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Wie ticken Weiterbildungsbetriebe?

Organisationsforschung

Was unterscheidet Weiterbildungsorganisationen voneinander? Und vor allem: Was eint so verschiedene Unternehmen wie eine Weiterbildungsakademie mit 1.300 Mitarbeitern und eine ländliche Zwei-Personen-Volkshochschule? Diesen Forschungsfragen geht ein Team um Professor Dr. Rainer Zech, dem ersten Vorsitzenden des ArtSet Instituts für kritische Sozialforschung und Bildungsarbeit e.V., nach. Das große Ziel ist eine allgemeine Theorie der Weiterbildungsorganisation und parallel dazu eine für diesen Organisationstyp angemessene praktische Managementkonzeption. Denn: 'Eine solche Theorie gibt es bisher nicht. Mit der Folge, dass Steuerungsmechanismen aus anderen wirtschaftlichen Bereichen oft unreflektiert auf Weiterbildungsorganisationen übertragen werden, ohne die Besonderheit pädagogischer Organisationsformen zu berücksichtigen, was zu internen Widersprüchen und Spannungen führen kann', so Zech. Von seinem Hauptziel ist das Forschungsteam zwar noch um einiges entfernt. Doch legte es in Gestalt des Buches 'Organisationen in der Weiterbildung: Selbstbeschreibungen und Fremdbeschreibungen' (erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften) kürzlich interessante erste Ergebnisse vor.

Fahndung nach Mustern der Selbstrepräsentation

Es handelt sich dabei um wissenschaftliche Beschreibungen verschiedener Identitätstypen von Weiterbildungsorganisationen, auf der Grundlage von Selbstbeschreibungen, die Unternehmen im Zuge des Zertifizierungsverfahrens LQW beim ArtSet-Institut eingereicht haben. 'Diese Selbstbeschreibungen haben wir nicht dahingehend analysiert, was die Unternehmen – etwa in Sachen Lehr- und Lernprozesse, Kundenkommunikation, Evaluation und Personalmanagement – über sich sagen. Wir haben vielmehr geschaut, auf welche Art sie etwas sagen, wir haben nach wiederkehrenden Mustern ihrer Selbstrepräsentation gesucht', erläutert Zech. Die These dahinter: Die Organisation bildet über die Selbstdarstellung ihre Identität aus. Beispiel: Jedes Unternehmen hat seine Kennzahlen. Doch wenn es gilt, die Frage 'Wie gestalten Sie Ihr Controlling?' zu beantworten, schreiben manche Unternehmen nicht auf, was sie machen, sondern geben vielmehr die Antwort: 'Unser Steuerberater bestätigt uns ein exzellentes Controlling.'

'Solch ein Auskunftsverhalten ist in der Regel ziemlich konsistent in allen Bereichen', erläutert Zech. In der Untersuchung wird der entsprechende Unternehmenstyp als 'narzisstisches Unternehmen' bezeichnet. Insgesamt fünf Typen von Weiterbildungsorganisationen mit ihren jeweiligen blinden Flecken beschreibt das Forschungsteam um Zech: neben dem narzisstischen einen familiären Typ, einen dienenden, einen funktionalen und einen souveränen Typ. Die Organisationen, anhand derer die Typen beschrieben werden, sind ein kommerzieller Bildungsanbieter, eine kommunale VHS, ein konfessionelles Bildungswerk, ein gemeinnütziges Bildungsinstitut, und die Aus- und Weiterbildungsabteilung eines Unternehmens. Das heißt allerdings nicht, dass jedes konfessionelle Bildungswerk dem dienenden Typ zuzurechnen wäre oder jeder kommerzielle Bildungsanbieter dem funktionalen Typ, betont Zech.

Die Studienergebnisse sind vor allem für Berater von Interesse

Interessant ist das Wissen darum, durch welchen Habitus bzw. Stil eine Weiterbildungsorganisation geprägt ist, v.a. für Berater. 'Als Berater muss man an die Spezialsemantik einer Organisation anknüpfen. Man muss aber auch angemessen verstören können, und das bedeutet, dass man die blinden Flecken der Organisation kennen muss', erklärt Zech. Als Beispiel nennt der ArtSet-Chef den Typus der sogenannten familiären Organisation, im vorliegenden Fall beschrieben anhand der VHS. 'Der Tenor lautet dort: 'Wir entscheiden alles gemeinsam.' Dieses Gefühl der Hierarchiefreiheit sorgt meist für exzellente persönliche Beziehungen in der Organisation. Der Nachteil ist aber: Wenn man sich derart familiär aufbaut, kann man bestimmte Steuerungskapazitäten nicht mehr einsetzen', erklärt Zech. Am Berater wäre es dann, das Familiäre im Bereich der Pädagogik zu bewahren, es aber als Steuerungsmodus der Organisation zurückzufahren. Zech und seine Mitarbeiter wollen ihre Forschungsarbeit nun anhand weiterer Samples fortsetzen und die verbindenden Elemente zwischen den Einzeltypen ermitteln.
(jum)

managerSeminare, Heft 146 vom 23.04.2010 (4413 Zeichen)

Weitere Informationen können bei Prof. Zech erfragt werden:
zech@artset.de



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