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Das Blog


18. April 2018 | Von Redaktion

#PTT2018: Fredmund Malik mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet

Obwohl schon mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, zeigte sich Fredmund Malik tief bewegt über die Ehrung mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche. Auf den Petersberger Trainertagen Ende April ließ sich der Wissenschaftler gleichsam in sein Lebenswerk wie in seine Seele schauen.

Textbeitrag von Sylvia Jumpertz und Nicole Bußmann, Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg, Schnitt: Sarah Lambers





„Ich bin berührt und gerührt“. Fredmund Malik verbeugte und bedankte sich mehrfach bei Publikum und Gremium. Angesichts der langanhaltenden Standing Ovations nach der Verleihung des Life Achievement Awards an ihn zeigte er sich tief bewegt und fügte augenzwickernd hinzu: „Ich fühle mich ermutigt, weiterzumachen, den Life Achievement Award sehe ich als Midlife-Award.“ Geehrt wurde der Leiter des Malik-Management-Zentrums in Sankt Gallen auf den Petersberger Trainertagen Mitte April für sein Lebenswerk. Vergeben wurde der Preis wie immer von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, die damit jährlich Personen auszeichnen, die sich mit ihren Denkansätzen und praxisbezogenen Modellen in besonderer Weise um die Weiterbildungsbranche verdient gemacht haben.

Malik ist so eine Person: Seine stets weiterentwickelte Managementlehre und die daraus abgeleiteten praxisbezogenen Modelle sind heute aktueller denn je, denn sie zielen genau auf die Herausforderung, die heute in aller Munde ist: den Umgang mit Komplexität. Malik ging stets davon aus, dass Komplexität nicht bekämpft, sondern genutzt werden kann. Sein langjähriger Wegbegleiter Walter Krieg machte in seiner Laudatio auf den Preisträger daher deutlich: „Management heißt nach Malik, Organisationen zu befähigen, ihrem Zweck entsprechend richtig und gut zu funktionieren und Komplexität zu nutzen – statt sie zu reduzieren.“ Malik betrachtet Management, wie Krieg weiter ausführte, stets ganzheitlich. Schon früh erkannte er, dass Betriebswirtschaft allein nicht ausreicht, um Organisationen zu managen, sondern dass Organisationen ein komplexes Geflecht sind, das am besten unter Hinzuziehung von Komplexitätswissenschaften wie Kynernetik, Systemtheorie und Bionik fassbar wird. Auch verfolgte Malik immer schon ein Managementverständnis, nach dem Aufgaben wie Leadership, Governance und Management nicht voneinander getrennt, sondern in ihrem Zusammenspiel zu betrachten sind. Und stets ging es ihm darum, Management als Beruf zu begreifen, der sich (er)lernen lässt. Als etwas, das funktioniert und Wirksamkeit erzeugt – wenn es denn vernünftigen Prinzipien folgt, die der Komplexität angemessen sind. „Konzeptionell zu erfassen, was Management in der Organisation und für die Organisation wirksam macht“, fasste Krieg zusammen, worum es Malik geht.

Tiefer in die Gedankenwelt von Fredmund Malik konnten die Kongressbesucher am zweiten Petersberger Trainertag einsteigen, als der Managementforscher seine Überlegungen zu New World und New Management ausführte. Er holte aus, er schweifte ab, er überzog gnadenlos seine Redezeit, sich aber stets vergewissernd, dass die Besucher die folgende Pausenzeit gerne zugunsten der Redezeit des Grandseigneurs verkürzten. Und das, obwohl es nicht immer leicht war, dem St. Galler Professor inhaltlich zu folgen.

Im Kern drehte sich Maliks Beitrag um die Herausforderungen der gegenwärtigen „großen Transformation“, die getrieben ist von der Digitalisierung, dem demografischen Wandel, ökologischen Problemen und ökonomischen Entwicklungen wie dem zunehmenden Preiszerfall durch neue digitale Lösungen. „Die Transformation sollte man“, so warnte Malik, „in ihrer Bedeutung besser über- als unterschätzen.“ Führungskräfte müssten sich vor allem klar machen, wie ungeheuer komplex die Systeme sind, mit denen sie es zu tun haben.

Zudem, führte Malik aus, müssten Führungskräfte die Muster von Wandelprozessen verstehen, die gesund stets in Form von S-Kurven verlaufen. Im Business ist es jedoch oft so: Es geht langsam aufwärts, dann kommt etwas Anderes, Neues im Sinne von Joseph Schumpeters kreativer Zerstörung auf, das das Alte verdrängt, und die Entwicklung bewegt sich bergab. Klug sind Unternehmen dabei oft erst hinterher – dann, wenn der entscheidende Moment, an dem sie hätten handeln können, längst verstrichen ist, die disruptive Umwälzung also stattgefunden hat.

„Man kann nicht in die Zukunft sehen“, räumte Malik ein. Doch das Problem sei ein anderes: Manager neigen dazu, die klassische S-Kurve – er veranschaulichte sie auf seinen Grafiken als rote Kurve – allzu lang zu dehnen. Man macht weiter wie bisher, steckt Energie in noch mehr von allem – noch mehr Marketing zum Beispiel – statt etwas anderes zu tun. Eine Ursache dafür seien nicht etwa dumme Manager, sondern die „herkömmlichen Navigationssysteme“, etwa Kontrollsysteme: „Sie geben systematisch irreführende Signale.“ Die Folge: Es kommt zum Kollaps. Nicht so dagegen, wenn Unternehmen früh genug etwas aufbauen, das Malik als „grüne Kurve“ bezeichnete: einen alternativen Entwicklungspfad zum bisherigen, der helfen kann, die Disruptionsphase gut zu überwinden und weiterzuwachsen, nur eben anders als bisher.

Was sie dazu brauchen, sind seiner Überzeugung nach neue Navigationssysteme. Solche komplexer, evolutionsfähiger Art. Systeme, in denen nicht ein Chef das Sagen hat, wie in der klassischen Hierarchie, die, so Malik, „Unsinn produziert“. Sondern klug vernetzte Systeme, die sich wie ein Organismus selbst organisieren können und in denen das Management die Funktion des Nervensystems übernimmt, das die Selbstorganisation durch die entsprechenden Strukturen und Regeln möglich macht. So können Organisationen schaffen, was natürliche Systeme nach den Gesetzmäßigkeiten der Kybernetik schaffen: „Zusammen tun, was bisher getrennt getan wurde, und gleichzeitig machen, was zuvor nacheinander gemacht wurde“, fasste Malik zusammen.

Was es laut Malik außer klaren Prinzipien braucht, damit solche, der Natur abgeschauten Systeme, wirksam sind, ist ein ebenfalls der Natur abgeschauter Mechanismus: der der Rückkoppelung. Das heißt: Es braucht eine gute Kommunikation mit vielen Rückmeldungen, um das System stabil und fehlerfreundlich zu halten. Denn Fehlerfreundlichkeit sei kein Freifahrschein, Fehler zu machen, betonte Malik. Sie bedeute vielmehr: „Die Planung muss robust sein gegenüber Fehlern.“ Als Beispiel für ein kybernetisches, auf Selbstorganisation setzendes System beschrieb Malik den Kreisverkehr: Hier organisiert die Struktur den Verkehr so, dass sich eine sich ständig ändernde Zahl von Verkehrsteilnehmern anhand weniger klarer Regeln selbst organisieren kann – ganz ohne Ampeln, Polizei und Co.

Die Kongressbesucher zeigten sich beeindruckt von Maliks Ausführungen. Und er bot an, seine PowerPoint-Folien zur Verfügung zu stellen. Dutzende von Visitenkarten gingen in seine Hände, so viele, bis er streikte und den Versand in die Hände des Veranstalters legte. Eine kluge, Komplexität vermeidende Entscheidung.


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19. Januar 2018 | Von Nicole Bußmann

Die Arbeitswelt 4.0 und ihre Mythen

MS239-TitelBehäbige Hierarchien, erstarrte Organisationsstrukturen, träge Prozesse, eine altmodische Führung… Die Schuldigen sind schnell benannt, wenn es darum geht, zu erklären, woran Unternehmen heutzutage kranken. Warum ihnen Innovationskraft fehlt und sie Veränderungen verschlafen. Auch die Lösung scheint bereits bekannt: Sie lautet Selbstorganisation. Zumindest gilt sie zurzeit als das vielversprechendste Mittel für Unternehmen, um sich für die Herausforderungen der Digitalisierung und des disruptiven Wandels zu wappnen.

Das Dumme daran: Die Lösung ist gleichzeitig auch ein Problem. Denn wer von Selbstorganisation redet, muss noch lange nicht wissen, wovon er spricht. Das Konzept wird in vielerlei Hinsicht missverstanden, ist die Beobachtung von Julia Culen. Der Beraterin zur Folge kursieren falsche Vorstellungen ebenso wie überzogene Erwartungen – sowohl in Unternehmen als auch unter Beratern. So ist Selbstorganisation keineswegs eine Erfindung der so genannten New Work. Selbstorganisation gibt es auch in hierarchischen Unternehmen. Und auch anders herum wird kein Schuh daraus: Nur weil ein Unternehmen seine Chefs entmachtet, regiert nicht automatisch die Selbstorganisation. Selbstorganisation gibt es nicht auf Anordnung, ebenso wenig führt sie automatisch zu Innovation und Markterfolg. Welche Mythen sich am hartnäckigsten halten und so den Erfolg von Agilisierung gefährden, hat Culen in zehn Punkten zusammengefasst, nachzulesen in dem diesmaligen Titelthema von managerSeminare.

Wirtschaft lässt sich nicht allein mit Hilfe der Betriebswirtschaftslehre verstehen. Vielmehr bedarf es dafür eines breiten, eines ganzheitlichen Blicks. Einer der Pioniere dieser Erkenntnis ist Fredmund Malik. Seit über 40 Jahren erforscht er, wie Organisationen funktionieren und am besten durch ihre Umwelt navigieren. Aufsattelnd auf Disziplinen wie der Kybernetik, der Systemtheorie und der Bionik hat der österreichische Wirtschaftswissenschaftler zahlreiche systemische Führungsmodelle und Managementtechniken entwickelt, die heute weltweit angewendet werden. Für seine Verdienste wird Malik im April mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet. Im Herbst vergangenen Jahres konnte ich ihn an seiner Wirkstätte in St. Gallen treffen. Das Ergebnis: ein Interview, bei dem er auf die aktuellen großen Fragen von Führung und Management blickt – etwa auf die nach dem Umgang mit Komplexität. Hier nachzulesen.


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16. Januar 2018 | Von Nicole Bußmann

Fredmund Malik erhält den Life Achievement Award der Weiterbildung

Er ist einer der bekanntesten Management-Experten Europas, seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, für seine Modelle gewann er diverse Preise: Die Rede ist von Fredmund Malik. Nun kommt noch eine Auszeichnung hinzu. Für seine Verdienste in der Management-Lehre wird dem Wirtschaftswissenschaftler im April 2018 der Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche verliehen. Im Herbst vergangenen Jahrens trafen meine Kollegen und ich Malik an seiner Wirkungsstätte in St. Gallen zum Interview.

_MG_2871Als ich 17 Jahre alt war, schenkte mir meine Mutter Peter Druckers Buch ‚Die Praxis des Managements‘. Ich habe das damals zwar nicht wirklich verstanden, aber irgendwie hat es mich fasziniert.“ Fredmund Malik blickt zurück in die Vergangenheit, erzählt mir beim Interview, wer ihn beeindruckt und beeinflusst hat. Neben Peter Drucker sind das weitere Pioniere gewesen. Etwa Hans Ulrich, sein akademischer Mentor an der Hochschule St. Gallen. Und sein Kollege Walter Krieg. Zusammen stellten sie sich in den späten 60iger-Jahren die Frage, ob die Betriebswirtschaftslehre, so wichtig sie auch sein mag, als Grundlagenwissenschaft fürs Management wirklich ausreicht.

Die Antwort damals lautete „nein“, fündig wurden die Wirtschaftswissenschaftler indes bei den damals entstehenden Systemwissenschaften. Sie stießen auf die Kybernetik und die Bionik und knüpften mit ihren Gedanken an die von Größen wie Stafford Beer, Heinz von Foerster, Frederic Vester und Gregory Bateson an, um nur einige von Maliks Inspirationsquellen zu nennen.

So wurden die Systemtheorie, die Kybernetik und Bionik zu den Grundlagen des St. Galler Management-Modells, an das man sofort denkt, wenn man den Namen Malik hört. Bis heute ist der Österreicher eng mit dem St. Galler Managementmodell verbunden, er hat an dessen Entstehung, Verbreitung und Weiterentwicklung entscheidend mitgewirkt. 1978 habilitierte Malik mit einer Arbeit über die „Strategie des komplexen Managements“. Heute gelten insbesondere seine Erkenntnisse zum Umgang mit Komplexität in der Managementlehre als richtungsweisend. „Aus der Biologie wissen wir: Alle höheren Denkleistungen – Bewusstsein, Emotionalität, Kreativität, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit… – resultieren aus höherer Komplexität. Komplexität ist so betrachtet ein Rohstoff, für Unternehmen kann sie zur Quelle eines neuen Reichtums werden“, zeigt sich Malik überzeugt. Der Managementexperte sieht sowohl den Auslöser als auch die Antwort auf die Komplexität in der Vernetzung. Vorausgesetzt: Die Vernetzung ist „richtig“.

_MG_2831-1Für die „richtige“ Vernetzung nutzt Malik die Methode der Syntegration, die auf den Managementkybernetiker Stafford Beer zurückgeht. Dabei werden die Perspektiven von maximal 42 Personen in einem Minimum an Zeit so vernetzt, dass ein Maximum an Informationstransfer entsteht. Als Strukturmodell dient dafür das Ikosaeder (im Bild vorne), ein Körper, der sich aus 20 gleichschenkligen Dreiecken zusammensetzt. Er symbolisiert zum einen die Gleichberechtigung aller in der Zusammenarbeit, zum anderen die Gestaltung dieser Zusammenarbeit als hierarchiefreien Prozess.

Malik lehrte als Professor an den Universitäten St. Gallen, Innsbruck und Wien sowie in Peking. Und auch als Unternehmer ist Malik international erfolgreich. Er unterhält neben seinem Sitz in St. Gallen Dependancen in Zürich, Wien, Berlin, London, Peking und Toronto. Insgesamt hat er mehr als zehn Bücher geschrieben, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, unter anderem in Chinesisch und Russisch. Seit der Veröffentlichung seines Bestsellers „Führen. Leisten. Leben“ gilt Malik als einer der führenden Managementvordenker in Europa, als ein Vordenker des systemorientierten Managements. Peter F. Drucker beschrieb ihn zu seinen Lebzeiten als „die wichtigste Stimme in Theorie und Praxis des Managements in Europa“.

Maliks Verdienst besteht nach Ansicht der Jury des Life Achievement Awards in seinem ganzheitlichen Managementverständnis. Er hat nicht nur beschrieben, was richtiges und gutes Management ist und damit die Grundlage für die Reflexion desselben geschaffen, sondern auch Methoden entwickelt, Management wirksam umzusetzen. „Malik kann als profunder Kenner des Managements gelten, er ist nicht nur Berater, Trainer und Autor, sondern selbst auch erfolgreicher Unternehmer“, begründet das LAA-Gremium die Wahl des österreichischen Wissenschaftlers.

„Maliks Wirken und Werk weist eine ungewöhnliche Breite und Tiefe auf und verbindet wissenschaftliche Fundierung, methodisch-konzeptionelle Durchdringung und praxisorientierte Anwendung in einmaliger Art und Weise“, urteilt Walter Krieg. Der langjährige Wegbegleiter Maliks ist Mitglied des Verwaltungsrats vom Institut Malik und wird die Laudatio auf den Österreicher bei seiner Ehrung mit dem Life Achievement Award halten. Sie findet auf den Petersberger Trainertagen am 13. April 2018 in Bonn statt. Malik selbst gibt am Folgetag einen Einblick in seine Lehre und sein Denken. Unter dem Titel „New World – New Management“ beschreibt er, wie er Management in unserer neuen Welt versteht: als gesellschaftliche Funktion, Komplexität zu nutzen – um die Welt neu zu denken und zu gestalten.

Einen kleinen Vorgeschmack auf Malik liefert der Interviewzusammenschnitt:





Ein ausführliches Interview erscheint in der nächsten Ausgabe von managerSeminare.
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Der Life Achievement Award (LAA) wird jährlich von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, verliehen. Dazu gehören: Anja Myrdal, Vizepräsidentin Wirtschaft des DVWO Dachverband der Weiterbildungsorganisationen, Nicole Bußmann, Chefredakteurin im Verlag managerSeminare, Gerd Kulhavy, Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence, André Jünger, Inhaber des Gabal Verlags und Vizepräsident des didacta Verbands, sowie Andreas Buhr, Past President der German Speakers Association. Verliehen wird der Preis auf den Petersberger Trainertagen in Bonn. Der Weiterbildungskongress wird von der managerSeminare Verlags GmbH ausgerichtet.
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9. Mai 2017 | Von Nicole Bußmann

Sven Franke: „Beim Thema Menschenbild stecken wir noch in den Kinderschuhen“

BlogMit den Dokumentationsfilmen AUGENHÖHE und AugenhöheWEGE ist eine Diskussion über den Wandel der Arbeitswelt und der Führung in Gang gesetzt worden. Ihr Mitiniator Sven Franke ist Ende März 2017 mit dem New Worker Award ausgezeichnet worden. managerSeminare sprach mit ihm über den Preis, sein Beraterverständnis, drängende Fragen und die Zukunft.

Herr Franke, Ende März sind Sie – gemeinsam mit einigen anderen – mit dem Award „New Worker des Jahres“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Seit vier Jahren werden mit dem New Work Award von XING Unternehmen ausgezeichnet, die Vorbilder für die Zukunft sind und im Zuge des Wandels der Arbeitswelt schon heute ein Zeichen setzen. Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr auch Ideengeber und Vordenker, die mit ihrem Schaffen sinnbildlich für die neue Arbeitswelt stehen, ausgezeichnet. Zu den ersten Preisträgern dieser neu geschaffenen Kategorie zu gehören ist eine wunderbare Auszeichnung. Sie zeigt für mich, dass ich mit dem, was ich tue, auf dem richtigen Weg bin, und das spornt mich weiter an.

Würden Sie sich selbst als New Worker bezeichnen?

Thomas Sattelberger hat in seiner Laudatio für die New Worker die Preisträger wie folgt beschrieben: „Es sind nicht Unternehmen, die New Work machen. Es sind die selbstbewussten Persönlichkeiten, Evangelisten, Rebellen, Partisanen, Brückenbauer, Intrapreneure und Solo-Selbständige.“ Wenn ich diese Beschreibung zu Grunde lege, kann ich sagen, ja ich bin ein New Worker.

Was unterscheidet Sie von anderen Change-Beratern?

… dass ich mich nicht als Berater sehe. Kürzlich wurde ich sogar als Anti-Berater beschrieben. Das passt schon besser, auch wenn es vielleicht etwas überspitzt ist. Beispiel: mein wenig angepasstes Outfit. Wenn man in Pulli und Jeans zu Veranstaltungen oder einem Termin bei Vorständen geht, dann irritiert das heute immer noch viele. Es zeigt aber, dass mich als Mensch einbringe, mit meiner Kompetenz und Persönlichkeit, ich verstecke mich nicht hinter einer uniformen und konformen Kleidung. Zudem bin ich – und übrigens auch meine Kollegin von CO:X – überzeugt, dass kein Berater die Kultur eines Unternehmens verändert. Wir wissen nicht, was das Beste für die Organisation ist, das können nur die Menschen in der Organisation herausfinden. Wir sind dabei Begleiter, Sparringspartner, kritischer Freund – wir spiegeln, hinterfragen, irritieren und sprechen Dinge aus, die sich Menschen in der Organisation nicht trauen zu sagen. So durchbrechen wir Muster und schaffen damit unerwartete Räume für neue Wege. Und genau das ist die Mission von CO:X, meiner frisch gegründeten Unternehmung: neue Möglichkeitsräume für Organisationen zu schaffen.

Was bringt denn so ein Award? Abgesehen vom persönlichen Ruhm…

Der Award bringt noch mehr Sichtbarkeit für die Themen, die mich bewegen. Sei es das große Thema Augenhöhe, sei es das Thema Unternehmensbegleitung oder sei es das neue Thema MitbestimmungPLUS, bei dem die zukunftsfähige Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern im Fokus steht.

Das Projekt AUGENHÖHE, das Sie gemeinsam mit anderen an den Start gebracht haben, besteht inzwischen aus weit mehr als den Filmen…

Durch unsere Entscheidung, unsere Filme für nicht-kommerzielle Veranstaltungen kostenfrei zur Verfügung zu stellen, wurde ein sehr breiter Dialog angeregt. Inzwischen können wir auf über 500 Veranstaltungen verweisen. Gleichzeitig ermöglichte unser sehr offener Umgang mit der Community, dass ein Raum entstand für neue Ideen. Schöne Beispiele sind hier die AUGENHÖHEcamps, eine Mischung aus Barcamp und Open Space, bei denen von uns nur ein Rahmen vorgegeben wird, den jeder aber nehmen und umsetzen kann. Aber auch ein neues Format AUGENHÖHElive, welches in der Regionalgruppe in München entstanden ist und in den nächsten Tagen zum zweiten Mal durchgeführt wird. Dort kann man Pioniere der Augenhöhe-Bewegung live erleben und mit ihnen ins Gespräch kommen. Was mich aber besonders freut, ist, dass inzwischen erste Unternehmen auf uns zukommen, die von AUGENHÖHE in ihrer Kulturentwicklung beeinflusst wurden. Und es dabei geschafft haben, ihren ganz individuellen Weg zu finden.

Wenn Sie auf die Anfänge zurückblicken: Was hat sich getan? Bezogen auf die Unternehmenswelt, den Umgang miteinander…

Spannende Frage. Als die Idee im Dezember 2013 zu dem ersten AUGENHÖHE Film entstand, hat kaum einer von Augenhöhe im Zusammenhang mit Wirtschaft oder dem Unternehmenskontext gesprochen. Einige Beispiele wie Premium Cola u.a. mit dem Einheitslohn wurden bei der Premiere als Sozialromantik abgetan. Zwei Jahre später berät Uwe Lübbermann (Zentraler Moderator von Premium) Konzerne und Behörden zum Thema Unternehmenskultur. Nicht zu vergessen, dass es in der Schweiz in der Zwischenzeit einen Volksentscheid zum bedingungslosen Grundeinkommen gegeben hat. Wenn wir aktuell auf das Thema Augenhöhe schauen, ist der Begriff bei vielen Unternehmen in den Köpfen und in den Wortschatz übergegangen. Jetzt heißt es, sich an die Umsetzung zu machen und sich von möglichen Blaupausen zu verabschieden und den eigenen Weg zu finden.

Woran scheitert das häufig in der Beratungs- bzw. Begleitungsarbeit?

Ganz klar: am fehlenden Mut und Selbstvertrauen der Kunden.

Dieses Jahr waren Sie zum dritten Mal bei den Petersberger Trainertagen. Und wiederum haben über 80 Teilnehmer den Special-Shortcut von AUGENHÖHEwege sehen wollen. Was für Fragen wurden im Anschluss gestellt? Worum ging es hauptsächlich in der Diskussion?

Erst einmal danke an dieser Stelle, dass wir drei Jahre in Folge dabei sein konnten. Dieses Jahr hatten wir einen 20 min Shortcut aus dem Konzernumfeld im Gepäck, den wir zur Diskussion gestellt haben. Folgende Fragen standen dabei im Fokus:

– Wie kann die Übernahme von Verantwortung gelingen?
– Will jeder Mitarbeiter wirklich Verantwortung haben oder gibt es auch die anderen?
– Was braucht es, damit Teams Verantwortung übernehmen?
– Welche Rolle spielen Trainer und Coachs?
– Wie entwickelt sich die Rolle Führungskraft?
– Brauchen wir neue Formen der Entlohnung?

Schon allein an der Vielzahl der Fragen lässt sich ablesen, wie intensiv die Diskussion geführt wurde. Besonders bei den Fragen und Diskussionen rund um Verantwortung und Verantwortungsübernahme zeigte sich für mich, wie wir beim Thema Menschenbild noch in den Kinderschuhen stecken.

Was wünschen Sie sich von den Change-Beratern in Deutschland?

Die Erkenntnis und Ehrlichkeit darüber, dass Change kein Projekt mit einem definierten Ende nach zwei Jahren ist.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft in Bezug auf die AUGENHÖHE-Bewegung?

Was uns bis hierhin gebracht hat, ist eine große Offenheit, Menschen einzubinden und Menschen Raum zu geben, AUGENHÖHE gemeinsam mit uns in die Welt zu tragen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir weiter gedankliche Mauern einreißen und das nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Bildungswelt, mit AUGENHÖHEmachtSchule.

*****
Foto: Die ausgezeichneten New Worker auf dem XING-Event. Sven Franke ist der zweite von links, ganz rechts steht der Jury-Vorsitzende Thomas Sattelberger.
Quelle: XING


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4. April 2017 | Von Redaktion

Friedrich Glasl mit Life Achievement Award ausgezeichnet

Wer an Konflikte denkt, denkt an Friedrich Glasl – zumindest dann, wenn er sie professionell lösen will. Was auf Führungskräfte ebenso wie auf Berater und Coachs zutreffen wird. Die Weiterbildungsbranche hat dem Ökonom daher viel zu verdanken: Durch seine Arbeiten hat er wie kein anderer die Konfliktforschung geprägt und wegweisende Methoden für die Mediation entwickelt. Etwa das Stufenmodell, das bei der Analyse und Bearbeitung von Konflikten nicht mehr wegzudenken ist. Für diese Leistungen ist der Österreicher am 31. März 2017 mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet worden.

Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg





Der Preis für das Lebenswerk wurde zum elften Mal von einem Gremium führender Vertreter der Weiterbildungsbranche vergeben. Rund 460 Weiterbildner und Personalentwickler verfolgten die Ehrung des Konfliktforschers auf der Branchenveranstaltung Petersberger Trainertage in Bonn. Die Laudatio auf den Preisträger hielt Marlies Fröse, Professorin für Personal- und Organisationsentwicklung in Dresden. „Seine Konzepte und Modelle sind bei der Analyse und Bearbeitung von Konflikten nicht mehr wegzudenken“, würdigte die Organisationsentwicklerin die Leistungen des 75-jährigen. „Konfliktlösungskompetenz ist eine elementar wichtige Kompetenz für Führungskräfte. Durch Glasls Modelle ist es ihnen möglich, eigene und fremde Konfliktmuster zu erkennen und ebenso reflektiert wie deeskalierend zu handeln“, unterstrich Gremiumsmitglied Nicole Bußmann.

Von der Auszeichnung bei der Preisverleihung zeigte sich Friedrich Glasl tief bewegt: „Die Ehrung bedeutet mir sehr viel. Ich betrachte sie aber nicht als Abrundung meines Lebenswerks, sondern als Vorschuss – denn ich habe noch einiges vor“, sagte der Konfliktberater in seiner Dankesrede. In seiner Keynote am zweiten Veranstaltungstag gab Glasl, der in Unternehmen und Organisationen aller Größenordnungen genauso wie auf internationaler Bühne bei Bürgerkriegen und Konflikten zwischen Staaten tätig ist, einen Einblick in die systemtheoretisch-evolutionäre Konfliktbearbeitung.

*******
Der Life Achievement Award (LAA) ehrt das Lebenswerk eines Trainers, Coachs, Speakers, Autors, Wissenschaftlers oder einer Bildungsorganisation und gilt als eine der höchsten Auszeichnungen in der Weiterbildungsbranche. Die Nominierung des Preisträgers obliegt dem LAA-Gremium. Mitglieder des Gremiums sind: Renate Richter (Vizepräsidentin des Dachverbandes der Weiterbildungsorganisationen (DVWO)), Nicole Bußmann (Chefredakteurin der managerSeminare Verlags GmbH), Gerd Kulhavy (Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence), André Jünger (Inhaber des Gabal Verlags und Vorstandsmitglied des Didacta-Verbandes) sowie Prof. Dr. Lothar Seiwert (Keynote Speaker und Ehrenpräsident der German Speakers Association e.V.). Der Preis wird jährlich auf den Petersberger Trainertagen verliehen. Die bisherigen LAA-Preisträger sind: Nikolaus B. Enkelmann, Prof. Dr. Lothar Seiwert, Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Prof. h.c. Wolfgang Mewes, Dr. Gunther Schmidt, Prof. Dr. Geert Hofstede, Tony Buzan, Dr. Bernd Schmid, Robert Dilts und Manfred Kets de Vries.


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