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Das Blog


7. November 2019 | Von Redaktion

Zeitkompetenz statt Zeitmanagement: Karlheinz Geißler erhält den Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche

Der renommierte Wirtschaftspädagoge Prof. Dr. Karlheinz Geißler wird auf den Petersberger Trainertagen 2020 für sein Lebenswerk geehrt. Seine Erkenntnisse zum souveränen Umgang mit der Zeit haben die Personalentwicklung, das Management sowie Training, Beratung und Coaching entscheidend geprägt und somit die Weiterbildungsbranche maßgeblich beeinflusst.


Karlheinz Geißler ist einer der bekanntesten Zeitberater Deutschlands, wird von den Medien gerne als „Zeitforscher“ tituliert und gilt als Vordenker des achtsamen Umgangs mit der Zeit. Schon während seiner Forschungs- und Lehrtätigkeiten als Professor für Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten in Karlsruhe, Augsburg und München stellte er fest, dass alles einen Anfang und ein Ende hat und somit Zeit ist – jeder Kurs, jedes Semester und auch jeder Mensch. Weiter erkannte er: Statt Zeit bewusst zu leben, entscheidet sich der Mensch meist dafür, sie nicht zu haben
– es fehlt an Zeit, Termindruck entsteht, die Zeit verrinnt wie im Fluge. Diese Einsicht veranlasste Geißler dazu, dem Phänomen Zeit auf den Grund zu gehen und die Entstehung von Zeitproblemen zu untersuchen. Seine interdisziplinären Forschungen in Physik, Theologie, Philosophie, Germanistik und Pädagogik brachten ihn schließlich zu der Kernerkenntnis: Es ist die Vorstellung von der Zeit, die verändert werden kann, nicht die Zeit selbst – denn sie ist weder beeinflussbar noch real.

„Unser Preisträger hat schon früh Position bezogen – für einen souveränen und selbstbestimmten Umgang mit der Zeit und gegen eine permanente Optimierung, wie sie in klassischen Zeitmanagementkonzepten beschrieben wird“, erklärt Nicole Bußmann, Sprecherin des LAA-Gremiums. Gerade in unserer heutigen Ökonomie, in der sich Aufgaben immer mehr verdichten und zugleich eine hohe Geschwindigkeit gefordert ist, gilt es, flexibel zu sein und dem Gefühl von Überforderung und Ohnmacht entgegenzuwirken. Genau da setzt Geißler mit seiner Arbeit an: „Wir müssen uns bewusstmachen, von welchen Zeiten wir abhängig sind und welche wir selbst gestalten können“, erklärt der inzwischen emeritierte Professor gegenüber managerSeminare. Ist eine Selbstgestaltung möglich, können wir uns vom Takt der Uhr lösen und uns die Hoheit über die Zeit zurückerobern – zum Beispiel durch das Wahrnehmen von Gleitzeit oder eines Sabbaticals.

Schon die Änderung ganz profaner Gewohnheiten führt Geißler zufolge zum Aufbau von mehr Zeitkompetenz. Er selbst nimmt beispielsweise pro Tag nur einen Termin wahr, ist ein Fan davon, die eigene Zeit nach der Natur zu organisieren und trägt seit über 30 Jahren keine Uhr. „Die Uhr kann gehen“ ist neben „Time is Honey“ oder „Verweile doch…“ auch der Titel eines seiner bekanntesten Bücher. Zusammen mit seinem Sohn Jonas Geißler betreibt der Preisträger die Firma timesandmore. Das Münchner Institut für Zeitberatung möchte Personen in der Entwicklung ihrer Zeitkompetenzen und Unternehmen bei der Veränderung ihrer Zeitkulturen unterstützen. Karlheinz Geißler ist zudem Mitgründer der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik und Mitinitiator des Projekts „Ökologie der Zeit“ der Evangelischen Akademie Tutzing.

Geißlers Denken und Wirken wird der Astrophysiker, Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Harald Lesch in seiner Laudatio im Rahmen der Ehrung am 24. April 2020 würdigen. Am zweiten Kongresstag auf dem Petersberg halten Karlheinz und Jonas Geißler dann gemeinsam eine Keynote mit dem vielversprechenden Titel „Time is honey“.

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Der Life Achievement Award (LAA) wird jährlich von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, verliehen. Dazu gehören: Anja Myrdal, Vorstandsmitglied des DVNLP, Nicole Bußmann, Chefredakteurin im Verlag managerSeminare, Gerd Kulhavy, Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence, André Jünger, Inhaber und Geschäftsführer des Gabal Verlags und Vize-Präsident des didacta Verbands, sowie Andreas Buhr, Past President der German Speakers Association. Verliehen wird der Preis auf den Petersberger Trainertagen in Königswinter bei Bonn. Der Weiterbildungskongress wird von der managerSeminare Verlags GmbH ausgerichtet. www.life-achievement-award.de

Die Petersberger Trainertage (PTT) sind ein Kongress für Weiterbildungsprofis und Personalexperten, der seit 2005 von der managerSeminare Verlags GmbH veranstaltet wird. Die Verleihung des Life Achievement Awards ist seit 2009 auf dem Branchenevent beheimatet. 2020 finden die Petersberger Trainertage am 24. und 25. April im Steigenberger Grandhotel Petersberg statt. www.petersberger-trainertage.de

Fotocredit: Sarah Lambers, managerSeminare, Bonn.


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4. Dezember 2018 | Von Nicole Bußmann

#LAA2019: Gerhard Roth wird von der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet

Er ist einer der bedeutendsten Hirnforscher Deutschlands und gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Persönlichkeits- und Verhaltensforschung. Seine Erkenntnisse zur Persönlichkeit und zur Veränderbarkeit von Menschen haben Personalentwicklung, Führung und Management entscheidend geprägt. Die Rede ist von Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth. Für sein Lebenswerk wird der Neurobiologe auf den Petersberger Trainertagen 2019 mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet.

Über 200 Fachbeiträge und 13 Bücher hat Roth bislang veröffentlicht, darunter den Bestseller „Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern“. Das erstmals 2007 erschienene Werk bietet einen Überblick über Roths Forschungsergebnisse zur menschlichen Persönlichkeit, die nach Ansicht der Jury des Life Achievement Awards Roths besonderer Verdienst sind. Roth hat zusammen mit führenden Wissenschaftlern aus angrenzenden Fachbereichen nachgewiesen, dass die Entwicklung der menschlichen Kern-Persönlichkeit bereits in jungen Jahren weitestgehend abgeschlossen ist. Wollen oder sollen sich erwachsene Menschen verändern, ist am ehesten am individuellen Verhalten anzusetzen. Daraus folgt für die Weiterbildung: Es gibt nicht den einen Königsweg, der dazu führt, dass sich Menschen verändern. „Roth hat eines besonders deutlich gemacht: Die Vielfalt an menschlichen Persönlichkeiten erfordert auch eine Vielfalt an Weiterbildungsmethoden“, erklärt das LAA-Gremium zur Auszeichnung von Roth.

Der Frage, wie eine solche Toolbox an Methoden und Interventionsformen im Rahmen von Aus- und Weiterbildung konkret aussehen kann, geht Roth zusammen mit seinem Team im Bremer Roth Institut nach. Das Institut verfolgt dabei einen ganzheitlichen Coaching-Ansatz, der auf drei Ebenen fußt: der Ebene der Befindlichkeit, der Ebene des Verhaltens und der Ebene der Körperlichkeit. Nur wenn die Interventionen auf allen drei Ebenen greifen, kann es zu nachhaltiger Veränderung kommen.

Die Antwort auf die Frage nach der Veränderbarkeit des Menschen ist Roths eigentliches Lebenswerk. Dabei begann seine akademische Laufbahn zunächst völlig anders. Er studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Münster und Rom. Er promovierte im Fach Philosophie. Erst danach wandte er sich der Biologie zu – konkreter: den kognitiven Neurowissenschaften, der Neurophilosophie und der Persönlichkeitsforschung. Eine zweite Promotion absolvierte er in Zoologie.

Seit 1976 und über seine Pensionierung im Jahre 2008 hinaus lehrt Roth als Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie an der Universität Bremen. Zu seinen wesentlichen Publikationen zählen Titel wie „Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert“ (2001) oder „Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt“ (2011). In Kürze erscheint bei Klett-Cotta sein neuester Titel „Coaching und Beratung in der Praxis: Ein neurowissenschaftlich fundiertes Integrationsmodell“ als praxisorientierte Fortsetzung des Grundlagenwerks „Coaching, Beratung und Gehirn“ (beide Titel mit Dr. Alica Ryba als Co-Autorin).

„Roth schafft es, den Hintergrund abzubilden, vor dem wir Praktiker im Rahmen von Coaching, Beratung, Recruiting oder Changemanagement ständig agieren“, freut sich Sebastian Herbst über die Auszeichnung seines Geschäftspartners. Der Personalmanager wird die Laudatio auf Roth bei der Verleihung des Life Achievement Awards auf den Petersberger Trainertagen am 5. April 2019 halten. Roth selbst gibt am Folgetag einen Einblick in seine Forschung und seine Vorstellung von der Veränderbarkeit des Menschen.

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Der Life Achievement Award (LAA) wird jährlich von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, verliehen. Dazu gehören: Anja Myrdal, Vorstandsmitglied des DVNLP, Nicole Bußmann, Chefredakteurin im Verlag managerSeminare, Gerd Kulhavy, Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence, André Jünger, Inhaber des Gabal Verlags und Vize-Präsident des didacta Verbands, sowie Andreas Buhr, Past President der German Speakers Association. Verliehen wird der Preis auf den Petersberger Trainertagen in Königswinter bei Bonn. Der Weiterbildungskongress wird von der managerSeminare Verlags GmbH ausgerichtet.
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Die Petersberger Trainertage (#PTT) sind ein Kongress für Weiterbildungsprofis und Personalexperten, der seit 2005 von der managerSeminare Verlags GmbH veranstaltet wird. Die Verleihung des Life Achievement Awards ist seit 2009 auf dem Branchenevent beheimatet. 2019 finden die Petersberger Trainertage am 5. und 6. April im Steigenberger Grandhotel Petersberg statt. www.petersberger-trainertage.de
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Fotocredit: Sarah Lambers, managerSeminare, Bonn.


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5. November 2018 | Von Nicole Bußmann

Gerhard Roth wird mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet

Er ist einer der bedeutendsten Hirnforscher Deutschlands, seine Erkenntnisse zur Persönlichkeit, zum Entscheidungsverhalten und zur Veränderbarkeit von Menschen gelten als grundlegend und haben Personalentwicklung und Führung entscheidend geprägt. Die Rede ist von Gerhard Roth. Für sein Lebenswerk wird der Neurobiologe auf den Petersberger Trainertagen am 5. April 2019 mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet.

Interview: Nicole Bußmann, Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg








Ein ausführliches Interview mit dem Hirnfoscher erscheint in einer der nächsten Ausgaben von managerSeminare.
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Der Life Achievement Award (LAA) wird jährlich von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, verliehen. Dazu gehören: Anja Myrdal, Vorstandsmitglied des DVNLP; Nicole Bußmann, Chefredakteurin im Verlag managerSeminare; Gerd Kulhavy, Geschäftsführer der Referentenagentur Speakers Excellence; André Jünger, Inhaber des Gabal Verlags und Vizepräsident des didacta Verbands, sowie Andreas Buhr, Past President der German Speakers Association. Verliehen wird der Preis auf den Petersberger Trainertagen in Bonn. Der Weiterbildungskongress wird von der managerSeminare Verlags GmbH ausgerichtet.
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18. April 2018 | Von Redaktion

#PTT2018: Fredmund Malik mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet

Obwohl schon mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, zeigte sich Fredmund Malik tief bewegt über die Ehrung mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche. Auf den Petersberger Trainertagen Ende April ließ sich der Wissenschaftler gleichsam in sein Lebenswerk wie in seine Seele schauen.

Textbeitrag von Sylvia Jumpertz und Nicole Bußmann, Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg, Schnitt: Sarah Lambers





„Ich bin berührt und gerührt“. Fredmund Malik verbeugte und bedankte sich mehrfach bei Publikum und Gremium. Angesichts der langanhaltenden Standing Ovations nach der Verleihung des Life Achievement Awards an ihn zeigte er sich tief bewegt und fügte augenzwickernd hinzu: „Ich fühle mich ermutigt, weiterzumachen, den Life Achievement Award sehe ich als Midlife-Award.“ Geehrt wurde der Leiter des Malik-Management-Zentrums in Sankt Gallen auf den Petersberger Trainertagen Mitte April für sein Lebenswerk. Vergeben wurde der Preis wie immer von einem Gremium, bestehend aus führenden Vertretern der Weiterbildungsbranche, die damit jährlich Personen auszeichnen, die sich mit ihren Denkansätzen und praxisbezogenen Modellen in besonderer Weise um die Weiterbildungsbranche verdient gemacht haben.

Malik ist so eine Person: Seine stets weiterentwickelte Managementlehre und die daraus abgeleiteten praxisbezogenen Modelle sind heute aktueller denn je, denn sie zielen genau auf die Herausforderung, die heute in aller Munde ist: den Umgang mit Komplexität. Malik ging stets davon aus, dass Komplexität nicht bekämpft, sondern genutzt werden kann. Sein langjähriger Wegbegleiter Walter Krieg machte in seiner Laudatio auf den Preisträger daher deutlich: „Management heißt nach Malik, Organisationen zu befähigen, ihrem Zweck entsprechend richtig und gut zu funktionieren und Komplexität zu nutzen – statt sie zu reduzieren.“ Malik betrachtet Management, wie Krieg weiter ausführte, stets ganzheitlich. Schon früh erkannte er, dass Betriebswirtschaft allein nicht ausreicht, um Organisationen zu managen, sondern dass Organisationen ein komplexes Geflecht sind, das am besten unter Hinzuziehung von Komplexitätswissenschaften wie Kynernetik, Systemtheorie und Bionik fassbar wird. Auch verfolgte Malik immer schon ein Managementverständnis, nach dem Aufgaben wie Leadership, Governance und Management nicht voneinander getrennt, sondern in ihrem Zusammenspiel zu betrachten sind. Und stets ging es ihm darum, Management als Beruf zu begreifen, der sich (er)lernen lässt. Als etwas, das funktioniert und Wirksamkeit erzeugt – wenn es denn vernünftigen Prinzipien folgt, die der Komplexität angemessen sind. „Konzeptionell zu erfassen, was Management in der Organisation und für die Organisation wirksam macht“, fasste Krieg zusammen, worum es Malik geht.

Tiefer in die Gedankenwelt von Fredmund Malik konnten die Kongressbesucher am zweiten Petersberger Trainertag einsteigen, als der Managementforscher seine Überlegungen zu New World und New Management ausführte. Er holte aus, er schweifte ab, er überzog gnadenlos seine Redezeit, sich aber stets vergewissernd, dass die Besucher die folgende Pausenzeit gerne zugunsten der Redezeit des Grandseigneurs verkürzten. Und das, obwohl es nicht immer leicht war, dem St. Galler Professor inhaltlich zu folgen.

Im Kern drehte sich Maliks Beitrag um die Herausforderungen der gegenwärtigen „großen Transformation“, die getrieben ist von der Digitalisierung, dem demografischen Wandel, ökologischen Problemen und ökonomischen Entwicklungen wie dem zunehmenden Preiszerfall durch neue digitale Lösungen. „Die Transformation sollte man“, so warnte Malik, „in ihrer Bedeutung besser über- als unterschätzen.“ Führungskräfte müssten sich vor allem klar machen, wie ungeheuer komplex die Systeme sind, mit denen sie es zu tun haben.

Zudem, führte Malik aus, müssten Führungskräfte die Muster von Wandelprozessen verstehen, die gesund stets in Form von S-Kurven verlaufen. Im Business ist es jedoch oft so: Es geht langsam aufwärts, dann kommt etwas Anderes, Neues im Sinne von Joseph Schumpeters kreativer Zerstörung auf, das das Alte verdrängt, und die Entwicklung bewegt sich bergab. Klug sind Unternehmen dabei oft erst hinterher – dann, wenn der entscheidende Moment, an dem sie hätten handeln können, längst verstrichen ist, die disruptive Umwälzung also stattgefunden hat.

„Man kann nicht in die Zukunft sehen“, räumte Malik ein. Doch das Problem sei ein anderes: Manager neigen dazu, die klassische S-Kurve – er veranschaulichte sie auf seinen Grafiken als rote Kurve – allzu lang zu dehnen. Man macht weiter wie bisher, steckt Energie in noch mehr von allem – noch mehr Marketing zum Beispiel – statt etwas anderes zu tun. Eine Ursache dafür seien nicht etwa dumme Manager, sondern die „herkömmlichen Navigationssysteme“, etwa Kontrollsysteme: „Sie geben systematisch irreführende Signale.“ Die Folge: Es kommt zum Kollaps. Nicht so dagegen, wenn Unternehmen früh genug etwas aufbauen, das Malik als „grüne Kurve“ bezeichnete: einen alternativen Entwicklungspfad zum bisherigen, der helfen kann, die Disruptionsphase gut zu überwinden und weiterzuwachsen, nur eben anders als bisher.

Was sie dazu brauchen, sind seiner Überzeugung nach neue Navigationssysteme. Solche komplexer, evolutionsfähiger Art. Systeme, in denen nicht ein Chef das Sagen hat, wie in der klassischen Hierarchie, die, so Malik, „Unsinn produziert“. Sondern klug vernetzte Systeme, die sich wie ein Organismus selbst organisieren können und in denen das Management die Funktion des Nervensystems übernimmt, das die Selbstorganisation durch die entsprechenden Strukturen und Regeln möglich macht. So können Organisationen schaffen, was natürliche Systeme nach den Gesetzmäßigkeiten der Kybernetik schaffen: „Zusammen tun, was bisher getrennt getan wurde, und gleichzeitig machen, was zuvor nacheinander gemacht wurde“, fasste Malik zusammen.

Was es laut Malik außer klaren Prinzipien braucht, damit solche, der Natur abgeschauten Systeme, wirksam sind, ist ein ebenfalls der Natur abgeschauter Mechanismus: der der Rückkoppelung. Das heißt: Es braucht eine gute Kommunikation mit vielen Rückmeldungen, um das System stabil und fehlerfreundlich zu halten. Denn Fehlerfreundlichkeit sei kein Freifahrschein, Fehler zu machen, betonte Malik. Sie bedeute vielmehr: „Die Planung muss robust sein gegenüber Fehlern.“ Als Beispiel für ein kybernetisches, auf Selbstorganisation setzendes System beschrieb Malik den Kreisverkehr: Hier organisiert die Struktur den Verkehr so, dass sich eine sich ständig ändernde Zahl von Verkehrsteilnehmern anhand weniger klarer Regeln selbst organisieren kann – ganz ohne Ampeln, Polizei und Co.

Die Kongressbesucher zeigten sich beeindruckt von Maliks Ausführungen. Und er bot an, seine PowerPoint-Folien zur Verfügung zu stellen. Dutzende von Visitenkarten gingen in seine Hände, so viele, bis er streikte und den Versand in die Hände des Veranstalters legte. Eine kluge, Komplexität vermeidende Entscheidung.


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19. Januar 2018 | Von Nicole Bußmann

Die Arbeitswelt 4.0 und ihre Mythen

MS239-TitelBehäbige Hierarchien, erstarrte Organisationsstrukturen, träge Prozesse, eine altmodische Führung… Die Schuldigen sind schnell benannt, wenn es darum geht, zu erklären, woran Unternehmen heutzutage kranken. Warum ihnen Innovationskraft fehlt und sie Veränderungen verschlafen. Auch die Lösung scheint bereits bekannt: Sie lautet Selbstorganisation. Zumindest gilt sie zurzeit als das vielversprechendste Mittel für Unternehmen, um sich für die Herausforderungen der Digitalisierung und des disruptiven Wandels zu wappnen.

Das Dumme daran: Die Lösung ist gleichzeitig auch ein Problem. Denn wer von Selbstorganisation redet, muss noch lange nicht wissen, wovon er spricht. Das Konzept wird in vielerlei Hinsicht missverstanden, ist die Beobachtung von Julia Culen. Der Beraterin zur Folge kursieren falsche Vorstellungen ebenso wie überzogene Erwartungen – sowohl in Unternehmen als auch unter Beratern. So ist Selbstorganisation keineswegs eine Erfindung der so genannten New Work. Selbstorganisation gibt es auch in hierarchischen Unternehmen. Und auch anders herum wird kein Schuh daraus: Nur weil ein Unternehmen seine Chefs entmachtet, regiert nicht automatisch die Selbstorganisation. Selbstorganisation gibt es nicht auf Anordnung, ebenso wenig führt sie automatisch zu Innovation und Markterfolg. Welche Mythen sich am hartnäckigsten halten und so den Erfolg von Agilisierung gefährden, hat Culen in zehn Punkten zusammengefasst, nachzulesen in dem diesmaligen Titelthema von managerSeminare.

Wirtschaft lässt sich nicht allein mit Hilfe der Betriebswirtschaftslehre verstehen. Vielmehr bedarf es dafür eines breiten, eines ganzheitlichen Blicks. Einer der Pioniere dieser Erkenntnis ist Fredmund Malik. Seit über 40 Jahren erforscht er, wie Organisationen funktionieren und am besten durch ihre Umwelt navigieren. Aufsattelnd auf Disziplinen wie der Kybernetik, der Systemtheorie und der Bionik hat der österreichische Wirtschaftswissenschaftler zahlreiche systemische Führungsmodelle und Managementtechniken entwickelt, die heute weltweit angewendet werden. Für seine Verdienste wird Malik im April mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet. Im Herbst vergangenen Jahres konnte ich ihn an seiner Wirkstätte in St. Gallen treffen. Das Ergebnis: ein Interview, bei dem er auf die aktuellen großen Fragen von Führung und Management blickt – etwa auf die nach dem Umgang mit Komplexität. Hier nachzulesen.


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