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24. März 2020 | Von Redaktion

Wie man an der Corona-Krise mental wachsen kann

Ein Virus beherrscht unser privates Leben, unsere Wirtschaft und unsere mentalen Zustände – es bringt uns massive psychologische Unsicherheit, ja Angst. Was gestern noch wahr war, gilt heute schon nicht mehr. Wie man mit dieser geistigen Belastung umgehen und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen kann, erklärt Managementtrainer Boris Grundl, der bedingt durch sein eigenes Schicksal erprobt ist in Krisenbewältigung.

Ein Gastbeitrag von Boris Grundl

Was in diesen Zeiten zählt, ist die passende mentale Haltung. Das richtige Mindset. Dabei geht es nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um unsere tiefsten Gefühle. Im Kern um die geistige Haltung, mit der wir extreme Belastungen meistern können. Dazu sollten wir uns mutig selbst reflektieren. Denn alles ergibt sich aus der Frage: Was muss passieren, dass aus dieser Krise eine Chance wird? Persönlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich? Ich weiß, das ist eine sehr heftige Frage.

Das Wichtigste ist, bei uns selbst zu beobachten, was gerade mental mit uns passiert. Dabei gibt es drei mentale Zustände. Alle drei wechseln sich immer wieder ab. Je nachdem, wie sich die Lage ändert.

1. Erkennen

Zunächst wollen wir die Realität nicht wahrhaben und denken: „Das kann alles nicht sein.“ Wir verdrängen. Kopf in den Sand. Wird schon vorübergehen. Versagt die Verdrängung, entsteht Hysterie, nackte Panik. Was diese Angst in uns auslöst, ist das Unbeherrschbare. Wir haben Angst, die Kontrolle zu verlieren. In der psychologischen Unsicherheit sind wir konfrontiert mit Informationen, auch Fehlinformationen. Wir haben keine Orientierung.

Danach suchen wir einen Schuldigen, eine Person oder eine Systematik (Umstand), die verantwortlich für die Situation ist. Ein Mensch (der Überträger?), eine Nation, eine Personengruppe (Politiker, Chinesen, Europäer, Ärzte, usw.). In Summe schieben wir die Thematik von uns weg, distanzieren uns. In der Hoffnung, dass es uns selbst nicht betrifft. Wir sind mental noch zu schwach.

All diese starken, meist unbewussten Emotionen sind nur mentale Zustände. Man kann eine Sekunde darin verweilen oder eine Minute, eine Stunde, einen Tag, einen Monat oder ein ganzes Leben. Das ist wichtig: Es sind nur mentale Zustände! Und sie sind völlig normal und nicht wegwünschbar. Das ist bei jedem Menschen so.

2. Anerkennen

Dann kommt die Wende. Von außen nach innen. Wir wollen es annehmen. Wir überlegen, was es mit uns zu tun hat. Was unsere zukünftige Verantwortung sein wird. Was dann folgt, ist ein Gefühl der eigenen Schuld oder Scham: Habe ich genug desinfiziert – eingekauft – vorbereitet? Hätte ich doch früher… Dennoch machen wir uns das Thema nicht ganz zu eigen. Wir fühlen uns noch immer kraftlos. Haben keine Ideen, keine Kreativität. Handeln schwach. Die Ergebnisse sind schwach.

Wir lernen, mit der Situation umzugehen – unter manchmal merkwürdigen, emotionalen Wandlungen. So spüren wir die Schwere, die Ernsthaftigkeit der Situation. Dann beginnen wir langsam zu erkennen, was unser Teil der Verantwortung sein könnte. Aber wir haben die Situation immer noch nicht ganz angenommen. Man muss halt jetzt das Beste daraus machen, Augen zu und durch. Unser Energiepegel ist mäßig. Unsere Kreativität notdürftig.

Angst und Hoffnung geben sich als Mindset die Klinke in die Hand. Wie ein Pendel schwingen sie hin und her. Bis wir die Mitte finden. Die heißt dann: Realität. Wir stellen uns der Wahrheit. Und konzentrieren uns auf unserem Einflussbereich.

3. Transformation

Jetzt haben wir die Situation emotional voll angenommen, sie uns ganz zu eigen gemacht. Wir müssen uns ihr nicht stellen, wir wollen es. Unser Mantra ist jetzt: „Wenn ich schon muss, dann will ich es auch!“ Jetzt stellen wir uns der Krise. Wir akzeptieren, was die Krise mit uns macht.

Wir sind bereit, die vollen Konsequenzen unserer Entscheidungen zu tragen. Unser Selbst wird zerlegt und danach wieder zusammengesetzt. Wir haben uns infrage gestellt und stellen nicht andere infrage. Nachdem wir uns wieder zusammengesetzt haben, ist unser Selbst viel stärker geworden. Unser Energiepegel ist hoch. Wir sprühen vor Ideen und Kreativität. Wir handeln kraftvoll und zielgerichtet, obwohl wir innerlich leiden.

Diese drei Zustände können sich mehrmals wiederholen. Je nachdem, in welchen Stufen die Krise einen persönlich beeinflusst. Dann fängt man wieder von vorne an. Die gute Nachricht: Es sind alles nur mentale Zustände, und am Ende sind wir stärker denn je!

Die Krise bewältigen

1. Lernen Sie, sich selbst beim Denken zu beobachten. Entlarven Sie schonungslos Ihre eigenen mentalen Zustände. Fühlen Sie sich gut dabei, auch wenn die Zustände schwach sind.

2. Es ist nicht wichtig, WAS Sie sehen oder wahrnehmen, sondern VON WO aus Sie etwas betrachten. Werden Sie sich dessen immer bewusster.

3. Durchdenken Sie permanent die Krise, und fragen Sie sich immer wieder: Was könnte danach kommen? Was muss passieren, dass aus dieser Krise eine Chance wird? Wie mache ich aus diesem Rückschritt einen Fortschritt? Folgen Sie der Antwort konsequent.

Gerade merken wir sehr ernsthaft, wie es ist, wenn Selbstverständlichkeiten wegfallen. Wenn wir auf uns selbst zurückfallen. Auf unsere eigene Schwäche, auf unsere eigene Unsicherheit. Die Illusion der Selbstgenügsamkeit löst sich auf – wir kommen nicht alleine zurecht. Mental passiert bei jedem Einzelnen dadurch unheimlich viel. Es wäre doch schön, wenn wir als Resultat eine stärkere mentale Haltung gewinnen – ein tieferes Bewusstsein für unser Leben und das Leben anderer.

****
Der Autor: Boris Grundl (siehe Foto) ist Managementtrainer, Redner, Unternehmer und Autor. Seit 30 Jahren ist er vom Hals abwärts gelähmt. Seine Themen sind Verantwortungsbewusstsein, mentale Haltung und Leadership. Kontakt: www.grundl-institut.de

Foto: Ilona Antina Photography


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, Management & Führung

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