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Das Blog


30. Juli 2020 | Von Redaktion

Extraheft: Führen und Arbeiten auf Distanz

Die Corona-Krise hat die Organisation in vielen Unternehmen von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Plötzlich hieß es: Home Office statt Büroarbeit, Online-Trainings statt Präsenz-Formate, Call und Mail statt Face-to-Face-Austausch – oder kurz: führen, arbeiten und lernen auf Distanz. Viele Führungskräfte und Personalentwickler stellt das vor enorme Herausforderungen. Denn wie funktioniert Führung aus der Ferne? Welche Online-Tools für virtuelle Zusammenarbeit gibt es? Und wie lassen sich gute Online-Trainer finden? Antworten liefert das neue Extraheft von managerSeminare.

Ein Beitrag von Sarah Lambers

Distanz und menschliche Nähe müssen sich nicht ausschließen. Denn auch wenn das Lächeln auf dem Flur, das Schulterklopfen zwischendurch und die warmen Worte in der Kaffeeküche wegfallen, heißt das nicht, dass sich Kollegen nicht mehr nah sein können. Menschliche Nähe kann nämlich auch virtuell erzeugt werden – etwa durch den Chat. Wie das gelingt, welche Fallstricke es dabei zu umgehen gilt und warum hinter Emoticons mehr als nur bunte Bildchen stecken, erklärt Trainer Valentin Nowotny in dem Beitrag „Führen per Chat“.

Doch warum ist menschliche Nähe überhaupt so wichtig? Dieser Frage geht Coach Eva Brandt in ihrem Artikel aus neuropsychologischer Sicht auf den Grund. Sie schildert, welche Prozesse im Gehirn stattfinden, damit Motivation und Vertrauen – Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit – entstehen und welche Rolle dabei Hormone wie Oxytocin und Dopamin spielen. Zudem stellt sie einige Kniffe vor, wie die Ausschüttung dieser Hormone unter Remote-Arbeitsbedingungen getriggert werden kann – und zeigt damit eine Möglichkeit auf, um zu mehr Energie und Einsatzbereitschaft zu gelangen.

Eine Menge davon können im Moment Personalentwickler gut gebrauchen. Corona hat sie nämlich vor eine besonders große Herausforderung gestellt: Sie müssen das Corporate Learning dringend digitalisieren – und dafür möglichst schnell den Sprung ins kalte Wasser wagen, sprich: einfach mit Pilotprojekten starten, Erfahrungen sammeln und – wenn nötig – nachjustieren. Warum es dafür zwar Einsatzbereitschaft, aber gar nicht so viel Überwindung braucht, führen Katharina Luh und Stefan Krüger von der Unternehmensberatung Ernst & Young in ihrem Artikel „Corporate Learning und Corona – Sprung ins Digitale“ aus.

Das Extraheft liefert in insgesamt sechs Fachbeiträgen digitales Wissen für Führungskräfte und Personaler. Erschienen ist es als Heft im Heft in managerSeminare. Hauptheft samt Extraheft können hier in Form eines einmonatigen Probeabos bestellt werden.

Viel Spaß beim Lesen! Und bleiben Sie gesund.


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, Training & Development

16. Juni 2020 | Von Nicole Bußmann

Weiterbildungsverbände nehmen zum Konjunkturpaket Stellung

„Die Soloselbstständigen werden beim Konjunkturpaket übergangen“. Mit dieser Botschaft meldete sich der Verband der Gründer und Selbstständigen e.V. (VGSD) Anfang Juni. Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) startete er eine Bundestagspetition zur Fortführung der Soforthilfen und notwendigen mittelfristigen Maßnahmen. managerSeminare hat die Petition zum Anlass genommen, bei den Weiterbildungsverbänden nachzufragen: Was halten sie von dem Konjunkturpaket, wie geht es ihren Mitgliedern, und wie unterstützen sie sie?

Stellungnahme vom Vorstand des dvct e.V.:

Als größter Fachverband für Coachs und Trainerinnen im deutschsprachigen Raum bedauert der dvct mit seinen annähernd 1.600 Mitgliedern, dass das Konjunkturprogramm der Bundesregierung neben vielen richtigen und begrüßenswerten Maßnahmen zwei Webfehler enthält: Das Programm verkennt die schwierige Lage der Solo-Selbständigen und Kleinunternehmen, die auch bei geringen Betriebskosten durch gravierende Umsatzeinbußen in ihrer Existenz gefährdet sind. Zudem übersieht es den Bedarf und die Notwendigkeit für deutsche Unternehmen, sich mit Hilfe von Coachs, Trainerinnen und Beratern an neue Ausgangslagen und neue Normalitäten anzupassen. Wenn ein Konjunkturprogramm auf Nachhaltigkeit, Innovationsförderung und Effizienz ausgerichtet sein soll, müssten Initiativen für betriebliches Lernen, Changemanagement und Wandel der Unternehmenskultur ganz oben auf der Agenda stehen. Nur so können die Unternehmen schnell und angemessen auf die Herausforderungen durch Digitalisierung, Wirtschaftskrise und neue Geschäftsprozesse reagieren. Das Konjunkturprogramm schmälert die Wirkung von Coaching und Training als Impulsgeber und Begleiter für Neuausrichtungen.

Die Folgen von COVID-19 sind für nahezu alle Mitglieder des dvct spürbar – in der inhaltlichen Arbeit wie in der wirtschaftlichen Situation. Viele haben schnell reagiert und können ihren Kunden mit digitalen Tools und neuen Konzepten wichtige Unterstützung bieten. Der dvct e.V. unterstützt seine Mitglieder mit einer Reihe von Webinaren und Infopaketen. Bereits am 23. März erhielten die dvct-Mitglieder in Webinaren Rat und Auskunft von Expertinnen und Experten zu Rechts-, Technik- und Strategiefragen. Das Webinar-Angebot wird weiter fortgesetzt. Per Online-Webinar erhalten Coachs und Trainerinnen Tipps und Anregungen, wie sie geplante Präsenz-Trainings- und -Coachings adäquat und professionell in Online-Angebote umwandeln können. Eine spezielle Technik-Sprechstunde gibt individuelle Starthilfe für die Durchführung von Online-Seminaren in virtuellen Klassenräumen, wie Zoom oder Edudip. Besonders gefragt war die Online-Sprechstunde mit einem Rechtsexperten, der Soforthilfe für den Umgang mit Stornierungen und der Gestaltung von Neuverträgen im Zeichen von Covid-19 gegeben hat. Neben Webinaren zur schnellen Krisenbewältigung bietet das Programm des dvct auch Hilfestellung, um das eigene Coaching- und Trainingsangebot in der Krise und darüber hinaus bestmöglich zu vermarkten – zum Beispiel durch Anpassung und Optimierung der eigenen Website. Der dvct empfiehlt seinen Mitgliedern die Unterzeichnung der Petition des VGSD.

Statement des Vorstands des Deutschen Bundesverbandes Coaching e.V.:

Die Mehrheit unserer Coachs und Coaching-Experten im Verband sind direkt oder indirekt von den Auswirkungen der Pandemie betroffen – egal ob als (Solo-)Selbstständige, als Unternehmer oder als Angestellte. Alle mussten in den vergangenen Wochen und Monaten weiterdenken und zügig Veränderungen annehmen und umsetzen. Aber das ist auch die Stärke und Eigenschaft unseres professionellen Daseins: Veränderung ist das Kerngeschäft von Coaching. Es wäre ein Fehler, nach mehreren Monaten der Krise allein auf die aktuellen Unterstützungsangebote der Bundesregierung zu setzen. Dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung keine konkreten Unterstützungsmaßnahmen für Soloselbstständige und die Weiterbildungsbranche beinhaltet, ist bedauerlich, jedoch nicht überraschend. Das Paket verzichtet weitestgehend auf Sonderregelungen für spezielle Branchen oder Unterstützung für konkrete Krisenkonstellationen. Die Überbrückungshilfen für Unternehmen als Zuwendungen (und nicht als Kredite) sind begrüßenswert – und auch für einige unserer Mitglieder wichtig. Ob deren zeitliche Schiene jedoch bis August ausreichend ist, ist fraglich. Und die Senkung der Mehrwertsteuersätze wird nur sehr bedingt eine Durchschlagkraft in der Coaching-Branche haben und löst unter Selbstständigen und Unternehmern der Branche mehr Kosten- und Arbeitsaufwand aus als dass ein konjunktureller Nutzen absehbar ist.

Für die Coaching-Branche und unsere Mitglieder bringt die Krise die Chance mit sich, uns schneller, tiefgreifender und umfangreicher digital umzustellen als vielleicht bisher gedacht. Allerdings: Online, Digital, Remote sind keine neue Themen auf dem Coaching-Markt. Und allen menschlichen Beharrungstendenzen zum Trotz passiert hier nun die eigentliche unumgängliche und beschleunigte Entwicklung – unabhängig vom Konjunkturpaket.

Vor diesem Hintergrund hat der DBVC e.V. mit Beginn der Krise im März konkrete Angebote ins Leben gerufen, die zum einen auf Befähigung im digitalen Bereich setzen und zum anderen Anstoß geben für gegenseitige Unterstützung unter den Mitgliedern. Dafür stellen wir unseren Mitgliedern kostenfrei einen Kanal für Videokonferenzen zur Verfügung und koordinieren aktuell Webinare, E-Dialoge, digitale Workshops, etc. für Mitglieder – mit dem Know-how von Mitgliedern in allen fachlichen und technischen Themenbereichen. Darüber hinaus arbeiten inzwischen über 60 Mitglieder als pro bono Coaches und bieten Führungskräften, Geschäftsführern, Freiberuflichen, Solo-Selbständigen und Privatpersonen, die sich durch die aktuelle Krise herausgefordert fühlen, eine kostenfreie Coaching-Sitzung via Telefon oder Videokonferenz an. Professionelles Coaching mit Win-Win-Charakter: Beanspruchte Personen können einen ersten kostenfreien Coachingtermin unverbindlich wahrnehmen. Abhängig von Situation, Bedarf und Interesse des Klienten kann das Coaching hier schon beendet sein oder aber es könnten sich weitere – auch kostenpflichtige – Sitzungen anschließen. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus positiv zu bewerten, dass das Konjunkturpaket auch digitale Ausrüstung beinhaltet. Jedoch sollte die Corona-Krise für diese Entwicklung kein Grund sein, aber so doch aktuell offensichtlich ein Beschleuniger.

Stellungnahme der International Coaching Federation Deutschland e.V.

Die ICF Deutschland vereint als Verband Coaches in unterschiedlichen Rollen unter ihrem Dach: Selbständige Einzelunternehmer genauso wie Coachs aus Coachingunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und unternehmensinterne Coachs. Gerade für soloselbständige Coachs ist die Lage sehr schwierig, die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen können sie nicht beantragen. Generell ist es für Coachs im Moment ausgesprochen schwierig, ihren Job auszuüben: Nicht nur, dass viele Firmen das Betreten des Geländes durch Externe untersagt haben, Gruppencoachings und Workshops nicht möglich sind und 1:1 Treffen kaum stattfinden, auch die Ausgaben für Coaching und Weiterbildung waren und sind bei den Klienten unserer Coaches oft das erste, was in der Krise gestrichen wird, somit ist die Auftragslage oft prekär.

Die ICF beobachtet hier die Entwicklung genau und unterstützt die betroffenen Mitglieder durch regelmäßigen Austausch und aktuelle Informationen. Zusätzlich hat die ICF Deutschland Ende März 2020 das Pro-Bono-Programm „Coaches4Coaches“ ins Leben gerufen, um Coach-Kollegen und Kolleginnen in Nöten kollegial zur Seite zu stehen. Auch die internationale Homepage der ICF bietet einen eigenen Bereich für Coachs in COVID-19 Zeiten mit Informationen zu Hygiene und Wohlbefinden, Ideen für die eigene Coaching-Praxis, Ressourcen zur Unterstützung der Klienten und vielem mehr. Trotz all unserer Besorgnis angesichts der Probleme, vor die unsere Mitglieder gestellt sind, ist der Zweck der ICF weniger die Interessenvertretung der Coachs, sondern primär die Förderung von qualitativ hochwertigem und ethisch sauberem Coaching.

Stellungnahme der German Speakers Association e.V.

Als führender Berufsverband für professionelle Redner, Trainer und Coachs im deutschsprachigen Raum sind wir der Ansicht, dass das neue Konjunkturpaket der Bundesregierung mit den geplanten Überbrückungshilfen zumindest deutlich realitätsgerechter ist als die bisher gezahlten Soforthilfen. Die Akteure der Weiterbildungsbranche sind größtenteils Soloselbstständige und Kleinstunternehmen, denen mit einer Zahlung zum Betriebskostenausgleich nicht geholfen ist, wenn gleichzeitig massive Umsatzeinbußen die Existenz bedrohen.

Die Folgen von COVID-19 sind für alle unsere rund 800 Mitglieder spürbar. Durch den Shutdown und die Absage von Präsenzveranstaltungen sind Speakern, Trainern und Coachs bis zu 100 Prozent ihrer Aufträge weggebrochen. Dabei hat die Krise nicht nur einen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder, sondern auch auf ihre inhaltliche Arbeit sowie die bisher genutzten Formate. Viele haben sogar hohe Summen investiert, um ihr Business nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch onlinefähig zu gestalten und sind auch thematisch in Richtung Krisenbewältigung umgeschwenkt, um ihren Kunden so bestmögliche Unterstützung bieten zu können. Vor allem technisch basierte Themen sind gefragt, erfordern aber eigene, professionell ausgestattete Studios, die im Falle einer Rückkehr zu Präsenzvorträgen nur schwach ausgelastet sein können. Neben dem Liquiditätsengpass kann der Shutdown also auch zu Investitionen führen, die sich als Fehlinvestitionen erweisen könnten.

Die German Speakers Association e.V. unterstützt ihre Mitglieder mit verschiedenen Online-Foren und Austauschformaten. Dazu zählt unter anderem ein wöchentliches Zoom-Meeting zu wechselnden thematischen Schwerpunkten sowie eine exklusive Membergruppe auf Facebook, in der die Mitglieder miteinander in Kontakt treten und sich vor allem in technischen, kunden- sowie vortragsbezogenen Aspekten des Remote Speakings weiterbilden und gegenseitig unterstützen. Darüber hinaus haben wir als Sofortmaßnahme bis voraussichtlich Ende Juli alle Mahnroutinen gestoppt, um Mitgliedern bei Liquiditätsproblemen etwas Erleichterung zu verschaffen. Die Unterstützung wird von unseren Mitgliedern sehr positiv angenommen, die Online-Maßnahmen verzeichnen Rekordbeteiligungen, und auch die Mitgliederzahl hat sich trotz Krise leicht erhöht.

Stellungnahme des BDVT – Der Berufsverband für Training, Beratung und Coaching e.V.

Die Branche der Trainerinnen, Berater und Coachs ist stark! Allerdings ist es eine sehr herausfordernde Zeit. Einige haben die Situation in den vergangenen Wochen genutzt, um ihre Geschäftsmodelle zukunftssicher weiterzuentwickeln. Erfolgreiche Kollegen und Kolleginnen haben in den vergangenen Jahren finanzielle Polster aufgebaut, die nun dafür sorgen, dass die Existenz zunächst gesichert ist. Es werden – in enger Partnerschaft mit den Kunden – attraktive Angebote entwickelt, vermarktet und umgesetzt. Wenn es gelingt, nicht nur analoge Inhalte in digitale Hüllen zu packen, ist dies ein Erfolgsmodell. Jetzt zeigt sich, wer wie gut mit Veränderungen umgehen kann.

Als Berufsverband vertreten wir einen Querschnitt der Branche. Die über 700 Mitglieder unseres Verbandes haben unterschiedliche Erfahrungshorizonte. So gibt es auch Kollegen und Kolleginnen, die sich erst vor kurzer Zeit selbständig gemacht haben. Diese warten noch vergeblich auf Hilfen, die den Kühlschrank füllen. Denn dafür sind weder die bisherigen Soforthilfen noch die neuen Überbrückungshilfen des Bundes glaubwürdig geeignet. Mit wenigen Ausnahmen (Bayern und Baden-Württemberg) dürfen die Hilfsmittel überhaupt nicht für die Lebenshaltung genutzt werden. So sehen wir die positiven Ansätze im neuen Konjunkturpaket der Bundesregierung, fürchten aber, dass es vielen Kollegen nur sehr eingeschränkt für die Lebenshaltung weiterhilft.

In einem Markt, dessen Wahrheit geprägt ist von Soloselbstständigen und Kleinunternehmern, kommen wesentliche Teile der Unterstützungsleistungen nicht an. Schon früh haben wir mit einer Petition (über 8100 Zeichner und Zeichnerinnen) auf die Thematik aufmerksam gemacht. In einem Austausch mit Bundes- und Landtagsabgeordneten der Grünen wurden Lösungsansätze entwickelt und unsererseits an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages weitergeleitet.
Die von einigen Kollegen und Kolleginnen angebotenen BAFA-Beratungen sind inzwischen ausgesetzt. Fördermitteln von 15 Millionen EUR standen Anträge von deutlich über 130 Millionen EUR gegenüber. Leider wurde erst viel zu spät darauf hingewiesen, dass die Mittel auch finanziell – und nicht nur zeitlich – limitiert waren. Die offenen Anträge bleiben unerledigt liegen.

Aktuell sind rund 90 Prozent unserer Mitglieder von deutlichen bis sehr deutlichen Umsatzeinbrüchen betroffen. Das wird unweigerlich nachhaltig zu einer Marktbereinigung auf der Anbieterseite führen. Eine zusätzliche Herausforderung ist der Versuch vieler Unternehmen, die Live Online-Trainings zu einem günstigeren Preis zu erhalten. Das halten wir für einen riskanten Angriff. Die trainerische Leistung und Qualität hat sich durch den medialen Wechsel ja nicht verringert, und langfristig betrachtet ist es unrealistisch, von dem Tiefpreis wieder auf ein qualitativ adäquates Honorarniveau zu transferieren. Insofern steht der BDVT e.V. weiterhin für Qualität – und für angemessene Honorare.

Neben unserer eigenen Petition haben wir unseren Mitgliedern auch die aktuelle Petition von VGSD e.V. und BAGSV zur Zeichnung empfohlen. Insgesamt unterstützen wir unsere Mitglieder, indem wir sie von innen stark machen. Durch kollegiale Lernangebote, Expertentalks, Austauschrunden und viele Informationen. Ergänzend engagieren wir uns politisch für unsere Kolleginnen und Kollegen und die Branche. Auch praktische Hilfestellungen sind dabei: So bieten wir Trainerinnen, Beratern und Coache aktuell eine Qualifizierung für die pandemiegerechte Umsetzung von Maßnahmen vor Ort an.

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Die aktuelle Petition findet sich hier und kann noch bis zum 25. Juni gezeichnet werden.


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9. Juni 2020 | Von Redaktion

Umfrageergebnis: Weiterbildner halten an ihrem Optimismus fest

Wie geht es den Weiterbildnern in Zeiten von Corona? Zum zweiten Mal nach Beginn der C-Zeit hat der Weiterbildungsmarktplatz Seminarmarkt.de ein Stimmungsbild eingeholt. Das Erstaunliche dabei: Trotz aller Widrigkeiten ist die Branche ungebrochen optimistisch. Nur bei dem Thema, wie es mit der Branche langfristig weitergeht, herrscht Uneinigkeit.

Ein Beitrag von Marie Pein

Rund acht von zehn Weiterbildnern sind im Hinblick auf ihre berufliche Lage derzeit optimistisch bis vorsichtig optimistisch. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil den meisten von ihnen seit Beginn der Krise mindestens 70 Prozent ihrer Aufträge weggebrochen sind. Doch hier bestätigt sich der Eindruck, der bereits bei der ersten Umfrage von Seminarmarkt.de Mitte April deutlich wurde: Optimismus scheint eine „Berufskrankheit“ unter Weiterbildungsexperten zu sein. Etwa die Hälfte der Trainer, Beraterinnen und Coachs ist aktuell sogar überzeugt, gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können, jeder dritte ist diesbezüglich noch unentschlossen. Nur etwa 16 Prozent sind sich sicher, eher geschwächt aus der Krise zu gehen. Auch dieses eher positive Stimmungsbild deckt sich mit den Ergebnissen aus der April-Befragung.

Die aktuellen Umfrageergebnisse offenbaren gleich zwei mögliche Gründe für den anhaltenden Optimismus. Zum einen scheinen sich die Lockerungen, die Bund und Länder in den vergangenen Wochen beschlossen haben, positiv auf die Lage der Weiterbildner auszuwirken. Bei immerhin 41 Prozent der Befragten führen die neuen, weniger strikten Corona-Regeln dazu, dass erste Aufträge wieder eingehen. 48 Prozent der Befragten merken allerdings noch keine Besserung.

Zudem scheinen Trainer und Co. Fortschritte in puncto Digitalisierung zu machen. Während fast niemand der Befragten 2019 hauptsächlich mit Online-Trainings und -Coachings seinen Umsatz erwirtschaftete, steigen nun die Auftragszahlen in diesem Bereich. Aktuell geben rund 36 Prozent der Befragten an, dass sie die meisten Aufträge im digitalen Bereich erzielen. Gleichzeitig nimmt – im Vergleich zu April – die Zahl der Beraterinnen, Coachs und Trainer ab, die derzeit gar keine neuen Aufträge erhalten. Das Weiterbildungsbusiness scheint also wieder anzulaufen – wenn auch vermehrt im Online-Umfeld.

Der Umzug ins Digitale ist für die meisten Befragten auch das wahrscheinlichste Szenario für die Zukunft der Weiterbildungsbranche. Rund 71 Prozent zeigen sich überzeugt, dass Seminare und Trainings in Zukunft bevorzugt virtuell stattfinden werden. Dennoch scheinen Präsenz-Angebote nicht völlig abgeschrieben zu sein: Gut 60 Prozent der Weiterbildner erwarten, dass diese weiterhin stattfinden – allerdings mit geringerer Personenzahl und gegebenenfalls auch mit Maske. Erstaunlicherweise ist sogar fast jeder fünfte Befragte überzeugt, dass sich langfristig gar nichts ändern wird und Trainings und Seminare bald wieder wie in Vor-Corona-Zeiten stattfinden können.

Besonders uneinig sind sich die Umfrageteilnehmenden, wie sich die wirtschaftlichen Verwerfungen langfristig auf die Branche auswirken werden. 43 Prozent befürchten, dass alle Weiterbildner noch lange mit wenigen Aufträgen zu kämpfen haben werden. Nur 16 Prozent der Befragten schätzen, dass sich alles wieder normalisiert, sobald auch die Wirtschaft wieder angekurbelt ist. Und 22 Prozent der Weiterbildner erwarten, dass der durch Corona beschleunigte Wandel der Arbeitswelt einen besonders großen Weiterbildungsbedarf hervorbringen wird – der die Branche beflügelt.

Weierbildungsthemen post-coronaEinig sind sich die Befragten darüber, wie sich die Arbeitswelt verändern wird. In ihren Augen wird sie vor allem digitaler, selbstorganisierter und klimafreundlicher. Thematisch erwarten Trainer, Beraterinnen und Coachs – wenig überraschend –, dass sie in nächster Zeit vor allem zu Führen auf Distanz und Krisenbewältigung gefragt sein werden. Aber auch die Trendthemen der Vor-Corona-Zeit – wie zum Beispiel Agilität und New Work – werden in ihren Augen wichtig bleiben.

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Über die Studie:

Der Weiterbildungsmarktplatz Seminarmarkt.de, ein Produkt der managerSeminare Verlags GmbH, hat im Zeitraum vom 28.5. bis 3.6.2020 eine Online-Blitzumfrage zur aktuellen Situation während der Corona-Krise von Anbietern im Weiterbildungsbereich durchgeführt – bereits zum zweiten Mal. Die erste Umfrage erfolgte sechs Wochen zuvor. Insgesamt haben 272 Trainer, Beraterinnen und Coachs an der neuen Umfrage teilgenommen.

Weitere Infografiken und Auswertungen zur aktuellen Umfrage gibt es hier.

Über Seminarmarkt.de:

Seminarmarkt.de ist eine unabhängige Plattform, auf der Weiterbildungsanbieter und Weiterbildungssuchende zueinander finden – ähnlich wie bei einem Vergleichsportal. Die stetig wachsende Datenbank bietet eine große Auswahl an qualifizierten Lehrgängen unterschiedlicher Seminaranbieter. Zudem sind rund 4.500 Weiterbildungsexperten mit maßgeschneiderten Trainings und individuellen Coachings verzeichnet. Passende Räumlichkeiten für Events und Veranstaltungen bietet der Tagungslocations-Bereich.


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30. April 2020 | Von Redaktion

Umfrage: Wie gehen die Weiterbildungsanbieter mit der Krise um?

Face-to-Face-Gespräche, Gruppenworkshops, Teambuildings, kurz: die Präsenz und Interaktion von Menschen – auf einen Schlag hat die Corona-Pandemie zunichte gemacht, wodurch sich viele Weiterbildungsangebote bisher ausgezeichnet haben. Stattdessen stehen Social Distancing, Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote auf dem Programm. Viele Weiterbildner stürzt das in eine tiefe Krise. Wie sie diese wahrnehmen und wie sie ihre aktuelle Lage bewerten, haben 322 Trainer, Beraterinnen und Coachs in einer Online-Umfrage des digitalen Weiterbildungsmarktplatzes Seminarmarkt.de offenbart.

Ein Beitrag von Sarah Lambers

Dabei ist vor allem eines deutlich geworden: Die Zukunftsaussichten sind für viele Weiterbildungsanbieter alles andere als rosig. Drei Viertel von ihnen klagen darüber, dass in den vergangenen sechs Wochen 70 bis 100 Prozent ihrer Aufträge storniert wurden. Ein Drittel muss derzeit sogar ganz ohne Aufträge über die Runden kommen. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen wie Soforthilfe, Kurzarbeit und Steuerstundungen nehmen zwar mehr als zwei Drittel der Weiterbildungsanbieter in Anspruch, wirklich weiter helfen sie ihnen allerdings nur bedingt: 67 Prozent fühlen sich von der öffentlichen Hand gar nicht bis mittelmäßig gut aufgefangen.

Doch so schwer diese Zeit auch ist: Für viele Trainer, Beraterinnen und Coachs ist sie auch eine Chance – und zwar gerade weil der reale zwischenmenschliche Kontakt wegfällt. Über zwei Drittel der Weiterbildungsanbieter setzen sich nämlich genau aus diesem Grunde verstärkt mit digitalen Trainingsformaten und virtuellen Tools auseinander. Es kommt zu einer Art „Zwangsdigitalisierung“ – einem Schub in Sachen Anwendung von Technologie, der in der Weiterbildungsbranche längst überfällig war. Und dieser Wandel geht laut Umfrage schnell vonstatten: Hatten vor der Corona-Krise noch über die Hälfte der Weiterbildungsanbieter keine Online-Trainings, -coachings und -beratungen in ihrem Portfolio, haben zwei Drittel diese nun in ihr Angebot mit aufgenommen. Ein Fünftel arbeitet noch an der Integrierung virtueller Tools.

Dass Corona die Weiterbildung nachhaltig verändert, ist laut den Umfrageteilnehmern denkbar. Dass Präsenztrainings in Zukunft vollständig durch Online-Formate ersetzt werden könnten, glauben jedoch nur drei Prozent der Weiterbildner. 83 Prozent sind hingegen der Meinung, Coaching, Training und Beratung werden postcorona ein Mix aus Online- und Offline-Elementen sein. Denn die Vor-Ort-Präsenz und -Interaktion komplett aufzugeben – das hält die Mehrheit für nicht zweckdienlich. 77 Prozent der Weiterbildner sind der Meinung, dass einige ihrer Beratungsthemen physische Präsenz in Form von echten Face-to-Face-Gesprächen benötigen. Über die Hälfte ist zudem überzeugt davon, dass es online schwerer ist, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen – insbesondere zu Neukunden.

Doch schon die Auseinandersetzung mit neuen Formaten und technologischen Möglichkeiten sowie die Erwägung, Hybridmodelle zu entwickeln, zeigen: Weiterbildner können durchaus Change, wenn sie wollen. So machen sich etwa die Hälfte der Trainerinnen, Berater und Coachs derzeit nicht nur Gedanken über die eigene Digitalisierung, sondern auch über Innovationen sowie Ideen, die ihre Unternehmen weiterbringen. Ebenso viele sind zudem mit der Erneuerung ihrer Webseiten oder mit dem Schreiben von Artikeln bzw. Büchern beschäftigt. Schockstarre, Trübsal und Mutlosigkeit – das zeichnet aktuell die wenigsten Weiterbildner aus – ganz im Gegenteil: 88 Prozent der Weiterbildungsanbieter blicken optimistisch bis vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Rund die Hälfte ist sogar der Überzeugung, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Dass viele angesichts der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg eher gelassen bleiben, anstatt in Panik auszubrechen, könnte unter Umständen mit ihrer Berufserfahrung zusammenhängen. Über zwei Drittel der Befragten sind nämlich schon zehn oder mehr Jahre lang als Berufsoptimisten, Produzenten von Frohsinn und Erlebnissen, Glücksgefühlauslöser, Business-Optimierer, Erholungsspezialisten etc. unterwegs.

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Über die Studie:

Der Weiterbildungsmarktplatz Seminarmarkt.de, ein Produkt der managerSeminare Verlags GmbH, hat im Zeitraum vom 16. bis 23. April 2020 eine Online-Blitzumfrage zur aktuellen Situation (Corona-Krise) von Anbietern im Weiterbildungsbereich durchgeführt. Insgesamt haben 322 Trainer, Beraterinnen und Coachs an der Umfrage teilgenommen.

Über Seminarmarkt.de:

Seminarmarkt.de ist eine unabhängige Plattform, auf der Weiterbildungsanbieter und Weiterbildungssuchende zueinander finden – ähnlich wie bei einem Vergleichsportal. Die stetig wachsende Datenbank bietet eine große Auswahl an qualifizierten Lehrgängen unterschiedlicher Seminaranbieter. Zudem sind rund 4.500 Weiterbildungsexperten mit maßgeschneiderten Trainings und individuellen Coachings verzeichnet. Passende Räumlichkeiten für Events und Veranstaltungen bietet der Tagungslocations-Bereich.


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19. März 2020 | Von Redaktion

Das Virus, die Weiterbildung und wir

Das Virus Sars-CoV-2 und die von ihm ausgelöste Krankheit COVID-19 sind allgegenwärtig. Social Distancing lautet das Gebot der Stunde. Was das für uns bedeutet – und für eine Branche, die von Begegnung und lebendigem Austausch lebt.

Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski und Nicole Bußmann

Seit Dienstag ist unser Verlagsgebäude so gut wie leer: Nur ein paar wenige Kollegen, die die Post in Empfang nehmen und bestellte Bücher auf den Weg bringen, verteilen sich dort großzügig auf die leeren Büroräume – alle anderen haben sich ins heimische Büro zurückgezogen. Der Montagmittag beschlossene Rückzug ins Home Office war bei uns kein Problem, denn unser Verlag ist digital gut gerüstet. Sogar die Digitalisierung der Redaktionsabläufe war gerade einen weiteren entscheidenden Schritt weitergekommen: Nachdem unser Magazin managerSeminare bereits seit einem Jahr komplett online produziert wird, ist jetzt gerade auch unsere Zeitschrift Training Aktuell komplett ins Online-Redaktionssystem umgezogen.


Für unsere tägliche Arbeit ändert sich deshalb nicht viel – außer, dass der eine oder die andere vielleicht ein paar Mal den Reflex unterdrücken muss, kurz „Guckst du mal eben?“ ins Nachbarzimmer zu rufen. Eine Zeitschrift kann man – Telefon und Internet sei dank – auch in kompletter Vereinzelung problemlos produzieren.

Damit haben wir es besser als die meisten unserer Leserinnen und Leser. Denn Trainings, Coachings, Seminare oder Workshops lassen sich nicht ganz so einfach digitalisieren, vor allem nicht ad hoc. Auch wenn es E-Learning, virtuelle Klassenräume und Webtools schon lange gibt, fremdeln immer noch viele Weiterbildungsprofis mit der digitalen Welt, wie unsere gerade erst veröffentlichte Studie „WeiterbildungsSzene Deutschland“ belegt. Viele Weiterbildungsprofis werden daher von realen Absagen und drohenden Ausgangssperren mit besonderer Wucht getroffen. Ebenso wie Fußballspiele und Industriemessen, Fachkongresse und Branchenevents, Kabarett-Abende und Gottesdienste werden auch Trainingsmaßnahmen derzeit reihenweise abgesagt, um die exponentiell ansteigende Ausbreitung einer noch weitgehend unbekannten Viruserkrankung, gegen die niemand derzeit Abwehrkräfte hat, zu stoppen.

„Die Quote liegt fast bei 100 Prozent“, weiß Stefan Gingter, der Präsident des Berufsverbandes für Training, Beratung und Coaching (BDVT), von seinen Mitgliedern zu berichten. Und diese Absagewelle läuft schon seit einigen Wochen. „Unter meinen eigenen Kunden ist beispielweise eine Bank, bei der schon seit Anfang März alle Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen abgesagt werden“, berichtet Gingter von internen Richtlinien und Reiseeinschränkungen, die Unternehmen oft schon früh zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgegeben haben.

Unter normalen Umständen würde den Weiterbildungspartnern bei solchen Absagen natürlich eine Entschädigung für die ausgefallenen Aufträge zustehen. Normal ist derzeit allerdings wenig. Daher ist sogar fraglich, ob selbst gut ausformulierte allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) mit klaren Storno-Fristen, die sich bisher gut bewährt haben, hier viel Sicherheit bieten. Denn wenn beispielsweise eine Veranstalterin die Absage nicht selbst verschuldet, muss sie für die resultierende Schäden nicht einstehen. Nur – was bedeutet „selbst verschuldet“?

„Veranstalter haben die Macht, über ihr Event zu entscheiden, wenn ihnen der Staat nicht etwas anderes gebietet“, erklärt GSA-Präsident Volker Römermann. Solange es nicht eine offizielle Anordnung zum Beispiel des lokalen Gesundheitsamtes gibt, ist eine Absage juristisch eine Ermessensentscheidung, so der praktizierende Rechtsanwalt weiter. Das Argument, dass sie nicht anders konnten, ist damit wenig valide. Eigentlich.

Allerdings, das räumt Certified Speaking Professional (CSP) Römermann ein, bleibt hier trotzdem die Frage offen, ob jemand wirklich gegen seine vertraglichen Pflichten handelt, wenn er in der aktuellen Situation eine Veranstaltung aus Vorsichtsgründen absagt. Wie schwer diese Abwägung ist, können wir selbst als Veranstalter der #PTT2020 bestätigen: Der Entschluss, das Gipfeltreffen der Weiterbildung in diesem Jahr auszusetzen und um ein komplettes Jahr zu verschieben, hat uns fast das Herz gebrochen. Auch wenn wir die Absage gleichzeitig – aus genauso tiefstem Herzen – für die einzig sinnvolle Maßnahme halten.

Wem bei ausgefallenen Seminaren oder Konferenzen eine Entschädigung zusteht, wird sich deshalb wohl nur mühsam vor Gericht klären lassen. „Rechtsprechung fehlt, viele Meinungen sind vertretbar“, betont Jurist Römermann. Ein persönliches Gespräch mit dem Kunden oder der Auftraggeberin sei oft die bessere Lösung. „Einen Ersatztermin zu finden und dann einen Großteil der rechtlich zustehenden Erstattung anzurechnen, ist in jedem Fall besser, als die Kundenbeziehung und das Honorar gänzlich zu verlieren“, meint auch BDVT-Chef Gingter.

Erst recht, da die nächsten Monate ohnehin wohl nicht einfach für Weiterbildungsprofis werden. Denn natürlich werden derzeit auch kaum neue Aufträge vergeben. Ein Kölner Trainer etwa, der normalerweise pro Jahr rund 250 Kolleginnen und Kollegen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements ausbildet, berichtet, dass er ab April überhaupt keine Buchungen mehr hat: „Und das obwohl ich im Frühsommer sonst immer sehr gut ausgelastet bin.“ Und selbst wenn die Situation im Herbst wieder besser ist – die eigene Zeit kann er dann ja nur einmal verkaufen: „Die jetzt verpassten Termine kann ich nach der Zwangspause ja nicht einfach oben drauf packen.“

Ein anderes Problem ist, dass die auftraggebenden Unternehmen ebenso unter der Krise leiden wie die Weiterbildner selbst und deshalb vermutlich zunächst erst einmal andere Sorgen haben: „Auch wenn sich die Situation wieder beruhigt haben wird, werden Unternehmen aufgrund ihrer Verluste nicht als erstes in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter investieren“, gibt etwa Stefan Rihl aus München zu bedenken. Trainerinnen oder Supervisoren werden unter der Situation daher sicher deutlich länger leiden als etwa Kleinkünstler oder Kneipenwirtinnen.

Der Münchener Seminarschauspieler und Trainer hat deshalb zusammen mit fast 5.000 anderen die Petition unterschrieben, die der BDVT initiiert hat, um ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, wie schnell die Menschen in der Weiterbildungsbranche in die Insolvenz rutschen könnten: „Um eine derzeit nicht absehbare Zeit ohne Erwerbseinkommen zu überbrücken, sind sie auf staatliche Hilfen angewiesen.“

Diese soll es auch geben, hört man derzeit von Regierungsseite. So sind schon im ersten Maßnahmenpaket, das in Rekordzeit verabschiedet wurde – dem „Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ –Freiberufler und Kleinstunternehmen sowie Solo-Selbständige ausdrücklich eingeschlossen. Zusätzlich wird derzeit offenbar ein weiteres Hilfspaket speziell für notleidende Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen geschnürt, das vorerst zehn Milliarden Euro für direkte Zuschüsse und 30 Milliarden Euro für Darlehen umfasst, berichtet heute der Deutschlandfunk. Das ist gut – für eine vollständige Erholung des Trainingsmarktes wird es aber sicher nicht sorgen können.

Weiterbildungsprofis sollten daher jetzt anfangen, sich neue Medien und Aktivitätsfelder zu erschließen – und beispielsweise Ersatz im virtuellen Klassenraum anzubieten: „Von den meisten Unternehmen wird das dankbar angenommen“, erklärt Gingter, der dies selbst als Trainer schon länger macht.

Technisch ist es das möglich – auch bei größeren Trainings und sogar Konferenzen, wie das aktuell gerade laufende Corporate Learning Camp vormacht. Coaching und Beratungsgespräche lassen sich mit ihrem Eins-zu-Eins-Format ohnehin leicht in alle gängigen Konferenztools übertragen. Fast alle Konferenztools bieten neben Gruppen-Chats beispielsweise auch die Möglichkeit, den Bildschirm wie ein Flipchart gemeinsam zu bearbeiten oder die Teilnehmenden in Kleingruppen aufzuteilen und in virtuelle Einzelräume zu schicken.

Die Gelegenheit, dies auszuprobieren, ist günstig: Die großen Anbieter der entsprechenden Software – v.a. Microsoft, Google, Cisco und Zoom – bieten derzeit besonders lange kostenlose Probe-Abonnements an oder haben die Gratisversionen ihrer Angebote deutlich ausgebaut und Beschränkungen in Zeit oder Personenanzahl vorübergehend aufgehoben. Auch wir gehen so neue Wege: Für die Bildbesprechung, die wir normalerweise gemeinsam im Besprechungsraum durchführen, haben wir jetzt eine Cloud-Lösung, die Video-Chats ermöglicht. Wie die funktioniert, wissen wir bald – nach der nächsten Bildbesprechung.

Zeit für solche Experimente sollten die Weiterbildner ja gerade jetzt haben. Statt frustriert das leere Auftragsbuch anzuschauen, kann man sich also vielleicht auch dazu entschließen, sich in eine neue Software einzuarbeiten. Und sich – schon allein zu Übungszwecken – mit Kollegen zusammenschalten, denen es ähnlich geht wie einem selbst.

Mehr dazu, wie es Weiterbildnern in der Corona-Krise geht und was zu beachten ist, berichten wir in der kommenden Ausgabe unserer Zeitschrift Training Aktuell – die komplett online und aus der Distanz heraus produziert – hoffentlich pünktlich am 30. März 2020 erscheinen wird.

Fotocredit: Christian Engels für managerSeminare, Bonn.


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