Kunden-Login


Ihr Warenkorb 93 Artikel
 
managerSeminare 113 vom 20.07.2007
8.50 EUR
managerSeminare 106 vom 22.12.2006
8.50 EUR
managerSeminare 218 vom 22.04.2016
14.80 EUR
managerSeminare 63 vom 30.01.2003
8.50 EUR
managerSeminare 191 vom 24.01.2014
12.80 EUR
managerSeminare 164 vom 21.10.2011
9.80 EUR
managerSeminare 209 vom 24.07.2015
14.80 EUR
Heft: managerSeminare : 69
8.50 EUR
managerSeminare 141 vom 20.11.2009
9.80 EUR
84 weitere Artikel mit Gesamtpreis
897.00 EUR

Das Blog


24. März 2020 | Von Redaktion

Wie man an der Corona-Krise mental wachsen kann

Ein Virus beherrscht unser privates Leben, unsere Wirtschaft und unsere mentalen Zustände – es bringt uns massive psychologische Unsicherheit, ja Angst. Was gestern noch wahr war, gilt heute schon nicht mehr. Wie man mit dieser geistigen Belastung umgehen und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen kann, erklärt Managementtrainer Boris Grundl, der bedingt durch sein eigenes Schicksal erprobt ist in Krisenbewältigung.

Ein Gastbeitrag von Boris Grundl

Was in diesen Zeiten zählt, ist die passende mentale Haltung. Das richtige Mindset. Dabei geht es nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um unsere tiefsten Gefühle. Im Kern um die geistige Haltung, mit der wir extreme Belastungen meistern können. Dazu sollten wir uns mutig selbst reflektieren. Denn alles ergibt sich aus der Frage: Was muss passieren, dass aus dieser Krise eine Chance wird? Persönlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich? Ich weiß, das ist eine sehr heftige Frage.

Das Wichtigste ist, bei uns selbst zu beobachten, was gerade mental mit uns passiert. Dabei gibt es drei mentale Zustände. Alle drei wechseln sich immer wieder ab. Je nachdem, wie sich die Lage ändert.

1. Erkennen

Zunächst wollen wir die Realität nicht wahrhaben und denken: „Das kann alles nicht sein.“ Wir verdrängen. Kopf in den Sand. Wird schon vorübergehen. Versagt die Verdrängung, entsteht Hysterie, nackte Panik. Was diese Angst in uns auslöst, ist das Unbeherrschbare. Wir haben Angst, die Kontrolle zu verlieren. In der psychologischen Unsicherheit sind wir konfrontiert mit Informationen, auch Fehlinformationen. Wir haben keine Orientierung.

Danach suchen wir einen Schuldigen, eine Person oder eine Systematik (Umstand), die verantwortlich für die Situation ist. Ein Mensch (der Überträger?), eine Nation, eine Personengruppe (Politiker, Chinesen, Europäer, Ärzte, usw.). In Summe schieben wir die Thematik von uns weg, distanzieren uns. In der Hoffnung, dass es uns selbst nicht betrifft. Wir sind mental noch zu schwach.

All diese starken, meist unbewussten Emotionen sind nur mentale Zustände. Man kann eine Sekunde darin verweilen oder eine Minute, eine Stunde, einen Tag, einen Monat oder ein ganzes Leben. Das ist wichtig: Es sind nur mentale Zustände! Und sie sind völlig normal und nicht wegwünschbar. Das ist bei jedem Menschen so.

2. Anerkennen

Dann kommt die Wende. Von außen nach innen. Wir wollen es annehmen. Wir überlegen, was es mit uns zu tun hat. Was unsere zukünftige Verantwortung sein wird. Was dann folgt, ist ein Gefühl der eigenen Schuld oder Scham: Habe ich genug desinfiziert – eingekauft – vorbereitet? Hätte ich doch früher… Dennoch machen wir uns das Thema nicht ganz zu eigen. Wir fühlen uns noch immer kraftlos. Haben keine Ideen, keine Kreativität. Handeln schwach. Die Ergebnisse sind schwach.

Wir lernen, mit der Situation umzugehen – unter manchmal merkwürdigen, emotionalen Wandlungen. So spüren wir die Schwere, die Ernsthaftigkeit der Situation. Dann beginnen wir langsam zu erkennen, was unser Teil der Verantwortung sein könnte. Aber wir haben die Situation immer noch nicht ganz angenommen. Man muss halt jetzt das Beste daraus machen, Augen zu und durch. Unser Energiepegel ist mäßig. Unsere Kreativität notdürftig.

Angst und Hoffnung geben sich als Mindset die Klinke in die Hand. Wie ein Pendel schwingen sie hin und her. Bis wir die Mitte finden. Die heißt dann: Realität. Wir stellen uns der Wahrheit. Und konzentrieren uns auf unserem Einflussbereich.

3. Transformation

Jetzt haben wir die Situation emotional voll angenommen, sie uns ganz zu eigen gemacht. Wir müssen uns ihr nicht stellen, wir wollen es. Unser Mantra ist jetzt: „Wenn ich schon muss, dann will ich es auch!“ Jetzt stellen wir uns der Krise. Wir akzeptieren, was die Krise mit uns macht.

Wir sind bereit, die vollen Konsequenzen unserer Entscheidungen zu tragen. Unser Selbst wird zerlegt und danach wieder zusammengesetzt. Wir haben uns infrage gestellt und stellen nicht andere infrage. Nachdem wir uns wieder zusammengesetzt haben, ist unser Selbst viel stärker geworden. Unser Energiepegel ist hoch. Wir sprühen vor Ideen und Kreativität. Wir handeln kraftvoll und zielgerichtet, obwohl wir innerlich leiden.

Diese drei Zustände können sich mehrmals wiederholen. Je nachdem, in welchen Stufen die Krise einen persönlich beeinflusst. Dann fängt man wieder von vorne an. Die gute Nachricht: Es sind alles nur mentale Zustände, und am Ende sind wir stärker denn je!

Die Krise bewältigen

1. Lernen Sie, sich selbst beim Denken zu beobachten. Entlarven Sie schonungslos Ihre eigenen mentalen Zustände. Fühlen Sie sich gut dabei, auch wenn die Zustände schwach sind.

2. Es ist nicht wichtig, WAS Sie sehen oder wahrnehmen, sondern VON WO aus Sie etwas betrachten. Werden Sie sich dessen immer bewusster.

3. Durchdenken Sie permanent die Krise, und fragen Sie sich immer wieder: Was könnte danach kommen? Was muss passieren, dass aus dieser Krise eine Chance wird? Wie mache ich aus diesem Rückschritt einen Fortschritt? Folgen Sie der Antwort konsequent.

Gerade merken wir sehr ernsthaft, wie es ist, wenn Selbstverständlichkeiten wegfallen. Wenn wir auf uns selbst zurückfallen. Auf unsere eigene Schwäche, auf unsere eigene Unsicherheit. Die Illusion der Selbstgenügsamkeit löst sich auf – wir kommen nicht alleine zurecht. Mental passiert bei jedem Einzelnen dadurch unheimlich viel. Es wäre doch schön, wenn wir als Resultat eine stärkere mentale Haltung gewinnen – ein tieferes Bewusstsein für unser Leben und das Leben anderer.

****
Der Autor: Boris Grundl (siehe Foto) ist Managementtrainer, Redner, Unternehmer und Autor. Seit 30 Jahren ist er vom Hals abwärts gelähmt. Seine Themen sind Verantwortungsbewusstsein, mentale Haltung und Leadership. Kontakt: www.grundl-institut.de

Foto: Ilona Antina Photography


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, Management & Führung

20. März 2020 | Von Redaktion

Sinnorientierte Unternehmensführung: Strategien für die Ewigkeit

Das Quartalsziel erreichen. Die Konkurrenz abhängen. Die Firma an die Spitze bringen. Angesichts von Corona klingen diese Ziele, die viele Führungskräfte gemeinhin umtreiben, besonders hohl. Wer denkt, dass es im Business vor allem ums Gewinnen geht, hat etwas Entscheidendes nicht verstanden: Wirtschaft funktioniert nicht wie Fußball.


Bei einem Fußballspiel sind die Spieler bekannt. Sie haben sich bereit erklärt, nach festgelegten Regeln zu spielen. Und sie akzeptieren die bei Regelverstößen vom Schiedsrichter verhängten Strafen. Alle sind sich einig: Das Team, das am Ende der 90 Minuten am meisten Tore erzielt hat, ist der Sieger; dann ist das Spiel vorbei. Fußball ist also ein endliches Spiel.

Nicht so die Wirtschaft. In der Wirtschaft agieren bekannte Spieler, aber auch unbekannte. Es gibt darin – abgesehen von Konditionen und Gesetzen – keine genauen oder vereinbarten Regeln. Jeder Wirtschaftsmitspieler kann seine Spielweise jederzeit verändern. Und, vielleicht der entscheidendste Unterschied: Es gibt kein Ende. Man kann das Spiel der Wirtschaft nicht „gewinnen“. Das Ziel ist vielmehr: im Spiel zu bleiben, am besten für immer.

In Krisen, so wie wir sie gerade erleben, wird das auch denjenigen bewusst, die bisher vor allem dem Wettkampfgedanken huldigten. Denn nun tritt der Wert all der Strategien deutlicher denn je hervor, die Unternehmen auf Dauer Stabilität und nicht nur kurze Erfolge bescheren. Jetzt ist derjenige im Vorteil, der schon länger auf etwas anderes setzt als Ellbogenmentalität, verengtes Gewinnstreben und Konkurrenz. Auf einen vertrauensvollen Umgang miteinander beispielsweise. Auf die Bereitschaft, im Jetzt Kosten in Kauf zu nehmen, um dem Unternehmen langfristig das Überleben zu sichern. Auf die Orientierung an einer Sache, die weit über das Gewinnstreben hinausreicht und das Potenzial hat, Menschen auch über schwierige Zeiten zu tragen.

Solche Strategien beschreibt Simon Sinek – der überaus populäre Autor von „Frag immer erst: warum“ – in seinem neuen Buch „Das unendliche Spiel“. managerSeminare ist es gelungen, mit ihm die Titelstory der neuen Ausgabe – „Strategien für die Ewigkeit“ – zu realisieren. Angesichts von Corona ein guter Gedankenanstoß.

Die gesamte Ausgabe finden Sie hier zum Download. Viel Spaß beim Lesen!


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren

19. März 2020 | Von Redaktion

Das Virus, die Weiterbildung und wir

Das Virus Sars-CoV-2 und die von ihm ausgelöste Krankheit COVID-19 sind allgegenwärtig. Social Distancing lautet das Gebot der Stunde. Was das für uns bedeutet – und für eine Branche, die von Begegnung und lebendigem Austausch lebt.

Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski und Nicole Bußmann

Seit Dienstag ist unser Verlagsgebäude so gut wie leer: Nur ein paar wenige Kollegen, die die Post in Empfang nehmen und bestellte Bücher auf den Weg bringen, verteilen sich dort großzügig auf die leeren Büroräume – alle anderen haben sich ins heimische Büro zurückgezogen. Der Montagmittag beschlossene Rückzug ins Home Office war bei uns kein Problem, denn unser Verlag ist digital gut gerüstet. Sogar die Digitalisierung der Redaktionsabläufe war gerade einen weiteren entscheidenden Schritt weitergekommen: Nachdem unser Magazin managerSeminare bereits seit einem Jahr komplett online produziert wird, ist jetzt gerade auch unsere Zeitschrift Training Aktuell komplett ins Online-Redaktionssystem umgezogen.


Für unsere tägliche Arbeit ändert sich deshalb nicht viel – außer, dass der eine oder die andere vielleicht ein paar Mal den Reflex unterdrücken muss, kurz „Guckst du mal eben?“ ins Nachbarzimmer zu rufen. Eine Zeitschrift kann man – Telefon und Internet sei dank – auch in kompletter Vereinzelung problemlos produzieren.

Damit haben wir es besser als die meisten unserer Leserinnen und Leser. Denn Trainings, Coachings, Seminare oder Workshops lassen sich nicht ganz so einfach digitalisieren, vor allem nicht ad hoc. Auch wenn es E-Learning, virtuelle Klassenräume und Webtools schon lange gibt, fremdeln immer noch viele Weiterbildungsprofis mit der digitalen Welt, wie unsere gerade erst veröffentlichte Studie „WeiterbildungsSzene Deutschland“ belegt. Viele Weiterbildungsprofis werden daher von realen Absagen und drohenden Ausgangssperren mit besonderer Wucht getroffen. Ebenso wie Fußballspiele und Industriemessen, Fachkongresse und Branchenevents, Kabarett-Abende und Gottesdienste werden auch Trainingsmaßnahmen derzeit reihenweise abgesagt, um die exponentiell ansteigende Ausbreitung einer noch weitgehend unbekannten Viruserkrankung, gegen die niemand derzeit Abwehrkräfte hat, zu stoppen.

„Die Quote liegt fast bei 100 Prozent“, weiß Stefan Gingter, der Präsident des Berufsverbandes für Training, Beratung und Coaching (BDVT), von seinen Mitgliedern zu berichten. Und diese Absagewelle läuft schon seit einigen Wochen. „Unter meinen eigenen Kunden ist beispielweise eine Bank, bei der schon seit Anfang März alle Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen abgesagt werden“, berichtet Gingter von internen Richtlinien und Reiseeinschränkungen, die Unternehmen oft schon früh zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgegeben haben.

Unter normalen Umständen würde den Weiterbildungspartnern bei solchen Absagen natürlich eine Entschädigung für die ausgefallenen Aufträge zustehen. Normal ist derzeit allerdings wenig. Daher ist sogar fraglich, ob selbst gut ausformulierte allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) mit klaren Storno-Fristen, die sich bisher gut bewährt haben, hier viel Sicherheit bieten. Denn wenn beispielsweise eine Veranstalterin die Absage nicht selbst verschuldet, muss sie für die resultierende Schäden nicht einstehen. Nur – was bedeutet „selbst verschuldet“?

„Veranstalter haben die Macht, über ihr Event zu entscheiden, wenn ihnen der Staat nicht etwas anderes gebietet“, erklärt GSA-Präsident Volker Römermann. Solange es nicht eine offizielle Anordnung zum Beispiel des lokalen Gesundheitsamtes gibt, ist eine Absage juristisch eine Ermessensentscheidung, so der praktizierende Rechtsanwalt weiter. Das Argument, dass sie nicht anders konnten, ist damit wenig valide. Eigentlich.

Allerdings, das räumt Certified Speaking Professional (CSP) Römermann ein, bleibt hier trotzdem die Frage offen, ob jemand wirklich gegen seine vertraglichen Pflichten handelt, wenn er in der aktuellen Situation eine Veranstaltung aus Vorsichtsgründen absagt. Wie schwer diese Abwägung ist, können wir selbst als Veranstalter der #PTT2020 bestätigen: Der Entschluss, das Gipfeltreffen der Weiterbildung in diesem Jahr auszusetzen und um ein komplettes Jahr zu verschieben, hat uns fast das Herz gebrochen. Auch wenn wir die Absage gleichzeitig – aus genauso tiefstem Herzen – für die einzig sinnvolle Maßnahme halten.

Wem bei ausgefallenen Seminaren oder Konferenzen eine Entschädigung zusteht, wird sich deshalb wohl nur mühsam vor Gericht klären lassen. „Rechtsprechung fehlt, viele Meinungen sind vertretbar“, betont Jurist Römermann. Ein persönliches Gespräch mit dem Kunden oder der Auftraggeberin sei oft die bessere Lösung. „Einen Ersatztermin zu finden und dann einen Großteil der rechtlich zustehenden Erstattung anzurechnen, ist in jedem Fall besser, als die Kundenbeziehung und das Honorar gänzlich zu verlieren“, meint auch BDVT-Chef Gingter.

Erst recht, da die nächsten Monate ohnehin wohl nicht einfach für Weiterbildungsprofis werden. Denn natürlich werden derzeit auch kaum neue Aufträge vergeben. Ein Kölner Trainer etwa, der normalerweise pro Jahr rund 250 Kolleginnen und Kollegen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements ausbildet, berichtet, dass er ab April überhaupt keine Buchungen mehr hat: „Und das obwohl ich im Frühsommer sonst immer sehr gut ausgelastet bin.“ Und selbst wenn die Situation im Herbst wieder besser ist – die eigene Zeit kann er dann ja nur einmal verkaufen: „Die jetzt verpassten Termine kann ich nach der Zwangspause ja nicht einfach oben drauf packen.“

Ein anderes Problem ist, dass die auftraggebenden Unternehmen ebenso unter der Krise leiden wie die Weiterbildner selbst und deshalb vermutlich zunächst erst einmal andere Sorgen haben: „Auch wenn sich die Situation wieder beruhigt haben wird, werden Unternehmen aufgrund ihrer Verluste nicht als erstes in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter investieren“, gibt etwa Stefan Rihl aus München zu bedenken. Trainerinnen oder Supervisoren werden unter der Situation daher sicher deutlich länger leiden als etwa Kleinkünstler oder Kneipenwirtinnen.

Der Münchener Seminarschauspieler und Trainer hat deshalb zusammen mit fast 5.000 anderen die Petition unterschrieben, die der BDVT initiiert hat, um ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, wie schnell die Menschen in der Weiterbildungsbranche in die Insolvenz rutschen könnten: „Um eine derzeit nicht absehbare Zeit ohne Erwerbseinkommen zu überbrücken, sind sie auf staatliche Hilfen angewiesen.“

Diese soll es auch geben, hört man derzeit von Regierungsseite. So sind schon im ersten Maßnahmenpaket, das in Rekordzeit verabschiedet wurde – dem „Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ –Freiberufler und Kleinstunternehmen sowie Solo-Selbständige ausdrücklich eingeschlossen. Zusätzlich wird derzeit offenbar ein weiteres Hilfspaket speziell für notleidende Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen geschnürt, das vorerst zehn Milliarden Euro für direkte Zuschüsse und 30 Milliarden Euro für Darlehen umfasst, berichtet heute der Deutschlandfunk. Das ist gut – für eine vollständige Erholung des Trainingsmarktes wird es aber sicher nicht sorgen können.

Weiterbildungsprofis sollten daher jetzt anfangen, sich neue Medien und Aktivitätsfelder zu erschließen – und beispielsweise Ersatz im virtuellen Klassenraum anzubieten: „Von den meisten Unternehmen wird das dankbar angenommen“, erklärt Gingter, der dies selbst als Trainer schon länger macht.

Technisch ist es das möglich – auch bei größeren Trainings und sogar Konferenzen, wie das aktuell gerade laufende Corporate Learning Camp vormacht. Coaching und Beratungsgespräche lassen sich mit ihrem Eins-zu-Eins-Format ohnehin leicht in alle gängigen Konferenztools übertragen. Fast alle Konferenztools bieten neben Gruppen-Chats beispielsweise auch die Möglichkeit, den Bildschirm wie ein Flipchart gemeinsam zu bearbeiten oder die Teilnehmenden in Kleingruppen aufzuteilen und in virtuelle Einzelräume zu schicken.

Die Gelegenheit, dies auszuprobieren, ist günstig: Die großen Anbieter der entsprechenden Software – v.a. Microsoft, Google, Cisco und Zoom – bieten derzeit besonders lange kostenlose Probe-Abonnements an oder haben die Gratisversionen ihrer Angebote deutlich ausgebaut und Beschränkungen in Zeit oder Personenanzahl vorübergehend aufgehoben. Auch wir gehen so neue Wege: Für die Bildbesprechung, die wir normalerweise gemeinsam im Besprechungsraum durchführen, haben wir jetzt eine Cloud-Lösung, die Video-Chats ermöglicht. Wie die funktioniert, wissen wir bald – nach der nächsten Bildbesprechung.

Zeit für solche Experimente sollten die Weiterbildner ja gerade jetzt haben. Statt frustriert das leere Auftragsbuch anzuschauen, kann man sich also vielleicht auch dazu entschließen, sich in eine neue Software einzuarbeiten. Und sich – schon allein zu Übungszwecken – mit Kollegen zusammenschalten, denen es ähnlich geht wie einem selbst.

Mehr dazu, wie es Weiterbildnern in der Corona-Krise geht und was zu beachten ist, berichten wir in der kommenden Ausgabe unserer Zeitschrift Training Aktuell – die komplett online und aus der Distanz heraus produziert – hoffentlich pünktlich am 30. März 2020 erscheinen wird.

Fotocredit: Christian Engels für managerSeminare, Bonn.


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, Training & Development

21. Februar 2020 | Von Nicole Bußmann

Corporate Learning 2025 (#CL2025): Vision eines neuen Lernens

Es ist selten, dass man genau benennen kann, wann eine Vision Gestalt annahm, bei der Vision „Corporate Learning 2025“ ist es aber so: Ihre Geburtsstunde war im Jahr 2017, als sich 1.600 Menschen aus Personalentwicklung und Training in einem sogenannten MOOCathon zusammenfanden. Acht Wochen lang lernten sie voneinander und diskutierten, wie organisationales Lernen in Unternehmen in Zukunft aussehen kann, ja muss. Ihre Überzeugung: Mit klassischer Personalentwicklung lassen sich die immensen Lernherausforderungen unserer dynamischen Welt nicht mehr bewerkstelligen: Zu starr, zu langsam, zu unflexibel und zu wenig passgenau sind die bekannten Weiterbildungsansätze.

Der Überzeugung folgte die Vision: eine Art Roadmap in die Zukunft der Arbeit. Einige der MOOCathon-Teilnehmenden schlossen sich nämlich zur Projektgruppe „Corporate Learning 2025“ zusammen und entwarfen ebendiese. Seitdem ist diese Vision in Arbeit, wird ergänzt, weitergedacht, fortentwickelt. Schon in fünf Jahren, so eine These, wird Lernen nicht mehr als Event im Seminarraum verstanden, sondern ist eins geworden mit dem Akt der Arbeit. „Lasst das Lernen frei“, könnte man die Vision schlagrufmäßig zusammenfassen. Folgerichtig widmet sich das nächste Großprojekt der Lerncommunity im April 2020 der Gestaltung von Lernräumen. Man darf gespannt sein.

Weitere Antworten auf die Zukunft des Lernens finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dem diesmaligen Titelthema von managerSeminare, übrigens kollaborativ zusammengetragen von vier Köpfen der Corporate Learning Community.

„Time is Honey“, „Enthetzt euch!“, „Die Uhr kann gehen“ – mit solchen Aphorismen regt Karlheinz Geißler seit mehr als 40 Jahren zur Reflexion über die Zeit an. Verschiedene Diszipilinen – etwa die Physik, die Theologie, Philosophie, Germanistik und Pädagogik – hat er zu Rate gezogen, um die Entstehung von Zeitproblemen zu untersuchen und zu verstehen. Eine seiner zentralen Erkenntnisse: Zeit ist gar nicht real. Folglich kann die Zeit selbst auch nicht verändert werden, sondern nur unsere Vorstellung von ihr.

Im April wird der Zeitforscher auf den Petersberger Trainertagen mit dem Life Achievement Award für sein Lebenswerk geehrt. Im Herbst vergangenen Jahres haben wir ihn in München getroffen und uns davon überzeugt: Geißler ist ein echter Vordenker in Sachen Zeitgestaltung. Schon sehr früh hat er Position bezogen – für einen souveränen und selbstbestimmten Umgang mit der Zeit und gegen eine permanente Optimierung, wie sie in klassischen Zeitmanagementkonzepten beschrieben wird. Geißler nutzt dafür den schönen Begriff „Zeitzufriedenheit“. Im Interview erklärt der Wirtschäftspädagoge, wie wir Zeitkompetenz aufbauen und uns mit dem Verinnen von Zeit versöhnen.


Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren, Training & Development

10. Februar 2020 | Von Redaktion

#Learntec2020: New Learning, New Dimensions

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Bildungsbereich aus? Warum braucht es New Learning? Und wie verändert sich die Rolle der Lehrenden? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum der Kongressmesse Learntec, die Ende Januar 2020 in Karlsruhe in die 28. Runde ging. managerSeminare war dabei und sprach mit Lern- und HR-Experten über ihre Einschätzungen. Dabei wurden die Konturen eines New Learnings sichtbar.

Ein Beitrag von Sascha Reimann und Nicole Bußmann

Größer, bunter, höher, cooler – so zeigte sich die Learntec Ende Januar in Karlsruhe. In zwei Hallen tummelten sich mehr als 15.000 Besucher an mehr als 400 Ausstellerständen – Rekorde in beiderlei Hinsicht. Mit Sprüchen wie „Keep on Learning“ und Hashtags wie „So lernt man morgen“ versuchten die Anbieter, (neue) Lust aufs Lernen zu machen. Und auch die Learntec-Macher hatten mit ihrer Insellandschaft im Eingangsbereich und einer coolen Party am ersten Kongressabend inklusive Besuch im Museum ein fresh-wirkendes Setting geschaffen.

Die Learntec konnte gleich in doppeltem Sinne als Trendschau fürs digitale Lernen gelten. Zum einen zeigte sie in ihrer 28. Wiederholung, wie sehr die Branche boomt und wie rasant die Bedeutung steigt, die Unternehmen dem Thema Lernen beimessen. Zum anderen zeigte sich, in welche Richtung sich das digitale Lernen entwickelt. „Die Trendthemen dieser Messe waren vor allem Virtual Reality Anwendungen, Augmented Reality und künstliche Intelligenz. Themen, die uns auch in den folgenden Jahren stark beschäftigen werden“, fasste Sünne Eichler, Mitglied im Kongress-Komitee der Learntec, die Richtung zusammen.

***************************************
Im Interview einige HR- und Lernexperten mit Statements zur Zukunft des Lernens und den Herausforderungen der Personalentwicklung:

Interviews: Nicole Bußmann, Kamera: Sarah Lambers






***************************************

Ebenso viel Bewegung wie auf der Produkt- ließ sich auf der Anwender-Seite beobachten. Für Unternehmen stellt sich schließlich die Frage, wie die technologischen Möglichkeiten so genutzt werden können, dass sie zu einer Arbeitswelt passen, die immer mehr von Digitalisierung, Agilisierung und New Work geprägt ist und in der die Zusammenarbeit mit Smart Machines und künstlicher Intelligenz zunehmend eine Rolle spielt. Vor allem in den mehr als 80 Vorträgen und Workshops im Kongress-Teil der Learntec wurde diese Frage diskutiert. Die Antworten ließen Konturen eines New Learnings erkennen.

Ein Begriff, der häufiger auf der Learntec zu hören war, lautete Lernökosystem. Damit gemeint ist keine Plattform, die von der Stange gekauft werden kann, sondern ein „vernetztes, dynamisches Zusammenspiel von Menschen, Inhalten, Technologie und Formaten, das der Weiterentwicklung von Kompetenzen dient“, wie Susanne Vehreschild von der Audi AG auf dem Kongress definierte. Wichtiger als die technische Grundlage ist für die Schaffung eines solchen Systems, Weiterbildung nicht vom Angebot her zu denken, sondern vom Lerner aus. Es gilt, eine Lernumgebung zu schaffen, im Grunde einen flexiblen Arbeitsplatz, der von den individuellen Bedürfnissen der Nutzer ausgeht und an dem permanentes und selbstorganisiertes Lernen möglich ist.

„Umgebung“ ist dabei aber nicht nur virtuell zu verstehen, sondern auch als physischer Raum, der zum Lernen genutzt werden kann. Das ist jedenfalls der Ansatz, den Sirkka Freigang vorstellte, die bei der Bosch.IO GmbH sogenannte Smart Learning Environments gestaltet und auf der Learntec im FutureLab zu finden war. SLEs sind physische Lernumgebungen, die Technologien wie das Internet der Dinge und Augmented Reality nutzen, um ortsabhängige Informationen auszuspielen und damit Lernen am Arbeitsplatz zu unterstützen. Mit dieser Technik können Mitarbeitende zum Beispiel den Status von Maschinen erfahren oder lernen, wie man sie richtig bedient. Die Grenze zwischen analog und digital soll dadurch ebenso verwischen wie die zwischen Lernen und Arbeiten.

Zu den Umrissen einer neuen Weiterbildung, wie sie auf der Learntec entworfen wurde, gehört ferner eine Kultur des „continuous learning“, in der Arbeiten und Lernen bruchlos Hand in Hand gehen. Prominenteste Vertreterin dieser Auffassung ist die Corporate Learning-Expertin Jane Hart, seit vergangenem Jahr ebenfalls Mitglied im Kongress-Komitee der Learntec. Hart zufolge kommen damit auf alle Akteure neue Aufgaben und Rollen zu. So müssen es sich die Mitarbeitenden zur Gewohnheit machen, täglich Neues zu lernen und aus der anfallenden Arbeit möglichst viel professionelle Weiterentwicklung herauszuholen. Führungskräfte müssen diesen Prozess unterstützen, indem sie Lernfähigkeit fördern und belohnen. Außerdem sollten sie ständiges Lernen vorleben, ihren Mitarbeitern die Zeiten zum Lernen einräumen und zu Reflexionen und zum Wissensaustausch ermutigen.

Besonders deutlich wandelt sich Hart zufolge die Rolle der Learning and Development Professionals. Statt Lernbedarfe zu ermitteln, Angebote zu entwickeln und Lernerfolg zu messen, kommt ihnen die Aufgabe zu, Selbstlernkompetenzen aufzubauen und -prozesse zu unterstützen, etwa indem sie täglich Micro-Learning-Angebote machen, Lernressourcen aller Art anbieten oder kuratieren. Sünne Eichler formulierte es so: „Personalentwickler und Trainer sind nicht länger die Hüter des Wissens, sondern sie sind als Lernberater und Moderatoren gefragt, Lernende dabei zu unterstützen, sich Dinge selbst zu erarbeiten.“

Mit der Rolle ändern sich auch die Arbeitsweisen von HR, wie etwa Susanne Vehreschild und Patrick Zöbisch von der Audi AG in ihrem Vortrag darlegten. Ihrer Argumentation zufolge tut auch das HR-Management gut daran, seine „Produkte“ agiler als bislang zu entwickeln und dabei die Customer bzw. Learner Journey im Auge zu behalten. So hat der Autobauer beispielsweise einen so genannten Kreathon veranstaltet, um die Kundenbedürfnisse, also die Bedürfnisse der Lernenden, zu erfassen und deren Anforderungen in User Stories und Epics abzubilden. So wird bei Audi ein Lernökosystem geschaffen, das customer/learner value wie business value hat.

Ein weiterer Eckpfeiler einer Weiterbildung für die neue Arbeitswelt bezieht sich auf das Zusammenspiel von Menschen und Smart Machines, das viele Referenten der Learntec als zunehmend wichtig erachteten. Christoph Meier vom Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St. Gallen zufolge befinden wir uns in der zweiten Welle der Digitalisierung, in der es nicht mehr nur um die Erfassung und Verarbeitung von Daten geht, sondern auch darum, sie zu verstehen, zu veredeln und aktiv zu nutzen, etwa in Form von KI-Anwendungen oder Smart Machines/Robotern.

Anders als oft in Schreckensszenarios verbreitet, geht es nicht darum, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Vielmehr verändern sich unsere Jobs, weswegen wir etwas brauchen, was Meier Fusion Skills nennt: die Fähigkeit, mit smarten Maschinen zusammenzuarbeiten. Denn wie auch der Keynote-Speaker Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz am zweiten Kongresstag betonte, sind auch die besten Maschinen nicht per se leistungsfähige Tools, sie werden es erst durch Menschen, die sie trainieren, ihnen die richtigen Fragen stellen, ihre Ergebnisse verbessern, sie steuern und weiterentwickeln.

Für Personalentwickler heißt das, dass sie diese Fusion Skills nicht nur fördern und bereitstellen müssen, sondern auch selbst auf der zweiten Welle der Digitalisierung reiten müssen. Meier zitierte an dieser Stelle Thomas H. Davenport und Julia Kirby. Laut den Autoren des Buches „Only Humans Need Apply“ haben sie – wie wir alle – fünf Möglichkeiten, die eigene Profession voranzutreiben:
_ Step in: KI-basierte Systeme und ihre Grenzen kennen und effektiv einsetzen
_ Step up: die Ergebnisse von Smart Machines bewerten und über ihren Einsatz entscheiden
_ Step aside: auf Aufgaben fokussieren, die spezifisch menschliche Kompetenzen erfordern (Kreativität, Problemlösung, Motivation etc.)
_ Step narrow: Nischen suchen, die von KI vorerst nicht beeinflusst werden können
_Step forward: Weiterentwicklung digitaler bzw. KI-basierter Systeme

In ihrer 28. Wiederholung zeigte die Learntec ein umfassendes Bild der Möglichkeiten, Chancen und Aufgaben von (Weiter)Bildung im neuen Jahrzehnt. Die Kongressmesse geht dabei selbst mutig voran: Eine neue zusätzliche Halle soll im nächsten Jahr neben dem Schwerpunkt Corporate Learning den Bereich Lifelong Learning stärker thematisieren.


Kommentar (1) | Kategorie: Lernen & Lehren, Training & Development, _erlebt, _gefilmt

  Seite 1 weiter


Aktionen

  • bewertet Wettbewerbe, Awards, Preise, Ehrungen


  • erforschtForschungs- & Studienergebnisse


  • erlebtMessen & Kongresse


  • gefilmtWeb-TV, Weiterbildungsfernsehen

Social Media

Folgen Sie uns ...

© 1996-2020, managerSeminare Verlags GmbH, Endenicher Str. 41, D-53115 Bonn



Akzeptieren

Wir setzen Analyse-Cookies ein, um Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Diese Cookies werden nicht automatisiert gesetzt. Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen finden Sie hier.