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Das Blog


6. Februar 2019 | Von Nicole Bußmann

Learntec 2019: Neue Tools und alte Fragen

Ende Januar 2019, Learntec-Time: Zum 27. Mal öffnete die Kongressmesse ihre Tore in Karlsruhe. Und erzielte erneut ein Rekordergebnis: Gut 11.600 Besucher und 340 Aussteller zeugten von der Relevanz der Themen Digitalisierung und Bildung. managerSeminare war vor Ort und hat Eindrücke gesammelt.

Ein Beitrag von Sascha Reimann und Nicole Bußmann

Damals Pokémon Go gespielt? Oder schon mal eine VR-Brille aufgehabt? Wer noch keine Erfahrung mit Augmented oder Virtual Reality hatte, konnte das auf der Learntec nachholen. Denn erstmals gab es auf der Messe eine eigene Area für diese Medien – auf die Beine gestellt von der Learntec in Zusammenarbeit mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality. 12 Aussteller fanden sich dort ein und ließen die Besucher alle möglichen Umsetzungsarten von VR/AR ausprobieren. Denn wie es sich für die Learntec gehört, ging es auch in diesem Jahr wieder um bekannte, ebenso wie um neue Lerntechnologien. Diskutierte Anwendungsfälle von VR/AR waren vor allem Maintenance und Medizin.

Und auch auf dem Kongress hatte das Thema VR/AR seinen Platz. „HR muss sich unbedingt mit 3D beschäftigen“, erging der Rat von Torsten Fell. Der Experte für Technologie zeigte sich begeistert von der Learning Experience, die VR und AR bieten können (siehe auch seinen Bericht über die Learntec). Überzeugend sei an diesen Lernmedien die so genannte Immersion (engl. für eintauchen), die Erfahrungen werden als „echt“ wahrgenommen und führen daher zu stärkerer Betroffenheit. Ein Effekt, der zwangsläufig Fragen der Ethik bei der Contentauswahl aufwirft: Darf beispielsweise ein Banküberfall simuliert werden? In der Tat, so erzählte Fell, können mit VR-Anwendungen Phobien behandelt werden, genauso gut aber auch Traumata ausgelöst werden.

Ansonsten war im Kongress auffällig stark das Thema „Workplace Learning“ vertreten. Nicht von ungefähr, da das Kongresskomitee Zuwachs bekommen hatte durch die britische Lernexpertin Jane Hart, die den Auftrag hatte, einen englischsprachigen Track aufzusetzen. Aber eben auch für ein umfassenderes Verständnis von Lernen steht und sich gegen die herkömmliche Personalentwicklung abgrenzt (hier ist Jane Hart im TV-Interview). Sie steht für selbstorganisiertes, selbstgesteuertes, autonomes Lernen, das auch mit Tools erfolgen kann, die nicht klassische Lerntools sind: etwa mit Twitter oder YouTube. Hart selbst ist der Szene nicht zuletzt durch ihr legendäres Ranking „Top 100 Tools for Learning“ bekannt, das neben beliebten Lerntools auch das Lernverhalten von Menschen dokumentiert. Und diese greifen nun mal weitaus weniger als von der klassischen Personalentwicklung gewünscht auf vorbereitete Kurse und Seminare zurück, sondern zum Beispiel auf ihr persönliches Netzwerk.

Ohnehin wurde auf dem Kongress viel Kritik an der alten, klassischen Personalentwicklung laut. Besonders zwei Aspekte dieser Diskussion wurden thematisiert:

1. Wer ist eigentlich der Lerner? Und was braucht er?

Was Lerner brauchen und das, was Learning & Development (L&D) Professionals machen, hat nämlich oft nur wenig miteinander zu tun, sagte etwa Tim Burmeister von GP Strategies, UK. Lernangebote richten sich immer noch sehr an der Vergangenheit aus. Und das vor dem Hintergrund, dass laut Studien 65 Prozent der Kinder von heute in Jobs arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt. Das, was ist oder was kommt, wird nicht abgedeckt. Zudem müssen die Lernangebote mit allem konkurrieren, was sonst noch Aufmerksamkeit auf sich zieht. (eine eindrückliche Grafik dazu gibt es hier)

Der L&D-Approach muss sich demnach grundsätzlich verändern und den Fokus von dem Unternehmen bzw. vom Personalmanagement auf den Mitarbeiter verlagern, war der Tenor. Das Stichwort dazu lautet „employee-centric“. Um diesem Lerner auf die Spur zu kommen, empfahl Burmeister den Design-Thinking-Ansatz: Der geht nicht von Tools, Aufträgen oder anderen äußeren Faktoren aus, sondern vom Lernenden selbst: Was ist los, wie sieht der Lernbedarf aus? Was ist das eigentliche Problem, das gelöst werden muss? Wie könnte eine ideale Lösung aussehen? Was ist praktisch möglich (Prototyp)? Was funktioniert daran, was nicht?

2. Welche Rolle muss L&D spielen?

„Die Funktion L&D wird überflüssig, wenn sie sich nicht ändert.“ Das war die steile These, die Chris Böhler von innogy und Tobias Pickl von Audi auf der Learntec aufstellten. Zusammen mit anderen „Spinnern“ (sie nennen sich selbst so) aus großen Konzernen haben sie sich vergangenes Jahr getroffen und überlegt, wie sich Corporate Learning verändern wird. Ihre These: Ebenso wenig, wie es einfach mit den alten Geschäftsmodellen (z.B. Autobauen und fossile Energie) weitergehen kann, kann es mit dem Corporate Learning weitergehen, wenn es sich wie bisher an KPIs ausrichtet, Bildung „managt“ und vom Arbeitsprozess losgelöst betrachtet wird.

Stattdessen muss L&D „relevant“ werden, das heißt: Learning Professionals müssen konkrete Bedarfe schnell abdecken können. Das Stichwort dazu ist nicht ganz neu: Es lautet Performance Support, der Kunde ist in diesem Fall der Lerner. Parallel und ergänzend muss L&D aber auch die Unternehmensstrategie unterstützen. Der Kunde ist in diesem Fall das Unternehmen. Dabei steht das Fördern von Kompetenzen im Vordergrund, etwa von Transformationskompetenz.

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Zu der Zukunft von Lernen und den Herausforderungen ein paar Statements von Lernexperten:

Interviews: Nicole Bußmann, Kamera: Sarah Lambers






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Als Corporate Learning Trends 2025 fassten Böhler & Co zusammen:

1. User Generated Content wird wichtiger, ebenso Enterprise Social Networks, also der Austausch. Lernen muss frei gemacht werden von Zwängen und Flaschenhälsen, der einzige Filter sollte Relevanz sein.
2. Performance Support: Lernen, was gebraucht wird, statt Rundumschlag-Kurse zu absolvieren.
3. Strategieorientierte Kompetenzentwicklung statt „Vollsortimenter“. Wo wollen wir hin? Auch hier ist das entscheidende Kriterium Relevanz.
4. Transformationskompetenz, denn die digitale Evolution geht immer weiter.
5. Demokratisierung des Lernens und Teilhabens.

Die Beiträge auf dem Kongress zeigten einmal mehr deutlich: Die Diskussion ums digitale Lernen ist weit mehr als eine Diskussion über die Verwendung digitaler Tools – wie es die begleitende Messe glauben machen wollte. Der britische Berater Paul Jocelyn, der in dem stark ausgebauten und von Jane Hart moderierten englischsprachigen Track auftrat, brachte es auf den Punkt: „The human stuff must be the basis of your digital learning“. Damit sollten alte Annahmen, dass es beim digitalen Lernen darum geht, dasselbe billiger und effizienter zu machen, der Vergangenheit angehören. Doch nach wie vor ist es auch auf der Learntec so: Noch nicht bei allen ist angekommen, dass digitales Lernen nicht nur Lernen mit digitalen Medien meint, sondern auch Lernen in einer digitalisierten Welt.


Kommentare (2) | Kategorie: Lernen & Lehren, Training & Development, _erlebt, _gefilmt

25. Januar 2019 | Von Nicole Bußmann

#PTT2019: Mindset X.0 im Fokus

Wie veränderbar ist der Mensch? Wie kann er Neues denken, Neues lernen? Antworten auf diese Fragen liefern Wissenschaftler, Managementvordenker und Weiterbildungspraktiker auf den diesjährigen Petersberger Trainertagen (#PTT2019).

Back to Berg: Nach zwei Jahren am Bonner Rheinufer ziehen die Petersberger Trainertage in diesem Jahr zurück auf den namensgebenden Petersberg in Königswinter bei Bonn. Vom 5. bis 6. April 2019 nimmt das Gipfeltreffen der Weiterbildung im dortigen Steigenberger Grandhotel das „Mindset X.0“ in den Fokus. Im Zentrum des Kongresses, der vom Verlag managerSeminare organisiert wird, stehen die Fragen: Wie schaffen wir es, neu zu denken? Was müssen wir für die neue Arbeitswelt lernen, und wie lernen wir das am besten?

Input zu diesen Fragen liefern unter anderem die fünf Plenumsbeiträge des Kongresses, die aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen, wie Mitarbeiter und Unternehmen – mithilfe von Organisations- und Personalentwicklung – fit für die Zukunft werden: Von wissenschaftlicher Seite beleuchtet Lerntrend-Erforscherin Jutta Rump (Foto links) das Thema, sie wirft einen Blick auf die Zukunft des Lernens. Ebenfalls wissenschaftlichen Input liefert Hirnforscher Gerhard Roth (Foto oben), der erklärt, wie Weiterbildung und Personalentwicklung Menschen in Veränderungsprozessen besser unterstützen können. Roth wird am ersten Kongresstag mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche für seine Verdienste und Forschungsarbeiten rund um das Thema Veränderbarkeit des Menschen geehrt.

Einblicke aus der Praxis liefern die beiden Berater Stefan Kaduk und Dirk Osmetz (Foto Mitte), die in ihrer Keynote von Unternehmen berichten, die durch Musterbrüche erfolgreich wurden. Mutig Neues wagen – davon erzählt auch die sanfte Organisationsrebellin Katharina Krentz (Foto rechts), die mit der Methode Working Out Loud (WOL) die Unternehmenskultur der Robert Bosch GmbH nachhaltig verändert hat. Einen Ausblick auf das große Ganze, das Mindset für eine digitalisierte, vernetzte Zukunft, gibt Digital Evangelist Karl-Heinz Land. In seiner Abschluss-Keynote erklärt er, warum die Zukunft flexiblen Teams, eigenverantwortlich agierenden Mitarbeitern und am Gesellschaftsnutzen orientierten Unternehmen gehört.

Passend zum Motto „Mindset X.0“ wird Improvisationskünstler Ralf Schmitt mit einer „Moderation X.0“ unterhaltsam durch die beiden Kongresstage führen. Neben den Plenumsbeiträgen können sich die Teilnehmenden auf der begleitenden Ausstellung zu Trends, Tools und neuen Denkansätzen informieren und sich aus rund 28 Lern-Sessions von Praktikern für Praktiker ihren persönlichen Kongressablauf zusammenstellen. Von mutstiftender Führung über Blended-Learning-Konzepte, Strategien für die digitale Transformation, Online-Trainingskonzeptionen bis zu Ergebnissen der Coachingforschung wird rund um das Thema „Neues denken, Neues lernen“ ein breites Feld aufgespannt. Die beiden Kongresstage bieten zudem die Chance auf zahlreiche neue Kontakte zu gleichgesinnten Personalentwicklern, Beraterinnen, Trainern und Coachs.

Tickets und weitere Informationen gibt es unter www.petersberger-trainertage.de. Das Programm gibt es auch übersichtlich als App: einfach Link auf dem Desktop öffnen und QR-Code mit dem Handy abscannen oder Link auf dem Smartphone öffnen und dann die App auf dem Home-Screen speichern.


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, _erlebt

21. November 2018 | Von Redaktion

#DGFPc2018: Mars-Mission abgebrochen – Landung geglückt

Unter dem Motto „Navigating the Future“ hat sich die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) auf ihrem Kongress Anfang Mai in Berlin auf dem Weg gemacht, die sich verändernde Arbeitswelt aus HR-Perspektive zu erforschen. Das metaphorische Ziel: der Mars. Gelandet ist sie allerdings in Köln. Auf dem dortigen Folgekongress Mitte November war von der Mars-Mission keine Rede mehr. Zur Rolle von HR in der Transformation wurde dafür umso mehr gesagt.

Ein Beitrag von Andree Martens

Köln, S-Bahnstelle Hansaring, 9 Uhr morgens. Laut DGFP-Kongress-Programm sind es von hier gut fünf Minuten zu Fuß zur Event-Location. Schnell die Adresse bei Google Maps eingegeben und – Fehlermeldung: „Google kann keine Route berechnen“. Noch einmal eingeben – gleiche Fehlermeldung. „Wollen Sie auch zum DGFP-Kongress“, fragt eine Frau im Mantel. „Ja, aber Google Maps streikt.“ „Bei mir auch“, sagt sie. Wir beschließen, einfach in die vermutete Richtung zu laufen – und sehen tatsächlich nach fünf Minuten die DGFP-Fahne vor einer großen Halle wehen, dem XPost, einer Veranstaltungslocation in dezentem Industrial Look.

Dass die sonst so zuverlässige Google-Maps-App ausgerechnet kurz vor Kongressstart hakt, ist fast schon sinnbildlich. Denn auch die Planung der Veranstaltung lief bislang alles andere als glatt. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung hat ihren Klassiker-Kongress dieses Jahr erstmals gesplittet – und zwar in drei, wie sie es selbst nennt, Phasen. Die erste Phase lief im Mai in Berlin. Dort lag der Fokus ganz auf der Mars-Metapher, sogar einen Besuch im Berliner Groß-Planetarium stand auf dem Programm, um das Bild mit Leben zu füllen. Antworten zur Zukunft von HR und seine Rolle in der Transformation gab es dort allerdings kaum. Dafür wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich in den nächsten Monaten mit HR-Zukunftsthemen wie „Employer Standing“ und „Mitbestimmung 4.0“ beschäftigten sollten (Phase 2). In der dritten Phase sollten die Ergebnisse im September in Stuttgart vorgestellt werden.

Aus September wurde November, aus Stuttgart Köln. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen? Nur eine Randnotiz. Präsentiert werden sie in 45-minütigen Slots mit jeweils sechs Konkurrenz-Programmpunkten. „Lohnt sich nicht hinzugehen, dabei ist nicht allzu viel herausgekommen“, winkt ein Teilnehmer ab, der in den Gruppen mitgearbeitet hat. Und die Mars-Metapher? Hat sich im Vakuum des Alls aufgelöst. Kein Weltraum-Chichi mehr wie kleine Gummiraketen oder ausgeschnittene Sterne, mit dem die Location in Berlin noch reichlich geschmückt war. Keine Einspieler von Liedern wie „Völlig losgelöst, von der Erde“. Keiner oder keine auf der Bühne, der den Begriff „Mars“ überhaupt nur in den Mund nimmt.

Dennoch: Auch wenn die DGFP-Verantwortlichen die Mars-Metapher über Bord geworfen haben, ihre Mission, HR in die Zukunft zu führen, haben sie nicht aus den Augen verloren. Im Gegenteil. Sie selbst – vor allem in persona ihrer Vorstandsvorsitzenden Ariane Reinhart – sowie die von ihnen geladenen Referenten haben viele Thesen, Überlegungen und Schlussfolgerungen zum Thema mitgebracht, die im Plenum und in den Workshops intensiv diskutiert werden. Dem Diskurs hat die Loslösung von der Mars-Metapher sichtlich gut getan. Statt der Inszenierung stehen die Inhalte im Vordergrund.

Einige der interessantesten Aussagen zu …

… den Herausforderungen für HR in der Transformation:

_Ohne Kulturwandel werden die Organisationen die digitale Transformation nicht überleben. Diese zu steuern ist Aufgabe von HR. (Günter Pecht, SAP)
_Mit den neuen Technologien steigt der Effizienzdruck auf HR, weil Personalarbeit messbarer wird. (Ariane Reinhart, Continental)
_Personaler müssen lernen, loszulassen und Aufgaben an Technologie abgeben. Die Erstauswahl im Recruiting-Prozess etwa werden künftig Algorithmen übernehmen. (Ariane Reinhart, Continental)

… der Transformation von HR:

_Der Change des Geschäftsbereichs HR ist deshalb oft so zäh, weil Personaler Veränderungsexperten sind. Die Eigenapplikation ist immer besonders schwierig. (Walter Jochmann, Kienbaum)
_Wir brauchen neue Berufsprofile in HR wie den HR-Datenanalysten und den HR-Chat-Bot-Spezialisten. (Ariane Reinhart, Continental)
_HR muss genauso innovativ werden wie eine Entwicklungsabteilung, um ihre Aufgabe als Enabler auch in Zukunft wahrnehmen zu können. (Ariane Reinhart, Continental)

… der neuen Rolle von HR:

_HR wird in den Unternehmen die Rolle eines Scrum Masters übernehmen, der die Zusammenarbeit moderiert und darauf achtet, dass die Prozesse funktionieren. (Christof Horn, P3 Group)
_HR kommt eine Doppelrolle zu: Als Agile Coach begleitet es die Anwendung der neuen Methoden. Als People Coach begleitet es die Menschen. (Walter Jochmann, Kienbaum)
_HR wird mehr Verantwortung für die konzeptionelle Planung des Unternehmens übernehmen. Weil das Ressort weniger als die anderen den Quartalszahlen verhaftet ist, kann es freier in die Zukunft blicken (Simone Siebeke, Spencer Stuart)

Zumindest etwas Event bietet die DGFP ihren rund 400 Kongress-Teilnehmenden – und damit immerhin 100 mehr als im Mai in Berlin – dann aber doch. Und zwar in Form von sogenannten Innovation Tours. Auf diesen werden mit dem Bus Unternehmen in Köln angefahren, die in ihrer Transformation in Richtung neue Arbeit bereits besonders weit sind. Eine der Stationen ist ein Unternehmen, an das man beim Stichwort New Work sicher nicht als erstes denkt: der Versicherungskonzern Axa.

Glas, viel Glas. Wände mit Milchglas-Elementen durchzogen trennen Arbeitsnischen ab, separieren kleine „Bubbels“, in denen Mitarbeiter sich in großen Sesseln zum Denken oder zum Zweiergespräch zurückziehen können. Poppipge Kreativbereiche, Besprechungsräume, die wie Tischler-Werkstätten, im Loft-Look oder im Nobel-Chic der 1920er Jahre eingerichtet sind. Dazwischen offene Flächen mit Kaffeebars, Kickertischen, Minigolfbahnen. Und überall Schließfächer, in denen die Mitarbeiter ihre persönlichen Sachen deponieren können. Denn niemand hat hier mehr ein eigenes Büro, auch die Vorstandsmitglieder nicht. Für manche Mitarbeiter ist das gewöhnungsbedürftig: „Einige haben Fotos und sogar Pflanzen in ihrem Schließfach und staffieren damit ihren jeweiligen Platz jeden Morgen aufs Neue aus“, berichtet Jutta Solga. Solga ist Leiterin Organisationsentwicklung bei Axa und führt uns heute als einer der beiden Tourguides mit viel Verve durch die Räume.

Die frisch gestaltete – mancherorts riecht es noch leicht nach Farbe – New-Work-Welt wie aus dem Bilderbuch ist kein Selbstzweck, sondern Baustein eines umfassenden Transformationsprozesses: Im Kern geht es bei diesem um mehr Offenheit, mehr Vernetzung, mehr Selbstverantwortung, um das Unternehmen innovativer und schneller zu machen. „Früher wurden Entscheidungen wochenlang durch die Hierarchie-Ebenen geschleppt, heute im Gespräch zwischen Project Owner und einem Vorstand zwischendurch an der Kaffeebar getroffen“, gibt Solga ein Beispiel.

Auch die DGFP selbst wandelt sich weiter. Gerade neu eingeführt hat sie ein Rotationsmodell für die Geschäftsführung. Deren Leitung soll künftig immer eine Führungskraft aus dem HR-Bereich eines der Mitgliedsunternehmen übernehmen – jeweils für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren. „So wird auf der einen Seite die Mitglieder-Perspektive noch stärker in die DGFP hineingetragen“, erklärt Reinhart in ihrer Eröffnungs-Keynote. „Gleichzeitig kann die jeweilige HR-Führungskraft in dieser Rolle ihre unternehmerischen Kompetenzen weiter ausbauen.“

Die erste auf dem Rotationsposten ist Norma Schöwe. Sie übernimmt am 1. Februar 2019. Völlig neu ist die Perspektive, die sie in die DGFP-Leitung einbringt, allerdings nicht. Schöwe arbeitet für ein Unternehmen der Continental AG, den Konzern, bei dem Reinhart als Vorständin den Bereich Personal verantwortet. In ihrem leicht nervösen und dafür umso sympathischeren Kurzauftritt bittet Schöwe die Kongressteilnehmer, sich Gedanken zu machen, was sie sich von der DGFP wünschen und ihr und den anderen DGFP-Verantwortlichen viel Feedback zu geben. Erstes Feedback zum Kongress kommt bereits zum Veranstaltungsende übers Würfelmikro, das durch die Reihen geworfen wird. Die Aussagen unterstreichen: Auch wenn die DGFP ihre Mars-Mission abgebrochen hat, hat sie eine gute Landung hingelegt.

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Foto 1: Hatte viel zur neuen Rolle von HR zu sagen: Ariane Reinhart, Vorstandsvorsitzende der DGFP, bei der Kongresseröffnung. © DGFP e.V.
Foto 2: New Work wie im Bilderbuch: Innovation Tour bei der Axa-Versicherung. © Andree Martens
Foto 3: Wünscht sich Feedback von den DGFP-Mitgliedern: Norma Schöwe übernimmt am 1. Februar 2019 die Geschäftsführung der DGFP. © DGFP e.V.


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, Training & Development, _erlebt

13. September 2018 | Von Nicole Bußmann

John Stepper im Interview: ‚Don´t tell people what to do‘

Vor drei Jahren war John Stepper noch IT-Experte bei der Deutschen Bank in New York und sein Ansatz „Working Out Loud (WOL)“ ein kleines Selbstlernprogramm, das außer ein paar frühen Enthusiasten kaum einer kannte. Nun hat der US-Amerikaner die Eröffnungskeynote der Zukunft Personal Europe 2018 gehalten. An seinem Programm WOL kommt man in der Branche mittlerweile kaum noch vorbei: Bei Bosch wird es vom Personalvorstand empfohlen, die Daimler AG nutzt es für ihr Onboarding und beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen soll es Mitarbeiter ermutigen, Innovationen selbstorganisiert und ohne Rechtfertigungsdruck voranzutreiben. managerSeminare hat John Stepper auf der Messe getroffen und mit ihm über die erstaunliche Erfolgsgeschichte des simplen Ansatzes gesprochen.

Interview: Nicole Bußmann, Kamera: Sarah Lambers








managerSeminare hat schon frühzeitig über den Ansatz berichtet. Hier die Beiträge zum Nachlesen:
_ Die Methode Working Out Loud: Teilen lernen.
_ Working Out Loud bei Bosch: Köpfe vernetzen.


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, _erlebt, _gefilmt

2. August 2018 | Von Nicole Bußmann

TrainCamp18: Die kollaborative Weiterbildung für Weiterbildner

Ein Barcamp speziell für Trainer, Berater, Coachs – kann das gut gehen? Es kann, wie das erste TrainCamp im vergangenen Jahr zeigte. Und sehr gut. Ende November geht das Format daher erneut an den Start. Dieses Mal in den new-workigen Räumen der Design Offices in Köln.

Neue Methoden kennenlernen, Training- und Coachingerfahrungen teilen, sich mit Kollegen vernetzen – das können Trainer, Berater und Coachs auf dem TrainCamp am 30. November 2018. Zum zweiten Mal lädt die Redaktion von Training aktuell aus dem Bonner Fachverlag managerSeminare zu diesem Barcamp speziell für die Weiterbildungsszene. Dieses Jahr findet das TrainCamp in den Design Offices statt – einem neuen Co-Working-Space nahe des Kölner Doms.

Der kokreative und kollaborative Spirit der neuen Location soll auf die Teilnehmenden überschwappen. Denn wie bei BarCamps üblich entsteht das Programm erst vor Ort und zwar gemeinsam. Alle, die möchten, stellen kurz ihr Thema vor. Dann wird abgestimmt, und die Vorschläge mit den meisten Stimmen kommen auf die Agenda. In der Erstauflage brachten etwa ein Viertel der gut 100 Teilnehmenden eigene Ideen bzw. Themen ein. Für die Neuauflage können gern noch mehr Weiterbildner eine Frage im Gepäck haben, die sie mit ihren Mitcampern diskutieren wollen.

Schon jetzt können auf der Website Themen vorgeschlagen werden – unverbindlich natürlich. Das können Tools und Methoden sein, die der Sessiongeber den Kollegen vor Ort vorstellen möchte oder Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag, zu denen eine Themengeberin Meinungen hören, Antworten erhalten oder schlichtweg Argumente sammeln möchte. Nicht erwünscht sind werbliche Präsentationen, auf technische Hilfsmittel wie Beamer wird daher vollständig verzichtet. Bis zu fünf Sessions können in den Design Offices parallel laufen, in vier aufeinander folgenden Runden.

Das TrainCamp ist gedacht als ein themenoffenes Experimentierfeld – auch zu der Methode des BarCamps selbst und der Erfahrung von Selbstorganisation. In dem geschützten Raum können sich sowohl erfahrene Weiterbildnerinnen als auch Youngster im Trainingsgeschäft offen ausprobieren und austauschen.

Im Überblick:

Was: TrainCamp – Das Barcamp der Weiterbildung
Wann: Freitag, 30. November 2018, 9-18 Uhr
Wo: Design Offices, Christophstr. 15-17, 50670 Köln
Tickets: 179 EUR für Abonnentinnen und Seminarmarktkunden, 199 EUR für alle, die das nicht sind
Hashtag: #TrainCamp18
Link: www.traincamp.online

****************
Mit dem TrainCamp ergänzt der Bonner Fachverlag sein Portfolio im Bereich der Qualifizierung von Coachs, Führungskräfte- und Verhaltenstrainern. Zu dieser Sparte des Verlages gehört ein eigens auf Trainings- und Coachingprofis ausgelegtes Buchprogramm, die Fachzeitschrift „Training aktuell“ mit handlungsrelevantem Wissen für professionell agierende Weiterbildner sowie die Petersberger Trainertage, das jährliche Gipfeltreffen für alle im HR-Bereich Tätigen.


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