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Unternehmen behalten einen kühlen Kopf

Personalpolitik in Krisenzeiten

Eine Art Krisenbarometer der Personalarbeit hat das Institut für Beschäftigung und Employability (ibe) unter der Federführung von Professor Dr. Jutta Rump veröffentlicht. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Vergleichsstudie, die Konstanten und Veränderungen in der Personalpolitik innerhalb eines halben Jahres Wirtschaftskrise aufzeigt. Demnach haben sich die deutschen Unternehmen in puncto Personalpolitik zwischen Frühjahr und Spätherbst 2009 relativ besonnen verhalten.

Die Studie erfolgte in drei Durchgängen: Beim ersten Durchgang, im März 2009, wurden per Kurzinterview in 100 Unternehmen Handlungsfelder und Maßnahmen zusammengetragen, die in Krisenzeiten mit der Personalarbeit generell in Verbindung gebracht werden. Im Mai 2009 wurden 343 Entscheider aus Unternehmen anhand dieser Vorlage zu ihrem konkreten Personalmanagement in Zeiten der Krise befragt. Von diesen 343 Managern beteiligten sich im November und Dezember 2009 wiederum 154 an einem weiteren Befragungsdurchgang. Die Forscher fragten jeweils nach den als wirklich bedeutsam erachteten Handlungsfeldern des Personalmanagements, nach Maßnahmen, die zum gegebenen Zeitpunkt als wichtig erachtet und bereits umgesetzt wurden, und nach Maßnahmen, die als wichtig erachtet und geplant oder in Erwägung gezogen wurden.

Als wichtigste Handlungsfelder der Personalpolitik kristallisierten sich bei der Befragung im Mai 2009 Kommunikation und Verhalten, Führung und Qualifizierung heraus. Die erneute Befragung im Herbst hat daran nicht viel geändert. Allerdings stiegen die Akzeptanzwerte der 'harten' Handlungsfelder 'Reduktion des Personalbestandes' und 'Veränderung des Arbeitsortes' (z.B. temporäre Versetzungen) um je zehn Prozentpunkte relativ stark an. Gleichwohl rangieren die beiden Punkte immer noch am Ende der Prioritätenliste. Auch die Ergebnisse in der Kategorie der bereits umgesetzten wichtigen Maßnahmen stützen diesen Eindruck: Nach wie vor wird auf harte Maßnahmen wie betriebsbedingte Kündigungen, den Verkauf von Betriebsteilen und die Veränderung der Personalstruktur eher verzichtet. Dagegen führen Maßnahmen wie 'Vertrauen schaffen', 'offene Kommunikation' und 'Qualifizierung von Mitarbeitern' die Liste im Herbst 2009 immer noch an. Der Faktor Qualifizierung von Mitarbeitern stieg in der Gunst der Unternehmen sogar weiter an und steht nun an erster Stelle der als wichtig erachteten umgesetzten Maßnahmen. Häufiger als im Frühjahr wird nun auch der Faktor 'interpersonelle Fairness' genannt. Ebenso stieg die Beliebtheit von variablen Gehaltsstrukturen.

Starke Veränderungen bei geplanten oder in Erwägung gezogenen Maßnahmen

Starke Veränderungen in der Prioritätenliste gegenüber dem Frühjahr lassen sich allerdings erkennen, wenn es um Maßnahmen geht, die von den Unternehmen bisher lediglich geplant sind oder in Erwägung gezogen werden. Erstmals tauchen hier nun härtere Maßnahmen verstärkt auf, z.B.: 'Ermutigung von Mitarbeitern, sich weiterzubilden', 'Professionelles Trennungsmanagement' sowie 'Erstellung vom Best Case zum Worst Case und die Diskussion mit den Entscheidungsträgern'. Letzteres bedeutet: 'Es wird offen und unverblümt dargelegt, wie die Entwicklung schlimmstenfalls verlaufen könnte, und die daraus resultierenden Handlungen werden zur Diskussion gestellt', erläutert Rump. Andere Maßnahmen wurden zwar auch schon im Mai 2009 als geplant oder angedacht genannt, nun jedoch häufiger. Das gilt z.B. für die Faktoren 'Überprüfung von freiwilligen Leistungen' und 'befristete Arbeitsreduktion für bestimmte Beschäftigtengruppen'.

'Das Klima wird härter, dennoch agieren die Unternehmen weiterhin sehr umsichtig. Sie versuchen, ihre wertvollen Fachkräfte zu halten', kommentiert ibe-Chefin Jutta Rump die Ergebnisse. Das habe sie so eigentlich nicht erwartet, sagt Rump: 'Wäre ich im September 2009 nach meiner Einschätzung gefragt worden, hätte ich geantwortet, dass der Personalabbau wahrscheinlich deutlich an Fahrt gewinnen wird.' Indes: Sollte die Krise anhalten, sei zu erwarten, dass schließlich vermehrt Personal abgebaut wird. Allerdings, so Rump, werden die Unternehmen dabei voraussichtlich stark differenzieren und sich vor einem Generalkahlschlag hüten. Rump wird, sofern die Krise anhalten sollte, weiter am Ball bleiben und die Firmen im Mai 2010 wieder um Auskunft bitten.
(jum)

managerSeminare, Heft 144 vom 19.02.2010 (4415 Zeichen)

Die Studienergebnisse stehen hier zum kostenlosen Download bereit ...



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