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Prozessmodell Coaching: Die Phasen des Coachings richtig nutzen

Mit einem Prozessmodell will die Coach-Trainerin Bärbel Röpke-Stieghorst, Bielefeld, die Arbeit von Coaches systematisieren. Ihrer Erfahrung nach unterteilt sich ein gelungener Coaching-Prozess in sieben Phasen - von der Begrüßung bis zum Abschließen der Sitzung. Gedacht ist das Modell als Leitfaden und Lernkonzept für Coaches. Röpke-Stieghorst hat für jede Phase formuliert, wo der jeweilige Fokus liegt, wie der Coach vorgehen kann und wo der Nutzen der beschriebenen Vorgehensweisen liegt. Das Prozessmodell im Einzelnen:

Phase 1: Die Begrüßung
Bereits in den ersten Sekunden der Begegnung von Coach und Coachee zeigt sich nach Erfahrung von Röpke-Stieghorst oftmals das versteckte Thema des Coachees. Auskunft über das Coaching-Thema können z.B. Haltung, Gestik und Mimik des Coachees geben. Ist er unsicher, ängstlich, nervös? Erwähnt er etwa in einem Nebensatz, er habe schon immer Schwierigkeiten beim Fällen von Entscheidungen gehabt? In dieser Phase ist es wichtig, dass sich der Coach ganz auf den Coachee zentriert und diesem neugierig und wach begegnet.

Phase 2: Der Kontaktaufbau
Für den Coachee ist das Coaching meist eine ungewohnte Situation. Daher liegt es am Coach, eine tragfähige Beziehung zum Coachee aufzubauen. Er sollte seinen Klienten auffordern, einen für ihn angenehmen Platz auszuwählen. Zudem ist es laut Röpke-Stieghorst hilfreich, zunächst einen Small-Talk anzustoßen, in dem es nicht um das Coaching-Thema, sondern um unverfängliche Dinge geht. Es können auch Formalien wie Zeiten für Coaching-Sitzungen, die Arbeitsweise und das Mit-einander geklärt werden. Der Coach sollte in dieser Phase aber auch für Klarheit sorgen und dem Coachee seine Wahlfreiheit für oder gegen das Coaching deutlich machen.

Phase 3: Grundsätzliches Anliegen erfragen
In dieser Phase gilt es, die Motivation des Coachees für das Coaching zu erfassen. Hilfreich ist es laut Röpke-Stieghorst, auf Schlüsselworte zu achten, die Hinweise auf die Weltsicht des Coachees geben können. Auf diese Weise soll der Coach he-rausfinden, wie der Coachee über sein Anliegen denkt, welche Perspektiven er möglicherweise ausblendet, ob er handlungsfähig ist. Diese Informationen sind für den Coach wichtig, um dem Klienten neue Perspektiven anbieten zu können. Fragen, die in dieser Phase nützlich sind: Was führt Sie zu mir? Was haben Sie bisher getan, um Ihr Problem zu lösen? Woran erkennen Sie, dass unsere Zusammenarbeit hilfreich ist?

Phase 4: Ziel für die aktuelle Sitzung ermitteln
Aufgabe des Coaches ist es, den Begleitprozess klar und transparent zu gestalten. Daher sollte der Coach nach Ansicht von Röpke-Stieghorst zu Beginn jeder Sitzung fragen, welche Unterstützung der Coachee sich von der aktuellen Sitzung im Einzelnen erhofft. Die Zielformulierung wird vom Coachee vorgenommen, während der Coach die Ressourcen und Bewältigungskompetenzen seines Klienten erfasst, die in späteren Phasen genutzt werden. Der Coach kann sich von Fragen leiten lassen wie: Welche Stärken im Umgang mit Schwierigkeiten höre ich heraus? In welcher Situation trat das Problem nicht auf?

Phase 5: Angebote für die Sitzung machen
Hat der Coachee das Sitzungsziel formuliert, ist laut Röpke-Stieghorst der Coach am Zug: Er muss Interventionsmöglichkeiten anbieten. Basierend auf seinem methodischen Repertoire hat er dabei transparent zu machen, welche Interventionen in Frage kommen. Da beim Coaching der Coachee der Experte der eigenen Entwicklung ist, sollte er selbst entscheiden, welche der vorgeschlagenen Interventionsformen angemessen sind. Dadurch, so Röpke-Stieghorst, werde das Selbstwertgefühl gefördert.

Phase 6: Lernerfahrung kreieren
Dies ist die Kernphase der Begleitarbeit. Ziel der Interventionen sollte es nach Röpke-Stieghorst sein, den Coachee zu unterstützen, sich neu zu sortieren. So geht es z.B. darum, sich Muster, Strukturen und Zusammenhänge bewusst zu machen, die eigenen Handlungsmöglichkeiten und die eigene Weltsicht zu erweitern und so zu größerer innerer Freiheit zu gelangen.

Phase 7: Rückblick, Ausblick
In der letzten Phase soll der Coaching-Prozess zum Abschluss gebracht werden. Hier bietet sich laut Röpke-Stieghorst die Arbeit mit Ritualen an. Z.B. können Coach und Coachee im Raum neue Plätze annehmen und gemeinsam auf den leeren Platz des Coaches blicken. So nehmen beide physisch eine Beobachterposition ein. Von dieser Metaebene aus ist ein Resümee der Sitzung möglich. Der Coachee kann z.B. berichten, was ihm besonders hilfreich war, und der Coach darauf hinweisen, welche Stärken er beim Coachee wahrgenommen hat. Zudem sollte der Coachee Vorsätze fassen, wie er das, was ihm in der Sitzung klar geworden ist, in den Alltag integrieren will.

Weitere Infos zum Prozessmodell erteilt Bärbel Röpke-Stieghorst per Telefon. (aen)

Training aktuell, Heft 10/04 vom 04.10.2004 (4764 Zeichen)

Tel.: 0521-6 87 26

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