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Das Blog


9. Mai 2017 | Von Nicole Bußmann

Sven Franke: „Beim Thema Menschenbild stecken wir noch in den Kinderschuhen“

BlogMit den Dokumentationsfilmen AUGENHÖHE und AugenhöheWEGE ist eine Diskussion über den Wandel der Arbeitswelt und der Führung in Gang gesetzt worden. Ihr Mitiniator Sven Franke ist Ende März 2017 mit dem New Worker Award ausgezeichnet worden. managerSeminare sprach mit ihm über den Preis, sein Beraterverständnis, drängende Fragen und die Zukunft.

Herr Franke, Ende März sind Sie – gemeinsam mit einigen anderen – mit dem Award „New Worker des Jahres“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Seit vier Jahren werden mit dem New Work Award von XING Unternehmen ausgezeichnet, die Vorbilder für die Zukunft sind und im Zuge des Wandels der Arbeitswelt schon heute ein Zeichen setzen. Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr auch Ideengeber und Vordenker, die mit ihrem Schaffen sinnbildlich für die neue Arbeitswelt stehen, ausgezeichnet. Zu den ersten Preisträgern dieser neu geschaffenen Kategorie zu gehören ist eine wunderbare Auszeichnung. Sie zeigt für mich, dass ich mit dem, was ich tue, auf dem richtigen Weg bin, und das spornt mich weiter an.

Würden Sie sich selbst als New Worker bezeichnen?

Thomas Sattelberger hat in seiner Laudatio für die New Worker die Preisträger wie folgt beschrieben: „Es sind nicht Unternehmen, die New Work machen. Es sind die selbstbewussten Persönlichkeiten, Evangelisten, Rebellen, Partisanen, Brückenbauer, Intrapreneure und Solo-Selbständige.“ Wenn ich diese Beschreibung zu Grunde lege, kann ich sagen, ja ich bin ein New Worker.

Was unterscheidet Sie von anderen Change-Beratern?

… dass ich mich nicht als Berater sehe. Kürzlich wurde ich sogar als Anti-Berater beschrieben. Das passt schon besser, auch wenn es vielleicht etwas überspitzt ist. Beispiel: mein wenig angepasstes Outfit. Wenn man in Pulli und Jeans zu Veranstaltungen oder einem Termin bei Vorständen geht, dann irritiert das heute immer noch viele. Es zeigt aber, dass mich als Mensch einbringe, mit meiner Kompetenz und Persönlichkeit, ich verstecke mich nicht hinter einer uniformen und konformen Kleidung. Zudem bin ich – und übrigens auch meine Kollegin von CO:X – überzeugt, dass kein Berater die Kultur eines Unternehmens verändert. Wir wissen nicht, was das Beste für die Organisation ist, das können nur die Menschen in der Organisation herausfinden. Wir sind dabei Begleiter, Sparringspartner, kritischer Freund – wir spiegeln, hinterfragen, irritieren und sprechen Dinge aus, die sich Menschen in der Organisation nicht trauen zu sagen. So durchbrechen wir Muster und schaffen damit unerwartete Räume für neue Wege. Und genau das ist die Mission von CO:X, meiner frisch gegründeten Unternehmung: neue Möglichkeitsräume für Organisationen zu schaffen.

Was bringt denn so ein Award? Abgesehen vom persönlichen Ruhm…

Der Award bringt noch mehr Sichtbarkeit für die Themen, die mich bewegen. Sei es das große Thema Augenhöhe, sei es das Thema Unternehmensbegleitung oder sei es das neue Thema MitbestimmungPLUS, bei dem die zukunftsfähige Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern im Fokus steht.

Das Projekt AUGENHÖHE, das Sie gemeinsam mit anderen an den Start gebracht haben, besteht inzwischen aus weit mehr als den Filmen…

Durch unsere Entscheidung, unsere Filme für nicht-kommerzielle Veranstaltungen kostenfrei zur Verfügung zu stellen, wurde ein sehr breiter Dialog angeregt. Inzwischen können wir auf über 500 Veranstaltungen verweisen. Gleichzeitig ermöglichte unser sehr offener Umgang mit der Community, dass ein Raum entstand für neue Ideen. Schöne Beispiele sind hier die AUGENHÖHEcamps, eine Mischung aus Barcamp und Open Space, bei denen von uns nur ein Rahmen vorgegeben wird, den jeder aber nehmen und umsetzen kann. Aber auch ein neues Format AUGENHÖHElive, welches in der Regionalgruppe in München entstanden ist und in den nächsten Tagen zum zweiten Mal durchgeführt wird. Dort kann man Pioniere der Augenhöhe-Bewegung live erleben und mit ihnen ins Gespräch kommen. Was mich aber besonders freut, ist, dass inzwischen erste Unternehmen auf uns zukommen, die von AUGENHÖHE in ihrer Kulturentwicklung beeinflusst wurden. Und es dabei geschafft haben, ihren ganz individuellen Weg zu finden.

Wenn Sie auf die Anfänge zurückblicken: Was hat sich getan? Bezogen auf die Unternehmenswelt, den Umgang miteinander…

Spannende Frage. Als die Idee im Dezember 2013 zu dem ersten AUGENHÖHE Film entstand, hat kaum einer von Augenhöhe im Zusammenhang mit Wirtschaft oder dem Unternehmenskontext gesprochen. Einige Beispiele wie Premium Cola u.a. mit dem Einheitslohn wurden bei der Premiere als Sozialromantik abgetan. Zwei Jahre später berät Uwe Lübbermann (Zentraler Moderator von Premium) Konzerne und Behörden zum Thema Unternehmenskultur. Nicht zu vergessen, dass es in der Schweiz in der Zwischenzeit einen Volksentscheid zum bedingungslosen Grundeinkommen gegeben hat. Wenn wir aktuell auf das Thema Augenhöhe schauen, ist der Begriff bei vielen Unternehmen in den Köpfen und in den Wortschatz übergegangen. Jetzt heißt es, sich an die Umsetzung zu machen und sich von möglichen Blaupausen zu verabschieden und den eigenen Weg zu finden.

Woran scheitert das häufig in der Beratungs- bzw. Begleitungsarbeit?

Ganz klar: am fehlenden Mut und Selbstvertrauen der Kunden.

Dieses Jahr waren Sie zum dritten Mal bei den Petersberger Trainertagen. Und wiederum haben über 80 Teilnehmer den Special-Shortcut von AUGENHÖHEwege sehen wollen. Was für Fragen wurden im Anschluss gestellt? Worum ging es hauptsächlich in der Diskussion?

Erst einmal danke an dieser Stelle, dass wir drei Jahre in Folge dabei sein konnten. Dieses Jahr hatten wir einen 20 min Shortcut aus dem Konzernumfeld im Gepäck, den wir zur Diskussion gestellt haben. Folgende Fragen standen dabei im Fokus:

– Wie kann die Übernahme von Verantwortung gelingen?
– Will jeder Mitarbeiter wirklich Verantwortung haben oder gibt es auch die anderen?
– Was braucht es, damit Teams Verantwortung übernehmen?
– Welche Rolle spielen Trainer und Coachs?
– Wie entwickelt sich die Rolle Führungskraft?
– Brauchen wir neue Formen der Entlohnung?

Schon allein an der Vielzahl der Fragen lässt sich ablesen, wie intensiv die Diskussion geführt wurde. Besonders bei den Fragen und Diskussionen rund um Verantwortung und Verantwortungsübernahme zeigte sich für mich, wie wir beim Thema Menschenbild noch in den Kinderschuhen stecken.

Was wünschen Sie sich von den Change-Beratern in Deutschland?

Die Erkenntnis und Ehrlichkeit darüber, dass Change kein Projekt mit einem definierten Ende nach zwei Jahren ist.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft in Bezug auf die AUGENHÖHE-Bewegung?

Was uns bis hierhin gebracht hat, ist eine große Offenheit, Menschen einzubinden und Menschen Raum zu geben, AUGENHÖHE gemeinsam mit uns in die Welt zu tragen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir weiter gedankliche Mauern einreißen und das nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Bildungswelt, mit AUGENHÖHEmachtSchule.

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Foto: Die ausgezeichneten New Worker auf dem XING-Event. Sven Franke ist der zweite von links, ganz rechts steht der Jury-Vorsitzende Thomas Sattelberger.
Quelle: XING


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4. April 2017 | Von Redaktion

Friedrich Glasl mit Life Achievement Award ausgezeichnet

Wer an Konflikte denkt, denkt an Friedrich Glasl – zumindest dann, wenn er sie professionell lösen will. Was auf Führungskräfte ebenso wie auf Berater und Coachs zutreffen wird. Die Weiterbildungsbranche hat dem Ökonom daher viel zu verdanken: Durch seine Arbeiten hat er wie kein anderer die Konfliktforschung geprägt und wegweisende Methoden für die Mediation entwickelt. Etwa das Stufenmodell, das bei der Analyse und Bearbeitung von Konflikten nicht mehr wegzudenken ist. Für diese Leistungen ist der Österreicher am 31. März 2017 mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet worden.

Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg





Der Preis für das Lebenswerk wurde zum elften Mal von einem Gremium führender Vertreter der Weiterbildungsbranche vergeben. Rund 460 Weiterbildner und Personalentwickler verfolgten die Ehrung des Konfliktforschers auf der Branchenveranstaltung Petersberger Trainertage in Bonn. Die Laudatio auf den Preisträger hielt Marlies Fröse, Professorin für Personal- und Organisationsentwicklung in Dresden. „Seine Konzepte und Modelle sind bei der Analyse und Bearbeitung von Konflikten nicht mehr wegzudenken“, würdigte die Organisationsentwicklerin die Leistungen des 75-jährigen. „Konfliktlösungskompetenz ist eine elementar wichtige Kompetenz für Führungskräfte. Durch Glasls Modelle ist es ihnen möglich, eigene und fremde Konfliktmuster zu erkennen und ebenso reflektiert wie deeskalierend zu handeln“, unterstrich Gremiumsmitglied Nicole Bußmann.

Von der Auszeichnung bei der Preisverleihung zeigte sich Friedrich Glasl tief bewegt: „Die Ehrung bedeutet mir sehr viel. Ich betrachte sie aber nicht als Abrundung meines Lebenswerks, sondern als Vorschuss – denn ich habe noch einiges vor“, sagte der Konfliktberater in seiner Dankesrede. In seiner Keynote am zweiten Veranstaltungstag gab Glasl, der in Unternehmen und Organisationen aller Größenordnungen genauso wie auf internationaler Bühne bei Bürgerkriegen und Konflikten zwischen Staaten tätig ist, einen Einblick in die systemtheoretisch-evolutionäre Konfliktbearbeitung.

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Der Life Achievement Award (LAA) ehrt das Lebenswerk eines Trainers, Coachs, Speakers, Autors, Wissenschaftlers oder einer Bildungsorganisation und gilt als eine der höchsten Auszeichnungen in der Weiterbildungsbranche. Die Nominierung des Preisträgers obliegt dem LAA-Gremium. Mitglieder des Gremiums sind: Renate Richter (Vizepräsidentin des Dachverbandes der Weiterbildungsorganisationen (DVWO)), Nicole Bußmann (Chefredakteurin der managerSeminare Verlags GmbH), Gerd Kulhavy (Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence), André Jünger (Inhaber des Gabal Verlags und Vorstandsmitglied des Didacta-Verbandes) sowie Prof. Dr. Lothar Seiwert (Keynote Speaker und Ehrenpräsident der German Speakers Association e.V.). Der Preis wird jährlich auf den Petersberger Trainertagen verliehen. Die bisherigen LAA-Preisträger sind: Nikolaus B. Enkelmann, Prof. Dr. Lothar Seiwert, Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Prof. h.c. Wolfgang Mewes, Dr. Gunther Schmidt, Prof. Dr. Geert Hofstede, Tony Buzan, Dr. Bernd Schmid, Robert Dilts und Manfred Kets de Vries.


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20. Oktober 2016 | Von Nicole Bußmann

BDVT-Preis 2016: PE ist heute digital, nachhaltig, individuell

Fünf Mal Gold, sechs Mal Silber, sechs Mal Bronze – insgesamt 17 Mal wurde dieses Jahr der Europäische Preis für Training, Beratung und Coaching vergeben. Dabei wurde deutlich, was zeitgemäße Personalentwicklung ausmacht. Die Keywords lauten: digital, nachhaltig und individuell.

Bildschirmfoto 2016-10-20 um 13.36.19
Stefan Häseli hat sie gezählt: die Worte, die am häufigsten gefallen sind in den Konzepten, die eingereicht wurden für den Europäischen Preis für Training, Beratung und Coaching. Und wie könnte es anders sein in unserer Zeit: „Digital“ ist der am häufigsten gebrauchte Begriff gewesen, verriert der Vizepräsident Wirtschaft auf der feierlichen Gala des Berufsverbandes für Trainer, Berater und Coachs am 19. September in Köln, auf der die Preisträger geehrt wurden.

Das Auszählen der Begriffe mag eine Krücke gewesen sein, um den Status quo der Personalentwicklung zu umreißen, doch die Idee hatte nicht nur Charme, sondern auch bemerkenswerten Gehalt: Neben „digital“ ist Personalentwicklung heute „nachhaltig“ und „individuell“. „Change“ und „Werte“ waren zudem zwei Worte, die die Konzepteeinreicher häufig nutzten. Jurychef Häseli resümierte: „Die klassische Weiterbildung ist tot. Wer seine Auftraggebenden erfolgreich macht, steigt auf mehreren Dimensionen in die Aufgabenstellung ein und kombiniert Training, Beratung und Coaching mit digitaler Technologie zu individuellen, komplexen Konzepten, die im Projektverlauf agil an die Realität angepasst werden.“

Ein Musterbeispiel in der Umsetzung des Fazits von Häseli war die Bronze-Gewinnerin Integrata AG. Das Trainingsinstitut systematisierte den Schatz jahrzehntelanger Bildungsarbeit der BMW Group, indem es eine Wissensdatenbank für das 122.000 Beschäftigte zählende Unternehmen aufbaute. Das vorhandene Wissen im Unternehmen ist auf diese Weise verfügbar gemacht worden, Formal, Social und Workplace Learning können fortan schnell und passgenau verbunden werden. Die Jury ehrte das so genannte „agile Vorgehensmodell“ der Integrata AG aufgrund des „hohen Potenzials für eine interne Open Educational Resources-Strategie“ mit dem Sonderpreis für Innovation.

Innovation in der Personalentwicklung, so zeigte sich über alle Konzepte hinweg, heißt heute vor allem: Vernetzung von Themen und Firmen, Vernetzung von Distributionskanälen und Märkten sowie Vernetzung von Training, Beratung und Coaching. Personalentwicklung kann dabei völlig unterschiedliche Gesichter haben, was eine Vergleichbarkeit der Gewinnerkonzepte hinsichtlich betriebenem Aufwand, Größe der Teilnehmerschaft und Impact über die Kategorien hinweg unmöglich macht: So wurde etwa eine konzentrierte Reise zu sich selbst in der freien Natur geehrt, ebenso wie eine kollegiale Fallarbeit im Kloster, langjährige Großprojekte mit nachgewiesenen Umsatzsteigerungen im Verkauf standen ebenso auf dem Treppchen wie ein Azubi-Camp für die Generation Y und ein Planspiel zur Vermittlung von demokratischen Denkens – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Eine vollständige Liste mit Nennung aller Preisträger findet sich übrigens auf der Seite des BDVT. Eine Vorstellung der Gold-Preisträgerkonzepte gibt es in der nächsten Ausgabe von Training aktuell, die am 31. Oktober erscheint.

Foto: Alle Preisträger auf einen Blick: 17 Mal wurde die „Eule“ – der aus Stein gehauene Vogel der Weisheit bildet die Trophäe – vergeben.


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23. September 2016 | Von Redaktion

Otto Scharmer: „Mit der Theorie U den disruptiven Wandel bewältigen“

Der Leonardo European Corporate Learning Award zeichnet Projekte und Konzepte aus, die vorbildliche Ansätze zur Bewältigung zukünftiger Bildungsherausforderungen bieten. In diesem Jahr wurde Prof. Dr. Otto Scharmer, der Entwickler der Führungsmethode „Theorie U“, ausgezeichnet. Der MIT-Professor nahm den Award im Rahmen eines international besetzten Transfermeetings am 19. September 2016 in Bonn entgegen.

Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg.





Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski

Sie hat viele begeisterte Anhänger, vielen gilt sie aber auch als sperrig, als esoterisch gar: Die Theorie U von Wirtschaftswissenschaftler Dr. C. Otto Scharmer ist zweifellos keine einfache Kost. Denn die Führungsmethode liefert nicht einfach eine Anleitung für eine bessere Mitarbeiterführung. Sie fordert die ganze Person einer Führungskraft: Wer sie nutzt, muss sich selbst hinterfragen, sich immer wieder öffnen für neue Impulse, Meinungen, Menschen und vor allem sich auf neue – intuitivere – Wege der Wahrnehmung einlassen.

Gerade deshalb aber hielt die Jury des Europäischen Bildungspreises Leonardo Scharmers Arbeit für auszeichnungswürdig. Sie ehrte den deutschen Ökonomen, der seit rund 20 Jahren am Massachusetts Institute für Technology (MIT) forscht und lehrt, in der Kategorie „Thought Leadership“, weil er dazu herausfordert, gewohnte Denkwege zu verlassen: „Dieser Ansatz ist keine originelle neue Methode, sondern basiert auf einer profunden ganzheitlichen Analyse der Unstimmigkeiten in unserer Welt und der Herausforderungen, vor die sie uns stellen.“ Mit der Theorie U, so die Jury, liefert Scharmer dazu die dringend notwendige Orientierung auf dem Weg in die Zukunft in Form eines Führungskonzepts, das ermöglicht statt zu bestimmen.

Neben Vordenker Scharmer wurden zwei weitere Projekte ausgezeichnet: In der Kategorie „Crossing Borders“ wurden die schwedischen Gründer der Gapminder-Stiftung Prof. Dr. Hans Rosling, Ola Rosling und Anna Rosling Rönnlund geehrt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, durch eine grafisch überzeugende Aufbereitung vorhandener Daten weltweit Fehlinformationen zu beseitigen und so Vorurteile und Ängste abzubauen. Den Nachwuchspreis „Young Leonardo Award“ erhielten Vincent Zimmer und Markus Kreßler für ihre Gründung der Online-Universität Kiron Open Higher Education, die kostenfreie Bildung insbesondere für Flüchtlinge anbietet.

Vor der feierlichen Verleihung der Preise am Abend nahmen alle Preisträger auch an dem ganztägigen Transfermeeting teil, das 2016 unter dem Motto „Ignorance and Industry 4.0: A challenge for corporate learning“ stand. In einer Art „Brainstorming für eine bessere Welt“ diskutierten sie hier mit Wissenschaftlern, Bildungsexperten, Vertretern von EU und UNESCO, Führungskräften, Beratern und Corporate-Learning-Praktikern. Ebenso breit wie die internationale Beteiligung war die Bandbreite der Themen, die an den World-Café-Tischen bearbeitet wurde: Es ging um die Unterscheidung zwischen Ignoranz und Nichtwissen, um die Rolle der Medien und die Aufgabe von Führungskräften, aber auch den Brexit, sterbende Spinnen und das fehlende Verständnis zwischen Wissenschaft und Business.

Laudator für Scharmer war der Neurobiologe und Bildungsforscher Gerald Hüther. Er würdigte die Arbeit des Preisträges als zukunftsweisend: „Um im 21. Jahrhundert Erfolg zu haben, müssen wir lernen, zusammen und voneinander zu lernen. Und diese Co-Kreativität zu ermöglichen – das ist das zentrale Anliegen von Otto Scharmer und seiner Theorie U.“ Auch sah er die Arbeit von Scharmer durch die neuesten Erkenntnisse der Neurobiologie bestätigt. „Es ist nicht das Gehirn, das der Öffnung des Denkens Grenzen setzt“, betonte der Hirnforscher mit Verweis auf die Entdeckung der Neuroplastizität. Das Gehirn nämlich, so die Aussage dieses Konzepts, ist beständig formbar und wächst an seinen Erfahrungen. Und wir sind es, die dem Gehirn diese Erfahrungen zuführen – entweder unbewusst oder eben im Gegenteil ganz bewusst, durch die von der Theorie U geforderte Öffnung des Herzens und der Öffnung des Willens.


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22. Juli 2016 | Von Nicole Bußmann

Deutschland sucht den Top-Coach und die Branche steht Kopf

Auf Facebook läuft so eine Art Shitstorm. Im Zentrum stehen dabei Xing und Focus, die gemeinsam ein Siegel auf den Markt geworfen haben, das Coachs auszeichnet. Losgetreten hat die Diskussion Motivationstrainer Steve Kroeger, ein Siegel-Empfänger, der das Geschäftsmodell, das mit dem Siegel verbunden ist, öffentlich gemacht hat. Nun streitet die Branche. Für oder gegen ethisches Marketing. Um Qualität und die Hintergründe des Siegels.

Was zwanzigplus Coachingverbände nicht geschafft haben, haben jetzt Xing und Focus erreicht: ein Siegel auf den Markt geworfen, das Top-Coachs auszeichnet. Hurra. Während viele durchaus kluge Menschen sich seit Jahren die Köpfe heiß reden, wie denn Qualität von Coaching zu messen ist, über Standards und Mindestvoraussetzungen streiten, haben es sich die beiden Burda-Töchter leicht gemacht und einfach eine Umfrage aufgesetzt. Weil sie endlich Transparenz in diesen undurchsichtigen Markt bringen und den Nachfragern bei der Auswahl des richtigen Coachs behilflich sein wollen? Man darf das bezweifeln.

Seit einigen Tagen, Wochen posten Coachs ihre Auszeichnungen als Top-Coach Focus auf Facebook. Top-Coach – das klingt nach Qualität, und man wurde gewählt, das schmeichelt dem Ego. Das Schreiben, das der Urkunde beiliegt, betont das “Vertrauen von Millionen Menschen in die Kompetenz der Marke Focus”. Perfide: Während der Empfang des Siegels kostenlos ist, ist es das zur Schautragen desselben nicht. 5.000 Euro möchten die Auslober dafür haben. „Die ganze Vorauswahl ist nur ein Zwischenschritt mit dem eigentlichen Ziel, die Siegel an die Coachs zu verkaufen“, urteilt Steve Kroeger, der auf Facebook das Verfahren bekannt gemacht hat und innerhalb von 48 Stunden über 400 Sharings seines Posts bekam.

Das bringt die ungewollt in Misskredit, die es stolz gepostet haben. Happy Clappy, Gratulationen, 250 Likes später steht die Frage im Raum: Wie aussagekräftig ist die Auszeichnung? Schon im März war ein kritischer Artikel zu dem Verfahren von Coach Thomas Webers auf managementwissenonline.de erschienen. Was soll dabei herauskommen, wenn Personalverantwortlichen (den vermeintlichen Kunden) sowie den eigenen Kollegen die Frage gestellt wird: Welchen Coach würden Sie empfehlen?

Da empfiehlt dann Schmidt Schmidtchen, wobei die Tatsache übersehen oder ignoriert wird, dass es keine guten Coachs an und für sich gibt. „Es geht immer relativ um Passung von Coach, Methoden und Kontext“, schreibt Webers, und schlussfolgert: alles zu kompliziert für den Otto-Normalcoach. Und natürlich sowieso für den Nachfrager, dessen Wunsch nach eindeutigen Antworten Xing und Focus nachzugehen vorgegeben haben.

140.000 Coachs will Xing über ihre eigene Plattform identifiziert haben und zur Teilnahme an der Studie eingeladen haben. Die Zahl macht stutzig: Deutschland hat mehr 140.000 Coachs? Zudem wurden 77.000 Personalverantwortliche eingeladen, ihre Stimme abzugeben und für 15 Kategorien (Etwa Verkauf, Führung, Change…) jeweils bis zu 5 Coachs zu empfehlen. Am Ende sollen 6.800 Teilnehmer mitgemacht haben, wie viele davon Kollegen oder aber Kunden waren, ist nicht offen gelegt (Nachfragen bei Xing und Burda laufen). Genauso wenig ist öffentlich, wie viele Empfehlungen ein Coach brauchte, um als Top-Coach identifiziert zu werden oder wie viele Empfehlungen die einzelnen Coachs erzielt haben.

IMG_3131Nun ist sie aber nunmal raus, die Liste. Unterteilt nach den Kategorien sind die Coachs alphabetisch nach Ortsnamen gelistet. Ein Ranking will die Liste nach Aussage von Focus und Xing nämlich nicht sein. Warum nicht? Auch diese Antwort seitens Xing und Burda steht noch aus. Das Siegel „Top-Coach“ suggeriert ein Qualitätsversprechen, sagt bestenfalls aber aus, wie populär und vernetzt ein Coach ist, meint Stephan Gingter vom BDVT, dem Berufsverband für Trainer, Berater und Coachs. Ohnehin braucht der Markt die Auszeichnung nicht, sagt der Präsident des Verbandes, und räumt freimütig ein: „Die Auszeichnung zeigt, dass es unserer Branche bis hierhin noch nicht ausreichend gelungen ist, die richtigen Standards zu etablieren.“

Und das ist das eigentlich Traurige: Das Siegel führt die Weiterbildungsbranche regelrecht vor. Weil es bislang niemand geschafft hat, in diesen unübersichtlichen Markt eine Schneise zu schlagen, müssen sich einige Coachs ein „Qualitätssiegel“ von einem Verlag verpassen lassen, der sich bislang nicht durch Kompetenz im Weiterbildungsmarkt ausgezeichnet hat. Und das noch in dem Bewusstsein, dass sich hinter der Studie weder ein altruistisches Aufklärungsmotiv verbirgt noch eine journalistische Leistung, sondern simpel ein Geschäftsmodell.

Hat es die Branche wirklich nötig, jeden Marketingstrohhalm zu ergreifen, der ihnen vor die Nase gehalten wird?


Kommentare (6) | Kategorie: Markt & Meinung, _bewertet

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