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Das Blog


22. Oktober 2019 | Von Redaktion

Glücklich gesund

Ob auf Covern von Business-Büchern, in Firmennamen oder auf Managementkongressen: Zunehmend tauchen die Begriffe Hygge, Ikigai und Happiness in der Arbeitswelt auf. Die drei Wörter stehen für Faktoren, die im Menschen Glücks- und Wohlfühlgefühle auslösen. Dass Managementberater diesen verstärkt nachspüren, kommt nicht von ungefähr: Wohlfühl-Gefühle machen leistungsfähig und halten gesund, das ist wissenschaftlich erwiesen. Womit sich die Frage ergibt: Inwieweit sind eigentlich auch Führungskräfte und ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) gefordert, für mehr Wohlgefühl im Unternehmen zu sorgen? Das gerade erschienene Extraheft Corporate Health geht dem auf den Grund.

Klar ist: Durch Homeoffice und mobiles Arbeiten, durch eine Duz-und-Kumpel-Kultur im Büro, durch Wohlfühl-Lounges und Smoothie-Theken am Arbeitsplatz greifen Arbeits- und Privatleben mehr und mehr ineinander. Einigkeit besteht ohnehin darüber, dass „Work“ und „Life“ keinen Gegensatz bilden, da auch beim Arbeiten „gelebt“ wird und es also nicht darum geht, für eine „Work-Life-Balance“ zu sorgen, sondern darum, die Basis für ein insgesamt gutes und stabiles Dasein zu legen. Damit ist es für jeden einzelnen Mitarbeitenden und jede Führungskraft ein konsequenter Schritt, nicht nur privat, sondern auch im Business-Alltag so etwas wie Glück zu suchen sowie gleichzeitig anderen Menschen ein glückliches Arbeiten zu ermöglichen. Das verdeutlicht Managementberater und Zen-Lehrer André Daiyû Steiner im Interview und fordert: „Wir brauchen mehr Happiness B“.

Entsprechend gibt es bereits Unternehmen, die Workshops für die Glücks- und Sinnsuche ihrer Mitarbeitenden anbieten und in denen erarbeitet wird, mit welchen Mitteln alle gemeinsam eine Happiness-Kultur fördern möchten. Wichtig dabei: die Vermeidung der schnellen, vermeintlichen Glücksversprechen „Ruhm“, „Macht“, „Geld“ und „sinnliche Erfüllungen“, denn all das führt nicht zu tiefer Zufriedenheit, also nicht zu dem, was die griechischen Philosophen als „Eudaimonia“ bezeichnet haben. Maßnahmen, die der tiefen Zufriedenheit dienen, sind, wie André Daiyû Steiner anführt, solche, die 1. Sinn vermitteln, 2. Vertrauen schaffen, 3. Emotionale Sicherheit geben, 4. Verbundenheit erzeugen.

Was im Einzelnen hierzu gehört, zeigen die Dänen. Ihr Konzept „Hygge“ ist ein 200 Jahre altes Kulturgut und steht für Geborgenheit, für Erdung sowie für Werte und Erfahrungen fernab von Konsum und Karriereeitelkeiten. In Dänemark kommt Hygge selbstverständlich auch im Job zur Anwendung und bedeutet, sich auf drei Faktoren zu besinnen. Andrea Fischer, Leiterin der Hygge-Akademie in Bad Honnef, fasst das, was mit diesen Faktoren einhergeht, in ihrem Beitrag „Hygge im Büro“ so zusammen:

1. Glückselement Gemütlichkeit: das Jobumfeld so behaglich wie möglich gestalten und ein Wohlfühlklima schaffen – mit Kissen, Decken, Kerzen, gedeckten Farben, persönlichen Fotos und Bildern.
2. Glückselement Genuss: sich aufs Hier und Jetzt fokussieren, das Angenehme der gegenwärtigen Situation wahrnehmen, bei der Arbeit Pausen machen und diese auf bewusste und gute Weise gestalten, z.B. mit Musik und leckerem, gesundem Essen.
3. Glückselement Gemeinschaft: zwischenmenschliche Beziehungen hochhalten, ein Wir-Gefühl erleben, wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen und Augenhöhe im Miteinander als selbstverständlich erachten.

Mehr Glück und mehr psychische Gesundheit sind vor allem auch dann zu finden, wenn Führungskräfte das Loslassen lernen, wenn sie sich weniger unter Druck setzen, sich weniger zwingen und sich mehr erlauben. Arzt und Executive Coach Jörg-Peter Schröder benennt im Artikel „All You Need is less““ fünf Ansatzpunkte für das Gesundheitsmanagement: Less Selbstanpeitschen, Less Selbstsabotage, Less Selbstperfektionismus, Less Vergleichen, Less internes Wettbewerbsdenken, Less Überschreiten der eigenen Grenzen.

Insgesamt beinhaltet das Extraheft sechs Fachbeiträge, die Führungskräfte und Mitarbeitende sowie BGM-Verantwortliche darin unterstützen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um im Job gesund und glücklich zu bleiben bzw. ein gesundes, glückliches Arbeiten zu ermöglichen. Das Themenspektrum reicht von Überlegungen zu Sinnfragen und damit zu den Sinnbegriffen Ikigai und Purpose über die Kurzvorstellung von Apps für mehr Wohlbefinden bis hin zu verbreiteten Irrtümern in der Burnout-Prävention. Erschienen ist das Extraheft als Heft im Heft in managerSeminare.


Kommentar (1) | Kategorie: Lernen & Lehren

18. Oktober 2019 | Von Nicole Bußmann

Disrupt yourself, HR!

Personalentwicklung nach etabliertem Muster wird in fünf Jahren niemand mehr brauchen. Die These ist steil, aber nicht aus der Luft gegriffen. Aufgestellt hat sie Christian Böhler in unserem diesmaligen Titelthema. Der Personalentwickler aus einem Energieunternehmen ist überzeugt: Den HR-Abteilungen vieler Unternehmen steht eine Disruption bevor, die ähnlich drastisch ausfällt wie der Atomausstieg für die Stromkonzerne. Denn, so meint Böhler: Die Art und Weise, wie Weiterbildung betrieben und die Qualifikation von Mitarbeitern gefördert wird, hat sich überlebt.

Als Grund dafür benennt Böhler – natürlich – die Digitalisierung. Je schneller diese Märkte und Kundenbedürfnisse verändert, desto weniger macht die Vermittlung von Wissen, wie sie bisher betrieben wird, Sinn – schlichtweg, weil dieses Wissen zu schnell veraltet. Viele etablierte Prozesse der Personalentwicklung werden somit nutzlos, Mitarbeiter beschaffen sich ihre Informationen ohnehin längst auf anderen Wegen. Zugleich werden die neu entstandenen Bedarfe nicht schnell genug oder gar nicht adressiert. Was also tun?

Christian Böhler sieht für die Zukunft seiner Zunft nur eine Chance: HR muss sich überflüssig machen, um die Organisation leistungsfähig zu halten. Sein ketzerischer Appell lautet daher: Disrupt yourself, HR! In seinem Beitrag liefert er eine Anleitung, wie die Selbstabschaffung der bekannten alten Personalentwicklung gelingt und eine Neuerfindung im Sinne eines People Partners aussehen könnte.

Agilität ist der größte Hoffnungsträger, wenn es darum geht, der Dynamik disruptiver Veränderungen zu begegnen. Doch die bekannten agilen Methoden und Prozesse wie Scrum, Kanban und Design Thinking finden meist nur auf Teamebene statt, Führung bleibt oft weiterhin hierarchisch. Der Berater Ralf Janssen hat beobachtet: Führungskräfte untereinander arbeiten kaum kollaborativ, Entscheidungen finden nach wie vor in abgetrennten Silos statt, Abstimmung und Zusammenarbeit bleiben unter ihren Möglichkeiten. Dabei ist Führung ihrem Wesen nach schon agil – sie befasst sich ja permanent mit komplexen, ständig veränderlichen Herausforderungen.

Eine Lösung für diese Situation könnte eine Abwandlung des eigentlich radikal-agilen Konzepts der kollegialen Führung sein, meint Janssen. In seinem Beitrag „Agil trotz Hierarchie“ zeigt er, wie deren Prinzipien – etwa Aushandlung der Zuständigkeit, gemeinschaftliche Entscheidungen – auch in hierarchischen Unternehmen Schritt für Schritt zum Einsatz gebracht und so agile Transformationen angestoßen werden können.


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10. Oktober 2019 | Von Redaktion

1. Kongress Wirtschaft und Spiritualität: Mutige Mischung

Augenhöhe, Wertschätzung, Achtsamkeit, Purpose – um solche Dinge geht es bei vielen Veranstaltungen zum neuen Arbeiten und Wirtschaften. Und die Frage nach einem tieferen Sinn und höheren Werten klingt dabei immer mit an. Bisher allerdings hat es noch niemand gewagt, genau diese Frage so offensiv in den Mittelpunkt zu stellen wie es die Veranstalter der Kongresspremiere, die von 3. bis 6. Oktober 2019 in Kirchzarten bei Freiburg stattfand, taten: Hans-Jürgen Lenz, Chef der Balance Unternehmensberatung, und die IAK GmbH platzierten im Titel ihrer Veranstaltung einen Begriff, der im Business bisher vor allem Skepsis garantiert, und luden zum „1. Kongress Wirtschaft und Spiritualität“.

Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski

„Ich bin nicht ganz sicher, ob ich hier richtig bin…“ So beginnt Claus Eurich seinen Eröffnungsvortrag im Kirchzartener Kurhaus. Der Philosoph und Kontemplationslehrer, der vor zwei Jahren Professor für Kommunikation und Ethik am Institut für Journalistik der TU Dortmund war, kann sein Publikum offenbar nicht so recht einschätzen. Ob er mit seiner Forderung nach einem „Aufstand für das Leben“ – so der Titel seines Vortrags wie auch des Buchs, in dem er Visionen für eine lebenswerte Erde vorstellt und Richtlinien für ein entsprechendes ethisches Handeln entwickelt – bei ihnen an der richtigen Adresse sein wird? Aus dem Titel der Veranstaltung lässt es sich nicht direkt ableiten: Denn was bedeutet eigentlich Spiritualität? Und wofür steht sie in Verbindung mit dem Begriff Wirtschaft?

Mit dieser Unsicherheit ist Eurich sicher nicht allein im Saal, in dem sich rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelt haben. Die Mischung ist bunt, und das nicht nur optisch: Sakkos sind ebenso zahlreich wie bunte Tücher, Turnschuhe stehen neben Pumps und Slippern – und die selbstständige Physiotherapeutin und der Organisationsentwickler neben der Inhaberin einer Handwerksfirma, dem Chef der Freiburger Uni-Klinik, dem Energieberater und dem Manager eines Motorsägenherstellers.

Jens Riese erstaunt die anwesende Vielfalt kaum. „Die Menschen haben eine Sehnsucht nach Spiritualität – in jedem Kontext, auch im Business“, meint der Coach und Leadership-Trainer aus München, der bis vor einigen Monaten Senior Partner bei McKinsey war. Dort betreut er noch immer das „Centred Leadership Program“ für Führungskräfte, das er mitentwickelt hat. Denn viele Menschen, so seine Erfahrung, tragen auch in ihrem Arbeitsalltag die Frage mit sich herum, ob sie „hier richtig“ sind.

Auf der Suche nach Antworten – auf diese wie auch alle anderen Fragen – scheitern sie dabei immer häufiger, da sie mit den gewohnten Ansätzen angesichts der enormen Dynamik unserer heutigen Welt an ihre Grenzen stoßen. „Nur durch Analyse lässt sich Komplexität nicht bewältigen“, erklärt Michael Böttcher, der sich bei der Lufthansa als Organisationsentwickler um die Unternehmenskultur kümmert.

Für beide Manager ist der Blick über den Tellerrand des Verstandes deshalb die logische Konsequenz. „Wir müssen unsere innere Komplexität erweitern, um mit der äußeren Komplexität zurecht zu kommen“, glaubt Führungskräfteentwickler Riese mit Blick auf die VUKA-Welt. Stabilität bietet hier die Orientierung an Werten und Ethik und das Streben nach persönlicher Integrität. Die stetige persönliche Weiterentwicklung ist für Riese deshalb ein entscheidender Aspekt von Spiritualität – auch wenn er den Begriff im Gespräch mit potenziellen Klientinnen und Klienten bisweilen lieber nicht sofort gebraucht.

Auch Böttcher wählt in seinem Job die eigenen Worte vorsichtig, um nicht in Esoterik-Verdacht zu geraten. Die zentralen Begriffe, die auf seinen Powerpoint-Folien stehen, heißen zunächst Innovation, Drive, Kollaboration und Empowerment – bereiten aber die Basis für Gespräche über Augenhöhe, Vertrauen und Verbundenheit. Erreicht hat er mit seiner Abteilung so die Entwicklung eines entsprechenden kulturellen Zielbildes. „Und wir haben auch die Führungskräfteentwicklung innerhalb der vergangenen drei Jahre einmal auf links gedreht“, berichtet Böttcher. Nun werden auch mal syrische Studenten als Impulsgeber eingeladen oder Führungskräfte in einem Seminar völlig ohne Agenda allein gelassen – und manchmal sogar zum Dialog mit einem Baum ermutigt.

Dabei nimmt der Psychologe, der als Student bei den Startbahn-Demos in den 1980er Jahren noch auf der anderen Seite stand, in Kauf, Ambivalenzen auszuhalten, mit denen er sich regelmäßig konfrontiert sieht. „Manche Dinge sind einfach nicht besprechbar“, räumt der Organisationsentwickler ein. Post-Wachstumsideen etwa oder die Frage, ob Geschwindigkeit wirklich ein so zentraler Erfolgsfaktor ist. Aufgeben will Böttcher, der ganz offensichtlich stolz ist, schon seit 20 Jahren zur Fluggesellschaft zu gehören, trotzdem nicht – sondern weiterhin „lernträchtig irritieren“ und als Brückenbauer zwischen dem Bewährten und dem Neuen agieren. Er zumindest scheint die Frage, ob er richtig ist, wo er ist, für sich beantwortet zu haben.

Wahrscheinlich folgt der Organisationsentwickler damit sogar dem ökologischen Imperativ von Hans Jonas, der im Eingangsvortrag von Eurich als handlungsleitend empfohlen wurde. Der 1993 verstorbene Philosoph hatte schon 1979 in seinem Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ versuchte, eine Ethik für die technologische Zivilisation zu entwickeln, und in Anlehnung an Immanuel Kants kategorischen Imperativ den Leitsatz formuliert: „Handle stets so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Ein langsameres, tieferes Denken in Unternehmen zu bringen, ist da möglicherweise kein schlechter Ansatz.

Denn gerade dort gibt es entscheidende Hebel, um die notwendigen Veränderungen für eine lebenswerte Zukunft einzuleiten, ist Peter Quick überzeugt. „Wirtschaftsunternehmen sind die einzige Kraft, die schnell etwas bewegen kann, weil sie in weniger Zwängen stecken als die Politik“, meinte der Chef der Promega GmbH, der deutschen Tochter eines amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens. Bei Promega setzt man deshalb u.a. auf nachhaltig verträgliches Wachstum, etwa beim Bau einer energieeffizienten neuen Deutschlandzentrale, und auf ein ausdrückliches Bekenntnis zur UN-Menschenrechtscharta in Zusammenarbeit mit Partnern weltweit.

Gefördert wird aber auch die persönliche Bewusstseinsbildung der international 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise mit Achtsamkeit und Intuitionstrainings in regelmäßigen Bootcamps. „Das ist gerade für Naturwissenschaftler schon eine ziemliche Herausforderung“, so Quick. Immerhin 130 der Life Science Researcher haben sie im vergangenen Jahr freiwillig angenommen und unterstützen nun, so ist man bei Promega überzeugt, nicht nur eine intensivere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens, sondern tragen ihre Erkenntnisse auch in den Rest der Gesellschaft hinein.

Die zentralen Inhalte, die im ProMindful genannten Programm bei Promega transportiert werden, sind Respekt, Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber, Empathie und Menschlichkeit. All diese Elemente aber sind – das wird im Laufe der vier Kongresstage deutlich – auch zentral für die Definition von Spiritualität. Letztlich nämlich läuft fast jeder Beitrag und jedes Gespräch in Kirchzarten darauf hinaus, dass alles miteinander zusammen– und voneinander abhängt. Ob in der Quantenphysik, der „transrationalen“ Intelligenz, im Buddhismus, bei Gemeinwohlbilanzen oder in der Ökologie: Nichts kann isoliert verstanden oder verändert werden, ohne dass etwas anderes davon beeinflusst wird.

„Wer ein 10-Liter-Auto fährt, bekommt Klimaflüchtlinge, wer Waffen verkauft, Bürgerkriege“, fasst es Theologe und Buchautor Franz Alt in seiner Keynote zusammen. Diese Zusammenhänge müssen wir begreifen, wenn wir nicht von der Erde verschwinden wollen, so sein Appell: „Denn nur mit ganzheitlichen Ansätzen lassen sich unsere Probleme heute noch lösen.“ Damit das gelingt, sind Offenheit und eine gewisse Klugheit nötig, vor allem aber – und hier zitiert Alt den Dalai-Lama – „ein gutes, menschliches Herz.“ Denn wer das hat, wird sich immer am richtigen Platz fühlen und wissen, was zu tun und was zu unterlassen ist. Das kann man dann effiziente Komplexitätsverarbeitung, Centered Leadership oder praktische Ethik nennen. Oder – wenn man ganz mutig ist – eben auch Spiritualität.

Fotos: S. Lipkowski; Graphic Recording in Bild 2 von Mathias Weitbrecht, Visual Facilitators, Hamburg


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7. Oktober 2019 | Von Redaktion

Glücklich in 90 Minuten: Denkanstöße von der Bühne

Mit dem Theaterstück und Musical „Glücklich in 90 Minuten“ hat sich der Hamburger Trainer und Coach Thomas Birkhahn einen Lebenstraum erfüllt, nämlich das Thema persönliche Entwicklung als einprägsames Musical auf die Bühne zu bringen. Aktuell ist das Stück rund um die Sinnfrage von Job und Leben in Hamburg zu sehen.

Beitrag von Andrea Bittelmeyer

Vor wenigen Minuten noch ist Carl-Christian Blau, dynamischer Manager in einer Capital Venture Firma, dem großen Geschäft hinterhergejagt, hat seine Konkurrenten und seinen Chef mit Spott bedacht. Jetzt kann er nicht einmal mehr sein Büro verlassen. Eigentlich muss er zum Flughafen, um in Peking ein Investment in Millionenhöhe abzuschließen. Kaum will er jedoch durch die Tür treten, plagen ihn Atemnot und Herzrasen. Er fasst sich an die Kehle, ringt nach Luft, nichts geht mehr. Blau ist gefangen. Die Angst hält ihn im Griff. Hatte Blau kurz zuvor am Telefon erklärt: Er komme „wann Sie wollen – ein Wink von Ihnen und ich sitze im Flieger.“ Wollte er gerade noch beim „Kickoff Meeting performen“ und den „Deal closen“, sitzt er nun in seinem Büro fest.

Carl-Christian Blau ist die Hauptfigur in dem Theaterstück und Musical „Glücklich in 90 Minuten“, das der Coach und Trainer Thomas Birkahn in Kooperation mit den Hamburger Kammerspielen produziert hat, wo es in diesem Herbst auf dem Spielplan steht. In dem Stück dreht sich alles darum, was uns in einer Welt, in der wir frei sind wie noch nie, glücklich und zufrieden macht. „Was erwarten wir vom Leben?“ ist auch die Frage, die ganz zu Anfang von Blaus Coach gestellt wird, der die Geschichte des Managers nüchtern analysierend begleitet: ein toller Job, Geld, Segelyacht, die Villa im Hamburger Nobelstadtteil Blankenese? Man ahnt es schon, all das ist es nicht.

Gezeigt wird dies in einer temporeichen Mischung aus Schauspiel, Vortrag und Musik von vier Schauspielern, die zum Teil in wechselnde Rollen schlüpfen. Die Songs – geschrieben und komponiert von dem Schauspieler, Drehbuchautoren und Komponisten Jan-Christof Scheibe – werden live von einem Gitarristen und einem Percussionisten begleitet. „Wenn du denkst, du bist inside, ich bin insider. Wenn du denkst, du hast den Check, Du irrst Dich leider“, singt Blau selbstverliebt zu Beginn. Später kommen nachdenkliche Töne: „Mein Kumpel Angst – da ist er ja wieder.“ Oder die bange Frage: „Kann es sein, verdammt, bin ich die ganze Zeit in die falsche Richtung gerannt?“

Seinen Schabernack treibt Scheibe, der das gesamte Stück mit viel Ironie und Augenzwinkern geschrieben hat, mit den alltäglichen Anglizismen im „Office“. „Der Chef will Sie sprechen: A – S – A – P“, sagt die Sekretärin. Die Mitarbeiter sollen auf „Core Values comittet“ werden und zwar „across-the-board“. Blaus Konkurrent ist jetzt – im Gegensatz zu ihm – ein echter „Gamechanger“. Und natürlich ist die Firma „keine Charity Veranstaltung“, erklärt der größenwahnsinnige Firmenchef per Videokonferenz und verschwindet zum Kurzurlaub auf die Malediven – „solange es die noch gibt“.

Blau, der gefangen in seinem Büro sitzt, hat – so konstatiert der nicht minder von sich selbst überzeugte Coach – 1.000 Möglichkeiten. Der von Panik getriebene Manager selbst sieht allerdings nur eine, will nur schnell wieder aus dem Büro heraus, um es seinem Chef zu beweisen und um doch noch Partner in der Firma zu werden. „Das Gedankenkarussell dreht sich unermüdlich, lässt sich nicht abschalten“, erklärt der Coach süffisant.

Nur langsam merkt Blau, dass er auch vor seiner plötzlichen Panikattacke alles andere als frei war. Getrieben von Zahlen, einem gnadenlosen Chef und dem Markt, auf dessen Entwicklung nicht nur seine Branche so gebannt starrt. Denkanstöße kommen von seiner Tochter, dem Fahrradkurier und dem pakistanischen Putzmann, die nach und nach in seinem Büro auftauchen. „Schade für Dich“, singt die Tochter und meint damit nicht nur den Abi-Ball, den ihr dieses Mal sogar im Wortsinn nicht aus dem Büro kommender Vater an diesem Abend verpasst hat, sondern die permanente Abwesenheit Blaus in ihrer Kindheit. Sie erinnert sich nur an die gemeinsame Zeit mit ihrer Mutter, die längst ausgetauscht ist gegen die „aktuelle Lebenspartnerin“, ungefähr so alt wie die Tochter. Der Fahrradkurier berichtet, dass er auf Weingütern gearbeitet und in Buenos Aires gelebt hat – beides Träume von Blau.

Wie der Einzelne sein Glück finden kann, lässt das Stück offen. Blau schleicht am Ende ratlos aus dem Saal und auch die Erörterungen des Coachs über das Unterbewusstsein, Glück und Zufriedenheit liefern – wie in 90 Minuten eben doch unmöglich – die Lösung nicht. Dennoch ist es amüsant, sich das im Wirtschaftsleben immer wieder abspielende Drama anzusehen, und in den vielen aufgeworfenen Fragen findet jeder Zuschauer die passende für sich selbst. Schließlich hat jeder seinen wunden Punkt, an dem er alten Mustern folgt, sich gefangen fühlt, es eigentlich lieber anders machen würde. Und wenn man dann am nächsten Morgen seine E-Mails liest, kann man den Bezug zum eigenen Leben nicht verleugnen. Denn da sind sie schon wieder, die Anglizismen, über die man am Abend noch gelacht hat.

Der Hamburger Trainer und Coach Thomas Birkhahn jedenfalls ist seinen eigenen Anregungen zum Glück gefolgt und hat sich mit dem „Coachical“ (kreative Wortschöpfung des Hamburger Abendblatts) einen Lebenstraum erfüllt, den er schon 30 Jahre lang mit sich trug: den Stoff Bildung und persönliche Entwicklung als einprägsames Musical auf die Bühne zu bringen. Die Besucher des Stücks will Birkhahn zum Weiterdenken anregen, für Firmen bietet er dazu die passenden Workshops an. Im November gibt es für „Glücklich in 90 Minuten“ weitere Termine in den Hamburger Kammerspielen, auch für das kommende Jahr sind Aufführungen geplant, zudem soll das Stück auf Deutschlandtournee gehen.

*********
Fotos: Was ist Glück? Auf der Bühne performen Lara – die Geliebte (Schauspielerin: Madeleine Louw), Carl-Christian Blau – der Manager (Schauspieler: Mario Ramos) und David Lautenschläger – der Coach (Schauspieler: Tim Grobe). Im Hintergrund die Musiker: Gitarre: Johannes Wennrich, Percussionist: Yogi Jockusch
Fotoquelle: Christine Weiland


Kommentar (1) | Kategorie: Management & Führung, _erlebt

20. September 2019 | Von Redaktion

Corporate Influencing

Bei YouTube gibt es sie, bei Instagram ebenso und natürlich auch bei Twitter: so genannte Influencer, meist junge Menschen, die extensiv von Social-Media Gebrauch machen, viele Follower haben (in der Regel über 100.000) und daher als Meinungsführer gelten. Nicht zu verwechseln übrigens mit der ähnlich geschriebenen und fast genauso klingenden Influenza. Influenza wie Influencer sind viral, erstere ansteckend, die letzteren „nur“ beeinflussend.

Seit einiger Zeit gibt es solche Beeinflussenden auch im Unternehmenskontext: Corporate Influencer. Gemeint sind damit Führungskräfte wie Mitarbeiter eines Unternehmens, die auf ihren persönlichen Instagram-, LinkedIn- oder Twitter-Profilen Themen aus ihrem persönlichen Umfeld posten. Das reicht von Erklärungen zur Unternehmensstrategie, zu Produkten und Innovationen über Berichte aus dem Unternehmensalltag bis hin zu Fotos von Feiern und Festen. Zu den Top-Influencern unter den CEOs deutscher Unternehmen gehören etwa Tina Müller von Douglas und Tim Höttges von der Deutschen Telekom. Das Telekommunikationsunternehmen hat übrigens in den vergangenen Jahre eines der größten Netzwerke von Corporate Influencern aufgebaut. 2017 schaffte es der Konzern mit dem Hashtag #Telekomwall sogar nach ganz vorn in die Trending Topics von Twitter.

Dass Corporate Influencer für Unternehmen wertvoll sind, liegt auf der Hand. Es entstehen Inhalte, die dem Marketing wie dem Employer Branding dienen und so auf die Markenbildung und die Reputation einzahlen. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen ihre CEOs, Mitarbeiter aus der Managementriege oder Experten auf Fachebene als Corporate Influencer in den sozialen Medien positionieren möchten. Doch wie macht man das? Geht das überhaupt? Zwingen kann man seine Mitarbeiter schließlich nicht. Kontrollieren aber auch nicht. Antworten gibt es in dem diesmaligen Titelthema von managerSeminare.

Nichtstun kann tödlich enden. Das gilt für Menschen wie für Organisationen. Ebenso wie eine menschliche Couch-Potato, die ihre Muskeln, Gelenke und Sehnen verkümmern lässt und ihre Zukunft damit aufs Spiel setzt, bringen sich auch Unternehmen in Gefahr, die nichts tun, um sich für eine anspruchsvolle Zukunft in Form zu bringen. Wo aber anfangen? Was sind zentrale Bereiche, in denen Unternehmen jetzt ihre Fitness erhöhen müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Und wie können sie dabei vorgehen, ohne dass es allzu aufwendig wird? Unsere neue Serie „Fitnessprogramm für Firmen“ stellt fünf Trainingsfelder vor und liefert die passenden Trainingspläne dazu. Teil eins widmet sich der Frage, wie es Unternehmen schaffen, schneller zu entscheiden und zu handeln.


Kommentare (0) | Kategorie: Karriere & Wissen, Management & Führung

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