Wie Sie ein besserer Zuhörer werden
Interessieren Sie sich für Menschen, mit denen Sie reden. Seien Sie neugierig darauf, wie der andere die Welt sieht, was Sie in diesem Gespräch erfahren und was Sie dazulernen können. Trifft einer dieser Punkte zu, haben Sie die Königsstraße auf dem Weg zum besseren Zuhörer bereits beschritten. Trifft keiner zu, wissen Sie jetzt, warum es bisher noch nicht so gut geklappt hat. Denn Interesse und Neugierde sind eine Grundlage, um die Sie nicht herumkommen.
Wenn Sie auf dieser Basis Ihren 'Zuhör-Muskel' so trainieren, wie Sie im Fitnessstudio Ihren Bizeps aufbauen - nämlich regelmäßig und ohne ihn zu überfordern - können Sie eine Verbesserung Ihrer Gesprächs- und Arbeitsergebnisse kaum verhindern.
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Interesse und Neugierde sind Grundlagen für gutes Zuhören.
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Die Do’s und Don’ts beim Zuhören
Was Sie beim Zuhören tun sollten:
- Finden Sie eine innere Haltung, in der Sie Ihr Gegenüber akzeptieren können (partnerschaftliche Einstellung).
- Schauen Sie den anderen an. Vorsicht: Kein Pokerface und kein Wettkampf nach dem Motto: Wer hält das jetzt am längsten aus? Nicken Sie mit dem Kopf und richten Sie Ihren Körper auf ihn aus, indem Sie eine ihm zugewandte Körpersprache einnehmen.
- Ihr Gegenüber nimmt eine offene Körperhaltung positiver auf. Offen heißt, dass viel von Ihnen zu sehen
ist – und wenig verdeckt ist; sei es durch verschränkte Arme, die Hand vor dem Mund, große Blumengebinde zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner. Offen heißt auch: Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Gegenüber Ihre Unterlagen einsieht, legen Sie sie einfach etwas weiter weg – und verdecken Sie sie nicht, indem Sie Ihren Ellenbogen darüber legen wie damals in der Schule.
- Senden Sie immer wieder – und nicht mechanisch – zuhörbestätigende Signale: Laute, die unter den Begriff 'Brummsprache' passen. Achtung: Dies muss ehrlich gemeint sein. Probieren Sie doch am Telefon einmal aus, diese Laute wegzulassen. Meine Vermutung: Es dauert nicht mal eine Minute und Ihr Gesprächspartner fragt: 'Sag mal, hörst du mir noch zu?'
Fehler, die Sie beim Zuhören vermeiden sollten:
- Sie schauen alle 2 Minuten auf die Uhr.
- Sie nehmen Telefongespräche entgegen, gerne auch ausführlich.
- Sie füllen nebenher Packlisten aus.
- Sie schauen permanent aus dem Fenster oder fixieren den anderen mit einem Blick, bei dem selbst Billy the Kid sich freiwillig ergeben hätte.
- Sie benutzen den anderen als Stichwortgeber, um an allen unpassenden Stellen zu erzählen, wie toll Sie sich in ähnlichen Situationen verhalten haben.
- Sie unterbrechen und verbessern Ihren Gesprächspartner (Ihr Lateinlehrer wäre stolz auf Sie).
- Sie stellen Ihrem Gegenüber Detailfragen mit auffällig inquisitorischer Note.
Zuhör-Killer:
- Zeitmangel
- Ausdruck geringer Wertschätzung
- Dauerreden
- autoritäre Handlungen
- Rechthaberei
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Checkliste
- Haben Sie Zeit für das Gespräch?
- Wenn nein, finden Sie einen Alternativtermin.
- Wenn das Gespräch trotzdem geführt werden muss, haben Sie Ihre Folgetermine verschoben?
- Haben Sie die Menschen informiert, die von der Verschiebung betroffen sind?
- Haben Sie externe Störungen ausgeschaltet (Telefone etc.)?
- Haben Sie genug 'mentalen Arbeitsspeicher' frei, um sich auf Ihr Gegenüber zu konzentrieren?
- Wenn nein, notieren Sie die Dinge und Themen, die Ihnen durch den Kopf gehen, und vermerken Sie, wann Sie sich wieder darum kümmern wollen.
- Gibt es noch etwas mit Ihrem Gesprächspartner zu klären, bevor Sie sich ganz auf das aktuelle Thema einstellen können?
- Wenn ja, was ist es und wie wollen Sie es thematisieren?
- Was können Sie sonst noch tun, um sich auf Ihren Gesprächspartner einzustellen?
- Was interessiert Sie an Ihrem Gesprächspartner?
- Worauf sind Sie neugierig?
- Finden Sie innerlich und körpersprachlich eine offene Haltung.
- Halten Sie Blickkontakt.
- Überprüfen Sie immer wieder, ob Sie den anderen richtig verstanden haben.
- Haken Sie ein, wenn Sie den roten Faden verlieren - oder Ihr Gesprächspartner zu lange redet.
Zwei Trainings-Übungen für richtiges Zuhören
Übung 1
Teilen Sie Ihre Leute in zwei Gruppen. Die Mitglieder der einen Gruppe bekommen die Aufgabe, eine Geschichte oder Begebenheit zu erzählen (Thema nach Wahl, einziges Kriterium: sie müssen fünf Minuten am Stück darüber reden können), die Mitglieder der anderen Gruppe bekommen den Auftrag zuzuhören.
Die Erzähler-Gruppe geht kurz raus - die Zuhörgruppe wird folgendermaßen gebrieft:
'Die ersten zwei Minuten drücken Sie so gut wie möglich aus, dass Sie wirklich und intensiv zuhören (Nicken, Ja-sagen, Blickkontakt, ...). Nach zwei Minuten - ich gebe Ihnen durch ein Räuspern ein Zeichen - ändern Sie Ihr Zuhörverhalten: Jetzt tun Sie alles, um Abwesenheit und Desinteresse auszudrücken.'
Die Erzähler-Gruppe kommt herein, jeder sucht sich einen Gesprächspartner - und auf geht’s. Nach fünf Minuten lösen Sie die sicher schwierig gewordenen Gespräche
auf, lüften das Geheimnis für die Erzählergruppe und sammeln mit den Teilnehmern Do´s und Don’ts beim Zuhören.
Übung 2
Zwei Partner finden sich und legen fest, wer Person A ist und wer Person B. Dann einigen sie sich auf ein Thema, über das sie diskutieren wollen. Vorsicht:
Wenn das Thema zu flach ist, wird’s schwierig, z.B. das Wetter.
Jetzt geht’s los:
- A vertritt eine These.
- B hört zu und gibt diese These mit eigenen Worten wieder.
- A bestätigt, richtig verstanden worden zu sein - oder sagt 'Nein, so habe ich das nicht gemeint, sondern ...'.
- Jetzt muss B erneut versuchen, A richtig wiederzugeben.
- B darf erst dann eine eigene These formulieren, wenn A ihm bestätigt: 'Ja, Sie haben mich richtig verstanden.'
- A gibt nun seinerseits die These von B wieder und B muss bestätigen - oder eben korrigieren.
Nach diesem Muster können Sie die Übung (Dominikaner-Übung genannt) acht bis zehn Minuten laufen lassen.
Die Übung zeigt, wie schwer es ist, sich wirklich auf den anderen einzustellen. Mit der Übung wird die Kompetenz trainiert, sich in Gesprächen immer wieder rückzuversichern:
'Ja, wir reden noch über die gleiche Sache, ich habe verstanden, worauf Sie hinauswollen.'
Nehmen Sie diesen Punkt auch in die Reflexion des Rollenspiels auf:
- Haben die jeweiligen Sprecher den Eindruck gehabt, dass ihr Gesprächspartner ihnen zuhörte?
- Woran haben sie körpersprachlich festgemacht, dass der eine dem anderen zuhört?
- Sind die Zuhör-Do´s (s.o.) eingesetzt worden?
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