Kunden-Login


Ihr Warenkorb 93 Artikel
 
managerSeminare 113 vom 20.07.2007
8.50 EUR
managerSeminare 106 vom 22.12.2006
8.50 EUR
managerSeminare 218 vom 22.04.2016
14.80 EUR
managerSeminare 63 vom 30.01.2003
8.50 EUR
managerSeminare 191 vom 24.01.2014
12.80 EUR
managerSeminare 164 vom 21.10.2011
9.80 EUR
managerSeminare 209 vom 24.07.2015
14.80 EUR
Heft: managerSeminare : 69
8.50 EUR
managerSeminare 141 vom 20.11.2009
9.80 EUR
84 weitere Artikel mit Gesamtpreis
897.00 EUR

Das Blog


10. Oktober 2019 | Von Redaktion

1. Kongress Wirtschaft und Spiritualität: Mutige Mischung

Augenhöhe, Wertschätzung, Achtsamkeit, Purpose – um solche Dinge geht es bei vielen Veranstaltungen zum neuen Arbeiten und Wirtschaften. Und die Frage nach einem tieferen Sinn und höheren Werten klingt dabei immer mit an. Bisher allerdings hat es noch niemand gewagt, genau diese Frage so offensiv in den Mittelpunkt zu stellen wie es die Veranstalter der Kongresspremiere, die von 3. bis 6. Oktober 2019 in Kirchzarten bei Freiburg stattfand, taten: Hans-Jürgen Lenz, Chef der Balance Unternehmensberatung, und die IAK GmbH platzierten im Titel ihrer Veranstaltung einen Begriff, der im Business bisher vor allem Skepsis garantiert, und luden zum „1. Kongress Wirtschaft und Spiritualität“.

Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski

„Ich bin nicht ganz sicher, ob ich hier richtig bin…“ So beginnt Claus Eurich seinen Eröffnungsvortrag im Kirchzartener Kurhaus. Der Philosoph und Kontemplationslehrer, der vor zwei Jahren Professor für Kommunikation und Ethik am Institut für Journalistik der TU Dortmund war, kann sein Publikum offenbar nicht so recht einschätzen. Ob er mit seiner Forderung nach einem „Aufstand für das Leben“ – so der Titel seines Vortrags wie auch des Buchs, in dem er Visionen für eine lebenswerte Erde vorstellt und Richtlinien für ein entsprechendes ethisches Handeln entwickelt – bei ihnen an der richtigen Adresse sein wird? Aus dem Titel der Veranstaltung lässt es sich nicht direkt ableiten: Denn was bedeutet eigentlich Spiritualität? Und wofür steht sie in Verbindung mit dem Begriff Wirtschaft?

Mit dieser Unsicherheit ist Eurich sicher nicht allein im Saal, in dem sich rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelt haben. Die Mischung ist bunt, und das nicht nur optisch: Sakkos sind ebenso zahlreich wie bunte Tücher, Turnschuhe stehen neben Pumps und Slippern – und die selbstständige Physiotherapeutin und der Organisationsentwickler neben der Inhaberin einer Handwerksfirma, dem Chef der Freiburger Uni-Klinik, dem Energieberater und dem Manager eines Motorsägenherstellers.

Jens Riese erstaunt die anwesende Vielfalt kaum. „Die Menschen haben eine Sehnsucht nach Spiritualität – in jedem Kontext, auch im Business“, meint der Coach und Leadership-Trainer aus München, der bis vor einigen Monaten Senior Partner bei McKinsey war. Dort betreut er noch immer das „Centred Leadership Program“ für Führungskräfte, das er mitentwickelt hat. Denn viele Menschen, so seine Erfahrung, tragen auch in ihrem Arbeitsalltag die Frage mit sich herum, ob sie „hier richtig“ sind.

Auf der Suche nach Antworten – auf diese wie auch alle anderen Fragen – scheitern sie dabei immer häufiger, da sie mit den gewohnten Ansätzen angesichts der enormen Dynamik unserer heutigen Welt an ihre Grenzen stoßen. „Nur durch Analyse lässt sich Komplexität nicht bewältigen“, erklärt Michael Böttcher, der sich bei der Lufthansa als Organisationsentwickler um die Unternehmenskultur kümmert.

Für beide Manager ist der Blick über den Tellerrand des Verstandes deshalb die logische Konsequenz. „Wir müssen unsere innere Komplexität erweitern, um mit der äußeren Komplexität zurecht zu kommen“, glaubt Führungskräfteentwickler Riese mit Blick auf die VUKA-Welt. Stabilität bietet hier die Orientierung an Werten und Ethik und das Streben nach persönlicher Integrität. Die stetige persönliche Weiterentwicklung ist für Riese deshalb ein entscheidender Aspekt von Spiritualität – auch wenn er den Begriff im Gespräch mit potenziellen Klientinnen und Klienten bisweilen lieber nicht sofort gebraucht.

Auch Böttcher wählt in seinem Job die eigenen Worte vorsichtig, um nicht in Esoterik-Verdacht zu geraten. Die zentralen Begriffe, die auf seinen Powerpoint-Folien stehen, heißen zunächst Innovation, Drive, Kollaboration und Empowerment – bereiten aber die Basis für Gespräche über Augenhöhe, Vertrauen und Verbundenheit. Erreicht hat er mit seiner Abteilung so die Entwicklung eines entsprechenden kulturellen Zielbildes. „Und wir haben auch die Führungskräfteentwicklung innerhalb der vergangenen drei Jahre einmal auf links gedreht“, berichtet Böttcher. Nun werden auch mal syrische Studenten als Impulsgeber eingeladen oder Führungskräfte in einem Seminar völlig ohne Agenda allein gelassen – und manchmal sogar zum Dialog mit einem Baum ermutigt.

Dabei nimmt der Psychologe, der als Student bei den Startbahn-Demos in den 1980er Jahren noch auf der anderen Seite stand, in Kauf, Ambivalenzen auszuhalten, mit denen er sich regelmäßig konfrontiert sieht. „Manche Dinge sind einfach nicht besprechbar“, räumt der Organisationsentwickler ein. Post-Wachstumsideen etwa oder die Frage, ob Geschwindigkeit wirklich ein so zentraler Erfolgsfaktor ist. Aufgeben will Böttcher, der ganz offensichtlich stolz ist, schon seit 20 Jahren zur Fluggesellschaft zu gehören, trotzdem nicht – sondern weiterhin „lernträchtig irritieren“ und als Brückenbauer zwischen dem Bewährten und dem Neuen agieren. Er zumindest scheint die Frage, ob er richtig ist, wo er ist, für sich beantwortet zu haben.

Wahrscheinlich folgt der Organisationsentwickler damit sogar dem ökologischen Imperativ von Hans Jonas, der im Eingangsvortrag von Eurich als handlungsleitend empfohlen wurde. Der 1993 verstorbene Philosoph hatte schon 1979 in seinem Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ versuchte, eine Ethik für die technologische Zivilisation zu entwickeln, und in Anlehnung an Immanuel Kants kategorischen Imperativ den Leitsatz formuliert: „Handle stets so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Ein langsameres, tieferes Denken in Unternehmen zu bringen, ist da möglicherweise kein schlechter Ansatz.

Denn gerade dort gibt es entscheidende Hebel, um die notwendigen Veränderungen für eine lebenswerte Zukunft einzuleiten, ist Peter Quick überzeugt. „Wirtschaftsunternehmen sind die einzige Kraft, die schnell etwas bewegen kann, weil sie in weniger Zwängen stecken als die Politik“, meinte der Chef der Promega GmbH, der deutschen Tochter eines amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens. Bei Promega setzt man deshalb u.a. auf nachhaltig verträgliches Wachstum, etwa beim Bau einer energieeffizienten neuen Deutschlandzentrale, und auf ein ausdrückliches Bekenntnis zur UN-Menschenrechtscharta in Zusammenarbeit mit Partnern weltweit.

Gefördert wird aber auch die persönliche Bewusstseinsbildung der international 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise mit Achtsamkeit und Intuitionstrainings in regelmäßigen Bootcamps. „Das ist gerade für Naturwissenschaftler schon eine ziemliche Herausforderung“, so Quick. Immerhin 130 der Life Science Researcher haben sie im vergangenen Jahr freiwillig angenommen und unterstützen nun, so ist man bei Promega überzeugt, nicht nur eine intensivere Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens, sondern tragen ihre Erkenntnisse auch in den Rest der Gesellschaft hinein.

Die zentralen Inhalte, die im ProMindful genannten Programm bei Promega transportiert werden, sind Respekt, Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber, Empathie und Menschlichkeit. All diese Elemente aber sind – das wird im Laufe der vier Kongresstage deutlich – auch zentral für die Definition von Spiritualität. Letztlich nämlich läuft fast jeder Beitrag und jedes Gespräch in Kirchzarten darauf hinaus, dass alles miteinander zusammen– und voneinander abhängt. Ob in der Quantenphysik, der „transrationalen“ Intelligenz, im Buddhismus, bei Gemeinwohlbilanzen oder in der Ökologie: Nichts kann isoliert verstanden oder verändert werden, ohne dass etwas anderes davon beeinflusst wird.

„Wer ein 10-Liter-Auto fährt, bekommt Klimaflüchtlinge, wer Waffen verkauft, Bürgerkriege“, fasst es Theologe und Buchautor Franz Alt in seiner Keynote zusammen. Diese Zusammenhänge müssen wir begreifen, wenn wir nicht von der Erde verschwinden wollen, so sein Appell: „Denn nur mit ganzheitlichen Ansätzen lassen sich unsere Probleme heute noch lösen.“ Damit das gelingt, sind Offenheit und eine gewisse Klugheit nötig, vor allem aber – und hier zitiert Alt den Dalai-Lama – „ein gutes, menschliches Herz.“ Denn wer das hat, wird sich immer am richtigen Platz fühlen und wissen, was zu tun und was zu unterlassen ist. Das kann man dann effiziente Komplexitätsverarbeitung, Centered Leadership oder praktische Ethik nennen. Oder – wenn man ganz mutig ist – eben auch Spiritualität.

Fotos: S. Lipkowski; Graphic Recording in Bild 2 von Mathias Weitbrecht, Visual Facilitators, Hamburg


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, _erlebt

7. Oktober 2019 | Von Redaktion

Glücklich in 90 Minuten: Denkanstöße von der Bühne

Mit dem Theaterstück und Musical „Glücklich in 90 Minuten“ hat sich der Hamburger Trainer und Coach Thomas Birkhahn einen Lebenstraum erfüllt, nämlich das Thema persönliche Entwicklung als einprägsames Musical auf die Bühne zu bringen. Aktuell ist das Stück rund um die Sinnfrage von Job und Leben in Hamburg zu sehen.

Beitrag von Andrea Bittelmeyer

Vor wenigen Minuten noch ist Carl-Christian Blau, dynamischer Manager in einer Capital Venture Firma, dem großen Geschäft hinterhergejagt, hat seine Konkurrenten und seinen Chef mit Spott bedacht. Jetzt kann er nicht einmal mehr sein Büro verlassen. Eigentlich muss er zum Flughafen, um in Peking ein Investment in Millionenhöhe abzuschließen. Kaum will er jedoch durch die Tür treten, plagen ihn Atemnot und Herzrasen. Er fasst sich an die Kehle, ringt nach Luft, nichts geht mehr. Blau ist gefangen. Die Angst hält ihn im Griff. Hatte Blau kurz zuvor am Telefon erklärt: Er komme „wann Sie wollen – ein Wink von Ihnen und ich sitze im Flieger.“ Wollte er gerade noch beim „Kickoff Meeting performen“ und den „Deal closen“, sitzt er nun in seinem Büro fest.

Carl-Christian Blau ist die Hauptfigur in dem Theaterstück und Musical „Glücklich in 90 Minuten“, das der Coach und Trainer Thomas Birkahn in Kooperation mit den Hamburger Kammerspielen produziert hat, wo es in diesem Herbst auf dem Spielplan steht. In dem Stück dreht sich alles darum, was uns in einer Welt, in der wir frei sind wie noch nie, glücklich und zufrieden macht. „Was erwarten wir vom Leben?“ ist auch die Frage, die ganz zu Anfang von Blaus Coach gestellt wird, der die Geschichte des Managers nüchtern analysierend begleitet: ein toller Job, Geld, Segelyacht, die Villa im Hamburger Nobelstadtteil Blankenese? Man ahnt es schon, all das ist es nicht.

Gezeigt wird dies in einer temporeichen Mischung aus Schauspiel, Vortrag und Musik von vier Schauspielern, die zum Teil in wechselnde Rollen schlüpfen. Die Songs – geschrieben und komponiert von dem Schauspieler, Drehbuchautoren und Komponisten Jan-Christof Scheibe – werden live von einem Gitarristen und einem Percussionisten begleitet. „Wenn du denkst, du bist inside, ich bin insider. Wenn du denkst, du hast den Check, Du irrst Dich leider“, singt Blau selbstverliebt zu Beginn. Später kommen nachdenkliche Töne: „Mein Kumpel Angst – da ist er ja wieder.“ Oder die bange Frage: „Kann es sein, verdammt, bin ich die ganze Zeit in die falsche Richtung gerannt?“

Seinen Schabernack treibt Scheibe, der das gesamte Stück mit viel Ironie und Augenzwinkern geschrieben hat, mit den alltäglichen Anglizismen im „Office“. „Der Chef will Sie sprechen: A – S – A – P“, sagt die Sekretärin. Die Mitarbeiter sollen auf „Core Values comittet“ werden und zwar „across-the-board“. Blaus Konkurrent ist jetzt – im Gegensatz zu ihm – ein echter „Gamechanger“. Und natürlich ist die Firma „keine Charity Veranstaltung“, erklärt der größenwahnsinnige Firmenchef per Videokonferenz und verschwindet zum Kurzurlaub auf die Malediven – „solange es die noch gibt“.

Blau, der gefangen in seinem Büro sitzt, hat – so konstatiert der nicht minder von sich selbst überzeugte Coach – 1.000 Möglichkeiten. Der von Panik getriebene Manager selbst sieht allerdings nur eine, will nur schnell wieder aus dem Büro heraus, um es seinem Chef zu beweisen und um doch noch Partner in der Firma zu werden. „Das Gedankenkarussell dreht sich unermüdlich, lässt sich nicht abschalten“, erklärt der Coach süffisant.

Nur langsam merkt Blau, dass er auch vor seiner plötzlichen Panikattacke alles andere als frei war. Getrieben von Zahlen, einem gnadenlosen Chef und dem Markt, auf dessen Entwicklung nicht nur seine Branche so gebannt starrt. Denkanstöße kommen von seiner Tochter, dem Fahrradkurier und dem pakistanischen Putzmann, die nach und nach in seinem Büro auftauchen. „Schade für Dich“, singt die Tochter und meint damit nicht nur den Abi-Ball, den ihr dieses Mal sogar im Wortsinn nicht aus dem Büro kommender Vater an diesem Abend verpasst hat, sondern die permanente Abwesenheit Blaus in ihrer Kindheit. Sie erinnert sich nur an die gemeinsame Zeit mit ihrer Mutter, die längst ausgetauscht ist gegen die „aktuelle Lebenspartnerin“, ungefähr so alt wie die Tochter. Der Fahrradkurier berichtet, dass er auf Weingütern gearbeitet und in Buenos Aires gelebt hat – beides Träume von Blau.

Wie der Einzelne sein Glück finden kann, lässt das Stück offen. Blau schleicht am Ende ratlos aus dem Saal und auch die Erörterungen des Coachs über das Unterbewusstsein, Glück und Zufriedenheit liefern – wie in 90 Minuten eben doch unmöglich – die Lösung nicht. Dennoch ist es amüsant, sich das im Wirtschaftsleben immer wieder abspielende Drama anzusehen, und in den vielen aufgeworfenen Fragen findet jeder Zuschauer die passende für sich selbst. Schließlich hat jeder seinen wunden Punkt, an dem er alten Mustern folgt, sich gefangen fühlt, es eigentlich lieber anders machen würde. Und wenn man dann am nächsten Morgen seine E-Mails liest, kann man den Bezug zum eigenen Leben nicht verleugnen. Denn da sind sie schon wieder, die Anglizismen, über die man am Abend noch gelacht hat.

Der Hamburger Trainer und Coach Thomas Birkhahn jedenfalls ist seinen eigenen Anregungen zum Glück gefolgt und hat sich mit dem „Coachical“ (kreative Wortschöpfung des Hamburger Abendblatts) einen Lebenstraum erfüllt, den er schon 30 Jahre lang mit sich trug: den Stoff Bildung und persönliche Entwicklung als einprägsames Musical auf die Bühne zu bringen. Die Besucher des Stücks will Birkhahn zum Weiterdenken anregen, für Firmen bietet er dazu die passenden Workshops an. Im November gibt es für „Glücklich in 90 Minuten“ weitere Termine in den Hamburger Kammerspielen, auch für das kommende Jahr sind Aufführungen geplant, zudem soll das Stück auf Deutschlandtournee gehen.

*********
Fotos: Was ist Glück? Auf der Bühne performen Lara – die Geliebte (Schauspielerin: Madeleine Louw), Carl-Christian Blau – der Manager (Schauspieler: Mario Ramos) und David Lautenschläger – der Coach (Schauspieler: Tim Grobe). Im Hintergrund die Musiker: Gitarre: Johannes Wennrich, Percussionist: Yogi Jockusch
Fotoquelle: Christine Weiland


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, _erlebt

20. September 2019 | Von Redaktion

Corporate Influencing

Bei YouTube gibt es sie, bei Instagram ebenso und natürlich auch bei Twitter: so genannte Influencer, meist junge Menschen, die extensiv von Social-Media Gebrauch machen, viele Follower haben (in der Regel über 100.000) und daher als Meinungsführer gelten. Nicht zu verwechseln übrigens mit der ähnlich geschriebenen und fast genauso klingenden Influenza. Influenza wie Influencer sind viral, erstere ansteckend, die letzteren „nur“ beeinflussend.

Seit einiger Zeit gibt es solche Beeinflussenden auch im Unternehmenskontext: Corporate Influencer. Gemeint sind damit Führungskräfte wie Mitarbeiter eines Unternehmens, die auf ihren persönlichen Instagram-, LinkedIn- oder Twitter-Profilen Themen aus ihrem persönlichen Umfeld posten. Das reicht von Erklärungen zur Unternehmensstrategie, zu Produkten und Innovationen über Berichte aus dem Unternehmensalltag bis hin zu Fotos von Feiern und Festen. Zu den Top-Influencern unter den CEOs deutscher Unternehmen gehören etwa Tina Müller von Douglas und Tim Höttges von der Deutschen Telekom. Das Telekommunikationsunternehmen hat übrigens in den vergangenen Jahre eines der größten Netzwerke von Corporate Influencern aufgebaut. 2017 schaffte es der Konzern mit dem Hashtag #Telekomwall sogar nach ganz vorn in die Trending Topics von Twitter.

Dass Corporate Influencer für Unternehmen wertvoll sind, liegt auf der Hand. Es entstehen Inhalte, die dem Marketing wie dem Employer Branding dienen und so auf die Markenbildung und die Reputation einzahlen. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen ihre CEOs, Mitarbeiter aus der Managementriege oder Experten auf Fachebene als Corporate Influencer in den sozialen Medien positionieren möchten. Doch wie macht man das? Geht das überhaupt? Zwingen kann man seine Mitarbeiter schließlich nicht. Kontrollieren aber auch nicht. Antworten gibt es in dem diesmaligen Titelthema von managerSeminare.

Nichtstun kann tödlich enden. Das gilt für Menschen wie für Organisationen. Ebenso wie eine menschliche Couch-Potato, die ihre Muskeln, Gelenke und Sehnen verkümmern lässt und ihre Zukunft damit aufs Spiel setzt, bringen sich auch Unternehmen in Gefahr, die nichts tun, um sich für eine anspruchsvolle Zukunft in Form zu bringen. Wo aber anfangen? Was sind zentrale Bereiche, in denen Unternehmen jetzt ihre Fitness erhöhen müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Und wie können sie dabei vorgehen, ohne dass es allzu aufwendig wird? Unsere neue Serie „Fitnessprogramm für Firmen“ stellt fünf Trainingsfelder vor und liefert die passenden Trainingspläne dazu. Teil eins widmet sich der Frage, wie es Unternehmen schaffen, schneller zu entscheiden und zu handeln.


Kommentare (0) | Kategorie: Karriere & Wissen, Management & Führung

19. September 2019 | Von Redaktion

Corporate Learning Camp 2019: Lieber gemeinsam lernen

Das Motto – „Lernen braucht Netzwerke!“ – war Programm beim zehnten Corporate Learning Camp, #CLC19KO, das am 12. und 13. September 2019 in Koblenz stattfand: In den Räumen der dortigen Hochschule wurden Kollegen um Rat gebeten, Methodentipps geteilt, bewährte Tricks weitergereicht, gemeinsame Nenner entdeckt und neue Verbindungen geschaffen – und das alles unter dem Zeichen des gemeinsamen Weiterkommens.

Ein Beitrag von Sylvia Lipkowski

In einer Zeit, da Arbeiten immer mehr Zusammenarbeit sowohl in virtuellen wie auch physischen Räumen bedeutet, ist betriebliches Lernen ohne Netzwerken kaum noch denkbar, machte Moderator und Mitorganisator Karl-Heinz Pape in der Begrüßung deutlich: „In Netzwerken ist jeder mal Lehrender und mal Lernender“. Das aber ist nötig, um überhaupt Schritt halten zu können mit dem Übermaß an Input, Informationsquellen und Inspiration, mit dem wir es heute zu tun haben – und das keiner mehr alleine verarbeiten kann. Oder wie Harald Eder von der DATEV AG es formuliert: „Wenn Arbeiten VUKA wird, dann muss auch Lernen VUKA werden.“

Wie das praktisch aussehen kann, macht die veranstaltende Corporate Learning Community (CLC) nicht nur mit dem Camp in Koblenz vor. Der Netzwerkgedanke ist die prägende Leitidee für die ganze Community: Seit der Gründung vor über zehn Jahren wird hier Offenheit genauso konsequent gelebt wie Flexibilität und Selbstorganisation. Einstiegshürden gibt es keine, formale Strukturen kaum. Mitglied ist, wer sich als solches versteht und eben mitmacht, sei es als aktive Gestalterin oder als passiver Mitleser. Das einzige strukturelle Zugeständnis ist eine gemeinnützige UG, die ein harter Kern von sieben Leuten Anfang 2019 gründete, um wenigstens Rechnungen ausstellen zu können. Netzwerke nämlich sind in unserer Gesellschaft nicht rechtsfähig.

Attraktiv aber sind sie nichtsdestotrotz. Zwar kann angesichts der radikalen Offenheit keiner sagen, wie viele CLC-Mitglieder es genau gibt. Doch dass sie zahlreich sind, beweisen etwa aktive Gruppen in Yammer, Facebook, LinkedIn und XING. Aber auch die Tatsache, wie schnell das Camp ausgebucht war: Innerhalb von nur 28 Stunden waren die gut 200 Plätze weg. Letzteres mag zwar auch an dem unglaublich günstigen Ticketpreis liegen, der dadurch möglich ist, dass das Barcamp im bescheidenen Ambiente stattfindet und sich fast ausschließlich über die zahlreichen willigen Sponsoren finanziert. Doch sicher nicht nur.

Denn vor Ort kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Veranstaltung für die Anwesenden eine wertvolle Lerngelegenheit ist, die viele offenbar kaum erwarten können: Schon während der Anmoderation quetschen sich Anwesende aus den engen Bankreihen des Koblenzer Hörsaals in die Seitengänge, um sich für die Programmgestaltung möglichst gut zu positionieren.

„Das nennt man Lernen in Netzwerken: Die Teilgeber stehen schon Schlange, bevor sie dazu aufgerufen wurden“, meint Matthias Blank, Lernexperte bei Volkswagen. Dem klassischen Barcamp-Format entsprechend gibt es auf dem Coporate Learning Camp nämlich kein offizielles Programm, sondern nur zehn freie Räume und fünf Zeitfenster, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die selbstorganisierte Gestaltung zur Verfügung stehen.

Die 50 Slots sind – an beiden Camp-Tagen – im Nu belegt. Die thematische Bandbreite ist enorm: Es gibt PE´ler, die ihr neu konzipiertes Talentmanagement-Programm vorstellen, um den Rat der Kolleginnen und Kollegen einzuholen, aber auch welche, die erklären, wie sie selbst eine Mitarbeiterbefragung improvisiert haben oder wie sie mit Office 365 den internen Wissenstransfer fördern möchten.

Viele stellen auch Grundsatzfragen zur Diskussion mit Session-Titeln wie:
• Welche Grundsätze braucht eine Netzwerk-Lernkultur?
• Was sind eure Dos und Don´ts im Blended Learning?
• Was braucht Lernen, damit es gelingt?

Zudem gibt es auch viele konkrete Methoden-Tipps, z.B.
Twitter als Lern-Tool (wozu die Erklärvideo-Experten und Camp-Sponsoren youknow hier auch einen Film zur Verfügung gestellt haben)
• oder der kosten- und lizenzfrei nutzbare Methoden-Baukasten von Liberating Structures, mit denen sich Meetings, Teamtreffen, Großgruppenveranstaltungen bereichern lassen, indem sie Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur Teilgabe einladen.

Weiteren Raum für Vernetzung und Horizonterweiterung bieten erstmals auch sogenannte „Assemblies“: Dort können sich Interessierte unabhängig vom Session-Takt zu einem bestimmten Thema auch mal länger austauschen, beispielsweise zum Selbstentwicklungsformat lernOS (das wir hier kürzlich vorgestellt haben) oder der Vision zur Zukunft des Corporate Learning, die seit 2017 im Netzwerks entwickelt wird (Link).

Das zentrale Thema, das sich in den meisten Assemblies wie Sessions wiederfindet, ist die Suche nach einer neuen Lernkultur. „Wir brauchen eine Liberalisierung des Lernens“, stellte etwa Pivi Scamperle von der Schaeffler AG fest. Weg von den klassischen PE-Angeboten, hin zu mehr Selbststeuerung und Eigeninitiative.

Doch leider – auch das war ein zentrales Thema der beiden Camp-Tage – lässt sich beides nicht so einfach ins Unternehmen tragen wie ein übersichtlicher Seminarkatalog. Die Idee, den Mitarbeitenden informelles Lernen zu erlauben, macht vielen dort geradezu Angst. „Der Kampf, den viele intern kämpfen, heißt ‚Mach sie fit, aber störe sie nicht bei der Arbeit‘.“, so das Resumé von Isabell Schuller von der Akademie der DGFP nach dem ersten Tag.

Den meisten Lernprofis ist deshalb klar: Die Veränderung von Lernen braucht einen langen Atem. „Aber es ist spürbar, dass etwas in Bewegung kommt – nicht zuletzt, weil die Technik die Dinge vorantreibt“, meint Scamperle und ist damit in Koblenz mit Sicherheit nicht allein. Insbesondere die Verbreitung der vernetzten Office-365-Anwendungen – die in vielen Sessions Thema war – verändert nicht nur die internen Abläufe, sondern fördert zum Beispiel auch das Teilen von Wissen und die Vernetzung mit Experten.

Und auch das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten – etwa mit Google-Docs – verstärkt die Zusammenarbeit. Konsequent im Sinne des Mottos gibt es ein solches Dokument deshalb auch für die gemeinsame Sammlung der Ergebnisse des #CLC19KO. Das ist wichtig für die Community, weil die individuellen Lernerlebnisse so auch anderen zugänglich werden, was die Vernetzung fördert, wie Veranstalter Pape betont. „Es ist aber auch wichtig für den eigenen Lernerfolg, denn Dokumentieren ist Lernen.“

Papes Traum, so verkündete er vor ab, ist, dass alle Teilgebenden zur Dokumentation der vielen Sessions und Gespräche beitragen: „Jeder auf seine Weise“. Bei dem Engagement, das in Koblenz zu spüren war, ist es nicht ausgeschlossen, dass dieser Traum sogar wahr wird. Ein Team von Freiwilligen, die den wilden Input aus Fotos, Videos, Links und Notizen zu einer lesbaren Dokumentation zusammenführen wollen, gibt es jedenfalls schon. Sie werden viel zu tun haben.

Foto 1 – Die Inputgeberinnen und Inputgeber warteten zahlreich und geduldig darauf ihre Sessionvorschläge vorzustellen.
Foto 2 – Die Vorschläge wurden auf die 50 Slots verteilt, die es an beiden Tagen gab.
Foto 3 – Der Assembly-Tisch, an dem Simon Dückert das Selbstlern-Tool lernOS vorstellt.

Fotos von Sylvia Lipkowski


Kommentare (0) | Kategorie: Karriere & Wissen, Lernen & Lehren, _erlebt

13. September 2019 | Von Redaktion

Work[X] Festival 2019: New Work in allen Facetten

Aus Pathfinder wurde #WorkX19. Das Netzwerk Intrinsify musste sein Anfang September 2019 zum zweiten Mal stattfindendes Festival kurzfristig umbenennen. Doch das X passte gut zu einer Veranstaltung, auf der das Thema New Work aus X Perspektiven beleuchtet wurde.

Ein Beitrag von Sylvia Jumpertz

Doch, das muss es sein … Wer am Morgen des 7. Septembers 2019 auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen die Industriehalle fünf ansteuert, um dort beim Pathfinder Festival des New-Work-Netzwerks Intrinsify einzuchecken, erlebt erst mal eine Überraschung. Statt „Pathfinder Festival“ steht „Work[X] Festival“ auf den bunten Pappaufstellern, den Broschüren – und später, beim Start der Veranstaltung, auch auf der großen Beamerwand über der Bühne.

Moderator Florian Städtler, ortsgerecht mit Schutzhelm und Grubenlampe auf die Bühne tretend, befreit die rund 500 Besucher des Festivals – ein bunter Haufen aus Beratern, Trainern, anderen Selbststständigen, Personalern, Unternehmern, Führungskräften und Studenten – rasch vom Rätselraten: „Wir fanden den Namen Pathfinder klasse, jemand anders fand den aber klasser.“ Heißt: Den Namen gab es schon im Markenregister, das Intrinsify jedoch – „dummer Anfängerfehler“ – versäumt hatte, zu prüfen. Statt sich auf einen langen juristischen Streit einzulassen, machten die beiden Gründer Mark Poppenborg und Lars Vollmer lieber kurzen Prozess – und aus Pathfinder Work[X].

Flexibilität gehört bei einer New-Work-Veranstaltung selbstredend dazu. Und cool muss sie auch sein. Die Veranstaltungslocation jedenfalls bringt dem Festival auf der Coolness-Skala schon mal Punkte ein. Denn durch das Essener Zechengelände weht der Atem längst vergangener Malocherzeiten. Industriekultur pur. Das stimmt aber auch nachdenklich. Denn es erinnert daran, dass „das, was heute hip, morgen gähn ist“, wie Moderator Städtler es ausdrückt – kurz bevor er seinen Grubenhelm ablegt.

Die roten Sneakers behält er freilich an. Denn hipp geht es an den beiden Tagen natürlich trotzdem zu. Deshalb fehlen auch die typischen Ingredienzien eines zum Festival erklärten Kongresses nicht: „instagrammable“ bunte Pappaufsteller mit coolen Sprüchen, Sitzkissen und -kuben, Liegestühle, igluartige weiße Aufblas-Zelte, in denen Barcamp-Sessions stattfinden. Intrinsify hat – wie so viele aktuelle New-Work-Veranstaltungen – in Sachen Style einen beherzten Griff in die New-Work-Kongress-Klischee-Kiste gewagt. Dabei ist die Veranstaltung inhaltlich eigentlich darum bemüht, New Work zu erden, etwa von falschen Glaubenssätzen oder Zwangsvorstellungen zu befreien.

So gehen etwa die beiden Instrinsify-Köpfe Poppenborg und Vollmer in ihren Keynotes mit manch seltsamer Blüte ins Gericht, die sie in der New-Work-Community – und durchaus auch bei sich selbst – wahrnehmen. Mark Poppenborg etwa gesteht zur allgemeinen Erheiterung: „Ich habe festgestellt, dass ich eine Unkonventionalitätspolizei im Kopf habe“. Also einen inneren Kritiker, der dauernd fragt, ob das eigene Verhalten denn auch wirklich unkonventionell genug ist. Das ist natürlich maximal paradox.

Paradox ist es aber auch, wenn New-Work-bewegte Berater wie eine „Selbstbestimmungspolizei“ durch Firmen patrouillieren und die Qualität der Zusammenarbeit dort streng daran messen, ob sie denn „auch wirklich selbstbestimmt genug“ ist. Ein Verhalten, das Lars Vollmer auch bei sich selbst in früheren Jahren wahrgenommen haben will. Dabei ist das total paternalistisch, übergriffig und sogar gefährlich, findet er. Weil kein Mensch, der von anderen gesagt bekommt, was er zu tun hat, im Angesicht von Problemen noch ausreichend Innovationsgeist entwickeln wird. Und weil keiner angesichts des Fehlens – oder eben des eigenen Nicht-Wahrnehmens – von Problemen etwas dazulernen wird.

Trotzdem ist Selbstbestimmung für Vollmer nach wie vor die Quintessenz neuen Arbeitens – und nicht nur das: „New Work ist viel zu bedeutsam, um es nur auf die Arbeit zu beschränken“, sagt er. Will heißen, das Thema soll jetzt auch auf eine breitere, gesellschaftliche Ebene gehoben werden: Was könnte man tun, damit Menschen auch in ihrem Privatleben, als Bürger, die Dinge selbstbestimmt in die Hand nehmen? Darüber debattieren sie auch in einer internen Intrinsify-Mitglieder-Runde auf dem Festival. Vollmers persönliche Antwort auf die Frage lautet: Wir müssen weg von der „Helikopter-Gesellschaft“, die durch ihre Regelungswut – Impfpflicht, Mietpreisbremse, Lebensmittelampel … – Menschen zu sehr in Watte packt und ihre Eigeninitiative erstickt. Denn Vollmer ist überzeugt: Wenn unternehmerisch motivierte Menschen Ideen ausspinnen und umsetzen können, dann springt dabei auch Gutes für die Gesellschaft heraus.

Darüber, ob ein von Regeln und Gesetzen möglichst unbehelligtes Unternehmertum tatsächlich die Lösung für unsere komplexen sozialen und auch ökologischen Probleme ist, kann man natürlich streiten. Das Festival allerdings bestätigt Vollmer insofern, als es tolle Einzelbeispiele von Menschen liefert, die tatsächlich – ganz selbstbestimmt – erfolgreich soziale oder ökologische Probleme anpacken. Etwa Pascal Biesenbach, der in seinem Impulsvortrag von seiner Wuppertaler Initiative „Aufbruch am Arrenberg“ erzählt, die das Ziel hat, einen klimaneutralen Stadtteil zu schaffen.

Und auch das zeigt sich bei der Veranstaltung: Menschen können selbst innerhalb hochgradig erstarrter Unternehmensstrukturen viel bewirken, wenn sie mutig die Initiative ergreifen. Wenn sie beispielsweise Unternehmensregeln illegal unterlaufen und gerade dadurch die Organisation am Laufen halten. Über solche „heimlichen Hochleistungsinseln“ spricht beim Festival der Systemtheoretiker Gerhard Wohland. Er ist so etwas wie der inoffizielle Starredner der Veranstaltung. Ein echter „Typ“, mit kantigem Humor. Als Wohland seinen Impulsvortrag über die „Konsequenzen hoher Dynamik“ hält, platzt der Raum aus allen Nähten, outet sich die Moderatorin der Session gar als – O-Ton –„Fangirl“.

Was Wohland dann tut, ist, solide, wissenschaftlich fundierte Kost liefern, die den stark aufgeladenen Begriff New Work systemtheoretisch erdet. Denn, worum geht es in den Unternehmen heutzutage angesichts von Komplexität, Volatilität und Co. eigentlich? Es geht, so Wohland, um Dynamikrobustheit. Also um die Fähigkeit Überraschungen zu erzeugen, „um die Konkurrenz zu nerven“ und flexibel auf Überraschungen zu reagieren. Das aber können aus Wohlands Sicht nur Menschen, nicht etwa Methoden, denn: „Nur Menschen können auf Probleme mit problemlösenden Gefühlen reagieren.“

Wie man es schafft, den im Kontext von New Work so wichtigen Regelbruch auch legal hinzubekommen, das erklärt Mark Poppenborg in einer Trainingssession, die in Sachen Zulauf der Wohland’schen kaum nachsteht. Die Teilnehmer stehen sich fast schon auf den Füßen. Auch Poppenborg bemüht die Systemtheorie. Denn mit der lässt sich gut erklären, warum es Unternehmen so schwer fällt, sich von alten Zöpfen zu lösen: Es liegt daran, dass Organisationen aus Regeln bestehen. Regeln, die auch dann noch bindende Kraft haben, wenn sie ihren Nutzen längst verloren haben und wenn die Menschen in der Organisation längst andere sind, als diejenigen die die Regeln eingeführt haben. Poppenborgs Rat: Man sollte die Regeln probehalber weglassen, in kleinen Schritten, um schließlich pragmatisch zu schauen: Klappt die Arbeit so tatsächlich besser? Dazu allerdings braucht es einen Schutzraum. Etwa einen Sponsor, der den Mitarbeitenden die Garantie gibt, dass ihr Regelbruch keine negativen Konsequenzen hat.

Was also ist New Work? Das große Change-Programm? Die humanistische Grasroot-Bewegung? Oder genau das – der unspektakuläre kleine Veränderungsschritt, das probeweise Weglassen von Regeln? Beim Festival wird klar: Das eine New Work gibt es nicht. New Work hat tatsächlich x Facetten.

Daraus erklärt sich auch die enorme Vielfalt des Programms: Es gibt Sessions über Transformationsprojekte in Unternehmen. Sessions über einen klügeren Umgang mit digitalen Hypes. Sessions über zeitgemäßes Employer Branding, Life Planning, den Umgang mit Bitcoins, das Erreichen persönlicher finanzieller Unabhängigkeit, die Bewältigung innerer Blockaden und und und … All das scheint auf den ersten Blick nicht viel miteinander und zuweilen auch nicht viel mit New Work zu tun zu haben. Doch aus Intrinsify-Sicht gehört die Frage, wie das Individuum fit wird für die neue (Arbeits-)gesellschaft nun mal genauso zu New Work wie Fragen der Arbeitsgestaltung in Unternehmen.

Das Feuerwerk an Inputs überfordert manchen gleichwohl fast schon – was der Veranstalter allerdings vorausgeahnt hat. Deshalb gab es für die Teilnehmenden auch das Angebot, vor dem Festival online ein paar Fragen zum persönlichen Background zu beantworten. Aus denen haben die Organisatoren dann in mühevoller Kleinarbeit für jeden einen persönlichen, an eigenen Interessen orientierten „Reiseplan“ durchs pralle Programm erarbeitet. Manche werden das Gefühl, etwas zu verpassen, trotzdem nicht los. Dafür gibt es einfach zu viele Überschneidungen im Programm. Zum Glück bilden da die „Reisegruppen“, denen man ebenfalls vom Veranstalter zugeordnet worden ist, immer mal wieder einen ruhigen Ankerpunkt. Man trifft sich zu regelmäßigen Zeiten mit den Angehörigen seiner Gruppe, um sich über Erfahrenes und Erlebtes auszutauschen. Ein Angebot, das fleißig genutzt wird.

Dass es auch kleine Pannen gibt, kann kaum ausbleiben bei einer Veranstaltung, die den Mut hat, auch mit einer Fülle an Formaten zu experimentieren. Bei den Expertengesprächen – Einzelcoachings, die man als Besucher bei verschiedenen Session-Gebern buchen kann und die ganz intim in einer Halle hinter großen, aufgespannten, am Boden liegenden Schirmen stattfinden, kommt es schon mal vor, dass Coach oder Coachee nicht zur vereinbarten Zeit vor Ort sind. Nicht jede Session im für Interaktives ausgewiesenen Trainingsraum ist tatsächlich interaktiv. Die Barcamp-Sessions in den Zelten leiden oft unter der Umgebungslautstärke.

Auch geht manche charmante Idee nicht vollständig auf, wird manche Erwartung nicht ganz erfüllt. So passen die musikalischen Beiträge des „Management-Gurus“ Reinhard Sprenger, der als Überraschungsgast am Abend auf der Zechenparty mit seiner Band auftritt, in ihrer eher ruhigen Tonart nicht so ganz zur hyper-hippen Partyatmosphäre. Zumindest nach dem Geschmack einiger Teilnehmer. Die Plenums- und Impulsvorträge, einschließlich anschließender „Vertiefungsgarage“, in der man den Referenten in kleinerer Runde mit Fragen löchern kann, wiederum liefern zwar viel solides Wissen und Stoff zum Nachdenken. Der überraschende große neue Wurf aber bleibt aus. Der Stimmung tut das alles keinen Abbruch. Welcher New-Work-Begeisterte würde auch Experimente krumm nehmen?

Foto 1: Den bunten Pappaufstellern entkommt man beim Festival nicht. Sie stehen an jeder Ecke.
Foto 2: Treffen der „Reisegruppen“ in der Halle, in der auch die Barcamp-Sessions in igluartigen Zelten stattfinden.
Foto 3: Um den Teilnehmenden den Weg durchs Programm zu erleichtern, hat sich der Veranstalter etwas einfallen lassen: Jeder Besucher konnte sich seinen individuellen Pfad durchs Festival ausarbeiten und auf sein Namensschild „aufstecken“ lassen.
Fotoquelle: Sylvia Jumpertz



Kommentare (0) | Kategorie: Lernen & Lehren

  Seite 1 weiter


Aktionen

  • bewertet Wettbewerbe, Awards, Preise, Ehrungen


  • erforschtForschungs- & Studienergebnisse


  • erlebtMessen & Kongresse


  • gefilmtWeb-TV, Weiterbildungsfernsehen

Social Media

Folgen Sie uns ...

© 1996-2018, managerSeminare Verlags GmbH, Endenicher Str. 41, D-53115 Bonn



OK

Wir verwenden Cookies, um Ihre Zufriedenheit auf unserer Website zu steigern. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen finden Sie hier