacht. In einem Austausch mit Bundes- und Landtagsabgeordneten der Grünen wurden Lösungsansätze entwickelt und unsererseits an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages weitergeleitet.
Die von einigen Kollegen und Kolleginnen angebotenen BAFA-Beratungen sind inzwischen ausgesetzt. Fördermitteln von 15 Millionen EUR standen Anträge von deutlich über 130 Millionen EUR gegenüber. Leider wurde erst viel zu spät darauf hingewiesen, dass die Mittel auch finanziell – und nicht nur zeitlich – limitiert waren. Die offenen Anträge bleiben unerledigt liegen.

Aktuell sind rund 90 Prozent unserer Mitglieder von deutlichen bis sehr deutlichen Umsatzeinbrüchen betroffen. Das wird unweigerlich nachhaltig zu einer Marktbereinigung auf der Anbieterseite führen. Eine zusätzliche Herausforderung ist der Versuch vieler Unternehmen, die Live Online-Trainings zu einem günstigeren Preis zu erhalten. Das halten wir für einen riskanten Angriff. Die trainerische Leistung und Qualität hat sich durch den medialen Wechsel ja nicht verringert, und langfristig betrachtet ist es unrealistisch, von dem Tiefpreis wieder auf ein qualitativ adäquates Honorarniveau zu transferieren. Insofern steht der BDVT e.V. weiterhin für Qualität – und für angemessene Honorare.

Neben unserer eigenen Petition haben wir unseren Mitgliedern auch die aktuelle Petition von VGSD e.V. und BAGSV zur Zeichnung empfohlen. Insgesamt unterstützen wir unsere Mitglieder, indem wir sie von innen stark machen. Durch kollegiale Lernangebote, Expertentalks, Austauschrunden und viele Informationen. Ergänzend engagieren wir uns politisch für unsere Kolleginnen und Kollegen und die Branche. Auch praktische Hilfestellungen sind dabei: So bieten wir Trainerinnen, Beratern und Coache aktuell eine Qualifizierung für die pandemiegerechte Umsetzung von Maßnahmen vor Ort an.

*****
Die aktuelle Petition findet sich hier und kann noch bis zum 25. Juni gezeichnet werden.


Kommentare (0) | Kategorie: Markt & Meinung, Training & Development

  zurück Seite 2 weiter


Aktionen

  • bewertet Wettbewerbe, Awards, Preise, Ehrungen


  • erforschtForschungs- & Studienergebnisse


  • erlebtMessen & Kongresse


  • gefilmtWeb-TV, Weiterbildungsfernsehen

Social Media

Folgen Sie uns ...

© 1996-2020, managerSeminare Verlags GmbH, Endenicher Str. 41, D-53115 Bonn



Akzeptieren

Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.