Die Fähigkeit zur Verwandlung
Vielleicht ist ja etwas dran, dass in jedem Menschen ein uralter Traum wirkt: der Wunsch, sich wie die Götter nach Belieben verwandeln zu können. Die Fähigkeit zur Verwandlung macht stark und mächtig - sie erweitert das Repertoire des Selbst und lässt nach Belieben auf der Klaviatur der Erscheinungsformen und ihrer Möglichkeiten spielen. Zeus gelingt es in der Gestalt eines prachtvollen Stiers das Interesse der schönen Europa zu wecken und sie zu entführen.
Gleichzeitig scheint aber auch eine tiefe Angst davor zu wirken, von bösen Mächten verwandelt zu werden. Dann verlieren Menschen ungewollt ihre Gestalt - sie sind nicht mehr sie selbst, das gewohnte Repertoire, die bewährten Mechanismen greifen nicht mehr. Das macht schwach und verletzlich. Auch ist aus Märchen und Erzählungen hinreichend bekannt, wieviel Mühen dann mit
der ersehnten Erlösung verbunden sind. Und ohne Hilfe von außen funktioniert dabei gar nichts.
Im 'Froschkönig' muss der in den Frosch verwandelte Prinz hartnäckig werben und nerven, bis die Prinzessin ihn endlich an die Wand wirft und er erlöst ist. So geht das Thema der Verwandlung gleichzeitig mit großer Neugierde und mit großen Ängsten einher.
Das Theaterspielen aber erfordert die Verwandlung, mehr noch: es lebt davon.
Wahrscheinlich haben Sie es als Trainer, der in einer (unerfahrenen) Gruppe Theaterspiel als Methode einsetzen möchte, bei Ihren Teilnehmern mit entsprechend unterschiedlichen und auch
ambivalenten Haltungen zu tun: Einige 'geborene' Schauspieler können nicht schnell genug auf der Bühne stehen und sind ganz wild darauf, in andere Rollen zu schlüpfen. Andere Teilnehmer kostet es große Überwindung. Wieder anderen wohnen beide Seelen in der Brust, und es hängt von der Tagesform ab, welche der Seelen die Oberhand gewinnt.
Immer kommt es darauf an, die Vorsichtigen und Unentschlossenen zu gewinnen, ohne die 'geborenen Schauspieler' zu bremsen. Das A und O dabei ist die Schaffung einer tragfähigen, einerseits geschützten, andererseits kreativen und experimentellen Atmosphäre, in der die einen sich 'austoben' können und in der es den anderen möglich ist, Mut zur Darstellung zu entwickeln und Risiken einzugehen.
Wie Sie Gruppen aufs Theaterspielen vorbereiten
Wenn Sie als Trainer eine Gruppe auf das Theaterspielen vorbereiten möchten, können Sie dafür verschiedene Methoden einsetzen. In folgendem Beitrag (aus: 'Training mit Theater') stellen wir Ihnen sieben Methdoden vor (mit konkreten Beispielen und Übungsanleitungen). Die Methoden können (und sollten sogar) miteinander kombiniert werden:
- Darstellende Spiele
- Übungen zur Körperlockerung und -wahrnehmung
- Ausdruckstraining
- Imagination
- Spielaufgaben und -übungen
- Verwandlung und Verkleidung
- Bühnenbau und -gestaltung
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