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Psychologen und Nicht-Psychologen arbeiten ähnlich

Studie zur Coaching-Praxis

Sollten Coachs eine psychologische Ausbildung haben? Oder ist das unnötig, gar kontraproduktiv? Die Frage wird in der Coaching-Szene kontrovers diskutiert. Einer neuen wissenschaftlichen Studie unter 428 Coachs zufolge, die an der University of Minnesota erstellt worden ist, könnte man sich die Diskussionen sparen. Denn: Unterschiede zwischen Coachs mit und ohne psychologischen Background sind auf Basis der Datenlage zwar nachweisbar, sie sind jedoch aus Sicht der Forscher so gering, dass sie kaum den Schluss zulassen, dass ein Coach, der ein Psychologiestudium hinter sich hat, generell anders arbeitet als ein Coach ohne Psychologen-Diplom. Gewisse Unterschiede konnten die Studienautoren aber ausmachen: So präferieren Psychologen-Coachs das klassische Face-to-face-Setting stärker als andere Coachs, die häufiger auch per Telefon oder online coachen. Hinsichtlich der Methodenauswahl verraten die Daten, dass die ausgebildeten Psychologen unter den Coachs stärker mit Diagnose- und Analyseverfahren (etwa Persönlichkeits- und Fähigkeitstests) arbeiten und Performance-Daten über den Klienten einholen – und zwar (z.B. per Interview) auch von dessen Vorgesetzen und Kollegen. Psychologen legen laut Studie auch eine größere Skepsis gegenüber Methoden und Ansätzen an den Tag, deren Validität in Zweifel gezogen werden kann. So setzen sie beispielsweise seltener auf NLP als andere Coachs.

Die Neigung zur gründlichen Analyse sowie die Vorliebe für valide Verfahren scheint zwar auf den ersten Blick dafür zu sprechen, Psychologen seien die besseren Coachs. Doch warnt das Autorenteam um Joyce E. Bono vor diesem Schluss: Denn die Unterschiede zwischen Coachs mit unterschiedlichem psychologischen Background (klinische Psychologie, Organisationspsychologie usw.) hätten sich in der Untersuchung als ebenso groß erwiesen wie die Unterschiede zwischen coachenden Psychologen und coachenden Nicht-Psychologen. Statt darauf zu schauen, ob ein Coach eine psychologische Ausbildung hat oder nicht, sollten Auftraggeber lieber fragen, was genau der Coachee braucht (mehr Einsicht, größere Motivation, eine Verhaltensänderung oder bestimmte Skills?) und welchen Coach er dementsprechend benötigt: jemanden, der ihm hilft Ziele zu klären und der eine Einsicht fördert, oder eher jemanden, der ihm hilft, sich neue Skills anzueignen bzw. eigene Skills auszubauen?

(jum)

managerSeminare, Heft 138 vom 21.08.2009 (2397 Zeichen)

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