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Disput über Testverfahren

Walter Simon gegen DISG-Anbieter persolog

Qualitätsmängel und Unwissenschaftlichkeit - so lauten die Vorwürfe, die sich derzeit Professor Dr. Walter Simon und die Firma persolog an den Kopf werfen. Zankapfel: Der von persolog vertriebene Persönlichkeitstest DISG, an dem Simon kaum ein gutes Haar lässt. managerSeminare mit Einblicken in die Argumentation beider Seiten.

Zum Eklat kam es am 30. Januar 2007, bei einem Treffen des Gabal-Regionalverbandes Hannover: Der Bad Nauheimer Trainer, Berater und Hochschulprofessor für Human-Resources-Management Dr. Walter Simon geriet mit Eberhard Jung, Verkaufsleiter der Firma persolog aus Remchingen, derart aneinander, dass viele der gut 70 Teilnehmer des Treffens entnervt den Saal verließen. Stein des Anstoßes war Simons Vortrag, in dem der Professor einen Selbstversuch umriss, den er im vergangenen Jahr unternommen hatte. Der Wissenschaftler hatte aus der 'naiven' Position eines Verbrauchers heraus 14 Persönlichkeitstests absolviert und deren Ergebnisse nach dem Motto 'Kommt überall das gleiche Bild der Person Walter Simon heraus?' miteinander verglichen. Resultat: In der Gesamtheit decken sich die Testergebnisse tatsächlich, doch es gibt auch einige Widersprüche.

Wie in seinem Buch 'Persönlichkeitsmodelle und Persönlichkeitstests', beleuchtete Simon auch in seinem Vortrag die Widersprüche zwischen den Ergebnissen sämtlicher Testverfahren im Allgemeinen - und griff darüber hinaus unter anderem zu einem punktuelleren Vergleich: Dabei stellte er die voneinander abweichenden Ergebnisse der beiden Tests Insights (Scheelen AG) und DISG (persolog) exemplarisch nebeneinander. Die Ergebnisse dieser beiden Verfahren hätten sich aus der Sicht Simons eigentlich viel stärker decken müssen. 'Weil die Tests zu einem Großteil ein gleiches Verständnis der Persönlichkeitseigenschaften haben, die sie ermitteln, und weil sie eine gemeinsame methodische Tradition haben', meint der Professor.

persolog-Verkaufsleiter Jung indes sah das Instrument DISG diskreditiert. Seine Meinung: Man könne Persönlichkeitstests, so wie es der Nicht-Psychologe Simon getan habe, nicht vergleichen. Die Tests würden schließlich mit unterschiedlichen modelltheoretischen Konstrukten arbeiten. Sein zweites Argument gegen den Simon’schen Selbstversuch: 'Eine Analyse mit einer Stichprobengröße von nur einer einzigen Person ist Unsinn.' Den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit wollte Sozialwissenschaftler Simon nicht auf sich sitzen lassen. Seine Argumentation: Ein Testvergleich, wie er ihn durchgeführt habe, sei in der Psychometrik zum Zweck der Eichung eines Tests üblich. 'Abgesehen davon, ist neben einer empirisch-statistischen Herangehensweise auch eine phänomenologisch-hermeneutische Auseinandersetzung mit einem Gegenstand in der Wissenschaft statthaft', so Simon.

Unwissenschaftliche Vorgehensweise?

Weil diese Argumentation die Gegenseite jedoch nicht vom Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit abrücken ließ, nahm Simon den DISG noch einmal genau unter die Lupe. Der Wissenschaftler konzentrierte sich dabei auf die DISG-Online-Auswertung, die er textanalytisch untersuchte. Insgesamt 151 logische Fehler bzw. Unzulänglichkeiten will der Wissenschaftler in dem Textdokument festgestellt haben: von sprachlichen Unverständlichkeiten bis hin zu widersprüchlichen Aussagen. Von persolog hieß es dazu zunächst, dass das Ergebnis in sich widersprüchlich sein müsse, da es verschiedene Facetten einer Person aufzeige (etwa wie sie gerne wäre, wie sie sich wirklich verhält und wie sie von anderen gesehen wird). Doch da Simon bei seiner Feststellung blieb ('Die meisten Widersprüche sind mit Sicherheit nicht auf normale Inkongruenzen im Testergebnis zurückzuführen') hat der DISG-Anbieter nun seinen Partner, die Universität Koblenz-Landau beauftragt, ein DISG-Gutachten zu erstellen. Man wolle jedem einzelnen Vorwurf nachgehen, erklärte persolog-Geschäftsführer Friedbert Gay gegenüber managerSeminare. 'Denn wenn wir Punkte finden, die tatsächlich problematisch sind, wären wir die Letzten, die sich nicht darüber freuen würden, ihr Instrument optimieren zu können', so Gay. Man darf also gespannt sein, wie der Disput 'Simon gegen persolog' weiter- bzw. ausgeht. (jum)

managerSeminare, Heft 109 vom 23.03.2007 (4219 Zeichen)



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