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Manager treffen Digital Natives

Was passiert, wenn Entscheidungsträger und Digital Natives in einem Raum zusammenkommen? Auf dieses Experiment haben sich die rund 100 Teilnehmer des Open Space DNAdigital eingelassen: Anfang November 2008 trafen Manager von Unternehmen wie IBM und Microsoft auf Vertreter der Generation Internet und diskutierten gemeinsam über die Zukunft der Wirtschaftswelt. Training aktuell mit dem Bericht zu einer energiegeladenen Veranstaltung.

Dr. Sven Hischke ist Manager. Genauer: Leiter Innovationsmanagement bei der Deutschen Telekom AG. Sein Gegenüber drückt noch die Schulbank: Timo Heuer besucht die Fachoberschule in Hannover, schreibt nebenbei für das Open-Source-Magazin t3n und organisiert Events zum Thema Web 2.0. Ein waschechter Digital Native also ... Die ungleichen Gesprächspartner lehnen an einem Stehtisch, gestikulieren, hören zu, diskutieren: Welche Erwartungen hat die Generation Internet an ihre zukünftigen Arbeitgeber? Was erhoffen sich die Unternehmen von den vernetzten jungen Leuten?

Manager trifft Schüler

Ermöglicht hat diesen Austausch die CoreMedia AG. Das 2.0-Vorzeige-Unternehmen ist Organisator des DNAdigital, eines Open Space, das Entscheidungsträger und Digital Natives zusammenbringt: SAP, Microsoft, Otto, Cisco und IBM – große Namen sind der Einladung nach Berlin gefolgt und finden sich Anfang November 2008 in der HomeBase Lounge in der Nähe des Potsdamer Platzes ein. Zwischen Stehtischen, Bar und Sitzecken treffen die Manager auf ihre Mitarbeiter in spe. Gemeinsam wollen sie den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel diskutieren, der durch Web 2.0 ins Rollen gebracht wurde, und einen Blick auf die Arbeitswelt von morgen werfen.

'Brücken bauen' heißt die Devise der Veranstaltung, die von der Arbeitsgruppe 'Konvergenz der Medien' unter Vorsitz von René Obermann angestoßen wurde. Durch den Tag führt – dem Geist des Events Rechnung tragend – ein gemischtes Moderatoren-Trio: Willms Buhse von CoreMedia sowie die Digital Natives Jonathan Imme und Dominik Wind weihen die rund 100 Teilnehmer ein in die Prozesse des Open Space und leiern die Themenfindung an. Bald füllt Stimmengewirr die Lounge: Insgesamt 14 Arbeitsgruppen scharen sich um jeweils ein Flipchart, durchlaufen die traditionelle Vorstellungsrunde und starten in die Diskussionen. Einige Stichworte: Social Media Index, Arbeitsplatz der Zukunft, Kontrolle und Vertrauen, digitaler Zeitgeist und Produktfindung 2.0.

Licht und Schatten

Ein Thema, das in allen Gruppen heiß diskutiert wird, sind die 2.0-Tools: Bieten Blog & Co. wirklich einen Mehrwert für Unternehmen oder sind sie nur technische Spielereien für die Digital Natives und ihre Netzwerke? Vor allem Twitter stößt bei vielen Managern auf Unverständnis. Nur wenige Organisationen haben das Potenzial des Mikro-Blogging-Dienstes erkannt und nutzen ihn, um beispielsweise den Informationsfluss zwischen Mitarbeitern und Führungsetage zu gewährleisten. Deutlich verbreiteter ist die Arbeit mit Netzwerken wie Xing. 'Skill-Datenbanken sind obsolet', fasste es ein Unternehmensvertreter in Worte. 'Wer sich über die Kompetenzen seiner Mitarbeiter informieren will, geht zu Xing. Der Vorteil: Die Mitarbeiter halten ihre Profile dort auf dem neuesten Stand. Der Aufwand ist also minimal.'

Doch auch Kehrseiten der wachsenden 'Zwopunktnulligkeit' kommen zum Vorschein: Unternehmensvertreter klagen über die Informationsflut, die jeden Tag aufs neue über sie hereinbricht. 'Mein halber Arbeitstag geht dafür drauf, mein E-Mail-Konto durchzuarbeiten', lautet ein Kritikpunkt. 'Mit neuen Kanälen wie Twitter oder Instant Messaging kommt es zu einem wahren Informations-Overkill. Auch ein heikler Punkt: das Thema Datenschutz. 'Durch die neuen Tools werden Dinge transparent, die viele lieber unter Verschluss halten würden', gibt die Gruppe 'Arbeitsplatz der Zukunft' zu bedenken. Und das bezieht sich nicht nur auf Unternehmensinterna, wie in der Gesprächsrunde deutlich wird: Eine Führungskraft berichtet von dem Versuch, E-Mail als unternehmensweites Kommunikationsmittel durch Instant Messaging zu ersetzen. Dieses Unterfangen wird – so der Beispielgeber – vermutlich am Betriebsrat scheitern. Dessen Argument: Durch die Log-in-Daten erhält das Unternehmen unzulässige Informationen über die Anwesenheitszeiten seiner Mitarbeiter.

Kluft zwischen Digital Natives und Immigrants

Ein weiteres Problemfeld, das sich gerade bei größeren Unternehmen auftut: die Kluft zwischen Digital Natives und Immigrants. Theoretisch sollen die neuen Tools den Abstand zwischen Top-Management und Mitarbeitern verringern: Per Blog und Wiki können nicht nur Informationen aus der Führungsetage publik gemacht, sondern auch Rückmeldungen aus unteren Hierarchie-Ebenen eingeholt werden. In der Praxis sieht das allerdings anders aus. Christopher Schläffer, Leiter Konzernentwicklung bei der Telekom, formuliert es so: 'Ein Unternehmen wie unseres muss den Spagat schaffen, alle Alters- und Berufsgruppen anzusprechen: die Jungen ebenso wie die Alten, die medienaffinen Wissensarbeiter ebenso wie die Menschen, die die Straße aufreißen, um Leitungen zu verlegen. Und über die neuen Tools lässt sich das nicht immer erreichen.' Längst nicht alle Mitarbeiter seien begeistert und in der Lage, Wikis und Blogs mit Inhalten zu füllen, geschweige denn mit Twitter zu experimentieren.

Dass 2.0-Instrumente in Zukunft trotzdem ein Muss für die Unternehmen sind – darüber herrscht Einigkeit unter den DNAdigital-Teilnehmern. Schließlich ist die Wirtschaft auf die jungen Leute angewiesen und bestrebt, sie als Arbeitnehmer zu gewinnen: Frische Ideen und Impulse, wirksame 'Mittel gegen Corporate Alzheimer', effektivere Strukturen, eine neue Kultur – all das erhoffen sich die Entscheider von den Digital Natives. Und dieses Potenzial können sie nur erschließen, indem sie den innovativen Köpfen im Berufsleben die technische Umgebung bieten, die diese aus Studium und Freizeit kennen.

Klassische Strukturen ade

Indes – und auch das wird auf der Veranstaltung in Berlin deutlich: Mit der Einführung von Twitter & Co. allein ist die Generation Internet nicht zufriedenzustellen. 'Wir wollen die Freiheit, das zu tun, was uns intrinsisch unter den Nägeln brennt', fordert beispielsweise einer ihrer Vertreter. 'Wir wollen nicht nur die Freiheit, Ideen, Konzepte und Produkte zu entwickeln, sondern auch die Freiheit, diese Innovationen umzusetzen.' Ein weiteres Muss aus Native-Sicht: die Verknüpfung von Beruflichem und Privatem. 'Für mich sind diese beiden Bereiche nicht getrennt', gibt einer der jungen Open-Space-Teilnehmer zu Protokoll. 'Ich will auch während der Arbeitszeit mit Freunden und Bekannten in Kontakt stehen – oft kommen aus diesem Kreis sogar neue, spannende Impulse für den Job.' Bei vielen großen Unternehmen – so seine Befürchtung – sei das allerdings nicht möglich. Zu eng sei das Korsett aus Hierarchie und traditionellen Strukturen.

Um diese Hemmschwelle abzubauen und eine Umgebung zu bieten, in der die Generation Internet ihren Innovations- und Vernetzungstrieb voll ausleben kann, empfehlen einige Arbeitsgruppen, neue Organisationsmodelle einzuführen. Ein Vorschlag: Projekt- statt Organisationsstrukturen. Auf diese Weise könnten sich die jungen Leute während eines überschaubaren Zeitraums in spannende Projekte einbringen, ohne dauerhaft in die Strukturen eines Unternehmens eingebunden zu werden. Allerdings sei dafür auch ein neues Leadership-Verständnis vonnöten: Statt lineare Karrierewege einzuschlagen, müssten sich Führungskräfte mit einer kompetenzbasierten Projektleitung auf Zeit anfreunden. Nach Auslaufen eines Projektes drohe im schlimmsten Fall der Rückschritt auf die Mitarbeiterebene. Ein weiterer Lösungsvorschlag: die Einführung von Vertrauensarbeitszeit, wie sie bereits in einigen Unternehmen praktiziert wird.

DNAdigital als Impuls für Veränderungen

Kurzum: Die DNAdigital ist eine energiegeladene Veranstaltung mit jeder Menge Impulse für die Unternehmensvertreter – so zumindest der Tenor der abschließenden Reflexionsrunde. Ob die Veranstaltung Früchte trägt, wird sich zeigen. Erste Samen für Veränderungen wurden auf jeden Fall gesetzt: So will die Deutsche Telekom eine Gruppe von Digital Natives unterstützen, die ein 'Ideenhaus' initiieren möchte. Die Plattform will junge Leute zur Ideenentwicklung zusammenbringen. Vertreter von Microsoft hingegen wollen den Dialog mit einer anderen Gruppe fortführen, die sich in Sachen Produktentwicklung engagiert.

Autor(en): (Stefanie Bergel)

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