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Das Blog


23. Oktober 2020 | Von Nicole Bußmann

Bewusste Irritationen in Organisationen

Wissen Sie, was ein Capriccio ist? Vielleicht kennen Sie den Begriff aus der Musik, wo er gebraucht wird für ein Stück mit recht freier Form. In der Kunsttheorie meint Capriccio einen absichtlichen Regelverstoß, eine fantasievolle Überschreitung von Normen, ohne die Norm außer Kraft zu setzen. In diesem Sinne tut Capriccio auch Organisationen gut, ist der Autor unseres diesmaligen Titelthemas überzeugt. Hans A. Wüthrich ist nach der Analyse etlicher Unternehmen zu dem Schluss gekommen: Capriccio ist genau das, was gebraucht wird, um Krisen und stets neue Herausforderungen zu meistern.

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie zeigt, dass für Unternehmen wie Führungskräfte Unvorhersehbarkeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Immer weniger lässt sich die Zukunft als Verlängerung der Gegenwart begreifen. Und immer weniger helfen Unternehmen vorab geschmiedete Pläne und Regeln, die in der Vergangenheit nützlich waren. Was sie dagegen brauchen, sind spezielle Kompetenzen, die sie frei in der jeweiligen Situation zum Einsatz bringen können. Hans A. Wüthrich nennt diese Kompetenzen Metakompetenzen. Drei hält er für besonders elementar. Sie prägen sich dann aus, wenn Führung darauf ausgerichtet ist, nicht primär im, sondern am System zu arbeiten. Und das bedeutet laut Wüthrich, gewohnte Pfade zu verlassen, Experimente und Eigen-Sinniges zuzulassen – ganz so, wie es die Kunst mit Capriccio kennt.

„Nicht schon wieder!“ – Das denken viele Mitarbeitende, wenn in ihren Unternehmen wieder einmal ein Changeprozess gestartet wird. Und sie haben nicht Unrecht mit ihrer Skepsis. Denn viele dieser groß angelegten Vorhaben scheitern. Neuerdings sind die Vorhaben sogar noch größer geworden. Von Transformation ist die Rede, von der Notwendigkeit, Organisationen auf ein neues, den volatilen, komplexen und unsicheren Zeiten gemäßes Level von Selbstorganisation und Agilität zu heben. Dies mit klassischem Changemanagement angehen zu wollen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dieser Überzeugung ist zumindest der Unternehmer und Berater Niels Pfläging. Seiner Ansicht nach sitzt das klassische Changemanagement einigen Glaubenssätzen auf, mit denen es sich das Leben unnötig schwer macht. Etwa der Vorstellung, Change müsse immer eine lange, beschwerliche Reise sein. Pfläging schlägt stattdessen ein konträres Bild vor: die Changearbeit als Flippen der Verhältnisse, als kurze Irritation im Jetzt, die eine beobachtbare, sofortige Wirkung hat. Mehr dazu in dem Beitrag „Plötzlich anders“.

Das gesamte Heft gibt es übrigens hier zum Download. Viel Spaß beim Lesen und viel Erkenntnisgewinn!


Kommentare (0) | Kategorie: Management & Führung, Training & Development

9. Oktober 2020 | Von Redaktion

Virtuelle Konferenzerlebnisse: Wohlgefühl, Wollsocken und Wow

Corona und die Veranstaltungsbranche – das ist ein Kapitel für sich. Nachdem im ersten Zuge fast alle größeren Events abgesagt wurden, gehen aktuell die ersten virtuellen und hybriden Formate an den Start. An vieren haben wir inzwischen teilgenommen. Ein sehr persönliches Review.

Ein Bericht von Nicole Bußmann (mit Inputs von Sylvia Lipkowski und Petra Spiekermann)

Freudig wähle ich mich am Vorabend des work-X Festivals, das am 5. und 6. September eigentlich mit 600 Teilnehmern in der Zeche Zollverein Essen geplant war, bei Zoom ein. Ein Pre-Opening steht an, und ich sehe und höre unter anderem Lars Vollmer und Mark Poppenburg, die beiden bekanntesten Köpfe des Netzwerks intrinsify. Sie stehen in einem Studio, umrahmt von work-X-Bildchen. Die gleichen, die mich auch über den Weg der Schneckenpost als Postkarten mitsamt eines kleinen Holzstativs im Vorfeld erreicht haben. Wohl um am heimischen Schreibtisch aufgestellt zu werden und ein bisschen Wiedererkennung zu schaffen. Und dann … fällt die Technik aus. Ein Provider-Problem, das aber – Gottlob – sehr schnell behoben werden kann.

Der Zugang zum Festival (Ob das Naming auch bei der Online-Variante gerechtfertigt ist?) wird über zwei Möglichkeiten bereitgestellt. Über Lineupr – eine App mit Desktopfunktion, die auch wir für unsere Petersberger Trainertage benutzen – ist das Programm abgebildet mit Links zu den Zoom-Räumen. Möglich ist auch der Zugang über Sococo, einer 2D-Plattform, die in diesem Fall das Aussehen eines Festivalgeländes hat (daher vielleicht der Name) mit Strandbar, Diskussionsräumen, Coffee-Corner, Mainstage etc. Hier kann man sich vernetzen und mit anderen in den Dialog treten, indem man den eigenen Avatar (ich bin ein türkiser Kreis mit Namen nic) in den entsprechenden Raum bewegt, das Mikro anmacht und die Videofunktion aktiviert. Das funktioniert. Aber nicht bei allen intuitiv. Das 17-minütige Video-Tutorial, das die Veranstalter im Vorfeld bereitgestellt haben, ist wohl nicht von allen konsultiert worden.

Work-X-Festival: Inhaltlich rund – aber seltsam einsam

Ungefähr 300 Teilnehmer hat work-X über die zwei Tage, die meisten sitzen allein am heimischen Rechner, einige wenige haben sich zu sogenannten Satelliten zusammengeschlossen – ein Art Rudelgucken, das sich im Zeitalter des Online- und Ewig-Alleinseins nebenbei etabliert. Ob das besser oder schlechter ist? Silke Luinstra von Augenhöhewege berichtet im Chat, dass sie beides probiert hat. Samstag in Hamburg im Satelliten, Sonntag allein vor dem Rechner. Ihr Fazit sinngemäß: Rudel ist gut, aber allein kann man sich besser konzentrieren und auch mehr einbringen. Und das taten die Teilnehmer überraschend häufig über die Chatfunktion bei Zoom. Zeitweise war der Chat so unterhaltsam wie der Second Stream auf Twitter, wenn sonntags der Tatort läuft.

Ob es schön ist, wenn Referenten dabei live abgestraft werden, steht auf einem anderen Blatt. Beim work-X Festival passiert das zwei Mal, weil die Inhalte nicht die Meinung und den Geschmack der (chattenden) Gruppe treffen. Ansonsten ist der Chat erhellend, immer wieder wird sich schnell gegenseitig weitergeholfen, auf Fragen mit Links und Tipps geantwortet. Großes inhaltliches Kino, das vermutlich auf das Konto der Beratungsprofis geht, die gut 30 Prozent der Anwesenden ausmachen.

Es sind für mich zwei stille und seltsam einsame Tage vor dem Rechner, zumal work-X ja am Wochenende stattfindet. Ich bin einer Reisegruppe zugeteilt, die sich gemeinsam networkingmäßig durchs Festival bewegen soll. Eine kluge Idee, das erste Treffen ist bei mir jedoch enttäuschend, weswegen ich mich gegen die Gruppe entscheide. Pausen hat intrinsify – oder um ganz korrekt zu sein: die work-X GmbH, die auf der Webseite als Veranstalter genannt wird – nicht eingeplant, die gibt es beim analogen Event auch nicht, alles ist der Selbstorganisation überlassen. Ich tue mich online jedoch schwerer, Programmpunkte auszulassen, da ich ja nicht zufällig jemanden auf dem Flur treffe, mit dem ich ins Gespräch komme. Ich bin daher froh, dass mein Mann hin und wieder vorbeischaut, per Zeichensprache fragt, ob ich Kaffee möchte oder Essen brauche. Hin und wieder greife ich zum Telefon, um meine Kollegin Marie anzurufen, sie ist mir emotional, vermutlich auch räumlich (drei Kilometer entfernt in ihrem Homeoffice), die nächste.

Inhaltlich ist der Kongress rund, aber auch breit: Poppenburg und Vollmer haben die 7 plus 1 Dimensionen, die sie für Erfolg in der neuen Arbeitswelt identifiziert haben, abgebildet. Darunter das Thema finanzielle Selbstständigkeit. Aber auch die von mir erwarteten Themen wie Organisation und Zusammenarbeit. Dazu sind tolle Impulsgeberinnen und -geber da: etwa Stephanie Borgert, Boris Gloger, Judith Muster. Nur schält sich ihre Botschaft in den moderierten, also aus Frage- und Antwort-bestehenden Sessions, weniger deutlich heraus als es vermutlich in einer klassischen Keynote der Fall gewesen wäre. Moderator und Fragesteller Florian Städtler hat meinen vollen Respekt und große Anerkennung verdient, wie er quasi nonstop zwei Tage den Großteil der Konferenz wuppt. Allein wegen dieser Leistung verzeihe ich ihm sofort, dass er aus meiner Sicht nicht immer die richtigen Fragen an die Impulsgeber stellt.

GSA-Convention: Wohlgefühl mit Wollsocken

Erfahrung macht klug, daher bin ich das nächste Event, die GSA Convention am darauffolgenden Freitag (11. September), anders angegangen. Ich habe mich für einen Mini-Satelliten in Köln entschieden, ein Corona-gerechtes Private Viewing bei meiner Freundin Petra Spiekermann, PR-Expertin. Sie ruft an, als ich noch im Auto sitze, und fragt: Wo ist denn der Link zur Convention? Ich erinnere mich, es ist eine Landingpage, auf die in einer der E-Mails verlinkt war. Die GSA hat die Online-Convention recht schnell aus dem Boden gestampft. Wie wir erfahren, hat Ex-Präsident Peter Brandl nach Corona-bedingter Absage des gebuchten Hotels in Stuttgart interveniert – sinngemäß: Och, nö, nicht ausfallen lassen. Die GSA hat daher ihre Bordmittel aktiviert, Techniksupport von Ex-Präsidentin Gaby Graupner und ihrem Partner Oliver etwa.

Das Wetter ist herrlich, daher richten wir uns auf der Dachterrasse von Petras Büros ein. Gestreamt wird die Hauptbühne über Vimeo. Keine so gute Idee, wie Improkünstler und inzwischen Hybrid-Profi Ralf Schmitt in einem der parallelen Sessions befindet: ist unzuverlässig. Er sollte recht behalten. Mehrfach, vor allem gegen Abend, bricht die Verbindung kurz ab. Gut, dass der Chat weiter funktioniert. So fühlt sich niemand allein bei den kleinen technischen Holpereien, niemand hat das Gefühl, eigenes Technikversagen ist schuld.

Wenn es aber läuft, geht mir bei der #GSACon20 – so das Hasthtag – regelrecht das Herz auf. Ich kenne die Community gut, habe an den meisten Conventions teilgenommen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen auch mich, werden sie doch mit dem Magazin managerSeminare monatlich beliefert. Im 2D-Raum High Fidelity freue ich mich regelrecht, die Stimmen von Martin Laschkolnig und Sabine Asgodom zu hören. „Auch hier? Wie schön“. Dennoch ist die Erfahrung strange: In High Fidelity bewegt man nicht seinen Avatar, sondern den Raum, man schiebt ihn quasi unter sich her. Zudem braucht man unbedingt einen Kopfhörer, da es hallt. Anders als etwa in Sococo bei work-X, wo man einen Raum betreten muss, um mit den Menschen darin zu sprechen, hört man in High Fidelity die Leute schon von Weitem sprechen. Wie im echten Leben? Nein, nicht so ganz …

Die GSACon ist natürlich auch anders als in all den Jahren zuvor. „Kein Ballsaal, keine Bühne, keine Bussis“, resümiert Petra. Dennoch haben wir Spaß vor dem Laptop, inzwischen tragen wir Wollsocken, weil es auf der Dachterrasse fußkalt geworden ist. Das Programm ist abwechslungsreich: Keynotes, auch aus dem Ausland mit spontaner Simultanübersetzung von Gaston Florin im Chat, zuvor aufgezeichnete Einspieler mit Botschaften von Mitgliedern, Unconferences mit Padlet-Einsatz in den Breakout-Sessions, launige Moderationen … Selbst zu einem ordentlichen Mittagessen kommt es: Von mir vorgewarnt, dass Mittagspausen bei Online-Events zu kurz zum Kochen sind, hat Petra vorgekocht.

Inhaltlich dreht sich alles um die Krise oder genauer, um Plan C – wie die Convention treffend übertitelt ist. Katja Kerschgens, an MS erkrankt und daher in den Rollstuhl gezwungen, berichtet unverblümt über die Herausforderung ihrer Krankheit und gibt uns mit: „Komm, lass uns Pilze finden (nicht suchen)! Glück ist eine Entscheidung.“ Eric Händeler, Spezialist im Thema Kondratieff-Zyklen, macht uns nachdenklich, als er resümiert: „Unsere Wirtschaftskrise ist verschuldet durch die mangelnde Produktivität im Umgang mit Wissen.“ Und Susanne Nickel gibt Einblick in ihre Umsatzahlen und Vortragsvolumina, die in der Krise kolossal zusammenschmolzen. Während des Lockdowns schrieb sie ihr Buch „Die Krise kann uns mal“, und das ist auch ihre Botschaft an diesem Tag: „Kannibalisier´Dich selbst, mach dir die Finger dreckig, Scheitern erlaubt!“ Inhaltlich alles solide.

„Sollen wir eigentlich zum Presidents Cocktail das kleine Schwarze anziehen?“, fragt Petra plötzlich. Wir gucken an uns herunter und müssen lachen, als wir unsere Wollsocken sehen. Auf dem Bildschirm sammelt sich die GSA-Gemeinschaft, um gemeinsam anzustoßen. Gin war im Vorfeld an die rund 200 Teilnehmer verschickt worden, eine Gabe des Sponsors Blenndis. Wir haben allerdings kein Päckchen erhalten, daher köpfen wir eine Flasche Champagner – unser Plan C für heute. Von Gaby Graupner werden wir per Zoom in Mini-Breakouts verteilt zum Speednetworking. Wir treffen unter anderem Laura Baxter, Renee Moore und Lothar Seiwert, auch Vivienne Dübbert ist da – letztere zugeschaltet vom anderen Ende Kölns. Alles anders, aber doch irgendwie auch nicht. Ich sitze mit Petra am Tisch – wie eigentlich immer bei GSA-Conventions.

Corporate Learning Camp: Krass selbstorganisiert

Meine nächste Online-Konferenz könnte fast nicht gegensätzlicher sein. Ich bin beim Corporate Learning Camp hybrid am 24. und 25. September. Wobei der Begriff „hybrid” eigentlich nicht passt – er kam noch aus der Zeit der Planung, zu der mehrere Unternehmen Satelliten zum Rudelgucken angeboten hatten. Jetzt aber kommt fast alles von irgendeinem Schreibtischrechner. Das Corporate Learning Camp ist ein Barcamp und daher ohnehin keine Glamour-Konferenz, sondern eher so etwas wie „ein Treffen der Politik-AG in der Schulbibliothek“, wie meine Kollegin Sylvia treffend formuliert, die zeitgleich mit mir in ihrem Homeoffice teilnimmt: Alle wissen sehr genau, warum sie mitmachen, sind enorm engagiert – und halten sich nicht mit Äußerlichkeiten auf.

Zugang bekommen wir über ein Google-Doc, das an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen ist. 77 Sessions sind eingetragen, mein Laptop-Bildschirm weigert sich, sie überhaupt auf einmal nebeneinander anzuzeigen. Professionelle Kongressorganisatoren würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, die Corporate Learner nicht. Sie sind das Niederschwellige, Einfache gewöhnt. Die Community trifft sich schon länger auf diese Weise, niemand mault, und gefühlt finden sich alle auch irgendwie zurecht.

Gejammert wird auch dann nicht, als jedem anderen Kongressveranstalter wohl verbale Watschen erteilt worden wären: Bei der Begrüßungssession per Zoom – ich habe mich früh eingewählt und bin daher drin – stellt sich plötzlich heraus: 100 Personen kommen rein und nicht eine mehr. Wie kann das sein? Ich öffne Telegram auf dem Handy, ein Dienst ähnlich wie WhatsApp, nur datenschutzkonformer, bei dem es eine Gruppe Corporate Learning Community gibt. Ich hatte die App im Vorfeld installiert (gut vorbereitet, gell? ;-)) und lese mit, dass die anderen – angemeldet waren um die 380 – keinen Zugang bekommen. Mitorganisator Simon Dückert reagiert sofort und streamt die Zoom-Konferenz kurzerhand nach YouTube. Wow! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Er ist mein Technik-Held des Tages. Das sage ich ihm später auch auf Twitter.

Auch die Community reagiert sofort: Blitzschnell ist klar, dass diejenigen, die ihre Session pitchen wollen, das nicht über YouTube machen können, denn da sind sie nur Zuschauer. Dazu muss man wissen, dass bei Barcamps die Teilgebenden – das sind die, die eine Session anbieten wollen – ihr Thema der Crowd kurz vorstellen. Im analogen Leben wird über den Zuspruch zu einer Session abgestimmt, im virtuellen Leben entfällt der Prozess, da es unendlich viele Räume geben kann. Die Corporate Learner wissen um die Prinzipien des BarCamps, ohne Ansage verlassen diejenigen ohne Session-Wunsch Zoom. Auch ich wechsle zu YouTube.

Dieser Moment bleibt mir im Gedächtnis. Als „Krasse Herde“ bezeichnet sich die Community mit Hashtag auf Twitter. Verdient! Krass selbstorganisiert. Das gilt übrigens auch für den weiteren Verlauf des BarCamps und die Orga der Sessions. Auf Wunsch stellt der Veranstalter – als Kopf sei mal Karlheinz Pape erwähnt – einen Raum für den Teilgeber per Zoom bereit. Mein Eindruck aber: Die meisten organisieren ihre Räume selbst, schreiben ihren Link einfach ins Google-Doc-Doku. Fertig.

So kommt es, dass es Vorträge und Diskussionen auf insgesamt sechs verschiedenen Konferenztools gibt (die meisten über Zoom, ein Drittel über MS Teams, vereinzelt BlueJeans, Webex, Studio Link und Jitsi) sowie in den 3-D-Räumen von TriCat. Immer wieder kommen auf Telegram Hinweise, dass jemand den Raum nicht findet – fast wie im echten Leben. Das Google-Doc-Doku ist zeitweise überfordert, die Links finden sich dann in den Session-Beschreibungen, die nicht von jedem gefunden werden. Dafür muss man scrollen. Doch es hilft immerzu die Community auf Telegram. Networking und gemeinsames Ahoi-Brause-Trinken – im Vorfeld wurde ein Päckchen Brause zugeschickt – läuft über die Video-Chat-Software Wonder, die bis wenige Tage vor dem Camp noch Yotribe heißt.

Die Agile HR Conference: Wow im Wohnzimmer

Die vierte Konferenz, an der ich teilnehme, ist die Agile HR Conference am 30. September und 1. Oktober. Wieder mit dabei meine Kollegin Sylvia in ihrem Homeoffice. Die AHRC20 ist unser erstes Event, das zumindest halbwegs den Begriff hybrid verdient, denn es wird größtenteils aus den Balloni-Hallen in Köln übertragen. Zwar ist kein Live-Publikum vor Ort, sondern nur die Referentinnen und Referenten und das Orga-Team. Doch Sylvia ist von Anfang an begeistert. Dass viele Vorträge von einer echten Bühne aus moderiert werden, sorgt für ein ganz anderes Event-Feeling, findet sie: „Als am Anfang HR-Pioneers-Chef André Häusling mit Lichtshow und Musik sozusagen live in mein Wohnzimmer einläuft, war das regelrecht: Wow.“

Abgebildet ist diese Konferenz über die Event-Plattform Hopin.to, die den Zugang zu den unterschiedlichen Stages (zwei Live-Bühnen in den Balloni-Hallen und den Sessions aus Büros oder Homeoffices heraus) ermöglicht. Im Laufe der Veranstaltung wird deutlich, wie viel die Hallen-Atmosphäre hermacht – gerade im Vergleich zu den Sessions, die von einem Homeoffice aus moderiert werden. Bei uns fallen daher die Keynotes, die am Schreibtisch sitzend gehalten werden, deutlich in der Bewertung ab. „Der Inhalt ist völlig korrekt, trotzdem habe ich meist direkt wieder anderswohin geschaltet“, so Sylvia. Inhaltlich ist der Kongress ohnehin korrekt: Das Spektrum reicht von Unternehmensbeispielen – mein Highlight war „unlearning hierarchy“ von SAP – bis zum Austausch über Online-Aktivierungen. Unangefochten vorn dabei für mich: die Erfahrung mit name game, einem Spiel, das die Nachteile des Mulitaskings bei der Bearbeitung von Kundenanliegen verdeutlicht.

Auch das Networking wird über Hopin.to organisiert, man wird entweder einer Person per Video zugeteilt oder landet in einem größeren Setting mit mehreren Personen. Allzu viel können wir dazu nicht sagen, denn unabhängig voneinander probieren wir das Networking zwar aus, nutzen es aber dann nicht mehr weiter. Sylvia resümiert: „Auch wenn ich gern (wie viele andere) beklage, dass es schade ist, dass die informellen Pausengespräche wegfallen, ist die Verlockung, zwischen den Online-Impulsen den Bildschirm zu verlassen, doch größer als die Sehnsucht nach persönlichem Austausch.“ Bei mir kommt hinzu, dass ich es online komisch finde, mir meinen Netzwerkpartner nicht oder weniger gezielt aussuchen zu können. Mich strengt das einfach an.

Ob es anderen auch so geht? Zumindest der Veranstalter des Corporate Learning Camps bestätigt in seinem Rückblick, dass auf Wonder wenig Betrieb war: „Offenbar nutzen die meisten die Pausen dann doch lieber, um mal aufzustehen und sich einen Kaffee zu holen …“ Denn den gibt es auf virtuellem Wege ja tatsächlich noch nicht.


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18. September 2020 | Von Redaktion

Hybrid Leadership: Brückenbauer Führung

Seit Beginn der Corona-Krise macht ein Begriff besonders Karriere: hybrid. War vormals der Begriff vor allem konnotiert mit dem Antrieb von Fahrzeugen, denkt man aktuell im Management und in der Personalentwicklung vor allem an die Verschmelzung der virtuellen mit der physischen Welt, wie sie aktuell in Meetings und Konferenzen geschieht. Hybrid könnte jedoch auch ein guter Begriff sein, um die aktuellen Anforderungen an Führung zu beschreiben, sind die Autoren unseres diesmaligen Titelthemas, Frank Bischoff und Christian Heiss, überzeugt.

Beitrag von Nicole Bußmann

„Hybrid“ bedeutet „gebündelt“ oder „gekreuzt“. In technischen Branchen geht es bei Hybrid-Lösungen darum, zwei meist sehr unterschiedliche Systeme durch schlaue Brückentechnologien zu verbinden. Übertragen auf Führung würde die „intelligente Technologie“ die Brücke sein zwischen den Anforderungswelten, denen sich Führungskräfte aktuell gegenübersehen. Auf der einen Seite stehen die Anforderungen des Neuen Arbeitens, die sich vor allem aus den Megatrends der Arbeitswelt ergeben: Digitalisierung, Dynamisierung, Diversifizierung und Demokratisierung. Auf der anderen Seite finden sich die klassischen Führungsanforderungen wie die Erzeugung von Stabilität und die Schaffung von Klarheit. Diese verschwinden mit dem Wandel der Arbeitswelt nämlich nicht einfach – wie die New-Work-Diskussion manchmal implizit glauben machen will –, denn sie sind eng mit menschlichen Grundbedürfnissen verknüpft, etwa dem nach Kontrolle oder dem nach Bindung. Hybride Führung beschreibt demnach eine Art und Weise zu führen, die beide Seiten nicht nur im Blick hat, sondern sie idealerweise sogar klug miteinander verbindet.

Kassandra von Troja war dazu verflucht, dass sie die Zukunft vorhersagen konnte – aber niemand ihren Weissagungen Glauben schenkte. Solche vergeblichen Warner gibt es auch außerhalb der Mythologie. So hätte die Corona-Pandemie wahrscheinlich früher eingedämmt werden können, wären frühe Warnzeichen nicht ignoriert worden. Auch in der Unternehmenswelt gibt es viele Beispiele für Krisen, die – im Nachhinein betrachtet – vermeidbar gewesen wären, hätte man auf die richtigen Leute gehört. Die Schwierigkeit dabei ist freilich, zu erkennen, wer diese richtigen Leute sind. Denn neben Kassandras gibt es auch Unken und Narzissten. Wie also unterscheidet man ernst zu nehmende Mahner von Bremsern und Nörglern? Und wie können Unternehmen ihre Vorhersagen nutzen, um sich für unerwartete Entwicklungen zu wappnen? Nachzulesen im Beitrag von Chris Böhler.

Viel Spaß beim Lesen und viel Erkenntnisgewinn! Das gesamte Heft gibt es hier zum Download!


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8. September 2020 | Von Redaktion

TrainCamp2020: Das Barcamp für Weiterbildungsprofis wird digital

Veranstaltungen sind in diesem Jahr nicht einfach zu planen. Sie immerzu ausfallen zu lassen oder auf den Tag x zu verschieben, ist aber auch keine Option. Darum wird das TrainCamp in diesem Jahr digital stattfinden. Denn ein Austauschformat für Trainer, Beraterinnen, Coachs und Co. sollte genau das sein: ein Experimentierfeld – auch für Online-Events.

Ein Beitrag von Nicole Bußmann & Marie Pein

Vieles ist anders in diesem Jahr – auch das Veranstaltungsbusiness. Wir können ein Lied davon singen. Auch unsere beiden Veranstaltungen – Petersberger Trainertage und Cube – Das Visu-Event – hat es erwischt. Bei den PTT, die Ende April hätten stattfinden sollen, blieb keine Wahl. Die Pandemie nahm gerade so richtig Fahrt auf, und jegliche Events waren untersagt. Unser Neuling Cube sollte dann im September Premiere feiern – doch auch ihn mussten wir absagen. Es waren schon zu viele Teilnehmende angemeldet (ein eigenartiger Satz aus der Feder eines Veranstalters ;-)), die angemieteten Räume waren nicht gut mit Abstand zu bestücken, das Risiko, vor allem Unzufriedenheit zu produzieren, erschien uns für die Premierenveranstaltung zu groß. Und nicht zu vergessen: auch das gesundheitliche Risiko.

Damit zwei abgesagte Veranstaltungen der traurige Höhepunkt bleiben, haben wir seit Wochen über das TrainCamp, das Barcamp für Weiterbildungsprofis, nachgedacht. Ursprünglich war angedacht, das Barcamp, wie auch in den zwei Jahren zuvor, in den modernen Design Offices in Köln stattfinden zu lassen. Doch so sehr wir die Location auch schätzen, es kamen immer mehr Zweifel auf: Wie sinnvoll ist es, eine weitere Präsenz-Veranstaltung in diesem Jahr zu planen? Noch dazu Ende November, wenn wir vielleicht mitten in der zweiten Welle oder einem winterlichen Pandemie-Hoch stecken?

Also vielleicht online? Wir wissen natürlich um die Bedeutung von „echten“ Begegnungen. Vor allem in unsicheren Zeiten, vor allem in Zeiten, in denen alle den größten Teil ihrer Zeit im Home Office sitzen und sich eine gewisse Zoom-Fatigue breit macht – brauchen wir nicht gerade dann das zwischenmenschliche Aufeinandertreffen?? Insbesondere bei einem Format wie dem TrainCamp, das auf kollegialen Austausch und Vernetzung ausgelegt ist…

Sicherlich kann man für beide Seiten gute Argumente finden. Wir haben uns für das Abenteuer „Online-Barcamp“ entschieden – die erste virtuelle Veranstaltung aus dem Hause managerSeminare. Am 27. November 2020 ist es daher soweit: Dann werden die virtuellen Türen des TrainCamps2020 geöffnet. Abgesehen vom Wechsel in den virtuellen Raum bleibt das Barcamp jedoch seiner Idee treu: Die Interessen, Fragen sowie der Diskussions- wie Austauschbedarf von Trainern, Beraterinnen, Coachs und Co. stehen im Mittelpunkt – weshalb die Teilnehmenden das Programm selbst bestimmen können.

Und Bedarf an Austausch sollte reichlich bestehen. Was in diesem Jahr beispielsweise diskutiert werden könnte: Wie geht es nach bzw. während der Corona-Krise weiter in der Weiterbildungsbranche? Wie können Trainings- und Coachinginhalte digitalisiert werden – und was sollten diese kosten? Welche digitalen Tools eignen sich für Trainings- oder Coaching-Zwecke besonders gut? Aber auch Themen ohne Corona-Bezug sind natürlich willkommen – beispielsweise zum Trainer-Marketing, zu Trendthemen wie Agilität und New Work. Den Ideen der Teilnehmenden sind keine Grenzen gesetzt – mit einer Ausnahme: Werbliche Inhalte sind nicht willkommen.

Wichtig ist uns, den selbstorganisierten Charakter der Veranstaltung beizubehalten. Und zwar ohne, dass Chaos ausbricht und die Veranstaltung trotz zwangsweiser Isolation vor dem eigenen Rechner zum Networking beiträgt. Viele Erfahrungsberichte mit ersten Online-Barcamps haben wir im Netz gelesen, viele Online-Konferenzen besucht, darunter auch Barcamps. Plattformen schauen wir uns an, Tools testen wir. Und aus allem versuchen wir zu lernen und das Beste rauszuziehen bzw. auszuwählen, damit das TrainCamp eine gelungene Veranstaltung wird. Und alle am Ende daraus lernen, wie denn ein Barcamp bestmöglich digital gestaltet werden kann.

Der aktuelle Stand unserer Überlegungen sieht so aus: Wie in den Vorjahren bitten wir darum, dass alle Teilnehmenden, die möchten, im Vorfeld des TrainCamps ihre Idee für eine Session einreichen. Anders als bei dem Offline-Format ist die Vorabeinreichung wichtig, wenn nicht gar zwingend. Denn damit bei der digitalen Premiere alles möglichst reibungslos abläuft und nicht zu viel Zeit für die Sessionplanung draufgeht, sollen alle Themenideen schon vorab auf den Sessionplan verteilt werden. Eine Abstimmung über die beliebtesten Sessions am TrainCamp-Tag entfällt. Beibehalten wird aber die Vorstellung der Sessions zu Beginn des Barcamps. Jeder Sessiongebende stellt seine Idee in wenigen Sätzen vor. Dann ist es den Teilnehmenden selbst überlassen, in welchem digitalen Sessionraum sie mitdiskutieren möchten. Neben den inhaltlichen Gesprächsrunden wird es auch bei der digitalen Variante viele Möglichkeiten und Gelegenheiten zum Netzwerken geben. Eine entsprechende Plattform testen wir gerade. Zu viel wollen wir vorab aber nicht verraten – also seid gespannt.

Wer genaueres wissen will, ist herzlich zu unserem Experiment eingeladen. Tickets für das TrainCamp2020 gibt es unter www.traincamp.online
– und bis zum 15. Oktober gilt der Frühbucherpreis!

Alle Infos im Überblick:

Was: TrainCamp – Das Barcamp der Weiterbildung
Wann: Freitag, 27. November 2020, 9:30 – 16:30 Uhr
Wo: Digital, virtuell, im Netz
Tickets: Early Bird bis zum 15. Oktober: 79,90 EUR für Abonnentinnen und Seminarmarktkunden, 99,90 EUR für alle, die weder das eine noch das andere sind. Ab dem 15. Oktober: 99,90 EUR für Abonnenten und Seminarmarktkunden, 119,90 EUR für alle anderen.
Hashtag: #TrainCamp2020
Link: www.traincamp.online


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4. September 2020 | Von Redaktion

Extraheft: Coaching als Enabler für die VUKA-Welt

Kollektiver Umzug ins Homeoffice, von heute auf morgen obsolete Planzahlen, ein plötzlicher Digitalisierungsschub, neue Geschäftschancen, sporadische Rückkehr ins Büro unter besonderen Bedingungen … Die VUKA-Welt ist seit einem halben Jahr in einer Dimension live zu erleben, die bis dato unvorstellbar war. In dieser unberechenbaren Welt zu agieren ist für Führungskräfte wie für Unternehmen als Ganzes extrem anspruchsvoll. Coaching kann ihnen dabei wichtige Unterstützung bieten. Wie genau, lesen Sie im aktuellen Extraheft von managerSeminare.

Ein Beitrag von Andree Martens

Dass Coaching die Fahrt durch VUKA erheblich erleichtern kann, ist weder Werbung noch Wunschvorstellung, sondern Untersuchungsergebnis. Der Organisationsentwickler Axel Klimek hat in einer gemeinsamen Studie mit der Hochschule Darmstadt herausgefunden: VUKA-Fitness und Coaching-Kultur gehen Hand in Hand. Wie sich eine intensive Nutzung von Coaching in Organisationen konkret auswirkt und bei der Bewältigung welcher VUKA-Herausforderungen Coaching wie am meisten hilft, schildert Studienleiter Klimek im Interview.

Ein zentrales Element einer Coaching-Kultur ist ein Pool externer Coachs, aus dem Unternehmen bedarfsgerecht schöpfen. Wie gelingt der Aufbau eines solchen Coach Pools? Worauf ist bei der Pool-Pflege zu achten? Und wie lässt sich sicherstellen, dass der Coach Pool sowohl für die einzelnen Organisationsmitglieder als auch die Organisation insgesamt den bestmöglichen Nutzen stiftet? Die Antworten liefert Coach und ICF-Vorstand Richard Grillenbeck in seinem Beitrag Anleitung zum Pool-Bau.

Ein anderes Kernelement einer Coaching-Kultur nimmt Karin von Schumann in den Blick: das (regelmäßige) Hineinschlüpfen der Führungskraft in die Rolle eines Coachs. Mitarbeitercoaching funktioniert auch über Distanz, wie die Beraterin in ihrem Artikel darlegt, ist im Remote Modus aber noch anspruchsvoller als ohnehin.

Zum Thema Coaching über Distanz gibt es noch mehr in diesem Extraheft – etwa eine Übersicht über verschiedene Online-Coaching-Formate, geliefert von der Coaching- und Digital-Expertin Sandra Dundler. Denn auch Coaching hat durch die Corona-Krise einen deutlichen Digitalisierungsschub erfahren. Vielleicht kommt ein deutlicher Bedeutungsschub hinzu – und in der Folge eine Erhöhung der VUKA-Fitness der Firmen.

Das Extraheft liefert in insgesamt sechs Fachbeiträgen Coachingwissen für Führungskräfte und Personaler. Erschienen ist es als Heft im Heft in managerSeminare. Hauptheft samt Extraheft können hier in Form eines einmonatigen Probeabos bestellt werden.

Viel Spaß beim Lesen! Und bleiben Sie gesund.


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