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... außer Kontrolle geraten

Geldwirtschaft

„Immer dann, wenn es in der ökonomischen Realität anders zugeht, als es die Modelle der Wirtschaftslehrbücher vorschreiben, sollten die Ökonomen, statt in der Rumpelkammer überholter Theorien herumzustöbern, nach den monetären Ursachen der Krise fahnden.”


Das Eingangszitat hat der in Frankfurt lehrende Wilhelm Hankel seinen Kollegen schon vor Jahren ins Stammbuch geschrieben. Diese aber ordnen dem Geld weiterhin keine eigenen Wirkungen zu, sehen es lediglich als `Äquivalent´ für die zu tauschenden Güter, als `neutralen Schleier´ oder `Schmiermittel´ im Wirtschaftsgeschehen. Dabei beziehen sich die von Hankel angesprochenen „monetären Ursachen” keineswegs nur auf die ökonomische Krise, sondern ebenso auf die ökologischen und sozialen Problementwicklungen.

Von Problemen redet man beim Geld im allgemeinen, wenn man nicht genug davon hat. Dieses Problem aber läßt sich mit Hilfe einer Bank meist leicht beheben. Selbst Schülern werden bereits auf Girokonten Überziehungsmöglichkeiten eingeräumt und Hausfrauen brauchen für einen Kaufkredit im Warenhaus nur ihren Ausweis vorzulegen. Doch damit werden die wirklichen Geldprobleme keinesfalls gelöst, eher fangen sie damit an. Denn Schuldenmachen führt allzuschnell zur Überschuldung und diese beginnt bereits, wenn die Schulden rascher steigen als das Einkommen. Das gilt nicht nur für den Privatmann oder Unternehmer, sondern auch für jede Gemeinde und jeden Staat. Dabei ist die vieldiskutierte Überschuldung unseres Staates keineswegs eine Folge der Wiedervereinigung, wie manche immer noch vermuten. Sie begann bereits 1973 (siehe Darst. 1) und bewegte Bundeskanzler Kohl beim Amtsantritt 1982 zu der Klage, „… die Neuverschuldung reicht kaum noch aus, um die jährliche Zinslast zu bezahlen.”

Das heißt, die Bundesregierung pflegte damals bereits, wie die Entwicklungsländer, die Zinsbedienung der alten Schulden mit neuen zu finanzieren. Und so blieb es denn auch weiterhin: Von 1982 bis 1992 summierten sich die Zinszahlungen des Staates auf 680 Mrd DM, die zusätzlichen Schuldenaufnahmen auf 650 Mrd DM. Für die Gesamtverschuldung von über 1.300 Mrd Mark zahlt der Staat inzwischen „alle vier Minuten eine Million Mark Zinsen”, wie Ingrid Matthäus-Maier im Sommer `93 der Bundesregierung vorgerechnet hat. Das sind pro Tag 360 Mio. DM, im Jahr rund 130 Milliarden!

Von 1950 bis 1990 nahm die Gesamtverschuldung unserer Volkswirtschaft dreimal so rasch zu wie das Sozialprodukt. Bei den Produktionsunternehmen stieg die Verschuldung in den 40 Jahren auf das 63fache, ihre Wertschöpfung jedoch nur auf das 20fache. Auch die Konsumentenschulden, lange Zeit nur eine unscheinbare Größe, explodierten in den letzten Jahren geradezu. Und mit insgesamt 5.092 Mrd DM war die westdeutsche Gesamtverschuldung Ende 1992 rund 1,8mal so groß wie das Bruttosozialprodukt, aus dem sie mit Zinsen bedient werden muß. Umgelegt auf die westdeutschen Haushalte bzw. Erwerbstätigen, mußte 1992 bereits jeder für rund 170.000 DM Schulden und 13.000 DM Zinsen geradestehen, davon alleine 3.500 DM für die Verschuldung des Staates. Denn so wie die Unternehmer diese Lasten über die Preise an die Endverbraucher weitergeben, so der Staat über Steuern und Gebühren…

Helmut Creutz

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