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Das Blog


22. Mai 2018 | Von Nicole Bußmann

Andreas Zeuch: „Angst verhindert Veränderung“

Es ist kein Barcamp, aber auch keine Konferenz im klassischen Stil. Das Event bezeichnet sich sperrig als „transsektorale (Un)Konferenz“ und bildet den Auftakt einer Veranstaltungsreihe zu „neuen Konzepten für neue Arbeit“ der Beratungscompany priomy. managerSeminare befragte Mitinitiator Andreas Zeuch zum ersten Themenschwerpunkt: die Angst vor der Freiheit.

Herr Zeuch, Ihre Veranstaltung hat das Thema „Die Angst vor der Freiheit“. Warum dieses Thema?

Als Berater begleite ich schon seit vielen Jahren Organisationen auf ihrem Weg zu selbstbestimmter Arbeit, bei unserem Unternehmen „priomy” ist Selbstbestimmung unser Oberbegriff für Begriffe wie Agilität, Arbeiten 4.0, Neue Arbeit und Unternehmensdemokratie. Dabei habe ich regelmäßig erlebt, dass Angst Veränderungsprozesse, vor allem wenn sie nicht nur die Strukturen, sondern auch die Kultur betreffen, verhindert oder erschwert. Unabhängig davon, ob jemand Führungskraft ist oder Mitarbeiter*in, löst vor allem die Unsicherheit, nicht zu wissen, wohin genau die Reise führt, Angst aus. Niemand weiß sicher, ob z.B. genau sein/ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt, oder wie genau sich dieser verändern wird.

Welche Ängste beobachten Sie am häufigsten?

Bei Führungskräften sind es spezifisch Ängste vor dem Verlust von teils hart erarbeiteten Privilegien und dem Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten. Wer mehr entscheidet als andere, kann auch mehr gestalten. Wenn aber die Entscheidungen (mehr) verteilt werden, dann kann das einen Verlust von Gestaltungsmacht bedeuten.
Bei den Mitarbeitenden beobachte ich immer wieder Ängste und Frust, dass auch dieser “Change” letztlich wieder nur heiße Luft war. Zudem Angst vor der Verantwortungsübernahme bei selbstbestimmten Entscheidungen, vor Fehlern und deren vermeintlich nachteiligen Konsequenzen.

Freiheit ist ja eigentlich ein absolut positiver Begriff. Woher rührt Ihrer Ansicht nach die Angst vor der Freiheit?

Freiheit ist nur vordergründig rein positiv. Sie bedeutet auch, sich klar zu werden, was ich wirklich will und was nicht. Das – so mein Eindruck – wissen viele nicht. Daraus resultiert schnell Verwirrung, Unsicherheit, Unwohlsein mit dem, was ich tue und lasse. Das gilt in unserer zunehmend größeren beruflichen Wahlfreiheit ganz besonders. Ich muss nicht mehr Bäcker oder Arzt werden, weil meine Eltern diesen Beruf ausübten. Aber was soll ich denn nun machen?
Desweiteren funktionieren höhere Freiheitsgrade in der Arbeit im Sinne größerer Entscheidungsspielräume nur, wenn sie mit Verantwortung für die eigenen Entscheidungen einhergehen.

Ist Ihre Veranstaltung also gedacht als Reflexionsfläche für eigene Ängste?

Ja und nein. Ja, weil aus unserer Sicht der Blick in den Spiegel essenziell ist. Ich kann nicht glaubwürdig und nachhaltig mit den Ängsten anderer arbeiten, wenn ich mich selbst aus der Gleichung tilge. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich als Führungskraft oder Berater tätig bin. Nein, weil wir keinen Selbsterfahrungsworkshop anbieten. Es geht natürlich auch um die Ängste bei den Mitarbeitenden und Führungskräften, mit denen wir als Berater konfrontiert werden.

Die Angst von Führungskräften vor Machtverlust und Bedeutungslosigkeit wird oft als „elephant in the room“ bezeichnet. Wie wollen Sie erreichen, dass Ihre Teilnehmer den Elefanten ansprechen?

Wir gehen nicht davon aus, dass jemand zu der Veranstaltung kommt, der darüber nicht in einen konstruktiven Dialog treten will. Und sowieso gilt: Niemand muss sich äußern, jeder darf. Das realisieren wir unter anderem auf der Ebene des Veranstaltungsformats: Alle Teilnehmenden dürfen Sessions vorschlagen, in denen sie Themen mit einem Teil der Teilnehmenden bearbeiten können. Aber niemand muss das tun. Und natürlich werden wir selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Wir sind ja auch nicht in vollkommener buddhistischer Gelassenheit total angstfrei.

Bleiben wir beim Konzept der Veranstaltung. Transsektorale (Un)Konferenz klingt sehr intellektuell, auch etwas sperrig. Was genau verbirgt sich dahinter?

(Andreas Zeuch lacht) – Volltreffer. Beim nächsten Mal streichen wir vermutlich das „transsektoral”. Damit meinen wir, dass wir die Zukunft der Arbeit nicht nur durch die Brille der Wirtschaft beleuchten wie bei den meisten vergleichbaren Veranstaltungen, sondern gleichberechtigt auch Politik und Kunst einbinden.

Inwiefern helfen die Sichtweisen von Politik und Kunst der Wirtschaft?

Politik als zusätzlicher Blickwinkel liegt nahe, schließlich sind bestimmte Konzepte von Neuer Arbeit, z.B. Führungskräftewahlen, methodisch aus der Demokratie abgeleitet. Wir haben Jason Brennan aus Washington als Keynote-Speaker zu Gast. Er ist Philosoph und Politikwissenschaftler und bearbeitet die brennende Frage, wie wir das Kompetenzproblem der Wählenden lösen, denn die können oft gar nicht beurteilen, welche politische Entscheidung eine nachhaltige Lösung verspricht.

Wie können wir denn das Kompetenzproblem lösen? Um mal einen Input anzuteasern…

Jason Brennan schlägt etwa vor, ein Punktesystem einzuführen: Jeder darf mitbestimmen, aber wer sich zuvor schlau gemacht hat, bekommt eine zweite Stimme. Übertragen auf die unternehmerische Praxis: Transformationen, also tiefgreifende Veränderungen, auch und insbesondere der Führungskultur und -struktur, sollten idealerweise durch selbstorganisierte Weiterbildungen flankiert werden. Konkretes Beispiel: Wenn der Geschäftsführer die Mitarbeitenden einlädt, an der Strategieentwicklung teilzunehmen, könnte es sein, dass die Mitarbeitenden von sich aus merken, dass sie Kompetenzlücken im Bereich Bilanzen haben und deshalb entsprechende Fort- oder Weiterbildungen organisieren.

Zur Kunst: Was versprechen Sie sich von diesem Input?

Jede Transformation, egal ob einer Organisation oder der Arbeit insgesamt, ist ein riesiger Gestaltungsprozess. Und was ist Kunst, wenn man nicht nur das fertige Ergebnis sieht? Eben auch ein Gestaltungsprozess. Zudem ist Kunst ja meistens intensiv mit Emotionen verbunden, weswegen wir Kunst nutzen können, um mit Gefühlen in Veränderungsprozessen konstruktiv zu arbeiten.

Die transsektorale (Un)Konferenz soll keine Eintagsfliege sein. Haben Sie schon eine Idee, was Sie nach der Angst vor der Freiheit thematisieren wollen?

Schönes Bild mit der Eintagsfliege. Das stimmt. Und doch haben wir noch kein neues Thema festgelegt. Was als nächstes reizvoll und fruchtbar sein könnte, wollen wir mit den Teilnehmenden im Dialog herausfinden.
*****
Termin: 15. Juli 2018, ganztägig.
Ort: Circular Economy House in Berlin-Neukölln.
Preis: ab 179 Euro.
Veranstalter und Kontakt: priomy, Berlin


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18. April 2018 | Von Redaktion

#PTT2018: Fredmund Malik mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet

Obwohl schon mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, zeigte sich Fredmund Malik tief bewegt über die Ehrung mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche. Auf den Petersberger Trainertagen Ende April ließ sich der Wissenschaftler gleichsam in sein Lebenswerk wie in seine Seele schauen.

Textbeitrag von Sylvia Jumpertz und Nicole Bußmann, Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg, Schnitt: Sarah Lambers





„Ich bin berührt und gerührt“. Fredmund Malik verbeugte und bedankte sich mehrfach bei Publikum und Gremium. Angesichts der langanhaltenden Standing Ovations nach der Verleihung des Life Achievement Awards an ihn zeigte er sich tief bewegt und fügte augenzwickernd hinzu: „Ich fühle mich ermutigt, weiterzumachen, den Life Achievement Award sehe ich als Midlife-Award.“ Geehrt wurde der Leiter des Malik-Management-Zentrums in Sankt Gallen auf den Petersberger Trainertagen Mitte April für sein Lebenswerk. Vergeben wurde der Preis wie immer von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, die damit jährlich Personen auszeichnen, die sich mit ihren Denkansätzen und praxisbezogenen Modellen in besonderer Weise um die Weiterbildungsbranche verdient gemacht haben.

Malik ist so eine Person: Seine stets weiterentwickelte Managementlehre und die daraus abgeleiteten praxisbezogenen Modelle sind heute aktueller denn je, denn sie zielen genau auf die Herausforderung, die heute in aller Munde ist: den Umgang mit Komplexität. Malik ging stets davon aus, dass Komplexität nicht bekämpft, sondern genutzt werden kann. Sein langjähriger Wegbegleiter Walter Krieg machte in seiner Laudatio auf den Preisträger daher deutlich: „Management heißt nach Malik, Organisationen zu befähigen, ihrem Zweck entsprechend richtig und gut zu funktionieren und Komplexität zu nutzen – statt sie zu reduzieren.“ Malik betrachtet Management, wie Krieg weiter ausführte, stets ganzheitlich. Schon früh erkannte er, dass Betriebswirtschaft allein nicht ausreicht, um Organisationen zu managen, sondern dass Organisationen ein komplexes Geflecht sind, das am besten unter Hinzuziehung von Komplexitätswissenschaften wie Kynernetik, Systemtheorie und Bionik fassbar wird. Auch verfolgte Malik immer schon ein Managementverständnis, nach dem Aufgaben wie Leadership, Governance und Management nicht voneinander getrennt, sondern in ihrem Zusammenspiel zu betrachten sind. Und stets ging es ihm darum, Management als Beruf zu begreifen, der sich (er)lernen lässt. Als etwas, das funktioniert und Wirksamkeit erzeugt – wenn es denn vernünftigen Prinzipien folgt, die der Komplexität angemessen sind. „Konzeptionell zu erfassen, was Management in der Organisation und für die Organisation wirksam macht“, fasste Krieg zusammen, worum es Malik geht.

Tiefer in die Gedankenwelt von Fredmund Malik konnten die Kongressbesucher am zweiten Petersberger Trainertag einsteigen, als der Managementforscher seine Überlegungen zu New World und New Management ausführte. Er holte aus, er schweifte ab, er überzog gnadenlos seine Redezeit, sich aber stets vergewissernd, dass die Besucher die folgende Pausenzeit gerne zugunsten der Redezeit des Grandseigneurs verkürzten. Und das, obwohl es nicht immer leicht war, dem St. Galler Professor inhaltlich zu folgen.

Im Kern drehte sich Maliks Beitrag um die Herausforderungen der gegenwärtigen „großen Transformation“, die getrieben ist von der Digitalisierung, dem demografischen Wandel, ökologischen Problemen und ökonomischen Entwicklungen wie dem zunehmenden Preiszerfall durch neue digitale Lösungen. „Die Transformation sollte man“, so warnte Malik, „in ihrer Bedeutung besser über- als unterschätzen.“ Führungskräfte müssten sich vor allem klar machen, wie ungeheuer komplex die Systeme sind, mit denen sie es zu tun haben.

Zudem, führte Malik aus, müssten Führungskräfte die Muster von Wandelprozessen verstehen, die gesund stets in Form von S-Kurven verlaufen. Im Business ist es jedoch oft so: Es geht langsam aufwärts, dann kommt etwas Anderes, Neues im Sinne von Joseph Schumpeters kreativer Zerstörung auf, das das Alte verdrängt, und die Entwicklung bewegt sich bergab. Klug sind Unternehmen dabei oft erst hinterher – dann, wenn der entscheidende Moment, an dem sie hätten handeln können, längst verstrichen ist, die disruptive Umwälzung also stattgefunden hat.

„Man kann nicht in die Zukunft sehen“, räumte Malik ein. Doch das Problem sei ein anderes: Manager neigen dazu, die klassische S-Kurve – er veranschaulichte sie auf seinen Grafiken als rote Kurve – allzu lang zu dehnen. Man macht weiter wie bisher, steckt Energie in noch mehr von allem – noch mehr Marketing zum Beispiel – statt etwas anderes zu tun. Eine Ursache dafür seien nicht etwa dumme Manager, sondern die „herkömmlichen Navigationssysteme“, etwa Kontrollsysteme: „Sie geben systematisch irreführende Signale.“ Die Folge: Es kommt zum Kollaps. Nicht so dagegen, wenn Unternehmen früh genug etwas aufbauen, das Malik als „grüne Kurve“ bezeichnete: einen alternativen Entwicklungspfad zum bisherigen, der helfen kann, die Disruptionsphase gut zu überwinden und weiterzuwachsen, nur eben anders als bisher.

Was sie dazu brauchen, sind seiner Überzeugung nach neue Navigationssysteme. Solche komplexer, evolutionsfähiger Art. Systeme, in denen nicht ein Chef das Sagen hat, wie in der klassischen Hierarchie, die, so Malik, „Unsinn produziert“. Sondern klug vernetzte Systeme, die sich wie ein Organismus selbst organisieren können und in denen das Management die Funktion des Nervensystems übernimmt, das die Selbstorganisation durch die entsprechenden Strukturen und Regeln möglich macht. So können Organisationen schaffen, was natürliche Systeme nach den Gesetzmäßigkeiten der Kybernetik schaffen: „Zusammen tun, was bisher getrennt getan wurde, und gleichzeitig machen, was zuvor nacheinander gemacht wurde“, fasste Malik zusammen.

Was es laut Malik außer klaren Prinzipien braucht, damit solche, der Natur abgeschauten Systeme, wirksam sind, ist ein ebenfalls der Natur abgeschauter Mechanismus: der der Rückkoppelung. Das heißt: Es braucht eine gute Kommunikation mit vielen Rückmeldungen, um das System stabil und fehlerfreundlich zu halten. Denn Fehlerfreundlichkeit sei kein Freifahrschein, Fehler zu machen, betonte Malik. Sie bedeute vielmehr: „Die Planung muss robust sein gegenüber Fehlern.“ Als Beispiel für ein kybernetisches, auf Selbstorganisation setzendes System beschrieb Malik den Kreisverkehr: Hier organisiert die Struktur den Verkehr so, dass sich eine sich ständig ändernde Zahl von Verkehrsteilnehmern anhand weniger klarer Regeln selbst organisieren kann – ganz ohne Ampeln, Polizei und Co.

Die Kongressbesucher zeigten sich beeindruckt von Maliks Ausführungen. Und er bot an, seine PowerPoint-Folien zur Verfügung zu stellen. Dutzende von Visitenkarten gingen in seine Hände, so viele, bis er streikte und den Versand in die Hände des Veranstalters legte. Eine kluge, Komplexität vermeidende Entscheidung.


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14. März 2018 | Von Nicole Bußmann

#LATC2018: Vortragsmarathon mit Sendebewusstsein zum Thema New Work

Vorträge fast rund um die Uhr? Das Event „Lean around the clock“ hat das Undenkbare zur Methode gemacht. Anfang März trafen sich Leanfreaks und solche, die es niemals werden wollen, aber an Ideen zum künftigen Arbeiten und Lernen interessiert sind, zum Vortragsmarathon in Mannheim. Einblick in eine Veranstaltung mit Sendungsbewusstsein zum Themenkomplex New Work.

29025654_10211142487786072_6840775270137086883_nEs ist der zweite Kongresstag, 9:45 Uhr, Andreas Syska tritt auf die Bühne und begrüßt uns mit den Worten: „Schön, dass es Ihnen wieder besser geht“. Manch einer mag gedacht haben, der Professor für Produktionsmanagement spiele auf den Vorabend an, an dem nach Programmende um 22:30 Uhr noch eine Band aufspielte und der ein oder die andere ein paar Bierchen trank. Nein, Syska begrüßt uns nach einem 22jährigen Koma, wir sind im Jahr 2040. „Und es ist großartig, was passiert ist“, zeigt sich Syska begeistert. „Der materielle Wohlstand ist gestiegen, die Lebensqualität auch, wir sind frei, haben Zeit und treffen aufgrund technologischer Unterstützung kluge Entscheidungen.“

Syska ist einer von 30 Referenten, die sich auf dem diesjährigen Event „Lean around the clock“ in der zweiten Märzwoche ein Stell-dich-Ein geben. Zum dritten Mal findet diese Veranstaltung der Lean Knowledge Base statt. Sie ist ein Kongress mit einer klassischen Bühne, auf der Vorträge stattfinden, mit klassischen Sitzreihen davor. Dazu gesellen sich ein paar Aussteller im hinteren Teil des Raumes. Damit hat es sich allerdings schon fast, was den #LATC2018 – so der Hashtag und die eigentliche Firmierung des Events – mit gemeinen Kongressen eint. Namensschilder? Gibbet nicht. Pausen? Iwo. Kaffee oder Wasser für zwischendurch? Nicht inbegriffen.

Das Event setzt sein Schwerpunktthema Lean im Sinne von „schlank“ konsequent um – kein Chichi, kein Brimborium, kein Schickschnack. Einfach nur: Menschen, die sich für ein Thema interessieren, Vorträge anhören können oder in den – freilich nur selbstbestimmten – Dialog gehen. Das Ambiente dieses Mal ist rough – wir sind in den Maimarkthallen in Mannheim, etwas außerhalb der City, der Raum ist fabrikig und dunkel, etwas spärlich beheizt. Was irgendwie auch zum Shopfloor passt, über den häufig geredet wird.

28827892_1829279767084682_4570470198164835839_oRalf Volkmer, geistiger Vater der Veranstaltung, tritt am ersten Tag mit unüblicher Kutte auf die Bühne. Ein Anzug in Störbild-Optik. Rauschebart und tiefer Monnemer Dialekt. Augenhöhe will er haben, Gespräche unabhängig von hierarchischer Herkunft, verkündet er. Volkmer holt Menschen auf die Bühne, die sonst nicht auf der Bühne stehen, die keine Vorträge in der Tasche haben und sich ob ihrer klugen Gedanken über eine neue Welt bestätigen lassen wollen. Christian Schenkel ist so einer der Bühnenneulinge. Interviewartig lockt Volkmer aus dem anfangs leicht nervösen Lean-Manager seine Learnings hervor. Es fallen Sätze wie „vom Kunden her denken“ oder „die Methodik ist zweitrangig“. Schenkel erzählt, wie er Lean Management einführen wollte. Es ist eine Geschichte übers Scheitern.

Es sind solche Intermezzi, die der Veranstaltung mit dieses Mal über 500 Teilnehmern etwas Familiäres geben, auch etwas Unperfektes. Volkmer wünscht sich genau das: Ehrlichkeit auf der Bühne. Dass auch das berichtet wird, was nicht so gut funktioniert. Auch an diesen zwei Märztagen gibt es einiges, was nicht so gut funktioniert: etwa das Catering. Auch einige Vorträge zählen dazu: Insiderberichte aus dem Inneren von Unternehmen, Filterblasen-Beiträge, missglücktes Storytelling – schlicht Beiträge, die nicht am Zuschauer orientiert sind.

Auf dem #LATC2018 ist das egal. Wem ein Vortrag nicht gefällt, steht auf oder hört weg. Für 150 Euro Teilnahmegebühr muss auch nicht ein Highlight das nächste jagen. Wobei echte Highlights dabei sind. 17:15 Uhr am ersten Kongresstag, es spricht Jacqueline Rahemipour von sipgate. Sie stellt 12 von 24 Work Hacks vor, auf die sipgate selbst gern früher gekommen wäre. „Wir haben kein Fortbildungsbudget“, ist ihr Hack Nummer 8. Und das bedeutet nicht, dass sich die sipgater nicht weiterbilden, im Gegenteil: Es bedeutet, dass sich jeder Mitarbeiter seine Weiterbildungen selbst aussucht. Einzige Bedingung: Die Mitarbeiter machen transparent, was sie vorhaben, indem sie die ausgesuchten Maßnahmen auf einer der vielen Pinnwände bei sipgate aufhängen oder online yammern. Work Hack 4 ist „Pairing“. Bei sipgate arbeitet niemand mehr allein an einer Aufgabe, immer sind es Teams von mindestens zwei Mitarbeitern. Das gilt für die Softwareentwicklung ebenso wie für die Buchhaltung. „Was nach Verschwendung klingt, ist keine“, erläutert Jacqueline. Das Pairing ist sipgates eingebaute Qualitätssicherung und sozusagen ein Wissenstransferprogramm.

IMG_2447Sipgate ist ein leanes, agiles Unternehmen. Doch das ist das Schöne an #LATC2018: dass nicht nur ausgewiesene Lean-Anwender auf ihre Kosten kommen, sondern generell darüber referiert wird, wie wir arbeiten können und wollen, wenn uns die Digitalisierung Produktivitätssteigerungen und Effizienzgewinne beschert hat. „Mitarbeiter werden von Routinetätigkeiten entlastet und konzentrieren sich auf wertschöpfende Aufgaben“, erklärt dazu detecon-Berater Marc Wagner, ab 14:15 Uhr am ersten Kongresstag auf der Bühne.

Mit Syska finden wie uns im Jahr 2040 in einer neuen Welt wieder: „100 Prozent unserer Tätigkeiten haben sich geändert. Organigramme gibt es nicht mehr, Wertschöpfung findet dezentralisiert statt, Fabriken gibt es nicht mehr, nur noch temporär existierende Netzwerke. Es gibt keine Festanstellung mehr, keine Betriebsräte, auch die BWL wird nicht mehr gebraucht.“ Was den ein oder anderen im Publikum schmunzeln lässt, ist als Anstoß gemeint. „Deutschland 2040“ heißt die Initiative, dessen Kern ein Manifest für ein Leben und Arbeiten in der digitalen Zukunft ist.

Die Gemeinde in der Maimarkthalle ist hellwach, als Syska spricht: „Die Zukunft kommt nicht einfach auf uns zu, sondern Zukunft ist das Ergebnis unserer Taten, und Taten sind das Ergebnis unserer Gedanken.“ So etwas wie Aufbruchstimmung ist spürbar. Ein junger Mann steht auf und fragt: „Wer steht hinter Deutschland 2040? Wer macht das?“ Syska ist verdutzt: „Wir lichten doch nur den Anker, es gibt so viele Leute, die sich Gedanken darüber machen, wie wir in zwanzig Jahren leben. Die haben spannende Ideen, die dringen aber nicht nach draußen, die bestätigen sich nur intern in ihren Kreisen. Ich geh schwer auf die 60 zu und wundere mich, dass in all den Arbeitskreisen keine 18-Jährigen sitzen.“

Syskas Impuls trifft ins Schwarze. Wie so mancher Vortrag auf dem #LATC2018. Dass das Gesagte Kreise zieht, ist nicht nur der Veranstaltung zu wünschen, sondern vor allem den Inhalten. Die im Übrigen alle aufgezeichnet und damit online nachzuschauen sind. LATC geht weiter, ein nächster Termin steht: 21. bis 22. März 2019, wieder in den Maimarkthallen, wieder unter der charmant-präsenten Moderation von Janine Kreienbrink. Doch der Vortragsmarathon wird aufgelöst. Themenboxen soll es geben, in denen in Zeitfenstern von rund drei Stunden vertieft diskutiert werden kann. Denn, das trifft auf den LATC aktuell noch zu: Auch wenn Austausch explizit gewünscht ist und sehr viel mehr Dialog stattgefunden hat durch ein deutlich fragefreundlicheres Publikum als im Vorjahr: Ein Vortragsmarathon ist und bleibt brutal-frontal. Dem Happening in diesem Jahr hat es freilich keinen Abbruch getan.

******

Zum Nachschauen einige meiner Highlights:

Vortrag von Marc Wagner, Detecon:



Vortrag, etwas wirr leider, aber von den Aussagen dennoch gut, von Conny Dethloff und Manfred Meyer, Otto:



Der beschriebene, von mir sehr gemochte Vortrag von Andreas Syska:



Der sehr gute Vortrag von Jacqueline Rahemipour, Sipgate:



Weil besonders, das Interview von Ralf Volkmer mit Christian Schenkel



Im Text nicht erwähnt, aber auch gut gewesen: Der Vortrag von Mark Lambertz über das Viable System Model, sozusagen die Mutter von agil und lean:



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Foto 1: Andreas Syska, Quelle: Nicole Bußmann
Foto 2: Ralf Volkmer in Kutte mit Christian Schenkel, Quelle: Ulrich Hinsen/Facebook
Foto 3: Jacqueline Rahemipour, Quelle: Nicole Bußmann


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6. März 2018 | Von Nicole Bußmann

Studie „WeiterbildungsSzene“: Wie VUKA-fit sind Managementtrainer?

Bildschirmfoto 2018-03-06 um 12.21.30Die Schlagworte der VUKA-Welt wirbeln auch die Arbeit von Trainern, Beratern und Coachs durcheinander. Angesichts des rasanten Wandels der Arbeitswelt müssen sie sich organisatorisch wie inhaltlich neu aufstellen. Doch so selbstverständlich wie Weiterbildner über die Digitalisierung reden, so wenig ist die Digitalisierung im Arbeitsalltag der Weiterbildner angekommen. Dieses Bild zeichnet die Befragung „WeiterbildungsSzene Deutschland“, die soeben erschienen ist.

Im Oktober 2017 titelte die Zeitschrift „Training aktuell“ mit dem Header „Personalentwicklung goes VUKA“. Die Redaktion nahm damit Bezug auf die Verleihung des Europäischen Preises für Training, Beratung und Coaching durch den Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT). Denn die Gewinnerkonzepte zeigten, wie Personalentwicklung in der digitalen Transformation aussehen kann. Agil? – Selbstverständlich. Nur Training? – Keineswegs. Individuell? – Sowieso. Vernetzt? – Auf jeden Fall.

Doch so VUKA-fähig wie diese Konzepte scheint der Otto-Normal-Weiterbildner noch nicht unterwegs zu sein. Dieses Bild zumindest zeichnet die Online-Befragung von 1.169 Weiterbildnern durch den Verlag managerSeminare. Jährlich bittet Studienautor Jürgen Graf die Protagonisten der Weitbildungsbranche um ihre Einschätzung, dieses Jahr zu Trends und Themen der Weiterbildung. Im Vordergrund standen dabei Fragen zur inhaltlichen und organisatorischen Einbettung von Trainings in Unternehmen. Das Ergebnis: Das Gros der Trainer verhält sich zu VUKA wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Ziemlich bewegungslos.

Dabei werden Trainer, Berater und Coachs mit den Auswirkungen der VUKA-Welt durch ihre Teilnehmer, Klienten und Auftraggeber täglich konfrontiert. Diese erwarten Antworten, schließlich wird die Weiterbildungsbranche für ihren Know-how-Vorsprung engagiert und bezahlt. Was sind denn nun die Inhalte, Tools, Methoden und Konzepte, mit denen wir den Herausforderungen der VUKA-Welt erfolgreich begegnen können? Na?

Hier zeigt die Studie: Weiterbildnern ist sehr wohl bewusst, dass sich ihre Arbeit in nächster Zukunft grundlegend verändern wird. Als treibende Kraft oder in der Rolle eines Vorreiters agieren sie indes noch lange nicht. Vielmehr scheinen sie sich eher nolens volens mit dem Unvermeidlichen abzufinden und bisweilen sogar ihre Überzeugungen über Bord zu werfen. Beispiel: die immer kürzeren Planungshorizonte der Unternehmen. Nehmen wir das Training von Sozialkompetenzen: Das funktioniert auch in kurzen, halbtägigen Modulen, sagt die eine Hälfte der befragten Weiterbildner. Das geht nicht, sagt die andere Hälfte. Das Spannende daran: Bei der Vergleichsstudie aus dem Jahr 2015 war der Anteil der „Geht nicht”-Überzeugten noch deutlich größer…

Es kommt also einiges ins Wanken in der Weiterbildungswelt durch VUKA, schlussfolgert Studienautor Jürgen Graf: „Die Überzeugungen der Akteure sind immer auch (Verkaufs-)Argumente gegenüber Auftraggebern und Klienten. Wenn Weiterbildner mit ihren Überzeugungen hadern oder sie um Glaubwürdigkeit ringen, steht sogleich das Fundament ihrer Arbeit auf dem Spiel.“ Die VUKA-Welt stellt für Trainer, Berater und Coachs mindestens also eine doppelte Herausforderung dar: Sie müssen ihren Kunden Antworten liefern und zugleich ihre eigene Arbeit neu erfinden.

Mehr zu den Studienergebnissen gibt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Training aktuell sowie in den kommenden beiden. Für Abonennten ist die gesamte Studie „WeiterbildungsSzene Deutschland“ kostenfrei als E-Book abzurufen.


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26. Februar 2018 | Von Nicole Bußmann

Hedwig Seipel ist tot

Bildschirmfoto-2018-02-26-um-09.44.21Am gestrigen Sonntag war es auf Facebook in ihrem eigenen Profil zu lesen: Hedwig Seipel ist gestorben. Im November 2017 hatte die E-Learning-Expertin in ihrem Profil angegeben, nicht mehr selbstständig zu sein, im Januar 2018 änderte sie ihren Status in Privatperson. Aus ihrer schweren Erkrankung machte sie keinen Hehl, noch aus dem Krankenhaus postete sie einen Gruß.

Seipel ist der Branche vor allem durch ihre Tätigkeiten für den BDVT (Berufsverband für Trainer, Berater und Coachs) bekannt gewesen. Sie leitete die Fachgruppe „E-Learning“ des BDVT und unterstützte als Beauftragte für Open Educational Resources (OER) und Digitales Lernen das Projekt „OER – Macher und Multiplikatoren in der Weiterbildung“ innerhalb des Verbandes, solange es ihr gesundheitlicher Zustand zuließ.

Seipel war von Haus aus Diplom-Ingenieurin, 1998 machte sie ihr Hobby zum Beruf und arbeitete als Fengshui-Beraterin, bevor sie sich später auf das Thema Marketing spezialisierte und E-Learning-Akteurin wurde. managerSeminare traf Seipel zuletzt auf der Online Educa 2017 in Berlin: Als Referentin des Kongresses gab sie eine Art historischen Abriss über die Veränderungen der Trainerrolle – vom Lernen 1.0 bis zum Lernen 4.0 (Bericht siehe hier). Die Redaktion trauert um eine ebenso versierte wie sympathische Ansprechpartnerin.

Foto: Das Foto zeigt Hedwig Seipel im Januar dieses Jahres. Als Dank für ihre Arbeit und als Zeichen der Wertschätzung übersandte ihr der BDVT im Namen der Jury den OER-Nominierungs-Award 2017. Quelle: www.oer-fachexperten.de


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