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15. Dezember 2008 | Von Nicole Bußmann

Ist Krise oder nicht?

Alle reden von Krise: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Weiterbildungskrise…, vielleicht hat der ein oder andere auch ne persönliche Krise, eine Weihnachtskrise, Endjahres-Krise? So viel über Krise geredet wird, so wenig deutlich zeigt sie sich tatsächlich. Die Einzelhändler beispielsweise trauen sich kaum zuzugeben, dass das Geschäft eigentlich gut läuft. Und auch aktuellen Studien unter den Arbeitnehmern dieses Landes fällt es schwer, das Krisenempfinden richtig dingfest zu machen.

Offenbar konnte die Job AG gar nicht richtig glauben, was aus ihrer Studie, dem Arbeitsklima-Index, den sie einmal pro Quartal durch TNS Emnid in der berufstätigen Bevölkerung erheben lässt, herausgekommen ist: „Das Wohlfühlgefühl am Arbeitsplatz ist bei deutschen Arbeitnehmern trotz Finanzkrise auf gutem Niveau etabliert“, heißt es in der Pressemitteilung. Da schwingt ein bisschen Verwunderung mit. Auf einer Skala von 1,0 (sehr schlecht) bis 10,0 (sehr gut) ist bei 1.200 Befragten ein Wert von 7,7 ermittelt worden. Dieser Wert ist laut TNS Emnid seit sechs Monaten stabil, im ersten Quartal dieses Jahres lag er sogar niedriger, nämlich bei 7,5.

Während Stefan Polak, Vorstand der die Studie in Auftrag gegebenen Job AG, das Ergebnis dann doch freudig kommentierte – er lobte die Arbeitnehmer, denen offenbar mehr zuzutrauen ist als mancher Arbeitgeber glaubt –, fallen die Kommentierungen der Verantwortlichen einer weiteren Krisen-Studie, der Umfrage durch das Karriereportal Placement24, deutlich „krisenmäßiger“ aus. „Die Krise ist noch nicht endgültig in allen Köpfen der Fach- und Führungskräfte angekommen“, sagte Tonio Riederer von Paar, Gründer und Geschäftsführer von Placement24, im Hinblick auf offenbar negativer erwartete Ergebnisse. Hintergrund: Auch seine Studie zeigt keine krisengebeutelten Fach- und Führungskräfte, wenngleich schon schlechtere Stimmung.

2.217 Personen hatten sich an der Befragung beteiligt: 28 Prozent halten ihren Job für gefährdet durch die Krise, 9 Prozent mehr als noch im Mai, gar 60 Prozent erwarten eine Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation im kommenden Jahr. Der Großteil hat dennoch keine Konsequenzen gezogen: 51 Prozent gaben an, das eigene Konsumverhalten nicht geändert zu haben. Immerhin 47 Prozent fühlen sich bei ihrem Arbeitgeber sicher.

Gar nicht ins Bild einer offenbar halbwegs besonnen mit der überall präsenten Krise umgehenden Nation passt da eine Information von pressetext.deutschland. Da heißt es, dass im Zuge der Massenentlassungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise die Zahl von Gewalttaten am Arbeitsplatz bis hin zu Amokläufen zunimmt. Eine krasse Aussage, die unter anderem vom Institut für Psychologie & Sicherheit untermauert wird. Deren Berater Jens Hoffmann sagt: „Allein im Dezember dieses Jahres haben die Fälle (er bezieht sich auf die Gewalttaten, Anm. der Red.) so stark zugenommen wie in den vergangenen sieben Jahren nicht“. Er hält selbst Amokläufe wie in den USA, wo entlassene Mitarbeiter ihre Kollegen oder Chefs erschossen haben, für „jederzeit denkbar“.

Recht gegensätzliche Aussagen, die sich zum Teil erklären, wenn man die Datenbasen betrachtet: So verweist Hoffmann auf eine Statistik, die im gewerblichen Bereich erhoben wurde, während das Online-Portal Placement24 eher die white-collar-workers befragt haben dürfte. Nicht vernachlässigen darf man allerdings auch die Interessen der Sprechenden: Den Jobportalen dürften Wechselwillige lieber sein, weswegen ihnen das sich noch nicht extrem auf den Arbeitplatz ausgewirkte Krisenempfingen insgesamt weniger zupass kommt, der psychologische Sicherheitsberater verdient indes an Unternehmen, die aufgeschreckt durch mögliche Eskalationen Beratung in Anspruch zu nehmen gedenken.


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